Screenshot aus Crimson Desert zeigt den Helden auf einem Pferd in einem Waldgebiet mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.
© Pearl Abyss
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Crimson Desert Test: Eine Open World, die ihresgleichen sucht

Eine Open World, die in ihrer schieren Größe selbst Red Dead Redemption 2 überflügelt. Ein Gameplay, das spielerische Freiheit in den Fokus rückt. Aber ist Crimson Desert auch wirklich ein gutes Game?
Von: Phil Briel (@nophilterde)
7 min readPublished on
Kein anderes Spiel hat in den vergangenen Monaten einen derartigen Hype ausgelöst wie das Open-World-Action-RPG Crimson Desert aus dem Hause Pearl Abyss. Bereits vor der Veröffentlichung kletterte das Spiele-Highlight an die Spitze der Verkaufscharts der PC-Plattform Steam (via SteamDB) und ließ dabei sogar das kostenlos spielbare Esports-Urgestein Counter-Strike 2 hinter sich. Kein Wunder, liefert das südkoreanische Entwicklerstudio hier doch eines der ambitioniertesten und größten Open-World-Spiele aller Zeiten.
Sechs Jahre Entwicklungszeit, mehr als drei Millionen Steam-Wishlist-Einträge und ein Budget, das selbst AAA-Studios neidisch macht. Aber kann Crimson Desert dem Hype wirklich gerecht werden? Wir haben's getestet.

Über den Autor

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Crimson Desert: Eine Open World, die ihresgleichen sucht

Ein derart riesiges Action-Rollenspiel lebt natürlich vor allem von der Qualität der Spielwelt und genau die ist dem Entwicklerteam ausgesprochen gut gelungen. Schon vor dem Crimson Desert Release am 19. März musste sich das Fantasy-Rollenspiel immer wieder dem Vergleich mit Genre-Schwergewichten Red Dead Redemption 2, Elden Ring oder Skyrim stellen, die mit ihren Open-World-Ansätzen und -Mechaniken die Gamingwelt maßgeblich verändert haben.
Screenshot aus Crimson Desert

Crimson Desert setzt auf eine beeindruckende Open-World

© Pearl Abyss

Die gute Nachricht: Die Spielwelt ist der eigentliche Star von Crimson Desert und muss die genannten Vergleiche keineswegs scheuen. Pywel (so der Name der Welt) ist ein Kontinent, der atmet. Lebt und sich organisch und stimmig anfühlt. Fünf grundverschiedene Regionen erstrecken sich über die Spielwelt: Von den bewaldeten Klippen Hernands über trockene Wüstengegenden bis hin zu düsteren Ruinenlandschaften und dem mysteriösen Reich des Abyss. Was die Open World von Crimson Desert besonders macht: Es gibt buchstäblich keine Ladebildschirme und keine künstlichen Bewegungssperren.
Du entdeckst etwas, was dich interessiert? Dann kannst du auch dorthin kommen. Auch... wenn das mitunter eine Weile dauern kann.
Screenshot aus Crimson Desert zeigt den Protagonisten beim Rasten in einem Wald.

Crimson Desert

© Pearl Abyss

  • Wie groß ist die Welt von Crimson Desert? Die Spielwelt ist in etwa doppelt so groß wie die von Red Dead Redemption 2. Offizielle Zahlen gibt es aktuell noch nicht.
Protagonist Kliff erklimmt Felswände mit einer Leichtigkeit, die selbst gestandene Profis wie Sasha DiGiulian oder Shauna Coxsey neidisch machen würde. Du gleitest elegant von Dächern, schwingst dich in den Sattel deines getreuen Pferdes (oder eines Drachens) und fliegst mit einem Jetpack durch die Welt - ja, ernsthaft.
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Here to Climb

Vom Wunderkind zur Spitzensportlerin: die Dokumentation begleitet die professionelle Kletterin Sasha DiGiulian auf ihrem beeindruckenden Weg an die Spitze.

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Dieser Bewegungsfreiheit verleiht der Welt eine Dichte und Glaubwürdigkeit, die selbst Rockstar Games-Produktionen in Bedrängnis bringt. Crimson Desert erreicht in puncto Weltdesign tatsächlich das Niveau eines Red Dead Redemption 2.
  • Wie lang ist die Spielzeit? Die Entwickler:innen sagen, dass die Spielzeit für die Hauptstory bei rund 50-80 Sunden liegt. Wer wirklich alles entdecken und alle Nebenaktivitäten abschließen will, darf diese Spielzeit in etwa verdoppeln.
Screenshot aus Crimson Desert zeigt das Kochen

Zahlreiche Nebenaktivitäten warten im Spiel

© Pearl Abyss / Phil Briel

Die sogenannten "Life Systems" sorgen für zusätzliche Immersion. Dabei handelt es sich um tiefgreifende Systeme für Bergbau, Fischerei, Jagd, Kochen und Crafting, die dich tief in die Spielwelt hineinziehen. Diese MMO-inspirierten Mechaniken sorgen dafür, dass sich Pywel nie wie ein bloßes Spielfeld, sondern wie ein lebendiger Kontinent anfühlt. Authentische Tag-Nacht-Zyklen beeinflussen zudem das Verhalten von Kreaturen, dynamische Ereignisse verändern die Welt basierend auf deinen Entscheidungen und das Wetter sorgt für beeindruckende Kulissen.
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Wuchtige Kämpfe, knackiger Schwierigkeitsgrad

Screenshot aus Crimson Desert

Die wuchtigen Kämpfe sind beeindruckend inszeniert

© Pearl Abyss

Im Lebenslauf eines Action-Rollenspiels steckt das Wörtchen "Action" und das darf natürlich in den Kämpfen keinesfalls zu kurz kommen. Glücklicherweise macht Crimson Desert hier keine halben Sachen. Kämpfe machen einen großen Teil der Spielerfahrung aus und erfreulicherweise präsentiert sich das Kampfsystem als angenehm abwechslungsreich und taktisch. Das System kombiniert rasante Nahkampfattacken mit Magie, Waffenwechseln und umgebungsabhängigen Manövern zu einem komplexen Gesamtpaket, das viel Einarbeitung erfordert, aber enormen Spaß macht, sobald man es verinnerlicht hat.
Besonders die Bosskämpfe in Crimson Desert sind beeindruckend. Hier schwingen starke Dark Souls-Vibes mit, denn jeder Obermotz hat eigene Mechaniken, Dynamiken und mehrere Phasen. Die richtige Strategie entscheidet über Erfolg und Misserfolg, mit stumpfem Button-Mashing kommt man hier zweifellos nicht weiter. Das ist durchaus knackig, aber nicht minder befriedigend: Ein nach dem zehnten Versuch endlich gewonnener Bosskampf sorgt für eine unvergleichliche Euphorie.
  • Gibt es mehrere Schwierigkeitsgrade? Nein. Crimson Desert hat nur einen festgelegten Schwierigkeitsgrad und der ist durchaus knackig, aber keinesfalls unfair.
Screenshot aus Crimson Desert

Crimson Desert spielt in der Fantasywelt Pywel

© Pearl Abyss

Als klassisches RPG lässt sich Kliff lässt natürlich durch ein umfangreiches Fertigkeits- und Ausrüstungssystem individuell anpassen. Verschiedene Waffenklassen und Magie-Kombinationen erlauben so ganz unterschiedliche Spielstile, dank denen sich das Game mitunter komplett anders anfühlt. Das Kampfsystem ist dabei derart komplex gestaltet, dass sich die Spielstile wesentlich nuancierter voneinander unterscheiden als dies bei vielen Genrekollegen der Fall ist.
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Ein Technik-Showcase auf PC und Konsolen

Crimson Desert ist aus technischer (und insbesondere grafischer) Sicht ein absoluter Meilenstein. Die eigens für das Spiel entwickelte BlackSpace-Engine erreicht dabei ein Niveau, das kaum ein anderes Open-World-Game mitgehen kann. Die PC-Version läuft, die entsprechende Hardware vorausgesetzt, in 4K/60 FPS mit aktivem Raytracing und maximalen Details butterweich. Ohne Upscaling-Technologien, was an sich schon beeindruckend ist.
Screenshot aus Crimson Desert

Crimson Desert zaubert beeindruckende Szenerien auf den Bildschirm

© Pearl Abyss / Phil Briel

Es sind aber nicht nur die Technologien, die Crimson Desert so einzigartig machen, sondern auch die Umsetzung. Nehmen wir beispielsweise das Raytracing: Das agiert im Game vollständig dynamisch was bedeutet, dass beispielsweise das Sonnenlicht auf natürliche Art und Weise von Oberflächen reflektiert.
Oder der schiere Fakt, dass selbst Rauch dynamische Schatten wirft, was erstaunliche (wenn auch subtile) Auswirkungen auf das Gameplay hat. Man kombiniere dies mit einer beeindruckenden NPC-Dichte - von denen alle KI-Figuren individuell agieren - sowie zerstörbaren Umgebungsdetails und lebensnahen Animationen. Crimson Desert fühlt sich schlicht organisch und lebendig an und das allein ist ziemlich beeindruckend.
Screenshot aus Crimson Desert

Crimson Desert bietet eine riesige offene Spielwelt

© Pearl Abyss

Auf PS5 stehen drei Grafikmodi zur Wahl: Performance (60 FPS bei 1080p), Ausbalanciert (40 FPS mit FSR 3 Upscaling auf 4K) und Qualität (30 FPS bei 4K). PS5 Pro-Besitzer dürfen sich über zusätzliche Verbesserungen freuen. Unabhängig vom Modus: Die Welt Pywels sieht schlicht atemberaubend aus. Wälder, Wüsten, Städte und Ruinen sind mit einem Detailgrad gestaltet, der das Wandern durch diese Welt zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.
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Legacy: Peter Molyneuxs brandneues Game

Peter Molyneux OBE spricht über den kreativen Prozess hinter der Entwicklung des brandneuen Games, „Legacy".

Auch der Soundtrack verdient gesonderte Erwähnung. Komponist Ryu Hwi-man hat eine musikalische Palette geschaffen, die von bombastischen Orchesterklängen in Bosskämpfen bis zu ruhigen, atmosphärischen Melodien in Erkundungsmomenten reicht. Der Score lässt dabei durchaus wohlige Erinnerungen an die ikonische Musik der Herr der Ringe-Filme, komponiert von Howard Shore, aufflammen. Ja, genau diese Qualität bietet Crimson Desert, was sich positiv auf die Atmosphäre und Immersion auswirkt.
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Crimson Desert ist nicht perfekt

Bei all dem Lob muss erwähnt werden, dass Crimson Desert beileibe kein perfektes Spiel ist. Der schwerwiegendste Schwachpunkt ist der Einstieg: Das Spiel überhäuft neue Spielende mit Systemen, einem überladenen Interface und einem Inventarmanagement, das eher an klassische und sperrige MMOs erinnert denn an ein modernes Action-Rollenspiel. Das ist mitunter zäh und man muss sich zweifellos durchbeißen.
Gerade das Inventar und die Interaktion mit der Spielwelt fällt nicht so komfortabel aus, wie man es von modernen Games gewohnt ist. In den ersten Spielstunden ertappt man sich regelmäßig dabei, die falschen Tasten zu drücken oder die Mechaniken im Menü nachlesen zu müssen. Hinzu kommen eine hakelige, überladene Steuerung und fehlende Komfort-Funktionen, während das Balancing einiger Bosskämpfe noch Feinschliff vertragen könnte.
Screenshot aus Crimson Desert

Crimson Desert

© Pearl Abyss / Phil Briel

Auch die Story bleibt hinter dem Potenzial der Spielwelt zurück. Protagonist Kliff bleibt über weite Strecken zu blass, um sich wirklich mit ihm identifizieren zu können. Die Kern-Story greift dabei nur zu gern auf altbekannte Muster zurück (du bist der Auserwählte, der die Welt retten muss).
Die wahren Highlights finden sich vor allem abseits der Hauptstory. Hinzu gesellen sich einige Bugs, Grafikfehler und Problemchen, die hoffentlich schnell durch Patches aus der Welt geschafft werden. Crimson Desert ist damit zweifellos kein Game, das alle Spieler:innen abholen wird. Das zeigt sich bereits in den ersten User-Reviews deutlich: Die einen lieben es, die anderen nicht.
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Crimson Desert macht vieles richtig

Screenshot aus Crimson Desert

Die Welt steckt voller Geheimnisse und Mysterien

© Pearl Abyss

Crimson Desert ist zweifellos kein Game, mit dem alle Spieler:innen glücklich werden. Der zähe Einstieg könnte viele Neueinsteiger:innen abschrecken. Die initialen Bugs und Probleme stoßen sauer auf und der Main-Story fehlt es merklich an Substanz.
Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt und hinter die Fassade blickt, der erhält mit Crimson Desert ein Open-World-Abenteuer, dass mehr Innovationen zu bieten hat als sämtliche Genre-Konkurrenten der letzten Jahre. Pearl Abyss hat die jahrzehntelange MMO-Erfahrung in ein Singleplayer-Erlebnis umgemünzt, das einfach funktioniert und dabei eine Welt erschaffen, die in ihrer Freiheit und Dichte keine Vergleiche scheuen muss. Wer bereit ist, Pywel auf seinen eigenen Bedingungen zu erkunden, wird mit einem Spielerlebnis belohnt, das lange nachhallt.

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