Kommunismus und Autorennen passen irgendwie nicht so richtig zusammen: Während der kommunistischen Gedanken impliziert, dass Kamerad und Kamerad Seite an Seite arbeiten, um das übergeordnete Ziel und das größte Wohl für alle zu erreichen, geht es dem Rennfahrer primär um sich selber. Noch opportunistischer als der gewiefteste Stockbroker, ist der Rennfahrer dazu geboren, erster zu sein und wehe es stellt sich jemand in den Weg. Wer uns nicht glaubt, kann sich ja nochmal die Karriere von Ayrton Senna anschauen.
Zudem würde man den Rennsport auch nicht wirklich als Hobby der Arbeiterklasse nennen. Wer schon mal bei einem Event, wie dem von einem Lord organisiertem Goodwood Revival in England war, weiß, dass ausgenommen von Stock und 2CV Rennen hier eher die dekadente Bourgeoisie am Steuer sitzt. (Was nicht heißt, dass wir nicht große Fans vom Goodwood Revival sind. Im Gegenteil!)
Einen Vorteil hatte der Kommunismus in der Sowjetunion allerdings im Bezug auf Rennwagen: In den Jahren des kalten Krieges wurden mittels der großen Industrialisierung Massen an Dingen aus Roheisen produziert. Und Roheisen ist vor allem eines: Ziemlich stabil. Und Stabilität ist das A und O bei einem Rennwagen. Es gab sogar ab und zu Zeiten, in denen Fahrer und Autos von der Leine gelassen wurden und, ganz unkommunistisch, gegen einander antreten durften.
Wir zeigen euch die 7 coolsten kommunistischen Rennflitzer.
Lada Samara EVA
Der Lada Samara Eva ist unserer Meinung nach ein richtig heißes Teil. Er sieht eigentlich aus wie eine Mischung der besten B-Gruppen Autos der Era: Ein bisschen Lancia Delta S4 an den Hinterrädern, vorne stellen wir eine Ähnlichkeit mit dem Peugeot 205 T16-y fest. Leider wurde die Gruppe B 1988 verboten, bevor Lada 200 der schicken Samaras gemäß der Homologation produzieren konnte.
Lada VFTS
Der zweite Lada auf unserer Liste wurde von der Vilnius Fabrik Tuning Sport Company in Litauen produziert und war auch für die Gruppe B gedacht. Der VFTS basierte auf dem Zhiguli, oder auch dem Riva, Nova, Classic, Signet, Lanka oder Katinka, wie man ihn außerhalb der Sowjetunion kannte, und dieser orientierte sich wiederum am Fiat 124. Obwohl man es denken könnte, war der VFTS kein feuerspeiendes 600 PS Monster - der kleine Russe schaffte lediglich 240 Pferdestärken.
Škoda 130 RS
Wer in den 70er Lust hatte auf einen Sportflitzer mit Heckmotor und Antrieb, aber nicht das nötige Kleingeld für einen 911 Porsche im Kissen eingenäht hatte, konnte sich mit dem Škoda 130 RS anfreunden. Das Auto war sowohl für Rallyes, als auch die Europäische Tourenwagen Meisterschaft in den 70er und 80er Jahren konzipiert. Die kleine Vier-Zylinder-Maschine schaffte nur 130 PS, aber dafür wog die Rennsemmel auch nur 780kg.
Trabant
Der Trabant ist das ultimative Symbol für die Autokultur des Ostblocks: eine hässliche Zweitürer-Familienschleuder aus recyceltem Plastik mit einem uneffizienten 600cc Zweitakt-Motor. Auch der Trabant war mit 750kg auffallend leicht, und indem man den Motor tunte oder gleich einen neuen einbaute, ließ sich eine totale Verbesserung im Kraft-Gewicht Ratio erzielen. So kam es, dass der Trabusa geboren wurde, bei dem ein Suzuki Zweirad Motor in einen Trabant eingebaut wurde. Obwohl auch heute noch Trabis bei Rallyes gefahren werden, hatte das Auto den Höhepunkt seinen Erfolges wohl 1988 beim Großen Preis von Ungarn, bei dem ein ganzer Schwarm Trabis im Rennservice fuhren.
Polski Fiat 126
Eine weitere sowjetisch-italienische Koproduktion war der schnuckelige Polski Fiat 126, der polnischen Familien in den 70ern und 80ern etwas mediterranen Flair in die Garage zaubern sollte. Vom Hauptquartier in Bielsko-Biala aus schickte das Polski Fiat Team mehrere smarte und gut ausgestattete 126er Rallye Autos ins Rennen der Gruppe 2. Zugegebenermaßen war der Fiat nicht der Mini seiner Generation, aber konnte sich durchaus an einen 911 oder einen Fort Escort dranhängen.
Lada Niva
Der Niva (was auf russisch Erntefeld bedeutet) war die Antwort von Lada auf den Range Rover in den späten 70ern. Luxuriös konnte man ihn nun nicht gerade nennen, aber widerstandsfähig. Daher findet man heutzutage eine stattliche Anzahl von Nivas in den Wüsten von Nordafrika, denn wer den harten russischen Winter auf einer Farm überlebt, schafft auch Hitze und Staub. Der Niva ist ein echt harter Knochen und durch die Einfachheit seiner Bauweise auch leicht zu reparieren. Das realisierten auch die verschiedene Teilnehmer der Rallye Paris-Dakar, die begonnen haben den quadratisch-praktischen Russen mit auf die härteste Tour der Welt zu nehmen. Seht euch unten eine Video davon an!
Tatra T-607 Monoposto
Tatra war ein Automobilhersteller, der sich auch in der Hochzeit des Kommunismus nicht beirren ließ und weiterhin in seinen tschechischen Fabriken zauberhafte, Flugzeug-inspirierte Luxuskarossen baute. Eine von ihnen war der V8 angetriebene T-603, den auch Fidel Castro in seiner Garage hatte. Die Tatra Werke interessierten sich natürlich auch für den Motorsport und als nach dem Zweiten Weltkrieg wieder gefahren wurde, entwickelte die Firma den T-607 Monoposto, der fortan in der Formel 1 und 2 fahren sollte. Der T-607 hatte den gleichen V8 Motor wie der T-603, aber dafür mit 160 anstelle von 95 PS einiges mehr unter der Haube.