Vom Underdog zur Wimbledon-Siegerin
Es war Wimbledon 2022, eines der wichtigsten Turniere im Tennissport, als Rybakina alle Welt mit ihrem herausragenden Lauf überraschte. Die 24-Jährige marschierte mit ihrem eindrucksvollen Aufschlag durch alle Runden auf dem Rasenplatz im All England Club und fand sich plötzlich im Finale wieder.
Sie trat der Nummer drei der Weltrangliste entgegen, Ons Jabeur. Natürlich war sie in dieser Situation der Underdog, dennoch gelang es ihr alles, was gegen sie sprach, zu überwinden, womit sie sich ihren Sieg und ihre erste Grand Slam-Trophäe mit einem 3-6, 6-2, 6-2 sicherte.
All das mag ihr Leben für immer verändert haben, aber Rybakina veränderte ihre Herangehensweise und ihre Einstellung nahch diesem Grand Slam-Titel in keinster Weise. Das hat damit zu tun, dass die Kasachin schon immer auf dem Boden geblieben ist und sie ihre Karriere einfach nur genießt, ganz egal, wo sie diese auch hinführt.
Zwei Grand Slam-Finalis in sechs Monaten
Bei den Australian Open im Jänner 2023 war Rybakina zurück im Rampenlicht, als sie unter dem Radar plötzlich erneut im Finale stand. Sie schaffte es beinahe, ihren Erfolg von Wimbledon ein halbes Jahr vorher zu wiederholen, doch letztlich konnte sie sich in diesem letzten Spiel nicht durchsetzen.
Dieses Mal stand sie der Nummer zwei der Weltrangliste gegenüber, Aryna Sabalenka, die sich den Sieg nach drei Sätzen krallte. Rybakina war natürlich enttäuscht, doch gelang es ihr dennoch, das Positive von ihrem unglaublichen Lauf in Melbourne mitzunehmen.
"Ich bin stolz darauf, zwei Finalis des Grand Slam-Turniers innerhalb eines halben Jahres erreicht zu haben", erzählt Rybakina. "Am Ende bin ich nur hier, um Tennis zu spielen und zu genießen."
Bisher hat sich dieser Zugang für Rybakina durchaus bezahlt gemacht. Sie erreichte erst kürzlich ihr Karrierehoch in der Weltrangliste mit Platz drei und hat vier WTA-Titel in der Tasche. Obwohl sie regelmäßig in Wettbewerben alles gibt, hat sie niemals das aus den Augen verloren, war ihr wichtig ist: dass Tennis nämlich ein Spiel ist, das man genießen sollte. Es ist diese Fähigkeit zu relaxen und den Moment zu genießen, die ihr dabei half, so viele Turniere für sich zu entscheiden.
Als Top-Athletin nach Wimbledon...
Jetzt kehrt Rybakina an den Ort ihre größten Triumphes zurück und sie ist nicht mehr der Underdog, stattdessen gehört sie neben Iga Świątek aus Polen und Sabalenka zu den Favoritinnen. Wie fühlt sich das für sie an? "Es ist nicht einfach, hier als Champion zurückzukommen", erklärt sie.
Viele Leute erwarten von Rybankina, ein weiteres Mal weit zu kommen und im besten Fall das Finale zu erreichen. Doch sie möchte sich einfach nur vollkommen auf sich selbst fokussieren, sich auf ihr Team verlassen und Spaß haben.
Daneben ist sie aber schlicht und ergreifend eine konkurrenzfähige Athletin, die Matches gewinnen möchte: "Die vielen Erinnerungen des vergangenen Jahres sind nach wie vor in meinem Kopf", erzählt sie. "Aber ich möchte mehr als einfach nur diese Erinnerungen. Ich möchte das ganze noch einmal erleben."
Ihren Titel zu verteidigen, wird keine einfache Sache, da jede Gegnerin ihr bestes Game abrufen wird, wenn sie ihr gegenübertritt. Der Druck mag den ein oder anderen unterkriegen, aber nicht Rybakina. "Ich möchte mir nicht selbst Druck auferlegen. Stattdessen möchte ich im 'Enjyoment-Mode' agieren."
Siege werden mit einem Team gewonnen
Viel wird von Rybakinas Umfeld in Wimbledon abhängen, was ihren inneren Kreis miteinschließt. Für Tennis-Athleten ist es zentral, sich auf ein Team verlassen zu können. Rybakina etwa zählt auf ihre ältere Schwester Anna, ihren Coach Stefano Vukow und ihren Fitness-Coach und ihren Physiotherapeuten. Dieser Mix aus Familie und Profis hat ihr dabei geholfen, sich im Laufe ihrer Karriere permanent weiterzuentwickeln.
Vor allem die Beziehung zu ihrem Coach ist von Bedeutung. Vukov ist ein extrem emotionaler Trainer, der oft neben dem Platz steht und seine Spieler pusht. Wie aber passt das zur bodenständigen Rybakina?
"Ich mag diese Kombination", erklärt sie. "Ich bin ruhig am Platz und er bringt eine Menge Energie mit." Natürlich gibt es aber Momente, an denen Rybakina ihre Emotionen während eines Matches rauslässt. Das ist nur "gesund", wie sie meint.
Rybakina hat aber eine weitere Wurzel ihrer Kraft gefunden, bevor sie nun nach Wimbledon zurückkehrt: die Inspiration von Roger Federer. Der Schweizer Maestro hat acht Wimbledon-Titel in der Tasche.
"Roger ist mein Idol. Ich sehe zu ihm auf und ich liebe seinen Style, seine Bewegungen und seine Leichtigkeit auf dem Platz", erklärt sie. Es gibt kaum bessere Spieler, denen man nacheifern könnte. Federer gehört zu den Großen der Tennisgeschichte und scheint immer mit einem Lächeln im Gesicht zu spielen. Wenn Rybakina einen Teil von Federers Erfolg einstreifen kann, dann erlebt sie eine Karriere, die in Erinnerung bleiben wird.