Falls du dich jemals gefragt hast, auf welchem Fahrzeug es härter ist, die Dakar zu bestreiten – wir haben es für dich herausgefunden. Der fünfmalige Gewinner der Motorradklasse Cyril Despres hat bei Dakar 2015 ins Auto gewechselt und geht auch bei der aktuell laufenden Dakar wieder mit einem Peugeot ins Rennen. Der Navigator ist in diesem Jahr ein anderer als bei seiner Premiere, aber Despres ist weiterhin für das Team Peugeot Total unterwegs.
Bevor die Dakar 2016 losging, haben wir den Franzosen in Buenes Aires getroffen und ihn nach den Unterschieden befragt.
Los gehts... Cyril erzähl einfach mal:
Der Speed ist ein total anderer
Aktuell sind die Autos so gut entwickelt, dass sie kein Problem mehr mit der Pace der Bikes haben. Ich spreche hier aber von den Top-Fahrzeugen der großen Teams. Es gibt aber Streckenabschnitte auf denen ein Bike immer schneller sein wird. Das gleiche gilt andersrum. Ein Beispiel: Wenn man mit dem Bike an eine Stelle kommt wo man nicht abschätzen kann wie tief es da runter geht oder wie tief ein Loch ist, dann muss man stoppen. Mit dem Auto rauchst du einfach drüber, wenn es nicht riesig ist. Den Rest macht die Federung.
Es ist körperlich weniger anstrengend im Auto
Beim Motorrad fährt man die meiste Zeit im Stehen und die Knie werden Teil der Federung. Das gleiche gilt für die Arme und Hände, die den Lenken immer fest im Griff haben sollten. Beine und Arme bekommen so immer jeden Schlag vom Untergrund ab. Im Auto sitzt man eigentlich recht bequem und der eigene Körper ist nicht Teil der Federung, was natürlich weniger anstrengend ist. Das Problem im Auto ist, dass man schneller dehydriert. Auf dem Bike hat man stetig den Fahrtwind auf dem Körper, was ihn runterkühlt. Diese Klimaanlage gibt es im Auto nicht.
Die Spaßfaktoren auf dem Bike und im Auto sind eingentlich fast gleich: springen, sliden und driften geht mit beidem.
Man kann nicht vom Auto fallen
Insgesamt würde ich sagen ist es im Auto sicherer als auf dem Bike. Man hat eine Art großen Käfig um sich, der einen im schlimmsten Fall schützt, und runterfliegen vom Auto geht während des Rennens ja auch nicht! Ganz wichtig ist aber, dass die Spaßfaktoren auf dem Bike und im Auto eingentlich fast gleich sind: springen, sliden und driften geht mit beidem. Trotzdem hab ich festgestellt, dass Autos meine neue Passion sind. Das Kapitel Motorrad habe ich für mich abgeschlossen.
Im Auto übernimmt der Co-Pilot die Navigation
Weil man im Auto einen Co-Piloten hat, sind die Aufgaben geteilt. Auf dem Bike musst du das mit der Navigation selber auf die Reihe bekommen während du fährst. Im Auto muss ich nur fahren, die Navigation ist Sache des Beifahrers. Eigentlich ein wenig schade, da ich den Navigationsteil auf dem Bike gern erledigt habe. Es fühlt sich immer noch komisch an, den Job nicht mehr selbst zu machen. Ich habe es eben solange gemacht, dass es am Ende ganz locker nebenher lief.
Es gibt nicht wirklich viele Dinge, die man mit einem Motorrad einstellen kann, beim Auto ist das ein endloses Thema. Das zu lernen ist ein großer Teil für jeden, der wechselt.
Beim Auto gibt es mehr Einstellungsmöglichkeiten
Ein Auto ist viel komplizierter als ein Motorrad. Es gibt unendlich viele Sachen, an denen man rumspielen kann, und Einstellungsmöglichkeiten, die wirklich sehr sehr detailliert sind. Beim Motorrad ist das alles einfacher gestaltet und es gibt nicht so viele Sachen, die sich durch anderes Setting wirklich ändern oder einem helfen. Diese ganzen Optionen zu haben und das Auto und die Änderungen zu spüren, finde ich schon cool. Ich bin ja sowieso schon immer an technischen Details interessiert gewesen und ich liebe diesen Lernprozess, durch den ich gerade gehe. Es ist eigentlich der größte Teil, wenn man wechselt.
Verantwortung und Erfolg werden im Auto geteilt
Der größte Unterschied ist gleichzeitig der Offensichtlichste: Auf einmal ist man nicht mehr allein unterwegs. Das bedeutet, dass Entscheidungen abgestimmt werden müssen, und jeder die Verantwortung für seinen Bereich hat. Zudem muss man sich auf den anderen 100 Prozent verlassen können und seinem Urteilsvermögen in vertrauen. Erfolge und Misserfolge teilt man genauso wie den Platz im Wagen. Es kommt also eine menschliche Komponente in den Rennablauf. Die Vertrauensbasis sollte schon von Anfang an da sein, aber sie muss mit der Zeit aber auch wachsen und größer werden. Das ist manchmal nicht einfach, denn jeder hat ja sein Ego, aber es ist sehr wichtig um gemeinsam Erfolg zu haben.

