Flo Neuschwander will den Weltrekord über die 50 km – auf dem Laufband!
Laufsport

Rekordjagd auf ungewohntem Terrain: Flo Neuschwander steigt aufs Laufband!

© Ydwer van der Heide / Red Bull Content Pool
Am 27.02. hat er in 2:57:25 den 50-km-Weltrekord auf dem Laufband gebrochen. Hier spricht er über die Herausforderungen des Rekords und was dieser mit dem Wings for Life World Run zu tun hat.
Autor: Henner Thiesaktualisiert am
Ein Weltrekord ist ein heikles Unterfangen: Der Athlet muss auf Knopfdruck Leistung bringen, die offiziellen Regularien müssen erfüllt werden und das Ziel darf trotz aller organisatorischer Hindernisse nie aus dem Fokus geraten. Wenige Tage vor seinem 50-km-Lauf im Athletes Performance Center im österreichischen Thalgau gibt Florian Neuschwander Einblick, was es bedeutet, einen Weltrekordversuch durchzuziehen.

Flo Neuschwanders Weltrekordjagd im Replay

Flo, wie bereitet man sich auf einen Weltrekord auf dem Laufband vor?

Um die 50 km auf dem Laufband in der Zielzeit zu schaffen, muss ich oft auf dem Laufband trainieren. Ich habe jetzt sieben bis acht lange Läufe über 30 km auf dem Laufband absolviert und versuche diese in der Regel schneller zu laufen, als die Pace, die ich für den Weltrekord bräuchte.

An welchen Schrauben drehst du in Vorbereitung auf deinen Laufband-Weltrekord noch?

Was das Schuhwerk betrifft, setze ich auf die leichtesten Wettkampfschuhe, die ich von meine Sponsor On habe. Dazu trage ich eine luftig-leichte Short und ein leichtes Singlet. Das Thema Belüftung ist für den Weltrekord ganz entscheidend. Deshalb werden am Tag selbst auch zwei Ventilatoren aufgestellt, damit ich nicht unnötig viel schwitze und zu viel Flüssigkeit verliere.
Das Thema Belüftung ist für den Weltrekord ganz entscheidend.
Ultrarunner Florian Neuschwander genießt den Blick auf die Alpen.
Auch der Kopf gehört regelmäßig gelüftet...

Wie wirst du dich verpflegen: Was trinkst und isst du vor und während deines Weltrekordversuchs?

Vorher werde ich ganz normal frühstücken, da gibt es bei mir immer eine Banane, eine Energybar, einen Kaffee, einen Toast mit Schokocreme drauf und ein Glas Wasser. Während des Rekords werde ich drei 0,75 Liter Flaschen vor mir stehen haben. In den ersten zwei sind isotonische Getränke drin, die mit etwas Salz gepimpt sein werden, weil man indoor auf dem Laufband doch mehr schwitzt als draußen, bei einem normalen Lauf. In der dritten Flasche wartet Red Bull Schorle auf mich, die ich gegen Ende trinken werde, wenn es auf die letzten 10 km zugeht.

Was macht das Laufband für dich zum perfekten Trainingsgerät?

Ich trainiere bei schlechtem Wetter generell lieber auf dem Laufband, als draußen im Regen rumzurennen (lacht). Zum einen wegen der geringeren Erkältungsgefahr, zum anderen kann man drinnen in kurzen Klamotten laufen. Hinzukommt, dass ich meine Marathonbestzeit gelaufen bin, nachdem ich ein Drittel meiner Trainingseinheiten dafür auf dem Laufband abgerissen habe. Ich bin also durchaus ein Laufband-Typ (lacht).
Ich bin ein Laufband-Typ!
Laufsport · 9 Min
Mein Rekord mit dem Babyjogger? 35 Minuten auf 10 Kilometer

Sprechen wir über Zahlen: Welche Pace musst du über die 50 km laufen, um den aktuellen Laufband-Weltrekord zu knacken?

Der aktuelle Laufband-Weltrekord über die 50 km liegt bei 2:59:03. Das ist kein anerkannter Guiness-Rekord, aber die derzeit schnellste Laufband-Zeit, die auf dieser Strecke bekannt ist. Um den zu knacken, muss ich 16,75 km/h laufen. Mein Ziel ist es daher, 16,8 km/h durchzulaufen. Damit käme ich auf eine Pace von 3:34 min/km. Das sollte eigentlich machbar sein (lacht).

2019 bist du beim Wings for Life World Run mit Pace 3:47 min/km rund 62 km gelaufen – inwieweit dient der Weltrekordversuch der Vorbereitung für 2020?

Auf jeden Fall! Der Weltrekordversuch ist eine super Vorbereitung für den Wings for Life World Run. Er ist sogar ein Stück weit so gedacht, weil jetzt, so früh im Jahr, nicht viele Wettkämpfe sind. Ich habe aber noch vor dem Jahreswechsel ein Ziel gebraucht, auf das ich hinarbeiten kann. Der 50 km Laufband-Weltrekord, den ich schon länger im Kopf habe, kam mir da gerade recht!
Der Weltrekordversuch ist eine super Vorbereitung für den Wings for Life World Run.
Ultrarunner Florian Neuschwander läuft beim Wings for Life World Run 2019 in München.
Flo Neuschwander startet seit Jahren beim Wings for Life World Run.

Was macht den 50 km Laufband-Weltrekord für dich besonders?

Ich hatte den 50 km Laufband-Weltrekord das erste Mal 2013 im Kopf. Damals ist es an der Umsetzung gescheitert, weil man gewisse Anforderungen erfüllen muss, um einen offiziellen Guiness-Weltrekord zu holen. Nun habe ich das Glück im Athletes Performance Center (APC) von Red Bull in Thalgau trainieren zu können – eine Location, die wie gemacht ist für offizielle Rekorde (lacht). Deshalb will ich das dort jetzt durchziehen!

Was macht das Athletes Performance Center zur perfekten Location für deinen Weltrekordversuch?

Zum einen hast du dort alles an einem Ort, was du als Athlet so brauchst. State of the art Trainingsgeräte, Physios, Ärzte, Trainer... so kann bei meinen Trainingseinheiten auch mal Laktat genommen werden, um genau zu sehen, in welchem Bereich ich trainiert habe. Die Betreuung vor Ort ist super, die Ausstattung einmalig und man trifft regelmäßig internationale Top-Athleten, die dort ebenfalls trainieren. Das alles motiviert ungemein.
Das Athletes Performance Center von Red Bull in Thalgau ist wie gemacht für offizielle Rekorde.

Was macht eine Pace von rund 3:30 min über 3 Stunden gelaufen mit den Lungen, den Beinen und nicht zuletzt mit dem Kopf?

Im Kopf passiert gar nicht so viel. Ich schalte beim Laufen sehr schnell ab. Gerade die ersten 30 km haben meine Beine längst abgespeichert, die rennen die fast von selbst. Die ersten 30 dürfen auch nicht weh tun und sind normalerweise kein Problem. Ab km 30 sieht es dann anders aus (lacht). Die letzten 20 km sind zäh, insbesondere die letzten 10 km, da heißt es dann auf die Zähne beißen!

Mit welchem Gameplan, mit welcher Taktik gehst du in den Weltrekordversuch?

Ich will den Weltrekord gesteigert laufen. Das heißt, ich laufe langsamer los, als die anvisierte Weltrekord-Pace von 16,8 km. Alle 10 km wird das Tempo dann um 0,3 bis 0,5 km/h gesteigert. So sollten die ersten 30 km recht locker gehen. Die letzten 20 km laufe ich dann deutlich schneller als die Rekord-Pace, damit ich das Ding am Ende hoffentlich nach Hause renne (lacht).
Die ersten 30 km rennen meine Beine fast von selbst, die dürfen auch nicht weh tun. Die letzten 20 sind dann zäh, da heißt es beißen.
Portrait von Ultrarunner Florian Neuschwander in den österreichischen Bergen.
Flo Neuschwander: "Man muss den Schmerz lieben!"

Wie gehst du den Weltrekordversuch mental an?

Ich denke nun mit jedem Tag mehr daran, wie es sein wird und visualisiere den Tag, an dem ich es packen will. Gut für den Kopf ist auch, dass ich schon viele lange Läufe auf genau dem Laufband absolviert habe, auf dem ich den Weltrekordversuch laufen werde. Zudem visualisiere ich insbesondere den Moment, ab dem es auf die letzten 20 km geht. Da geht’s dann richtig los. Ab da wird schon jetzt im Kopf die Pace erhöht (lacht). Das geht dann in Richtung 18 km/h am Ende, vielleicht sogar noch einen Ticken schneller und dann gucken wir mal, was dabei rauskommt!

Was motiviert dich, am Ende, wenn es weh tut, nochmal eine Schippe draufzulegen?

Zum einen mein Ziel, den Weltrekord zu knacken. Zum anderen hoffe ich, das an dem Tag selbst auch einige Leute vor Ort sind, die zugucken und mich dann anfeuern und motivieren. Eventuell kriege ich es auch organisiert, dass sie mir im APC noch einen Screen vor das Laufband stellen, auf dem ich mir gerade zum Ende hin ein paar motivierende Filme reinziehen kann (lacht). Auf die Zähne beißen und sich quälen, das kann man als Ultraläufer sowieso, von daher, ziehe ich das Ding einfach durch!

Vielen Dank für das Gespräch – wir wünschen viel Erfolg und drücken die Daumen!

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Flo Neuschwander aktuellste Mission: Über 500 Kilometer und knapp 9.000 Höhenmeter binnen einer Woche: Von Laufen nach Laufen laufen. Alle Infos findet ihr hier: