Der Stadionsprecher Tim Thoelke
© Sabine Knoll
Fußball
Einerkette: Tim Thoelkes RB-Leipzig-Kolumne
Der Stadionsprecher über Konfettiregen, Straßenschuhe und Heckenscheren
Autor: Tim Thoelke
veröffentlicht am
Das war sie also, die erste Bundesliga-Saison unserer Vereinsgeschichte, zumindest was die Heimspiele angeht. Den passenden Rahmen für die letzte Partie in der Red Bull Arena bildete dabei das Spiel RB Leipzig gegen den FC Bayern München und auch Tage nach dem Match spricht die halbe Stadt noch von den neun Toren, taumelnden Bayern (die am Ende doch nicht umgefallen sind), gelben Karten und Nachspielzeiten.
Dazu das abschließende Fanfest auf der Festwiese, inklusive einer guten Nachricht, besonders für Anhänger, die schon etwas länger dabei sind: Fabio Coltorti hat seinen Vertrag noch einmal verlängert. Dazu die Freude auf die Champions League und der sichere zweite Platz in der Bundesliga. Trotz der in letzter Minute verlorenen Partie, drei gute Gründe für Konfettiregen und Sonnenschein (siehe Foto).
Gegen die Bayern war die Red Bull Arena zum elften Mal in dieser Saison ausverkauft, Tickets für das Spiel wurden mehr oder weniger mit Gold aufgewogen. Noch nie haben sich im Vorfeld einer Partie so viele Leute bei mir gemeldet, von denen ich zum Teil schon seit Jahren nichts mehr gehört hatte. Natürlich nur, um mal wieder zu quatschen, man hat sich ja ewig nicht mehr gesprochen und, ach ja, hast du zufällig noch eine Karte für das Bayernspiel übrig? Nope. 
Die Gier nach Tickets wird wohl auch in der kommenden Saison nicht nachlassen. Einige Leute sind jetzt schon bereit, für eine Dauerkarte im Fanblock in der kommenden Saison 2.000 Euro oder mehr auszugeben. Bei einem regulären Preis von 180 Euro nenne ich das mal Inflation. Abgesehen davon, dass die Nummer illegal ist und für Käufer und Verkäufer schnell unangenehm werden kann: Als RB-Fan seine Dauerkarte verkaufen? Doppel-Nope!
Das würde Fan Rico natürlich nie einfallen. Er fragte mich über meine Facebook-Seite lieber, warum ich im Stadion mit meinen Interviewgästen eigentlich immer auf diesen Kunstrasenplatten stehe und nicht auf dem echten Rasen (das Gleiche gilt natürlich auch für die Kollegen von Sky). Gute Frage – erstaunlich, dass die nicht schon mal früher kam. Der Grund ist ganz einfach: 
 Da wir das Grün mit unseren Straßenschuhen betreten, können auf diesem Wege schädliche Pflanzensamen oder sogar Krankheitserreger auf den Rasen gelangen, was diesem gefährlich werden könnte. Klingt erst einmal etwas paranoid, ist aber wirklich so. Je nachdem, wie viele Personen bei mir zum Interview sind, werden dann vorher dementsprechend viele Kunststoffplatten ausgelegt. Unsere Greenkeeper legen ziemlich großen Wert darauf, deswegen darf neben den Sportlern, Schiedsrichtern, Platzwarten, Bulli und mir auch fast niemand den Rasen betreten. Man wird kaum sehen, dass ein Ordner oder ein Kameramann über das Spielfeld läuft, um zum Beispiel Wege abzukürzen – die gehen immer alle brav drum herum, ansonsten laufen sie nämlich Gefahr, dass ihnen die Rasenmähermänner mit der Heckenschere im Anschlag den richtigen Weg zeigen.
Bei unserem letzten Spiel wäre das alles allerdings mehr oder weniger egal gewesen. Die Spielfläche wurde sowieso ruiniert, indem sie von der Mannschaft nach dem Spiel mit einer Grußbotschaft an die Fans besprüht wurde. Und auch das spielte keine Rolle, denn nach den Konzerten in der Sommerpause bleibt von dem heiligen Grün fast nichts übrig, sodass es für unsere erste Champions-League-Saison ohnehin einen ganz neuen Rasen geben wird. Mit dieser Kolumne gehe auch ich erst einmal in eine kleine Sommerpause und schreibe euch dann nach den ersten Testspielen im Juli wieder. Bis dahin!