Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Abu Dhabi 2022.
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F1

Verstappen dominiert beim großen Formel 1-Saisonfinale in Abu Dhabi

Der Oracle Red Bull Racing-Star gewinnt auf dem Yas Marina Circuit von der Pole aus, während es seinem Teamkollegen Sergio Pérez knapp nicht gelingt, Platz zwei in der Gesamtwertung zu sichern.
Autor: Matthew Clayton
8 min readveröffentlicht am
In einem Moment fragst du dich, ob es Max Verstappen gelingen würde, 2022 einen weiteren Rekord einzufahren, da hat dieser ihn im nächsten Moment auch schon in der Tasche. Das Saisonfinale beim Großen Preis von Abu Dhabi war ein Sinnbild der Saison, die nun ihren Abschluss gefunden hat -- ein Rennen, das der Oracle Red Bull Racing-Star schon in den vergangenen Jahren vor allem zu seinem gemacht hat. Der letzte Sonntag bildete da keine Ausnahme.
Zum ersten Mal in seiner Karriere gelang es dem doppelten Weltmeister das gleiche Rennen in drei aufeinanderfolgenden Jahren zu gewinnen. Er startete von der Pole, verteidigte seinen Platz an der Front beim Start souverän und fuhr mit 8,7 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie, um seinen 15. Triumph in dieser Saison perfekt zu machen.
Nach dem Drama des letzten Jahres -- und ein dramatischeres Rennen lässt sich kaum vorstellen -- war das Rennen am Sonntag eher das, was man von Abu Dhabi gewohnt war. Die letzten acht Rennen auf dem Yas Marina Circuit wurden von der Pole aus gewonnen!
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Abu Dhabi 2022.
Sobald Verstappen vorne weg war, war ihm der Sieg nicht zu nehmen.
Hinter Verstappen waren alle Augen auf dessen Teamkollegen Sergio Pérez und den Ferrari-Piloten Charles Leclerc gerichtet, die beide mit 290 Punkten auf dem Konto der Fahrerwertung ins Rennen gingen und um Platz zwei und damit um den Vize-Weltmeistertitel kämpften.
Red Bull Racing war es bisher noch nie gelungen, in einer Saison Platz eins und zwei in der Gesamtwertung zu gewinnen. Man schien jedoch schon am Samstag einem geschichtsträchtigen Tag näher, als Pérez sich als Zweiter vor Leclerc qualifizierte -- das erste Front-Row-Lockout für Red Bull seit dem Großen Preis von Mexiko 2018.
Pérez führte im Rennen selbst 33 Runden lang vor Leclerc, bevor er sich für einen zweiten Boxenstopp entschied und sich frische Hard-Reifen abholte, um in den letzten 25 Runden auf vollen Angriff zu gehen. Das warf ihn im Feld zwar zurück, aber mit dem frischeren Gummi machte er Jagd auf den Monegassen, der sich für eine Einstopp-Strategie entschieden hatte.
Es war ein Glücksspiel, das letztlich in die Richtung von Ferrari gehen sollte. Leclerc kam mit 1,3 Sekunden Vorsprung vor Pérez ins Ziel, womit ihm der zweite Platz sicher war. Am Ende machten nur drei Punkte den Unterschied: Leclerc schließt die Saison mit 308 Punkten ab, Pérez mit 305.

Max macht, was er am besten kann

Nach seinen Problemen vor einer Woche beim Großen Preis von Brasilien, wo nur Platz sechs übriggeblieben war, spulte Verstappen in Abu Dhabi wieder sein übliches Programm ab.
Im Qualifying legte Verstappen zwei Rundenzeiten hin, die schnell genug für die Pole-Position sein sollten. Nachdem er dann den Start etwas verpasste, konnte er sich vor Pérez jedoch absetzen. Nach neun Runden hatte er einen Vorsprung von 2,5 Sekunden auf Pérez; das Rennen war voll und ganz in seiner Kontrolle. In Runde 20 tauschte er seinen gelben einen frischeren weißen Reifen ein und fand im Verlauf des weiteren Rennens die perfekte Balance zwischen Performance und Geduld.
Verstappens Sieg war der 35. seiner Karriere und einer, der ihm ermöglichte, die Saison in zufriedener Stimmung abzuschließen.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Abu Dhabi 2022.
Das ganze Wochenende über war der Weltmeister eine Klasse für sich.
"Es war ein gutes Rennen", analysierte Verstappen anschließend. "Alles drehte sich um das richtige Reifen-Management -- ich glaube, wir haben gut auf die Mediums achtgegeben. Den Hard-Reifen musstest du von der ersten Runde (des zweiten Stints) weg bis zum Ende managen. Aber es ist unglaublich, hier wieder zu gewinnen. 15 Siege in einer Saison sind kaum zu fassen."
"Es hat wirklich Spaß gemacht, mit dem gesamten Team zu arbeiten und diesen Erfolg in dieser Saison zu erreichen. Es wird hart werden, so etwas zu wiederholen, aber das gibt Motivation, um auch nächstes Jahr das Beste aus uns herauszuholen."
Red Bull Racing hat in 14 Jahren nun insgesamt sechs Mal in Abu Dhabi gewinnen können.

Checo schrammt knapp an seinem Saisonziel vorbei

Als klar war, dass Ferrari kein zweites Mal an die Box gehen würde, realisierte Sergio Pérez, welche Challenge vor ihm liegt: 18 Sekunden in 20 Runden aufholen, auf einer Strecke, wo das Überholen in der Regel nicht gerade einfach ist. Und beinahe gelang es ihm, auf Leclerc aufzuschließen.
In den letzten Runden ließen die Reifen von Leclerc immer weiter nach, während Hugh Bird, der Renningenieur von Pérez, die Parole unmissverständlich vorgab: "Go full send." Der Mexikaner gehorchte! Runde für Runde nahm er Leclerc einige große Brocken von dessen Vorsprung ab und in der letzten Kurve der letzten Runde war er ihm so nahe, dass er ihm gefährlich werden hätte können. Doch es sollte am Ende nicht sein. So nah, und doch so fern...
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Abu Dhabi 2022.
Für Pérez war das Rennen um eine Runde zu kurz.
"Du musst das akzeptieren, manchmal geht es einfach knapp her", meinte Pérez anschließend. "Am Ende des Tages bin ich glücklich, weil ich alles gegeben habe."
"Ich bin mir sicher, dass wir nächstes Jahr als Team noch stärker zurückkommen werden. Wir hatten in dieser Saison einige gute Momente, einige großartige Battles dabei. Ich hatte in diesem Jahr ein paar Probleme mit den Reifen, vor allem mit dem Verschleiß während des Rennens, also hoffe ich darauf, das im nächsten Jahr verbessern zu können."
Schlussendlich ist Platz drei in der Gesamtwertung ein großartiger Karriere-Erfolg für Pérez, der in der letzten Saison auf Platz vier gelandet war.
Oracle Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner lobte die tolle Saison seines Teams: "Es war ein atemberaubendes Jahr für das Team; dieser Erfolg ist immens. Was wir in dieser Saison erreicht haben, liegt außerhalb von allem, was wir uns erträumt haben. Den Konstrukteurstitel nach acht Jahren zurückzuholen, beweist die harte Arbeit, die Leidenschaft und den beständigen Glauben, die in diese Saison geflossen sind."

Gasly verabschiedet sich von AlphaTauri

Es war nicht der Abschied von Scuderia AlphaTauri, den sich Pierre Gasly erhofft hat, nachdem er fünf Jahre beim Team in seiner derzeitigen Form verbracht hatte.
Gasly gelang im Qualifying nur P17, nachdem er Schwierigkeiten hatte, sein Auto in den langsamen Kurven des Yas Marina Circuits unter Kontrolle zu behalten. Im Rennen selbst war die Aussicht auf Punkte nicht wirklich in Reichweite, womit er in der Gesamtwertung mit Platz 14 vorliebnehmen muss.
Abu Dhabi war sein 96. Start für das Team! Den erinnerungswürdigsten erlebte er zweifellos beim Großen Preis von Italien 2020 , wo er den zweiten Rennsieg für AlphaTauri holte.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Abu Dhabi 2022.
Gasly pushte die Limits bei seinem letzten Rennen für AlphaTauri.
Teamkollege Yuki Tsunoda reiste nach Abu Dhabi mit dem Traum, das bisher beste Ergebnis seiner Karriere -- Platz vier beim selben Grand Prix vor 12 Monaten -- zu wiederholen. Am Ende kam er über P11 nicht hinaus, nur fünf Sekunden außerhalb der Punkteränge.
Seine zweite Saison beendete der Japaner auf Platz 17 in der Gesamtwertung, während AlphaTauri in der Konstrukteurswertung Platz neun holte.
Gasly beschrieb sein letztes Wochenende mit dem Team als "sehr emotional", während das Ende der Partnerschaft mit seinem bisher einzigen Formel 1-Teamkollegen in Tsunoda gemischte Gefühle hervorrief.
"Ich werde traurig sein, Pierre gehen zu sehen. Er war ein guter Teamkollege sowohl auf als auch abseits der Strecke", meinte Tsunoda. "Wir sind gute Freunde geworden und unsere Partnerschaft war sehr professionell. Ich habe von ihm eine Menge gelernt."

Der Vorhang fällt mit einigen Veränderungen

Der traditionelle Season-Ender in Abu Dhabi ist immer eine Zeit, die auch mit einem Abschied verbunden ist. Manche wechseln die Teams, andere entscheiden sich für den Rücktritt.
Ganz oben auf dieser Liste steht der viermalige Weltmeister für Red Bull Racing, Sebastian Vettel. Der Deutsche beendete sein 299. Rennen auf Platz zehn. Es war sein letztes Rennen, nachdem er sich nun aus der Formel 1 zurückziehen wird. Die Fans belohnten das Ganze mit dem Titel "Driver of the Day".
Christian Horner und Sebastian Vettel beim Großen Preis von Abu Dhabi 2022.
Vettel bekam von Horner ein Abschiedsgeschenk überreicht.
Ein weiterer Pilot mit Verbindungen zu Red Bull Racing muss sich verabschieden; zumindest von seiner Zeit als Vollzeitfahrer. Daniel Ricciardo beendete sein Engagement bei McLaren beim letzten Rennen der Saison 2022 auf Platz neun.
Daneben fuhren auch Fernando Alonso (Alpine), Nicholas Latifi (Williams) und Mick Schumacher (Haas) ihre letzten Rennen für ihr jeweiliges Team. Alonso und Latifi mussten das Rennen frühzeitig beenden. Ebenso Lewis Hamilton (Mercedes), der zum ersten Mal in seiner Karriere eine gesamte Saison lang ohne Rennsieg verblieb.

Was steht als Nächstes an?

Die Action auf der Strecke ist für 2022 erledigt. Es folgt der traditionelle Young Drivers'-Test in Abu Dhabi vom 22. bis 23. November. Am Ende ist nach der Saison aber vor der Saison: Jeder in der Formel 1 wird seine Akkus aufladen, um mit dem Jahr 2023 die größte Saison in der Geschichte des Sports zu absolvieren.
Der 24 Rennen lange Kalender beginnt am 5. März 2023 in Bahrain. Im Laufe der kommenden Saison wird es außerdem sechs Sprintrennen geben -- wo genau, ist noch nicht festgelegt. Frankreich fällt in diesem Jahr aus dem Kalender, während China und Katar ihre Rückkehr feiern werden. Die größte Neuerung ist aber zweifellos Las Vegas am 28. November, wo die vorletzte Runde der Saison bestritten wird.
Davor finden die Pre-Season-Tests zwischen 23. und 25. Februar in Bahrain statt.

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15 Stopps

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