Bartek Bargiel steuert seine Drohne auf dem K2
© Marek Ogień
Bergsport

Warum Drohnen die Zukunft von Bergrettung und Freeriding sind

Der unerwartete Held einer erst kürzlich stattgefundenen Rettungsaktion auf dem Gipfel des K2 war eine Drohne, die dabei half, einen vermissten Kletterer zu finden. Eine Zukunftsprognose.
Von: Josh Sampiero
5 min readPublished on
Kurz, bevor Andrzej Bargiel seine historische Abfahrt vom K2 startete, war sein Bruder Bartek Bargiel mit einem ganz anderen geschichtsträchtigen Durchbruch in den Schlagzeilen: Er verwendete eine Drohne, um den vermissten Kletterer Rick Allen auf den gefürchteten Pisten des K2 zu finden. Man mag 800 Gramm fliegendes Plastik und Metall wohl nicht als Engel bezeichnen, für Allen aber war die Drohne genau das.
Hier siehst du, wie Rick Allen mit Hilfe der Drohne auf 7.000 Höhenmetern lokalisiert werden konnte:
Der 65 Jahre alte Kletterer aus Schottland fiel während eines Soloaufstiegs eine 30 Meter hohe Klippe hinunter. Viele seiner Kollegen waren sich sicher, er sei tot. Sein Partner Sandy Allan wollte ihn aber noch nicht aufgeben. Da kamen Bartek Bargiel und seine Drohne ins Spiel.

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Mithilfe der Drohne war es ihm möglich, Bilder und Videos zu schießen und vor allem die Koordinaten von Allens Aufenthaltsort festzumachen. Diese Informationen konnte er dann an die Retter des Broad Peak Base Camps weitergeben, die sich aufmachten, um ihn zu finden. Bargiel flog zwischen Allen und den Rettern solange hin und her, bis sie schlussendlich aufeinandertrafen und der Vermisste in sicheren Händen war.

Was können Drohnen noch?

Diese Rettungsaktion wirft folgende Frage auf: Wozu könnte man Drohnen noch benutzen? Eine zweite Heldentat gibt Aufschluss: Während sich Andrzej Bargiel daran machte, vom K2 abzufahren, plagten Teammitglied Janusz Gołąb Rückenschmerzen, weshalb er vom Berg nicht mehr runterkam. In der Vergangenheit bestand die einzige Möglichkeit, ihm zu helfen, darin, jemanden hoch zu schicken, der ihm dabei hilft, abzusteigen – eine langwierige und riskante Lösung. Als Alternative brachte Bargiel ein kleines Paket mit den notwendigen medizinischen Vorräten an der Drohne an und flog diese zu Gołąb hoch, dem es damit möglich war, wieder abzufahren.
Hier siehst du die historische K2-Abfahrt von Andrzej Bargiel aus der Perspektive der Drohne:

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Andrzej Bargiels Abfahrt vom K2 aus Drohnenperspektive

Andrzej Bargiel machte sich zum allerersten Menschen, der den zweithöchsten Gipfel der Welt, den K2, 2018 mit den Skiern hinunterzischte - eine für unmöglich gehaltene Aktion.

Aber nicht nur auf dem Berg sind Drohnen nützliche Helfer, wenn es um Leben und Tod geht. Hier siehst du, wie eine Drohne zwei Schwimmer lokalisiert und mit einem selbstaufblasbaren Rettungsgerät in Sicherheit bringt:
Quotation
Drohnen sind die Zukunft und die Zukunft beginnt jetzt.
Brett Velicovich
Der amerikanische Drohnenexperte Brett Velicovich meint, dass die Möglichkeiten unendlich sind: „Es geht alleine um die Größe und die Power der Drohne. Das sind die Grenzen. Diese können aber ausgereizt werden, wie etwa der YouTuber Casey Neistat zeigt.“
Velicovich ist aber der Ansicht, dass sich Drohnen zunächst in Sachen künstliche Intelligenz weiterentwickeln werden. „Ein UAV [unmanned aerial vehicle] wird noch immer von einem Menschen gesteuert. Das wird sich bald genug ändern. Drohnen sind die Zukunft und die Zukunft beginnt jetzt.“

Helikopter sind hier, um zu bleiben

Auch wenn er keine Probleme mit Drohnen hat, sieht Helikopterpilot Simone Moro das Ganze etwas anders. Er glaubt, dass Drohnen Helikopter noch lange nicht ablösen werden: „Ich habe die jetzige Entwicklung erwartet. Wir sollten dafür aber nicht das Wort ‚Rettung‘ verwenden, sondern ‚Support‘. Bis eine Drohne eine Person in die Höhe heben kann, muss sie um einiges größer, ergo teurer als ein Helikopter werden.“
Außerdem gibt es für eine Rettung bestimmte Regeln, die eingehalten werden müssen: „Alles wird komplizierter und teurer. Momentan sind Drohnen dazu da, um eine Rettung nur zu unterstützen – und das wird in den nächsten Jahren auch so bleiben“, meint Moro.

Drohnen können aber noch einiges mehr

Aber nicht nur in Gefahrensituationen sind Drohnen nützliche Helfer. Für Kletterer, Big Mountain-Skifahrer und -Snowboarder sind sie das perfekte Werkzeug, um die perfekte Line penibelst austüfteln zu können. Xaver De Le Rue setzt dafür schon länger auf eine Drohne, und auch Andrzej Bargiel hat auf dem K2 seinen Weg nach unten mithilfe einer Drohne gefunden.
Nach wie vor gibt es aber Schwierigkeiten. Drohnen (besonders die kleinen) erleben in großen Höhen Einbußen in ihrer Performance. Die dünnere Luft erschwert das Fliegen und das kalte Wetter beansprucht die Akkulaufzeit.

Augen im Himmel: Cool oder abschreckend?

Die Wildnis, ganz besonders jene hoch oben auf den Bergen, bietet ein ganz eigenes Ambiente. Jene Menschen, die diese Orte aufsuchen, tun dies nicht selten genau deswegen, um der Modernität und der Technologie zu entkommen – auch wenn letztere mittlerweile zum Abenteuer auf dem Berg dazugehört. Das hohe Surr-Geräusch der Drohnen erzeugt in dieser Hinsicht dennoch einen klaren Widerspruch.
Auch Allen war zunächst abgeneigt: „Ich hatte große Aversionen gegen Drohnen, die die Ruhe dieser wunderbaren Umgebungen zerstören. Mittlerweile sehe ich aber das riesige Potential in den verschiedensten Rettungsszenarien. Sie können leicht transportiert und für eine lokale Suchaktion eingesetzt werden, sofern es Sinn macht. In meinem Fall war ich froh darüber, das Teil heranschwirren zu sehen!“
„Als ich gemerkt habe, dass die Drohne hier nicht zufällig fliegt, gab mir das neuen Mut. Ich wollte einfach nur, dass jemand weiß, dass ich noch da bin und mich nach wie vor bewege.“
Quotation
Die Drohne gab mir neuen Mut!
Rick Allen

Zusammengefasst: Drohnen eignen sich hervorragend für die Bergrettung

Rick Allen zeigt sich überzeugt: „Drohnen sind ein wertvolles Werkzeug, um neue Routen auf riesigen Bergen zu scouten. Sie könnten viele Unsicherheiten aus dem Weg räumen.“ Aber könnten sie nicht mehr unerfahrene Kletterer auf die Berge locken, die wiederum für mehr Probleme sorgen? Allen meint dazu: „Das würde ich nicht sagen, weil sich damit nicht alle Eventualitäten mit Bestimmtheit festlegen lassen – etwa die Wetter- und Schneebedingungen.“
Auch sein Engel hatte aber einen kleinen Nachteil – Allen konnte seinen Teamkollegen nicht mitteilen, dass er einen eigenen Plan gefasst hatte, aus seiner Situation rauszukommen: „Ich war mir ziemlich sicher, dass ich es bis ins Camp 3 schaffen würde. Mein Plan war, immer nach oben rechts zu klettern, um dann ins Camp 3 abfahren zu können. Das teilte ich der Drohne mit, aber natürlich hatte sie kein Mikrophon!“ In diesem Sinne hat die Technik also noch etwas Nachholbedarf.

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Andrzej Bargiel

Polish ski tourer Andrzej Bargiel has made headlines around the world when completing the first-ever descents on skis of Mount Everest, K2 and all 8,000m peaks in the Karakorams.

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