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PlayLink für PlayStation: Die Renaissance des Couch-Multiplayers?

© Sony
4 Freunde + 1 PS4 + 4 Smartphones = viel Spaß?
Autor: Sönke Siemensveröffentlicht am
Sei es nun „Snipperclips“, „Mario Kart 8 Deluxe“, „ARMS“, „Super Mario Odyssey“, „Super Bomberman R“ oder „Blaster Master Zero“ – Spiele mit einem Couch-Koop-Modus haben derzeit Hochkonjunktur auf Nintendo Switch. Schaut man sich dagegen das Line-up der Konkurrenz-Konsolen an, kommen Couch-Gamer weit weniger häufig auf ihre Kosten.
Sony – traditionell schon immer bemüht um unterhaltsame Party-Spiele – möchte diesem Missstand entgegenwirken und startete erst vor Kurzem die sogenannte PlayLink-Initiative. Gemeint sind Multiplayer-Erfahrungen, die man allesamt zusammen mit anderen an einem Bildschirm erlebt.
Der Clou bei PlayLink: Zusätzliche Controller sind dafür nicht nötig, denn jedes Spiel verfügt über eine maßgeschneiderte Smartphone-App, die eine Verbindung mit der Konsole aufbaut und auf diese Weise als kabelloses Eingabegerät dient. Leitet PlayLink damit also eine Renaissance des Couch-Multiplayers auf PlayStation ein? Um das herauszufinden, haben wir das aktuelle Line-up zu mehreren rauf und runter gespielt. Außerdem werfen wir einen Blick auf zukünftige PlayLink-Spiele wie „Frantics“ und „Erica“ und verlinken die jeweiligen Begleit-Apps.

1. Wissen ist Macht

Das Spielprinzip von „Wissen ist Macht“ ist schnell erklärt. Bis zu vier Personen installieren die Begleit-App auf ihrem iOS- bzw. Android-Mobilgerät und nehmen dann gemeinsam an einem auf Spaß und Schadenfreude getrimmten Wissensquiz teil. Bevor die Show beginnt muss sich jeder Teilnehmer allerdings zuerst einmal für eine Spielfigur entscheiden und mit der App ein verrücktes Selfie schießen, das dann sozusagen als Konterfeier für sein Alter Ego dient.
Alle Startvorbereitungen getroffen? Sehr gut, denn im Anschluss werden eure grauen Zellen nun elf Runden lang mal wieder so richtig in Schwung gebracht. In welchem "Indiana Jones"-Film sucht der Archäologe nach den Sankara-Steinen? Welches Organ kann wieder nachwachsen, wenn ein Teil von ihm entfernt wird? Wer schrieb Kinderbücher und war während des Zweiten Weltkriegs ein britischer Spion? Die Fragen stammen aus einer Vielzahl von Wissensgebieten und sind streckenweise ziemlich knifflig.
Richtig Gas gibt „Wissen ist Macht“ allerdings erst ab Runde zwei. Dann nämlich darf jeder Spieler einen anderen Teilnehmer selektieren und diesem beim Einloggen der Antwort mit einem Joker behindern. „Einfrieren“ zum Beispiel umhüllt die vier Felder im Antwortbildschirm mit einer dicken Eisschicht – die erst dann zerbricht, wenn man mehrfach mit dem Finger drauf tippt. Witzig auch die sogenannten Knabberer. Diese Wollknäul-ähnlichen Wesen fressen Buchstaben aus den Antworten und machen es so schwieriger, die korrekte auszuwählen. Sinn und Zweck des Ganzen? Logisch, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Gegner langsamer antwortet als man selbst und dementsprechend später auch weniger Punkte einsackt.
Aufgelockert wird der unterhaltsame Fragemarathon durch zwei Spezialrunden. In einer geht es darum, verschiedene Begriffe zu analysieren und dann Verbindungslinien zwischen Themenpaaren zu zeichnen. Die andere verlangt, auf dem Mobilgerät-Bildschirm erscheinende Namen oder Begriffe durch Wischen nach links oder rechts korrekt zuzuordnen.
Klingt nach einer Menge Spaß? In der Tat! Wer sich übrigens schon jetzt warmspielen möchte, kann das völlig kostenlos mit der Begleit-App tun, die nebst ihrer Standard-Funktion als Touchscreen-Controller auch das zu zweit an einem Smartphone spielbare „Schnellquiz“ beinhaltet.
Entwickler: Wish Studios
Genre: Quizspiel
Anzahl der Spieler: 2 bis 6
Erhältlich seit: 22. November 2017
Link zur App: iOS / Android

2. Hidden Agenda

Während „Wissen ist Macht“ euren Denkapparat in Wallung bringt, präsentiert sich „Hidden Agenda“ in erster Linie als interaktiver Film, dessen Handlung sich basierend auf den Entscheidungen der teilnehmenden Spieler weiterentwickelt. Die emotionale Achterbahnfahrt beginnt in einer düsteren Wohngegend irgendwo in einer amerikanischen Großstadt. Ein Polizist und seine Kollegin durchkämen ein Haus, um einem Kidnapping-Notruf nachzugehen. Dabei stoßen sie auf den sogenannten Trapper – einen Serienmörder, der bereits seit Längerem sein Unwesen treibt.
Bevor das Duo den vermeintlichen Killer dingfest machen kann, muss es jedoch schon die ersten wichtigen Entscheidungen treffen. In der Küche zum Beispiel hört die Polizistin einen Schrei. Doch was tun? Dem Geräusch nachgehen? Oder doch lieber zum Partner gehen, der sich woanders im Haus befindet? Weniger später erspäht Polizistin Becky Marney dann den Killer und muss wieder abwägen: Soll sie zunächst ihren Kollegen um Hilfe rufen oder doch lieber selbst vorstürmen und den Verbrecher mit ihrer Waffe in Schach halten?
Was folgt ist ein nervenaufreibender, audiovisuell ansprechender Plot, der problemlos mehrere Stunden vor den Bildschirm fesselt und genau wie Supermassive Games' „Until Dawn“ dank unterschiedlicher Handlungsstränge zu mehreren Spieldurchläufen einlädt. Schade nur, dass der optionale, kompetitive „Geheimauftrag“-Modus so schlecht erklärt wird und zudem einige Design-Fehler aufweist. Davon abgesehen aber ein tolles Psycho-Thriller-Erlebnis für kalte Winterabende.
Entwickler: Supermassive Games
Genre: Detektiv-Thriller
Anzahl der Spieler: 1 bis 6
Erhältlich: 22. November 2017
Link zur App: iOS / Android

3. Planet of the Apes: Last Frontier

„Planet of the Apes“ von The Imaginati Studios schlägt in die gleiche Kerbe wie „Hidden Agenda“ und lässt euch an einer interaktiven Geschichte teilhaben. Chronologisch zwischen „Planet der Affen: Revolution“ (2014) und „Planet der Affen: Survival“ (2017) angesiedelt, rückt bei „Last Frontier“ das Schicksal von insgesamt 14 Menschen und Affen in den Fokus. Je nachdem welche Entscheidungen die Spieler im Handlungsverlauf treffen, kann jede dieser Figuren die 2- bis 3-stündige Geschichte überleben oder eben nicht.
Puzzle oder Explorationsabschnitte sind nicht vorgesehen, ebenso wenig Passagen in denen eine Figur direkt gesteuert wird. Dem gut geschriebenen Abenteuer tut dies jedoch keinen Abbruch. Was genau passiert? Nur so viel: Eine größere Gruppe Primaten will sich dem andauernden Krieg zwischen Menschen und Affen entziehen und flüchtet in die Rocky Mountains. Doch schon bald bricht eine Hungersnot aus, die die Affen ins Tal treibt – wo sich wie zu erwarten Menschen niedergelassen haben.
Größter Spannungsfaktor bei „Last Frontier“: Ihr erlebt die Handlung aus der Perspektive beider Fraktionen. Infolgedessen kann es in wichtigen Entscheidungssituation schnell zu hitzigen Diskussionen kommen, da jeder Spieler in der Regel bestimmte Charaktere favorisiert und diese am Leben halten möchte. Kurzum: Ein spaßiger Zeitvertreib für „Planet der Affen“-Fans. Alle anderen geben „Hidden Agenda“ den Vortritt.
Entwickler: The Imaginati Studios
Genre: Abenteuer
Anzahl der Spieler: 1 bis 4
Erhältlich: 21. November 2017
Link zur App: iOS / Android

4. That’s You

„That’s You“ kommt vom gleichen Entwickler wie „Wissen ist Macht“ und zählt zu den interessantesten bisher erhältlichen PlayLink-Titeln. Dreh- und Angelpunkt der Gameplay-Struktur sind schräge Fragen oder Aufgaben, die bewusst darauf angelegt sind, mehr über die anderen Mitspieler zu erfahren. Was würde Spieler A sagen, wenn der Lehrer den Raum verlassen hat? Wie würde sich Spieler C verhalten, wenn morgen die Welt untergeht? Wer aus der Gruppe würde aus seinem Gesicht eine riesige Lehmstatue formen?
Die Fragen sind in der Tat ziemlich verrückt und müssen auf verschiedene Art und Weise beantwortet werden – mal durch Auswählen von Bildkarten, mal indem man einen Satz mit der Touchscreen-Tastatur vervollständigt und mal, indem man Dinge mit dem Finger aufs Handydisplay malt.
Ergänzend dazu streut „That’s You“ immer wieder spaßige Foto-Aktivitäten ein. Beispielsweise zeigt „That’s You“ das Bild einer Person oder Sache und nun müssen alle Spieler genau diese Szene nachahmen und währenddessen ein Selfie von sich machen.
Ist eine Runde vorbei, bewerten die Teilnehmer dann jeweils, wer die Herausforderung am besten gelöst hat und erhalten dafür Punkte. Herrlich komisch und ein echter Eisbrecher auf jeder Party – speziell, wenn sich die Mitspieler bereits kennen! Neugierig geworden? Noch bis zum 7. Februar 2018 steht „That’s You“ für PlayStation Plus Nutzer als Gratis-Download bereit.
Entwickler: Wish Studios
Anzahl der Spieler: 2 bis 4
Genre: Partyspiel
Erhältlich: 4. Juli 2017
Link zur App: iOS / Android

5. Sing Star Celebration

Sing Star“ dürfte unter Musikfans hinlänglich bekannt sein. Das Interessante an der PlayLink-Variante „Celebrations“: USB-Mikrofone oder eine PlayStation Camera mit eingebauten Mikrofon werden zum Spielen nicht zwingend benötigt. Vielmehr besteht alternativ auch die Möglichkeit, dass diesen Job die „Sing Star Mic“-App übernimmt – euer Smartphone wird also zum Mikrofon, was ziemlich gut klappt.
Das Spiel bietet insgesamt 31 Songs, darunter Welthits wie „Want To Want Me“ von Jason Derulo, „All About That Bass“ von Meghan Trainor, „Wonderwall“ von Oasis oder „Lush Life“ von Zara Larsson. Aber auch Ohrwurm-Tracks von deutschsprachigen Künstlern wie Andreas Gabalier, EFF, Fettes Brot, Lena oder Namika sind an Bord.
Weitere Musik gefällig? In diesem Fall reicht ein kurzer Abstecher in den SingStore, wo zur Veröffentlichung dieses Artikels 827 weitere Lieder zur Verfügung standen, die einzeln mit je 1,39 Euro zu Buche schlugen. Songpakete von berühmten Bands wie Coldplay, Depeche Mode, Foo Fighters, Garbage oder Oasis kosteten je 6,49 Euro und beinhalten jeweils fünf weitere Lieder. Schön zudem die Vielfalt an Spielmodi. Ob nun allein, zu zweit oder sogar zu acht – hier steppt der Bär.
Entwickler: London Studio
Anzahl der Spieler: 1 bis 4
Genre: Partyspiel
Erhältlich: 22. November 2017
Link zur App: iOS / Android

6. Frantics

„Frantic“ bedeutet im Englischen so viel wie wild, rasend oder außer sich und umschreibt sehr gut, welche Atmosphäre bei Sonys turbulenter Minispiel-Sammlung im Multiplayer aufkommt. Der Titel offeriert insgesamt 15 verschiedene Disziplinen, von denen wir einige auf einer Preview-Veranstaltung bereits ausprobieren konnten. Los ging’s mit einem deftigen Last-Man-Standing-Gerangel auf einer schwebenden, spiegelglatten Eis-Plattform. Der Gag hier: Um die eigene Figur übers Eis zu lotsen, muss man das Smartphone (welches Playlink-typisch als Controller dient) zunächst waagerecht halten und dann je nach gewünschter Laufrichtung kippen und neigen. Auch cool: Wer mag, darf auf die Schultern eines Mitspielers springen und dann gemeinsam mit diesem andere von der Plattform schubsen – riskiert dabei allerdings immer stets, dass die Person ganz unten ihn plötzlich ungefragt abwirft. Chaos pur!
Ebenfalls anspielbar war das Minispiel Hot-Rod-Helden. Hier zwängen sich die schrägen, Knetmännchen-ähnlichen Charaktere in verrückte Fahrzeuge und tragen Wettrennen aus. Bevor das eigentliche Rennen startet, ist jedoch jeder Spieler verpflichtet, das Fahrzeugs seines Mitstreiters fies zu tunen. Ihr wollt, dass euer Gegner bei Sprüngen übers Ziel hinausschießt und gegen einen riesigen Torbogen semmelt? Dann sollt ihr ihm vielleicht einen Turboboost anflanschen. Wird super!
Entwickler: NapNok Games
Anzahl der Spieler: 2 bis 4
Genre: Minispiel-Sammlung
Erhältlich ab: 14. März 2018

7. Erica

„Erica“ wurde auf der diesjährigen Paris Games Week enthüllt, reift derzeit beim britischen Newcomer-Studio Flavourworks heran und ist ein interaktives Live Action Drama, bei dem ein bis vier Spieler die Handlung durch ihre Entscheidungen direkt beeinflussen. Größter Unterschied zu „Hidden Agenda“ oder „Planet of the Apes: Last Frontier“. 3D-Grafik kommt nicht zum Einsatz. Stattdessen arbeiten die Entwickler ausschließlich mit echten Filmsequenzen, die stets nahtlos ineinander übergehen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Erica, eine junge Frau, die sich mit traumatischen Kinderheitserinnerungen konfrontiert sieht, die sie bis heute verfolgen. Die Story nimmt an Fahrt auf, als Erica plötzlich von einem alten Familienfreund kontaktiert wird. Ihm zufolge seien Ericas Erinnerungen der Schlüssel, um einen bisher nicht gefassten Killer zu identifizieren. Was Erica nicht ahnt: Schon bald setzt sich der Killer auch mit ihr in Verbindung, um ihr seine Version der Wahrheit zu schildern.
Um das Ganze auch spielmechanisch interessant zu gestalten, setzt Flavourworks auf nuancierte Touch-Gesten. So soll es beispielsweise möglich sein, Erica die Tränen von den Augen zu Wischen oder Türen laut bzw. leise zu öffnen, was jeweils Einfluss auf den Ausgang einer Szene hat. Ebenfalls wissenswert: Die Story soll so raffiniert angelegt sein, dass regelmäßige Diskussionen zwischen den Spieler entstehen. Traut man der Stimme am Telefon oder nicht? Soll Erica Gewalt anwenden, falls sie sich bedroht fühlt oder doch eher besänftigende Worte finden?
Zugegeben, viel haben wir von „Erica“ bisher nicht gesehen. Potenzial hat es aber allemal, nicht zuletzt aufgrund seiner hohen Zugänglichkeit für Nichtspieler. Auf dem PlayLink-Radar behalten!
Entwickler: Flavourworks
Anzahl der Spieler: voraussichtlich 1 bis 4
Genre: Interaktiver Film
Erhältlich ab: 2018