Nikita Fedotov springt während des ersten Wettkampftages des dritten Stopps der Red Bull Cliff Diving World Series 2024 in Polignano a Mare, Italien am 28. Juni 2024.
© Romina Amato/Red Bull Content Pool
Cliffdiving

Cliff-Diving-Guide: Alles, was für ein gelungenes Event notwendig ist

Finde heraus, welche Ausrüstung für einen Stopp der Red Bull Cliff Diving World Series benötigt wird und welche Teams hinter den Kulissen dafür sorgen, dass all das überhaupt möglich ist.
Von: Lucy Debenham
8 min readveröffentlicht am
Die Red Bull Cliff Diving World Series feierte in dieser Saison ihren 100. Stopp und wird beim sensationellen Finale in Sydney, Australien, in diesem Jahr den Meilenstein von 106 Events erreichen. In ihrer 15-jährigen Geschichte hat die World Series die älteste Extremsportart der Welt rund um den Globus repräsentiert und gefeiert.
Hier erfährst du, was es braucht, um einen Red Bull Cliff Diving World Series-Stopp in jeder Art von Terrain zu veranstalten, von wilden, zerklüfteten Klippen an abgelegenen Orten bis hin zu beeindruckenden städtischen Skylines - und allem, was dazwischen liegt.

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Der Schauplatz: die Tauchplattform

Die Kulisse steht: ein Diver, der mit den Zehen über die Spitze der Sprungplattform ragt, umrahmt von einer atemberaubenden Kulisse und einem haarsträubenden 21- oder 27-Meter-Sprung zwischen der Plattform und der Wasseroberfläche, bereit, in weniger als drei Sekunden eine Reihe von komplexen Manövern auszuführen, während er mit 85 km/h fällt. Es ist eine ikonische Szene, die sich in jeder Runde und bei jedem Stopp des Wettbewerbs wiederholt.
Von Zeit zu Zeit springen die Athlet:innen auch von einer natürlichen Stelle aus, wie zum Beispiel von der zerklüfteten Klippe, die beim Saisonauftakt 2024 über dem Vouliagmeni-See in Griechenland aufragte, oder von einem speziell ausgewählten Ort wie der berühmten Stari-Most-Brücke in Mostar. Diese Sprünge finden normalerweise in den früheren Runden statt, während der einfacheren Pflichttauchgänge.
Carlos Gimeno aus Spanien bereitet sich auf den Tauchgang beim ersten Stopp der Red Bull Cliff Diving World Series 2024 am Vouliagmeni-See in Athen, Griechenland, am 24. Mai 2024 vor.

Carlos Gimeno kurz vor einem Sprung direkt von der Klippe in Griechenland.

© Romina Amato/Red Bull Content Pool

Mit dem Fortschreiten der Wettbewerbsrunden und der steigenden komplexität der die Sprünge wird bei jedem Event schlussendlich auf die Plattform der Red Bull Cliff Diving World Series gewechselt, womit sich die Frage stellt: Wie genau sind diese konstruiert?
Die einfache Antwort: Es kommt darauf an. Die Location bestimmt die Bauweise der Plattformen, wobei jeder Tauchturm an die örtlichen Gegebenheiten angepasst wird. In Mostar zum Beispiel hat das Team von Riggern eine stabile Holzkonstruktion gebaut und sie über Nacht an der geschützten Brücke und den umliegenden Gebäuden in der Altstadt angebracht. Aber in Oslo, wo die Sprünge von einer Plattform aus umgesetzt werden, die aus dem Dach des Osloer Opernhauses herausragt, wird ein Kran benötigt, um die 30 Meter lange Plattform anzuheben und zu sichern.
An anderen, wilderen und abgelegeneren Orten wie den Azoren bauen die Rigger die Plattformen von Hand auf und achten darauf, die natürliche Umgebung so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Wie auch immer der Ort aussieht, die Planung dauert Wochen und Monate, um den perfekten, sicheren und spektakulären Cliff-Diving-Spot für jeden Wettbewerb einzurichten.
Oleksiy Prygorov aus der Ukraine taucht während der zweiten Station der Red Bull Cliff Diving World Series 2024 in Boston, USA, am 8. Juni 2024.

Die Plattformen vor dem Institute of Contemporary Art in Boston.

© Dean Treml/Red Bull Content Pool

Simone Leathead aus Kanada taucht bei der Red Bull Cliff Diving World Series in Takachiho, Japan am 2. August 2023.

Die atemberaubende Takachiho-Schlucht erfordert ein völlig anderes Setup.

© Romina Amato/Red Bull Content Pool

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Notwendige Ausrüstung

Badebekleidung
Das Kleidung, die die Athlet:innen bei den Wettkämpfen tragen, ist relativ einfach gestrickt. Die Männer tragen in der Regel eine Badehose und die Frauen einen ein- oder zweiteiligen Badeanzug ihrer Wahl. Wie bei jeder Wassersportart hat in dieser Hinsicht jeder seine eigenen Vorlieben, was den Komfort und die Straffung des Körpers angeht, vor allem wenn es darum geht, den perfekten Sprung hinzulegen.
Herzfrequenzmesser
Viele der Athlet:innen tragen auch einen Pulsmesser, der an einem Arm befestigt ist. Er zeigt die Adrenalinwerte an, wenn sie sich dem Rand der Plattform nähern, um sich ins Wasser zu stürzen.
Die Athleten stehen am zweiten Wettkampftag der Red Bull Cliff Diving World Series in Mostar, Bosnien und Herzegowina, am 8. September 2023 auf dem Stari Most.

Cliff-Diving-Bekleidung ist simpel: Badeanzug, Flip Flops und der "Shammy".

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Badeschuhe
Die Diver haben auch Strandschuhe an, die sie auf dem Weg zur und von der Location sowie beim Erklimmen des Turms tragen. So bleiben ihre Füße trocken und sauber.
Das "Shammy"
Das "Shammy" ist ein weiteres häufig verwendetes - und oft nachgefragtes - Utensil für Cliff Diver. Es handelt sich dabei um ein kleines, saugfähiges Handtuch, das den Athlet:innen hilft, sich vor jedem Sprung genau richtig abzutrocknen, so dass die Haut leicht klebrig bleibt, um den Halt beim Absprung zu gewährleisten. Es mag nur ein winziges Detail der Cliff-Diving-Ausrüstung sein, aber seine Bedeutung sollte nicht unterschätzt werden: Verlierst du beim Absprung die Haftung oder rutscht gar aus, kann das den Verlust wertvoller Punkte nach sich ziehen und im Extremfall musst du dich auf eine harte Landung gefasst machen.
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Die Sicherheitscrew

Wenn du die Red Bull Cliff Diving World Series auf Red Bull TV verfolgst, wirst du mit Sicherheit auf das Team von Sicherheitstauchern aufmerksam werden, das sich fast direkt unter der Plattform formiert. Sie sind die unbesungenen Helden der World Series, da sie bei jedem Sprung vor Ort sind und nach dem Rechten sehen.
Eine wichtige Funktion ist aber auch, dass sie mit ihren Händen das Wasser aufwirbeln und damit spritzen. Das ermöglicht es den Athlet:innen, die Wasseroberfläche zu sehen, die je nach Bedingungen spiegelnd oder glasig sein kann. Wenn die Oberfläche in Sichtweite ist, kann der Diver in Sekundenbruchteilen Berechnungen und Anpassungen vornehmen, um den perfekten Einstieg zu schaffen.
Meili Carpenter aus den USA taucht während des ersten Stopps der Red Bull Cliff Diving World Series am See Vouliagmeni in Athen, Griechenland, am 25. Mai 2024.

Die Sicherheitstaucher warten, während Meili Carpenter in Athen taucht.

© Dean Treml/Red Bull Content Pool

Eine weitere Aufgabe der Sicherheitstaucher ist es, den Eintauchbereich zu beobachten und zu überwachen und die Athlet:innen nach jedem Sprung in Sicherheit zu bringen. Sobald diese mit dem Wasser in Berührung kommen, tauchen die Sicherheitstaucher unter die Oberfläche, um sicherzustellen, dass der Einstieg sicher und erfolgreich war. Sollte jemand nicht richtig eingetaucht sein oder sich eine Verletzung zugezogen haben, ist das Sicherheitsteam zur Stelle und kümmert sich um die Situation.
Die Sicherheitsvorkehrungen gelten jedoch nicht nur während des Events -- es gibt monatelange Vorbereitungen, um die Locations auszukundschaften und erneut zu überprüfen, wenn die World Series etwa eine Woche vor Beginn des Wettbewerbs vor Ort eintrifft.
Hassan Mouti, Red Bull Cliff Diving Competition Director, erklärt: "Wenn wir vor dem Event vor Ort ankommen, schicken wir immer ein oder zwei Taucher los, um die Spots zu kontrollieren, denn man weiß nie, ob sich etwas verändert hat - ob sich ein Felsen bewegt oder sich der Sand formiert hat. Wir überprüfen auch, ob die Sprays funktionieren, um den weißen Schaum zu erzeugen, damit die Athlet:innen ein visuelles Zeichen haben. Wenn das Spray nicht funktioniert, müssen die Sicherheitstaucher die Spritzer machen. Wir überprüfen auch immer die Richtung der Strömung, damit die Sicherheitstaucher beim Einstieg die richtige Position einnehmen können."
"Es sind viele Elemente, die wir beachten, um sicherzustellen, dass das Risiko so gering wie möglich ausfällt. Wir haben einen Arzt vor Ort, sowie ein oder zwei Boote und zwei oder drei Krankenwagen als Vorsichtsmaßnahme."
Maria Paula Quintero aus Kolumbien taucht während des zweiten Stopps der Red Bull Cliff Diving World Series in Paris, Frankreich am 17. Juni 2022.

Jede Location stellt das Cliff Diving-Sicherheitsteam vor neue Challenges.

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Es sind viele Elemente, die wir beachten , um sicherzustellen, dass das Risiko so gering wie möglich ausfällt.
Hassan Mouti - Red Bull Cliff Diving Competition Director
Dazu gehört auch die ständige Überwachung der Windverhältnisse - wenn du 27 Meter über dem Wasser hockst und auf der Rampe balancierst, müssen die Bedingungen stabil sein. Selbst eine mäßig starke Böe kann einen Diver in den entscheidenden drei Sekunden des Fluges aus der Bahn werfen.
All diese Elemente werden an jeder Location im Kalender der Red Bull Cliff Diving World Series entsprechend angepasst.
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Die Physios

Hinter den Kulissen sorgt ein Team von Physiotherapeut:innen dafür, dass die Athlet:innen während der Wettkampfsaison in Topform sind. Da die Klippenspringer:innen beim Aufprall auf das Wasser mit Geschwindigkeiten von bis zu 85 km/h enormen Kräften von bis zu 10 G ausgesetzt sind, kann die wiederholte Belastung des Körpers ihren Tribut fordern.
Während eines Wettkampfs ist ein Behandlungsraum vor Ort, um die Teilnehmer:innen morgens vor dem Training, während des Wettkampfs und nach dem Wettkampf zu behandeln.
"Die häufigsten Verletzungen sind Adduktorenrisse und auch Knöchelverletzungen", erklärt Angi Passenbrunner, Physiotherapeutin bei der Red Bull Cliff Diving World Series. "Im Idealfall versuchen die Diver, perfekt senkrecht ins Wasser zu kommen, aber schon die kleinste Über- oder Unterdrehung kann Auswirkungen auf verschiedene Bereiche des Körpers haben. Wir haben durch das Training Schmerzen im unteren Rücken, weil die Muskeln zu sehr angespannt sind, und viele Verletzungen der Halswirbelsäule. Wenn du dich nach vorne lehnst oder zu kurz kommst, bekommst du einen großen Schlag auf das Kinn oder den Kopf, so dass auch ein Schleudertrauma sehr häufig vorkommt."
Eleanor Smart aus den USA erhält vor dem zweiten Stopp der Red Bull Cliff Diving World Series 2024 in Boston, USA, am 6. Juni 2024 Physiotherapie.

Die Athlet:innen halten das ständige Physio-Team bei jedem Stopp auf Trab.

© Romina Amato/Red Bull Content Pool

"Ich habe auch einige Taping-Techniken für das Klippenspringen erfunden, denn die findest du in keinem Buch!" sagt Passenbrunner. Das Tape muss halten und den Aufprall und die Kräfte beim Eintauchen aus 27 m Höhe aushalten. Deshalb hat sie ihre eigene spezielle Technik entwickelt, bei der sie eine Kombination aus Tapes sowie Klebe- und Knotentechniken verwendet, die stark und flexibel genug sind, damit die Athlet:innen Höchstleistungen erbringen können.
Es geht aber nicht nur um die Behandlung von Verletzungen. Die Physiotherapeuten sorgen auch dafür, dass die Diver mobil bleiben und nutzen ihr Fachwissen, um sie mit speziellen Trainingsplänen und Techniken zu unterstützen, die ihre Gesundheit, Muskelkraft und Gelenkstabilität fördern. Sie können auch Tipps für die Erholung in den zwei oder drei Wochen zwischen den Wettkämpfen geben.
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Die Kampfrichter

Bei jeder Red Bull Cliff Diving World Series haben fünf Judges das letzte Wort bei der Bewertung der einzelnen Sprünge. Damit ist ihnen der beste Platz im Haus zurecht sicher. Olivier Morneau-Ricard ist ein ehemaliger Cliff Diver und Turmspringer, der wie seine Mitstreiter eine Spezialausbildung zum Kampfrichter absolviert hat, um sich seinen Platz neben der Plattform zu sichern.
Die Kampfrichter bewerten einen Tauchgang während des zweiten Wettkampftages des zweiten Stopps der Red Bull Cliff Diving World Series 2024 in Boston, USA, am 7. Juni 2024.

Eine fünfköpfige Jury bewertet die Leistung jedes Athleten.

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"Wenn ich auf dem Richterstuhl sitze, ist das für mich kein Spiel, sondern wir müssen gegenüber jedem einzelnen Athleten und jeder einzelnen Athletin fair sein", sagt Morneau-Ricard. "Natürlich haben wir ein Werk mit Hunderten von Regeln, die wir berücksichtigen müssen, aber im Allgemeinen versuchen wir vor allem, mit allen fair zu sein. Die Rangliste ist für uns das Wichtigste." Er erklärt, dass die Sprünge am Wettkampf-Tag miteinander verglichen und nur nach entsprechender Ausführung beurteilt werden - es gibt keinen Raum für Erwartungen.
Die ersten Springer:innen bestimmen in der Regel die Punktzahl für den gesamten Wettbewerb und so spiegelt letztendlich die Platzierung und nicht die Punktzahl wider, wie gut ein Diver im Laufe des Events abgeschnitten hat. In einer Jury mit fünf Judges werden die höchste und die niedrigste Punktzahl gestrichen, um eine Durchschnittspunktzahl zu erhalten, die dann mit dem Schwierigkeitsgrad multipliziert wird - das fairste Endergebnis für alle.

Teil dieser Story

Red Bull Cliff Diving World Series

Die Athlet:innen zeigen unglaubliche akrobatische Sprünge aus einer Höhe von mehr als 20 Metern und stellen dabei ihr ganzes Können unter Beweis.

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