Rap 💯
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Wie der Panda erwachsen wurde: Die besten Songs von Cro
Über ein Jahrzehnt der Durchbruch von Cro jetzt her. Wir nehmen euch mit auf eine Reise durch die turbulente Karriere des maskierten Rappers – in 12 Klassikern.
Zuerst schien alles ganz „Easy“: Die damals noch taufrische Instagram-Ästhetik und allgegenwärtige Hipster-Insignien waren kaum wegzudenken, als Cro, der Mann mit der Pandamaske, Anfang der 2010er-Jahre durch die Decke ging. Seitdem wurde aus dem Pop-Rap-Phänomen einer der größten deutschen Popstars, der mit jedem neuen Album auch neue musikalische und inhaltliche Welten eröffnet hat. Das Mysterium um die Person hinter der Maske ist jedoch geblieben. Und wir sind sicher: Anders wäre das auch gar nicht gegangen.
Gerade ist mit „11:11“ Cros fünftes Album erschienen – Grund genug, die wichtigsten Stationen seiner Entwicklung abzuklappern und noch einmal in Ruhe in seinen Katalog reinzuhören.
01
Easy (2011)
Natürlich muss diese Geschichte genau hier anfangen, Ende 2011, als „viral“ noch eine neue Vokabel war und der „Hipster“ ein mystisches Phänomen. Die unerträgliche Leichtigkeit des Cro-Seins quoll aus jeder Silbe, aus jeder perfekt gefilterten Kameraeinstellung und jedem smart platzierten Mode-Accessoire. Wie konnte man nur so perfekt aus dem Nichts in den Popstar-Olymp schießen? Nun, wir wissen’s: Es war ganz und gar „Easy“ für Cro. Die Tür stand ab sofort weit offen für den Panda.
02
Einmal um die Welt (2011)
„Du“, „Hi Kids“, „King of Raop“, „Meine Zeit“ – nach „Easy“ kamen die Cro-Hits Schlag auf Schlag, denn niemand konnte genug bekommen und Cro selbst hatte ja schon ein, zwei Jährchen lang Songs gesammelt, mit denen er locker die Nachfrage stillen konnte, bis das „Raop“-Album endlich soweit war. Vielleicht der größte Feelgood-Tune von allen war und ist „Einmal um die Welt“, ursprünglich auf dem „Meine Musik“-Mixtape erschienen, das Cro noch vor dem Plattenvertrag im Eigenvertrieb veröffentlicht hatte.
03
8 km/h (mit Haftbefehl und Psaiko.Dino, 2014)
Cros DJ und Sidekick Psaiko.Dino hatte nach zwei turbulenten Tour-Jahren endlich Zeit, sich um sein eigenes Projekt als Producer zu kümmern, wenn er nicht gerade Szenepartys und Yellow Press bespaßte. Das Ergebnis hieß „#hangster“ – natürlich mit Hashtag – und brachte Rap-Welten und -Generationen zusammen: Eko Fresh, Sido oder Schwesta Ewa trafen hier auf Die Orsons, Lary oder Olson. Flaggschiff-Single des Hipster-Gangster-Gipfeltreffens: Cro und Haftbefehl, die gemeinsam in Schrittgeschwindigkeit cruisen. Irgendwie logisch. (Hier übrigens in der später erschienenen Unplugged-Version.)
04
Bad Chick (2014)
Zwischen Album eins und zwei hat Cro sicher viel erlebt, aber durchgeatmet hat er auf keinen Fall. Wie denn auch? Der explodierte Raop-Hype musste nonstop betourt werden, Headliner-Slots auf Festivals mussten gespielt und das Gesicht hinter der Maske musste stets verborgen werden. Entsprechend waren die Erwartungen an „Melodie“ nicht gerade klein. So ist es eben, wenn man plötzlich Popstar ist. Und nach „Traum“ als Vollgas-Vorab-Single (Platz 1 und Doppelplatin, klar!) kamen auf „Bad Chick“ wieder alle Talente des Pandas zusammen. Lässiges Lovestorytelling mit ’nem Twist, ein eingängiger Beat und entwaffnend jungshafter Charme.
Bonus: 2016 erschien der Cro-Kinofilm „Unsere Zeit ist jetzt“ – checkt hier das Exklusivinterview!
32 Min
Cro: Exklusives Interview mit Visa Vie
Cro: Exklusives Interview mit Visa Vie
05
Baum (2017)
Im Sommer 2017, nach einem Unplugged-Album und einer längeren Pause, war die Verwunderung groß. Anstatt zum dritten Album einfach die naheliegende Cro-ist-zurück-Hitsingle aus dem Handgelenk zu schütteln, erschien mit „Baum“ ein kryptisch anmutendes Video (das ihr leider nur direkt auf Youtube anschauen könnt): Ein weißer Sportwagen, ein (mutmaßlich) unmaskierter Cro am Steuer, verhallte Gitarrenmusik und eine Schrecksekunde, nach der alles anders wird. Und noch mal anders. Und dann noch mal. Hölle, Erinnerungen, Vergänglichkeit, Entfremdung. Cro krachte künstlerisch in sein Post-Kanye-, Post-Frank-Ocean-Zeitalter und blickte nie wieder zurück ins Easy-Land. Oder doch?
06
Unendlichkeit (2017)
Wozu Ruhm? Was hat man vom ganzen Erfolg? Wieso feiern alle diesen Pandamann so hart? Und … wer ist das eigentlich? Nach zwei Alben Pop-Vollgas stand „tru.“ im Zeichen des Innehaltens und Hinterfragens, denn „irgendwann ist der Moment vorbei … und ich wollt’ eigentlich Unendlichkeit.“ Genau zum richtigen Zeitpunkt konnte man dem Teen-Idol jetzt also beim Erwachsenwerden zuhören.
07
5 Minuten (mit KitschKrieg, AnnenMayKantereit und Trettmann, 2019)
Es ist selten genug, dass Cro nicht die alleinige Hauptrolle spielt. Ihn, so wie hier, schlicht als Hook-Sänger einzusetzen, war also schon mal ein krasser Move von KitschKrieg. Aber es war die perfekte Ensemble-Besetzung in diesem Zeitgeist-Blockbuster – das Produzententeam der Stunde packte nämlich Indie-Darling Henning May, den mächtigen Trettmann und eben den Panda mit seinen gerade mal vier kurzen Zeilen auf einen Song, den man monatelang nicht mehr loswerden würde. So simpel, so genial.
08
Endless Summer (2020)
Fantasy-Bildmontagen, abstrakte Urwaldromantik und hallige Vocals, die aus einem Lüftungsschacht in unsere Welt zu schallen scheinen – war das schon wieder ein neuer Cro? Drei Jahre nach „tru.“ war alles offen und mal wieder alles neu. Cro hatte sich in ein tropisches Paradies zurückgezogen und lud uns mit „Endless Summer“ zögerlich ein in einen hippiesken Fiebertraum. Da ahnten wir noch nicht, dass es gleich ein Doppelabum werden sollte und dieser Song hier die erste von elf (!) Singles.
09
Blessed (mit Capital Bra, 2021)
„Wo ’ne Villa ist, ist auch ein Weg“? Ein dekadentes Stelldichein auf Millionärs-Level, Cro im Whirlpool, Capi im Delirium, irgendwie das „Easy“ der Schönen und Reichen oder eine Art Meta-#hangster aus dem Lockdown. Wer hat, der kann.
10
Letzter Song (2021)
Aus den 22 Songs auf „trip“, dem vierten Cro-Album, die Highlights zu picken, ist gar nicht so leicht. Aber am wichtigsten ist vielleicht, wie die Achterbahnfahrt der Gefühle und Stimmungen endet, und zwar mit einem so skizzenhaften wie unangreifbaren „Letzten Song“. Kein bisschen ein Hit und genau deswegen eines der Stücke, die den Trip lange überleben werden.
11
Crobot (mit Miksu/Macloud, 2022)
Das ging schneller als gedacht. Nicht mal ein Jahr verging zwischen „trip“ und dem ersten Lebenszeichen aus dem fünften Album „11:11“, eine ziemlich kurze Wartezeit für einen neuen Cro-Longplayer. Assistiert von den Hitmaschinen Miksu/Macloud gibt Cro den melancholischen Liebes-Cyborg, der verzweifelt versucht, nicht komplett den Anschluss an seine Emotionen zu verlieren.
12
Freiheit (2022)
Sucht man die echten Unterschiede zwischen dem Cro der Saison 2011/2012 und der heutigen Version, findet man unweigerlich die Brüche. In der Selbstdarstellung, der Stimme, der Geschichte. Und natürlich ist die sorglose „Easy“-Ära heute biografischer Schnee von gestern. Aber auch das unweigerliche, große Drama ist einer ruhigeren Herangehensweise gewichen als noch vor ein paar Jahren. Bei sich angekommen ist Cro allerdings bis heute nicht, wenn man ihm wirklich zuhört – aber wahrscheinlich gehört das einfach dazu, wenn man so unglaublich lange mit der eigenen Identität Verstecken spielt. Wenn dabei Songs wie „Freiheit“ herauskommen, können wir nur dankbar sein.
Back in the Days: Cro beim Red Bull Tag am See, einer Dreiländertour der Superlative im Sommer 2014!
3 Min
Cro: 3 Konzerte, 3 Länder, 1 Tag am Bodensee
Cro: 3 Konzerte, 3 Länder, 1 Tag am Bodensee