Baku war für Pérez ein weiteres Mal guter Boden.
© Getty Images/Red Bull Content Pool
F1

Sergio Pérez behält bei verrücktem GP in Aserbaidschan die Nerven

Der Mexikaner gewinnt bei einem ereignisreichen Grand Prix zum ersten Mal für Red Bull Racing Honda, während Max Verstappen nach souveräner Fahrt das Glück nicht hold war – zumindest für eine Weile…
Autor: Matthew Clayton
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FIA Formula One World Championship

Azerbaijan Grand Prix 2021

Aserbaidschan

Max Verstappen

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Sergio Pérez

MexicoMexico

Pierre Gasly

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Yuki Tsunoda

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Es fehlte nicht viel auf einen perfekten Sonntag für Red Bull Racing Honda in Baku. Max Verstappen übernahm beim Großen Preis von Aserbaidschan nach 13 Runden die Führung und hatte alles unter Kontrolle – bis das Schicksal andere Ideen mit ihm hatte.
Der erste Doppelerfolg in zwei Rennen in Folge sollte nicht sein; die Reifen machten allen Hoffnungen zunichte. Bei hohem Speed auf der langen Start-Ziel-Geraden platzte bei einer Geschwindigkeit von 330 km/h der Reifen, womit der RB16B in der Wand endete, nur fünf Runden vor Schluss. Verstappen kam unbeschadet davon, doch die Führung im Weltmeisterschaftsranking war dahin…zumindest vorerst, denn dann wurden die Dinge so richtig seltsam.
Verstappens Teamkollege Sergio Pérez ging als Sechster ins Rennen und legte einen fabelhaften Start hin. Mit einer herausragenden Boxenstopp-Strategie gelang es beiden Bullen, sich vor Hamilton zu setzen. Verstappen übernahm Platz eins, Pérez Platz zwei. Die beiden verteidigten die Doppelführung lange Zeit souverän, dann kam es, wie es kommen musste: Reifenplatzer, rote Fahne, stehender Start und das nur zwei Runden vor Rennende. Hamilton gelingt der Restart gut, alles sieht danach aus, als könnte er sich vor Checo setzen, doch in der ersten Kurve macht er den Fehler und landet abseits der Strecke. Am Ende blieb für den Mercedes-Piloten Platz 15 übrig, womit Verstappen seine Führung in der Gesamtwertung verteidigte. Spektakulär!
Lewis Hamilton von Mercedes beim Großen Preis von Aserbaidschan 2021.
Pérez war nach Hamiltons Blackout sicherer Sieger.
Doch das Drama endete auch da noch nicht. Nachdem Pérez die Ziellinie überfahren hatte, musste er sein Auto abstellen, da ein Hydraulik-Problem dafür sorgte, dass er keine weitere Runde mehr hätte fahren können. Mit einem Auto auf dem Transporter und einem Auto auf der Strecke gab die Boxengasse ein bizarres Bild ab – aus Sicht von Red Bull Racing aber dennoch ein unerwartet gutes.
Sergio Pérez von Red Bull Racing Honda beim Großen Preis von Aserbaidschan 2021.
Pérez kam in der Boxengasse ohne Auto, aber freudestrahlend an.
Hamiltons Null-Punkte-Fahrt passte perfekt zum sehr überraschenden 12. Rang von Valtteri Bottas, womit Red Bull in der Konstrukteurswertung einen Vorsprung von 26 Punkten herausfuhr. Selbst für Baku-Standards war das ein Rennen, das uns lange in Erinnerung bleiben wird. Daneben gelang es nämlich Sebastian Vettel im Aston Martin von Platz 11 auf Platz 2 vorzufahren, während Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri nach einem heftigen Duell mit Pole-Setter Charles Leclerc in der letzten Runde ein starkes Wochenende mit dem dritten Podiumsplatz krönte.
Wir haben die Details eines mehr als außergewöhnlichen Rennens.

Checo fügt die Bausteine zusammen

Pérez war schon am Freitag im Training der Schnellste und kam schon in der Vergangenheit gut mit der Strecke in Baku zurecht. So gelang es ihm dort bereits zweimal Platz drei einzufahren. Das erklärt auch, warum er nach dem Qualifying, bei dem – nach vier roten Flaggen, wohlgemerkt – nur Platz sieben übrigblieb, denkbar frustriert war.
Schon vor dem Start machte er dann aber einen Platz gut, nachdem Lando Norris strafversetzt wurde. Nach sieben Runden im Rennen hatte er sich auf Platz drei vorgearbeitet, während er in Runde 13 mit einem gut getimten Boxenstopp auch Lewis Hamilton hinter sich ließ. Während Verstappen das Tempo vorne kontrollierte, durfte sich Pérez Rund für Runde keinen Fehler erlauben, denn Hamilton hing ihm dicht an den Fersen. Bis zu Verstappens spektakulärem Ausscheiden sah alles nach einem Doppelsieg der Bullen aus – etwas, das dem Team zuletzt im Jahr 2016 in Malaysia gelungen ist.
Der Druck war hoch, doch Pérez blieb cool und sicherte sich seinen zweiten Rennsieg nach seinem Triumph beim Sakhir-Grand-Prix im letzten Jahr. In der Gesamtwertung rückte er zudem auf Platz drei vor.
Sergio Pérez von Red Bull Racing Honda beim Großen Preis von Aserbaidschan 2021.
Sobald die Chance da war, griff Pérez zu.
„Normalerweise ist Baku ziemlich verrückt, aber…“, lacht er nach dem Rennen. „Ich hatte einen schlechten Restart und er (Hamilton) war neben mir. Ich dachte mir: ‚Das lasse ich mir nicht entgehen‘ und bremste so spät ich nur konnte. Das ging ihm nicht auf. Das ist definitiv ein starker Boost fürs Selbstvertrauen, für mich selbst und für das Team.“
Teamchef Christian Horner feierte Pérez‘ Performance mit Enthusiasmus, während die Achterbahn der Gefühle ihn „20 Jahre altern“ haben lassen. „Er ist ein gewillter und fähiger Fahrer und er fährt einfach richtig, richtig gut“, meinte Horner anschließend.
„Seine Pace im Rennen war atemberaubend. Er hatte ein Problem mit der Hydraulik; wir hatten wirklich Sorge, dass er es nicht bis zum Ende schaffen würde. Wir dachten, wir können nur verlieren, wenn es einen Restart gibt, aber alles hat geklappt und Sergio hat Herausragendes geleistet. Er hat hart dafür gearbeitet – unglücklich für Max, aber Sergio hat Lewis ständig hinter sich gehalten.“

Max denkt positiv

Verstappen hatte sich schon damit abgefunden, dass er Baku mit einem Rückstand in der Gesamtwertung verlassen würde, als sein Handy während der medizinischen Untersuchung vibrierte. Er hatte von dort keinen Blick auf die Strecke, aber sein Bildschirm teilte ihm mit, was er wissen musste.
Es waren unerwartet gute Nachrichten an einem Tag, an dem er mehr zu feiern hätte haben müssen. Er kontrollierte das Rennen ab dem Zeitpunkt, an dem er die Führung übernahm. Alles sah nach seinem zweiten Sieg in Folge nach seinem Triumph in Monaco aus. Während dieser Meilenstein noch auf sich warten lässt, kann er sich doch darüber freuen, dass er die Position auf seinen größten Rivalen nicht verloren hat.
Max Verstappen von Red Bull Racing Honda beim Großen Preis von Aserbaidschan 2021.
Verstappen durfte trotz guter Pace nicht feiern.
„Ich habe nichts gefühlt bis zu dem Moment, wo es mich plötzlich nach rechts zog“, erinnert sich Verstappen an den Unfall.
„Der Reifen platzte von der Felge, an einer Stelle und bei einem Speed, die für einen Reifenplatzer wirklich gefährlich sind. Bis dahin sind wir ein starkes Rennen gefahren. Wir hatten ständig die Kontrolle. Es ist wirklich enttäuschend, da wir eine Menge Punkte liegen gelassen haben. Wir hätten in der Gesamtwertung eine Lücke aufreißen können. So knapp vor dem Ende, das ist wirklich frustrierend.“
„Mir geht es gut – dem Auto, nicht so sehr…“

Gasly sprachlos, Tsunoda stark

Gasly ist normalerweise keiner, der lange nach Worten suchen muss, aber hatte Probleme, die richtigen zu finden, nachdem er sein bestes Rennen in dieser Saison gezeigt hatte. Seine 15 Punkte und 6 Punkte von seinem Teamkollegen Yuki Tsunoda sorgten dafür, dass Scuderia AlphaTauri in der Konstrukteurswertung auf Platz sechs vorrückte.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es war so ein verrücktes Rennen“, meint Gasly nach seinem Erfolg.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Aserbaidschan 2021.
Gasly feierte sein überraschendes Podium enthusiastisch.
„Die letzten beiden Runden waren ungemein intensiv – wir mussten die Ellenbogen ausstrecken! Ich musste alles geben, da ich dieses Podium wirklich wollte. Das Auto war das gesamte Wochenende über unglaublich und wir haben in jeder Session gezeigt, dass wir stark sind. Das Qualifying verlief großartig. Ich wusste vorher nicht, ob wir um Platz vier oder das Podium kämpfen können, aber wir konnten es.“
Tsunoda fuhr währenddessen sein bestes Wochenende in seiner noch jungen Formel 1-Karriere. Schon am Samstag gelang es ihm zum ersten Mal, in Q3 zu kommen. Letztendlich startete er von Platz sieben weg, obwohl er späte in Q3 noch crashte. Nach 51 hektischen Runden konnte er seine Position halten – und das auf einer Strecke, die er zuvor noch nie gesehen hatte, geschweige denn gefahren war.

Vettels Reminder, Strolls Crash

Nachdem sich Hamilton spät im Rennen selbst herausnahm, nutzte Vettel die Gelegenheit, um sein bestes Ergebnis seit 25 Rennen einzufahren. Zugleich ist sein Erfolg das erste Podium für Aston Martin, seitdem der Hersteller sein Comeback in der Formel 1 feierte.
Es war ein willkommener Erfolg für den Deutschen und sein Team, vor allem, weil sein Teamkollege Lance Stroll in Runde 30 ähnlich zu Verstappen ebenfalls nach einem Reifenplatzer ausschied.
Daneben fuhr auch Fernando Alonso mit Platz sechs zu seinem besten Ergebnis seit seiner Rückkehr in die Formel 1, während Kimi Raikkonen im Alfa Romeo mit Platz 10 seinen ersten Punkt der Saison holte.

Nächster Halt: Die französische Riviera

Was kommt nach diesem actionreichen Rennen in Aserbaidschan? Am 20. Juni steht der Große Preis von Frankreich an, nachdem er im letzten Jahr nicht stattfinden konnte. Er startet einen straffes Programm für die Fahrer, die danach ganze vier Rennen in fünf Wochenenden absolvieren müssen.
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