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Music

Eine Frage der Inspiration: So kommen Rapper und MCs zu ihren Namen

Der Name ist für jeden Rapper essenziell. MF Doom, Childish Gambino, A$AP Rocky – sie alle haben es richtig gemacht. Aber woher kommt die Inspiration und wie ist ein gutes Pseudonym gestrickt?
Von: Eddy Lawrence
4 min readPublished on
Die Namensfindung ist für jeden Rapper der Grundbaustein der Karriere. So reicht es nicht einfach, die Initialen niederzuschreiben und zu behaupten, wie gut man nicht ist. Der richtige Name wandelt auf einem schmalen Grat zwischen Glaubwürdig- und Lächerlichkeit, was die Sache nicht gerade einfach macht.
In unserer Liste findest du die Rapper, die bei ihrer Namensfindung alles richtig gemacht haben, indem sie HipHop-Tradition, persönliche Historie und kulturelle Meilensteine miteinbeziehen.
Bevor wir aber loslegen, haben wir ein kleines Quiz für dich: Errätst du, wo sich die Rapper bei ihrer Namensfindung Inspiration geholt haben?

Rick Ross

Es ist keine Überraschung, dass die ikonische Kinofigur Tony Montana eine Menge Rapper inspiriert hat, darunter French Montana und Scarface von den Geto Boys. Rick Ross hingegen hatte da eine etwas realistischer Figur im Kopf: Freeway Rick Ross, einen charismatischen Drogendealer, der den 80er Crack-Boom in Miami losgetreten hat.
Sich den Namen berühmter Schwerverbrecher zu leihen, ist offenbar ein wunderbar einfacher Weg, um sich schnell einmal den Gangsta-Stempel aufzudrücken. Als Freeway Rick Ross 2009 aus dem Gefängnis entlassen wurde, verklagte er Rick Ross übrigens, der Prozess wurde aber relativ schnell ad acta gelegt, wodurch Rick Ross die Rapperszene auch heute noch unsicher machen darf.

Kid Rock

Auch wenn Kid Rock heute eher für seinen Country- und Rock-Stil bekannt ist, hat er seine Wurzeln im Hip-Hop. Als Teenager in den 80er-Jahren entfloh Bob Ritchie seinem turbulenten Leben zu Hause, um auf den Sofas seiner Schulfreunde zu übernachten. Um den Gefallen wieder gut zu machen, legte er als DJ auf Nachbarschaftspartys auf und verlangte von jedem Besucher 2$ Eintrittsgeld.
Ritchies Skills an den Turntables wurden innerhalb seiner Highschool in Detroit schnell mit viel Lob überhäuft, weshalb unter seinen Freunden nicht selten der Satz fiel: „Did you see that white kid rock?“ Ritchie ließ sich den Gag nicht entgehen und war von da an unter dem Namen Kid Rock unterwegs.

Ice T

Tracey Morrow legte sich den Ice-Namen während einer kurzen Zeit als Pimp zu. Als großes Vorbild gilt der amerikanische Schriftsteller Iceberg Slim, der nach seiner Zuhältervergangenheit ebenso das Metier gewechselt hat.
Sich die dunkle Vergangenheit zur Inspiration zu machen, ist im Rapper-Game nicht unüblich. Pusha T (dessen Name sich aus der Zeile „push a ton of that s*** that make y nose run“ zusammensetzt) war etwa Drogendealer, genauso blickt der G-Funkster Crime Boss auf sein Leben vor der Musik zurück.

Childish Gambino

Wohl, um seine Rolle als futuristische Rhyme-Maschine zu unterstreichen, ist Donald Glover der erste Rapper, dessen Name sich mithilfe eines Algorithmus entwickelt hat. Während einer alkoholdurchtränkten Nacht mit Freunden ließ Glover für die Namensfindung einen Wu-Tang Clan Name-Generator arbeiten, der willkürlich Wörter zusammensetzte. Am Ende spuckte er Childish Gambino aus und je länger er über diesen Namen nachdachte (auch im nüchternen Zustand), desto mehr Tiefe bekam er. Also beschloss er, ihn zu behalten.

A$AP Rocky

Neben der Funktion, den A$AP-Mob wie eine Gang-Farbe zu vereinen, hat das A$AP-Präfix eine weit tiefere Bedeutung. Die Initialen stehen für „Always Survive And Prosper“, das Credo bzw. Selbsthilfe-Mantra der Gruppe rund um A$AP Rocky, Ferg, Yams, Bari und Co.
Damit steht der Name auch hier in einer langen Rapper-Tradition, in der Akronyme mit tiefer Bedeutung keine Seltenheit sind. KRS-One („Knowledge Rules Supreme Over Nearly Everything“) und Big K.R.I.T. („King Remembered In Time“) sind nur einige Beispiele.

Snoop Dogg

Snoops Verwendung des Dogg-Zusatzes hat für einigen Beef mit Bronx-Rapper Tim Dog gesorgt, der behauptet hat, Snoop Dogg a.k.a. Calvin Broadus würde ihm den Style klauen.
Eigentlich hatte aber Snoop Doggs Mutter regen Anteil an der Entstehung des Namens, behauptete Mrs. Dogg doch, dass er als kleiner Junge von Snoopy-Cartoons nicht genug bekam und damit anfing, „wie dieser auszusehen“. Der Name blieb an ihm hängen, obwohl Snoop sich dazu entschied, das Y zu streichen, um sich keine Probleme einzuhandeln.
Auch Waka Flocka Flame nahm sich seine Kindheit als riesiger Fan von Muppets-Mitglied Fozzie Bear zum Vorbild. Aber erst Mentor Gucci Mane fügte den „Flocka Flame“-Part hinzu; Waka habe zu sehr nach einem Entertainer für Kindergeburtstage geklungen.

MF Doom

Ehemals als Zen Love X und als Mitglied von KMD bekannt, legte sich MF Doom nach dem Tod seines Bruders Subroc, dem Label-Rausschmiss und einer obdachlosen Periode auf der Straße eine neue Identität zu.
Namensgeber ist in diesem Fall der Fantastic Four-Bösewicht Dr Doom, der nach einem missglückten Experiment entstellt wieder aufwachte und Reed Richards dafür verantwortlich machte. MF Doom legte sich den Namen in einer Phase zu, in der er „sich von seinen Wunden erholte“ und „der Industrie, die ihn deformierte, Rache schwor“. Das MF steht je nach Stimmung entweder für „Metal Fingers“ – als Referenz an seine Technik an den Turntables – oder für „Metal Face“, in Anlehnung an die berühmte Chrommaske.