Es ist das Worst Case-Szenario eines jeden Trainers: Der Torhüter krümmt sich verletzt am Boden und, weil kein weiterer Wechsel möglich ist, muss notgedrungen ein Feldspieler in den Kasten! Wenn ihr mal in eine solche Situation geratet, orientiert euch am besten an Aushilfs-Keepern wie Hannovers „Elfmetertöter“ Jan Rosenthal. Wer erinnert sich nicht noch an den Jan im schwarzen (Torwart)-Trikot?
Jan Koller, mit 202 Zentimeter und Schuhgröße 52 der Turm im Sturm, durfte seinen Namen im November 2002 in diversen Zeitungen unter der Rubrik „Elf des Spieltages“ lesen. Drehen wir den Rollentausch doch einmal um: Ein Keeper wie Péter Gulácsi als Abwehrchef oder gar im Sturm - wäre dieses Experiment einen Versuch wert? Zur Winterpause der Saison 2017/18 führte der Leipziger die kicker-Rangliste der BL-Torhüter an.
„Der am meisten unterschätzten Torwart der Liga“, sagte DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke mal über den Ungar, der weniger durch Show, sondern überlegtes Spiel überzeugt. 147 Ballkontakte in diesem Jahr bei einer Pass-Quote von 76 % - auch die Nicht-Handschuh-Skills hat Gulacsi weiterentwickelt! In den europäischen Top-Ligen sind wir auf weitere Torhüter gestoßen, die auf dem Feld wohl weit über die Rolle eines Notnagels hinausgehen.
Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)
„Neuer, Neuer immer wieder Neuer“, hieß es bei der WM 2014. Eigentlich kann es keine zwei Meinungen darüber geben, dass der viermalige Welttorhüter und Pionier der Generation „Sweeper Keeper“ außerhalb der Wertungsskala liegt. Wenn sich überhaupt ein deutscher Torhüter mit Manuel Neuer vergleichen darf, dann nur Marc-André ter Stegen. Seit 2014 steht der Ex-Gladbacher beim FC Barcelona zwischen den Pfosten, seit 2016 als Nummer 1 - und seit letztem Jahr auch unumstritten! Der Ritterschlag: Im Clasico in Madrid (3:2) stellte ter Stegen mit 36 von 43 angekommenen Pässen sogar CR7 in den Schatten. Durch extreme Ballsicherheit und präzise Abschläge war der „Xavi mit Handschuhen“ indirekt an einigen Toren von Messi und Co. beteiligt.
Jordan Pickford (FC Everton)
England und seine Pannen-Torhüter - das Videomaterial bei YouTube ließe sich problemlos zu einer mehrstündigen Folge von „Pleiten, Pech und Pannen“ zusammenschneiden. Da verwunderte es schon, warum der FC Everton für Jordan Pickford knapp 30 Millionen Euro auf den Tisch gelegt hatte und der 24-Jährigen bis heute der teuerste englische Keeper ist. Die WM 2018, wo die Three Lions wegen und nicht trotz Pickford ins Halbfinale marschiert war, belehrte alle Kritiker eines Besseren. „Im Training in Sunderland wirkte er so, als würde man einem richtig guten Mittelfeldspieler zusehen", gab Bickfords Ex-Trainer David Moyes seinerzeit zu Protokoll. Der einzige Wermutstropfen: Worüber amüsieren wir uns bei den nächsten Turnieren bitte ohne die Engländer?
Hugo Lloris (Tottenham Hotspurs)
Kurios: Der auf der Insel geprägte Begriff „Sweeper Keeper“ (übersetzt: Kehrmaschine) fällt vor allem in Verbindung mit einem Franzosen: Hugo Lloris! 37 Mal klärte Tottenhams Schnapper in der Vorsaison einen Ball - eher untypisch in der Premier League - außerhalb seines Strafraumes. Und in der Nationalelf? Wenn das französische Weltmeister-Bollwerk um Varane und Umtiti überhaupt mal unter Druck einen Ball zurück nach hinten spielen musste, reagierte Lloris stets gedankenschnell und ließ sich nicht auf dem falschen Fuß erwischen.
Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach)
Großer Beliebtheit unter Statistik-Freaks erfreuen sich die so genannten Heat Maps, die auf einen Blick erkennen lassen, wo ein Spieler sich hauptsächlich auf dem Feld aufgehalten hat. Wer sich die grafische Analyse von Yann Sommer aus der Partie seiner Gladbacher beim FC Augsburg (1:1) anschaut, könnte auf die Idee kommen, der Schweizer wäre ein Verteidiger gewesen. Mal ganz abgesehen von 97 Ballkontakten - neuer Spitzenwert für einen Bundesliga-Keeper! 2016 und 2018 setzte sich Sommer bei der Wahl zum Schweizer Fußballer des Jahres gegen prominente Konkurrenz wie Granit Xhaka (FC Arsenal) durch.
Pepe Reina (AC Mailand)
Wie bitte, ein 36-Jähriger als moderner Torwart? Genau das kann Pepe Reina von sich behaupten. Geprägt von der Barca-Schule, später von Pep Guardiola zu Bayern München geholt und nun im Herbst der Karriere beim AC Milan angekommen. Ob sich Gigi Donnarumma noch was vom Oldie abschauen kann? Es wäre ganz sicher eine Freude, mit dem Spanier mal das Rondo-Aufwärmspiel zu trainieren. Und wir gehen jede Wette ein, dass ihr öfter in die Mitte des Kreises steht, als der Oldie!
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