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FIFA 20 Pro Clubs: Eine Szene abseits des Rampenlichts

© EA Sports
Autor: Christian Knoth
Wir stellen einen Modus mit einer leidenschaftlichen Community vor, der von Publisher EA Sports zu wenig Aufmerksamkeit erhält.
In FIFA dreht sich seit Jahren (fast) alles um Ultimate Team. Die Mehrzahl der FIFA-Spieler zockt den Modus, in dem sie sich ihre Traum-Mannschaft aus allen in FIFA verfügbaren Fußballern zusammenstellen können. Da ist es kein Wunder, dass Publisher EA Sports diesem Modus auch die mit Abstand größte Aufmerksamkeit schenkt und auch professionelle Turniere mit hohen Preisgeldern in Ultimate Team ausgetragen werden. Gibt es neue Features oder Gameplay-Patches, haben die Veränderungen meist mit FUT zu tun.
Das Problem des Ultimate Team-Hypes: Andere Spielmodi bleiben dadurch auf der Strecke und werden kaum verbessert. Dazu gehört auch Pro Clubs. In einer dreiteiligen Artikel-Serie widmen wir uns einem Spielmodus mit einer leidenschaftlichen Community, die sich abseits des Rampenlichts größtenteils selbst organisiert, eigene Ligen betreibt und unerfüllte Wünsche hat.

Kurz vorgestellt: Das ist Pro Clubs

Pro Clubs ist ein in FIFA integrierter Spielmodus, den es bereits seit vielen Jahren gibt. Anders als in Ultimate Team tretet ihr als Verein mit bis zu elf Spielern gegen andere Klubs an - bestenfalls gibt es also 11 vs. 11-Duelle. Jeder Spieler steuert dabei nur seinen selbst erstellten Charakter. Bei der Charakter-Erstellung legt ihr unter anderem Name, Alter, Position und Attribute fest.
Es geht nicht primär um eure Fähigkeiten als Einzelspieler. Der Teamgedanke steht im Vordergrund. Seid ihr in eurem Verein zum Beispiel Linksverteidiger, bringen euch eure individuellen Fähigkeiten in der Offensive nicht viel weiter. Es kommt darauf an, seine Position bestmöglich auszufüllen und mit den Vereinskollegen zu kommunizieren. Nur gemeinsam seid ihr in Pro Clubs erfolgreich - das macht diesen Spielmodus so besonders und interessant.
In Pro Clubs spielt ihr im 11 vs. 11-Modus.
FIFA 20 Pro Clubs Gameplay

Selbst organisierte Ligen ohne Publisher-Unterstützung

Offizielle von Publisher EA Sports veranstaltete Pro Clubs-Ligen und Turniere existieren aber neben den bereitgestellten Ingame-Spielmodi nicht. Während die Preisgelder bei der FUT Champions Global Series Jahr für Jahr in die Höhe schnellen und man mittlerweile hauptberuflich FIFA-Profi in Ultimate Team werden kann, schaut die Pro Clubs-Community in die Röhre. Allerdings lassen sich die Pro Clubs-Cracks davon nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Statt auf offizielle Wettbewerbe von EA zu warten, organisiert sich die Szene selbst.
Obwohl es keine Unterstützung von EA gibt, ist der Ligabetrieb in Pro Clubs immer sehr professionell.
Nico Schwingenschrot, RoXoЯ eSports
In zahlreichen von der Community ins Leben gerufenen Ligen duellieren sich die besten Pro Clubs-Vereine, dazu gehören die ProLeague und die NGL Pro Club Series. „Obwohl es keine Unterstützung von EA gibt, ist der Ligabetrieb in Pro Clubs immer sehr professionell“, sagt Nico Schwingenschrot, der in FIFA fast ausschließlich Pro Clubs spielt. Der 20-jährige Österreicher ist Teil des Teams von RoXoЯ eSports, das in der ProLeague aktuell auf dem besten Weg ist, in die 1. Liga aufzusteigen.

Feste Trainingstage mit Taktikbesprechungen und Fehleranalysen

Wie ernst die Pro Clubs-Vereine die Ligaspiele nehmen, zeigt der Wochenablauf bei RoXoЯ eSports. „Wir haben feste Trainingstage und trainieren dreimal die Woche“, erzählt Schwingenschrot, der mit dem Gamertag S1lenty_ die Linksverteidigerposition bekleidet. „Von normalen Trainingsspielen über Taktikbesprechungen bis hin zu Fehleranalysen: Die Trainingseinheiten sind vielschichtig und bieten regelmäßig einen großen Lerneffekt“, so der Österreicher, der 2015 durch einen Freund für Pro Clubs begeistert wurde. „Seitdem spiele ich nichts lieber. Was gibt es Schöneres, als gemeinsam im Team an seinem Spiel zu feilen und zusammen erfolgreich zu sein?"
Wir haben einen Kadermanager, der neue Spieler verpflichtet und die Trainingseinheiten organisiert.
Nico Schwingenschrot
Aber wie bekommt es ein Pro Club-Verein überhaupt hin, drei feste Termine in der Woche zu finden, an denen immer alle Spieler Zeit zum Trainieren finden? „Das erfordert zunächst einmal eine gute Organisation“, betont Schwingenschrot: „Wir haben einen Kadermanager, der neue Spieler verpflichtet und die Trainingseinheiten organisiert.“ In der App SpielerPlus, die vor allem den Fußballern unter euch vielleicht ein Begriff ist, werden Trainings- und Spieltage eingetragen. Vereinsmitglieder können dann zu- oder absagen, sodass jeder im Team Bescheid weiß, wie viele Spieler am Training teilnehmen. Schwingenschrot: „Da unser Verein aus mehr als elf Spielern besteht, bekommen wir es grundsätzlich immer hin, mit elf Spielern zu trainieren.“
Ihr spielt in Pro Clubs zunächst in kleineren Stadien.
FIFA 20 Pro Clubs Stadion

Katastrophale Entwicklung und Appell an EA

Viele begeisterte Spieler mit absoluter Hingabe und zahlreiche professionell geführte Ligen reichten EA Sports bisher als Gründe für eine kontinuierliche Verbesserung von Pro Clubs nicht aus. „Die Entwicklung ist katastrophal“, spricht Schwingenschrot Klartext: „In den letzten Jahren wurde so gut wie nie etwas am Modus geändert, mehrfach betonten Wünschen der Community wurde keine Beachtung geschenkt. Dass sich jetzt in FIFA 20 tatsächlich mal etwas getan hat, glich fast einem Wunder. Damit hatten wir nicht gerechnet.“
Dass man um die Behebung dieses Fehlers weiterhin bitten muss, ist eigentlich ein Witz. In Ultimate Team würde sich um so etwas vermutlich nach nur wenigen Sekunden gekümmert werden.
Nico Schwingenschrot
Schwingenschrot spielt unter anderem auf einige Bugfixes, die Integrierung eines Trainingsmodus und die Überarbeitung des Kommentatoren-Overlays an. EA hat einer schwer enttäuschten Community damit Grund zur Hoffnung auf weitere Verbesserungen gegeben. „Die Änderungen waren cool. Aber das darf nur der Anfang sein“, so Schwingenschrot, der an EA appelliert, den größten Wunsch der Community endlich umzusetzen: „Es ist weiterhin nicht möglich, Spieler einzuwechseln und Ersatzspieler zu nutzen. Dass man um die Behebung dieses Fehlers weiterhin bitten muss, ist eigentlich ein Witz. In Ultimate Team würde sich um so etwas vermutlich nach nur wenigen Sekunden gekümmert werden.“
Ultimate Team ist für EA nun einmal der wichtigste Spielmodus - das zeigt sich in vielerlei Hinsicht. Im zweiten Teil unserer dreiteiligen Artikel-Serie zu Pro Clubs werden wir in Kürze FUT mit Pro Clubs vergleichen. Welcher Spielmodus macht mehr Spaß und was haben die beiden Modi für Vor- und Nachteile?
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