Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Aserbaidschan 2022.
© Getty Images/Red Bull Content Pool
F1

Max Verstappen und Sergio Pérez sind in Aserbaidschan eine Klasse für sich

Es ist ein weiterer Doppelsieg für Oracle Red Bull Racing - dieses Mal beim Großen Preis von Aserbaidschan, wo der regierende Weltmeister endlich Wiedergutmachung erfährt.
Autor: Matthew Clayton
7 min readveröffentlicht am
Max Verstappens Zeit bei Oracle Red Bull Racing begann mit einem Knall, der im Laufe seiner Formel 1-Karriere kaum abflaute. Nur beim Großen Preis von Aserbaidschan musste er immer wieder klein beigeben - ein schwarzer Fleck in einem sonst herausragenden Portfolio. Seit seinem vierten Rennen für das Team in Baku im Jahr 2016 stand er dort nicht auf dem Podium, vom obersten Treppchen ganz zu schweigen. Am Sonntag stellte Verstappen aber auch diese Sache richtig und freundete sich mit dem Stadtkurs in Baku letztlich doch an.
Im Qualifying sah das aber noch ganz anders aus: Den Front-Row-Start sicherten sich Charles Leclerc und Teamkollege Sergio Pérez. Am Renntag selbst war er aber eine Klasse für sich, holte an einem schwarzen Tag für Ferrari alles heraus, was ging, und krallte sich den Sieg mit einem herausragenden Reifenmanagement und einem Vorsprung von 20,823 Sekunden auf seinen Teamkollegen.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Aserbaidschan 2022.
Verstappen übernimmt die Führung vor Pérez in Runde 15.
Für ein Rennen, das üblicherweise sehr ereignisreich über die Bühne geht, lief die achte Runde der Saison 2022 dann doch relativ zahm ab, auch wenn man es wirklich genießen konnte, wenn man den Bullen bei ihren Performances zusah. Pérez ging als Zweiter über die Ziellinie, womit der dritte Doppelsieg innerhalb von fünf Grand Prixs fixiert war.
Als Belohnung gibt es das Maximum an Punkten, ganze 44 davon - 25 für Verstappen für den Sieg, 19 für Pérez, der neben dem zweiten Platz auch die schnellsten Runde einfuhr. Der Vorsprung von Red Bull in der Konstrukteurswertung vor Ferrari ist nun auf 80 Punkte angewachsen, während Verstappen die Fahrerwertung mit 150 Punkten vor Pérez anführt, der mit 129 Punkten gar nicht so weit abgeschlagen dahinter liegt.
Nachdem die Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz beide ihren Wagen vor Ende des Rennens in der Garage abstellen mussten, war es ein weiteres Mal der Mercedes-Fahrer George Russell, der profitierte und das Podium abrundete. Es ist dessen drittes Podium in diesem Jahr, womit der vierte Platz in der Gesamtwertung nur Formsache war.

Route 66: Max' neuer Red Bull Rekord

Es sah am Samstag noch ganz danach aus, als wäre es für Verstappen unmöglich, den Sieg einzufahren. Teamkollege Pérez war in allen vorangegangenen Sessions besser, der Niederländer wartete in den frühen Phasen des Rennens aber geduldig auf seine Chance, nachdem sein Teamkollege einen hervorragenden Start erwischte und den Pole-Sitter Leclerc in der ersten Kurve überholte.
Leclerc war dann auch der Erste des Trios, der an die Box ging, und Verstappen machte sich seine besser funktionierenden Reifen zunutze, um Pérez in Runde 15 zu überholen. Drei Runden später ging er selbst an die Box, um mit Leclerc um die beste Position zu kämpfen, doch diesen Kampf sollte es nie geben. Nur zwei Runden später stieg aus Leclercs Ferrari Rauch auf und er musste das Rennen beenden.
Es ist nur 12 Monate her, seitdem Verstappen nach einem sichergeglaubten Sieg in Baku selbst nach einem Reifenplatzer ausschied. Umso wohltuender war das späte Virtual Safety-Car, das sich der Red Bull-Pilot 17 Runden vor Schluss zunutze machen konnte, um sich frische Hard-Reifen abzuholen und den Fluch endlich zu brechen.
Es ist Verstappens insgesamt 66. Podium für das Team, womit er Sebastian Vettel überholte, der für Red Bull 65 Platzierungen in den Top-3 einfuhr. Ein neuer teaminterner Rekord!
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Aserbaidschan 2022.
Der Niederländer gewann sein fünftes von acht bisherigen Saisonrennen.
"Es ist immer schwer, das gutzumachen, was wir über das Jahr hinweg verloren haben, aber heute hatten wir eine unglaubliche Pace im Auto", grinst Verstappen nach seinem Triumph.
"Wir hatten den Raum, auf die Reifen zu achten, und so die Führung zu übernehmen. Leclercs Ausfall war unser Glück, aber das Auto war heute wirklich gut, also hätten wir den Rückstand auf ihn gutmachen können. Dann hast du natürlich das Rennen in deiner Hand. Insgesamt war ich mit der Balance des Autos heute sehr glücklich. Ein weiterer Doppelsieg für das Team - das war ein guter Tag für uns."
Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner zeigte sich - verständlicherweise - erleichtert und glücklich mit dem Ergebnis, nachdem es im letzten Jahr nicht ganz so gut gelaufen war.
"Mit dem Reifenvorteil gegen Charles und der Pace, die wir mitbrachten, hätten wir einen guten Kampf zeigen können", meint er über das potenzielle Verstappen-Leclerc-Duell, aus dem dann schlussendlich doch nichts wurde.
"Das ist nicht selbstverständlich. Ferrari und Charles hatten heute wenig Glück, aber für unsere Jungs ist das ein großartiger Tag, die beide hervorragende Performances gezeigt haben. Der Reifenabbau fiel bei Max geringer aus als bei Checo. Sie sind sehr fair miteinander umgegangen. Mit dem Pace-Vorteil, den wir gegenüber Mercedes mitbrachten, ging es vor allem darum, die Autos zu managen und beide ins Ziel zu bringen."

Checos Freundschaft mit Baku geht weiter

Wenn du in deiner 12. F1-Saison fährst, dann sind Erstemale eher die Seltenheit, doch Pérez erlebt gerade jetzt einen wahren Höhenflug, konnte er doch seinen ersten Sieg in Monaco einfahren und zugleich auf seinen Triumph in Baku im letzten Jahr zurückblicken.
Nachdem Leclerc im Qualifying eine herausragende Runde hinlegte, musste Pérez von Startplatz zwei ins Rennen gehen, die Enttäuschung darüber war aber schnell vergessen, nachdem die Lichter der Startampel ausgingen. Er erwischte den deutlichen besseren Start als der Ferrari, überholte ihn und fuhr einen Zweisekunden-Vorsprung heraus - in nur vier Runden.
Für diesen frühen Push musste Pérez dann aber die Rechnung bezahlen, denn der ging auf die Reifen, womit Verstappen einen Vorteil hatte und an ihm vorbeigehen konnte. Dennoch verteidigte der Mexikaner Platz zwei souverän, der ihm in der Gesamtwertung nun auch den zweiten Platz einbrachte.
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Aserbaidschan 2022.
Ein weiteres Podium für Pérez!
"Leider verpassten wir den Stopp während des Virtual-Safety-Cars (in Runde 9, als Sainz aus dem Rennen aussteigen musste), es haperte an der Kommunikation...Es war schlicht zu spät dafür, also war das Glück hier nicht wirklich auf unserer Seite", meinte er nach dem Rennen.
"Beim Restart war die Degradation des Medium-Reifens zu hoch, das müssen wir uns noch einmal ansehen, um zu verstehen, was da passiert ist. Klar, Max war während dieses Medium-Stints bedeutend stärker, es gibt also eine Menge, was wir analysieren müssen. Aber dennoch, am Ende des Tages ist das ein weiterer Doppelsieg - ein gutes Team-Ergebnis."
Auch Horner weiß, dass es Pérez beim Start etwas übertrieben hat. Er zeigte sich dennoch ein weiteres Mal beeindruckt von der Form des Mexikaners.
"Er spielte gestern seine gesamte Magie aus und er hatte einen großartigen Start ins Rennen", lässt Horner die Performance von Pérez Revue passieren. "Er setzte sich schnell vom restlichen Feld ab, doch das Graining in den Hinterreifen begann bei ihm deutlich früher, als auf den Autos dahinter. Insgesamt hat Checo aber in den letzten Rennen gezeigt, was in ihm steckt. Man sieht, dass er viel Selbstvertrauen mitbringt."

Gasly holt gute Punkte

Scuderia AlphaTauri reiste mit einem gewissen Frust nach Aserbaidschan, nachdem es dem Team bisher nicht gelungen war, die gute Pace des Autos in Punkte umzuwandeln. In den letzten drei Rennen davor war nicht mehr als ein Punkt drinnen. Damit lag es an Pierre Gasly und Yuki Tsunoda, das zu ändern.
Gasly zeigte, wie in Monaco, das gesamte Wochenende über eine tolle Pace - und dieses Mal gelang es ihm auch, das Meiste aus dem Rennen herauszuholen. Mit dem fünften Platz holte er sich sein bestes Saisonergebnis, womit er in Aserbaidschan mehr Punkte holte, als in den vorangegangenen sieben. Der Franzose ging als Sechster ins Rennen, womit er die Mercedes-Piloten splittete. Gegen Ende des Rennens war sogar Platz vier in Aussicht, doch entschied sich das Team gegen einen Boxenstopp während des Virtual Safety Cars, womit Hamilton mit den besseren Reifen noch eine Position gutmachen konnte.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Aserbaidschan 2022.
Gaslys Pace wurde mit einem fünften Platz belohnt.
Auch bei Tsunoda sah es ganz danach aus, als könnte er Punkte machen. Er lag auf Platz sechs, als sein DRS-System brach, womit ein Boxenstopp notwendig war, um den Schaden mit Gaffer-Tap provisorisch zu reparieren. Am Ende blieb nur Platz 13 übrig.

Nächster Stopp: Kanada

Beim Großen Preis von Spanien meinte F1-Boss Stefano Domenicali noch, dass die Rennkalender in Zukunft so gestaltet sein sollen, dass die Reisezeit zwischen den Kontinenten auf ein Minimum reduziert werde. Das ist auch bitter nötig, den für den Formel 1-Zirkus geht es nach einem 16-stündigen Flug schon nächste Woche beim Großen Preis von Kanada weiter.
Geographisch macht das nur wenig Sinn, dennoch dürfen wir uns freuen, denn die Erwartungen sind hoch. In der Weltmeisterschaft geht es weiterhin spannend her und auch die kanadischen Fans warten sehnsüchtig auf den ersten Besuch der Formel 1 seit 2019. Wir freuen uns!