Spektakulärer Crash kostet Verstappen wichtige Punkte an der Spitze
© Getty Images/Red Bull Content Pool
F1

Max Verstappens Siegesserie endet spektakulär in Silverstone

Der Star im Cockpit von Red Bull Racing Honda behält trotz seines dramatischen Aus beim britischen Grand Prix seine Führung in der WM - nach einem Crash, über den noch lange gesprochen werden wird.
Autor: Matthew Clayton
veröffentlicht am
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Lewis Hamilton gewann am Sonntag mit dem Sieg beim Grand Prix in Silverstone seinen 99. Grand Prix und zum achten Mal sein Heimrennen. Der Triumph kam überraschend nach einer späten Aufholjagd und einer 10-Sekunden-Zeitstrafe, die die Formel-1-Fans auf der ganzen Welt noch eine ganze Weile beschäftigen wird.
Red Bull Racing Honda-Pilot Max Verstappen startete bereits zum vierten Mal in Folge von der Pole-Position, während sein Hauptrivale Hamilton direkt neben ihm in der Startaufstellung lauerte. Bei brütender britischer Hitze und vor 140.000 Fans war alles angerichtet für ein fulminantes Rennen, das für Verstappen nach Kontakt mit Hamilton in der ersten Runde leider viel zu früh endete.
Max Verstappen von Red Bull Racing Honda beim Grand Prix von Großbritannien, am 18. Juli 2021.
Verstappen und Hamiltons folgenreiches Battle nahm in Kurve 1 seinen Anfang
Nachdem der Mercedes-Pilot den etwas besseren Start erwischt hatte, wurden die Zuschauer in Silverstone Zeugen eines erbitterten Kampfes um die Führung zwischen den beiden F1-Titanen der Moderne. Die beiden Boliden kamen Reifen an Reifen in die High-Speed-Kurve 9, aber nur Hamilton sollte sie auch wieder verlassen. Nach einem Kontakt zwischen den beiden Autos krachte Verstappen ungebremst in den Reifenstapel. Der Niederländer war sichtlich mitgenommen von der Kollision und wurde später zum vorsorglichen Check in ein örtliches Krankenhaus gebracht.
Nach einer 35-minütigen Verzögerung wegen Reparatur der Streckenbegrenzung wurde der Vorfall von den Stewards untersucht und Hamilton bekam eine 10-Sekunden-Zeitstrafe aufgebrummt, die er bei seinem ersten Boxenstopp absitzen musste.
Ferraris Charles Leclerc fuhr nach Wiederaufnahme des Rennens fehlerfrei vorneweg und schien noch genug Reserven zu haben, um nach 33 Rennen endlich wieder einen Sieg für Ferrari zu holen. Aber es sollte anders kommen! Hamilton saß seinen Penalty in Runde 27 ab und drehte dann voll auf. Auch Teamkollege Valtteri Bottas, der mit abbauenden Reifen kämpfte, musste zur Seite weichen und Platz für seinen Stallrivalen machen.
Leclerc kämpfte weiter an der Spitze, aber Hamilton hatte einfach zu viel Speed unter der Haube und übernahm schließlich zwei Runden vor Schluss erstmals im Rennen die Führung. Er nutzte das Aus von Verstappen, um Mercedes zurück in den Kampf um die Fahrer- und Konstrukteurswertung zu bringen.

Heftiger Crash von Max

Verstappens Vorsprung in der Meisterschaft schrumpfte auf acht Punkte, nachdem er zum ersten Mal seit dem vorletzten Rennen der Saison 2020, dem Sakhir Grand Prix, ohne Punkte blieb. Damit riss nun auch Red Bulls fünf Rennen andauernde Siegesserie seit dem Triumph in Monaco.
Nach dem Rennen brachte Teamchef Christian Horner seine Gefühle deutlich zum Ausdruck.
„Für mich ist das ein Sieg mit bitterem Beigeschmack", sagte Horner über Hamiltons Sieg.
„Lewis Hamilton ist ein siebenfacher Weltmeister, er sollte solche Manöver nicht machen. Das Wichtigste für uns nach diesem Rennen ist, dass Max unverletzt ist. Er musste nach einem 51G-Unfall vorsichtshalber ins Krankenhaus - ich hoffe Lewis ist zufrieden mit seinem Sieg."
„Er war nicht einmal annähernd vorne, es war ein Kontakt zwischen linkem Vorderreifen und rechtem Hinterreifen, und das in einer der schnellsten Kurven in der Meisterschaft", fügte er hinzu.
„Lewis hat mehr als genug Erfahrung, um zu wissen, dass das inakzeptabel ist. Ich bin einfach sehr enttäuscht, dass ein Fahrer seines Kalibers ein solches Manöver wagt. Es ist gefährlich, es sah verzweifelt aus und er hat damit einen Konkurrenten - Gott sei Dank unverletzt - ins Krankenhaus gebracht."
„Es war ein böser Fehltritt, wahrscheinlich der größte seiner Karriere."

Pérez sorgt für kleines Trostpflaster

Auf der anderen Seite der Red Bull Racing Honda-Garage war es auch ein harter Tag. Verstappens Teamkollege Sergio Pérez fuhr ebenfalls ohne Punkte nach Hause - nach einem actionreichen Nachmittag, der 24 Stunden zuvor für ihn bereits gelaufen war. Nach einem Dreher beim Sprintrennen am Samstag (dazu später mehr) musste er aufgeben und beim eigentlichen Rennen am Sonntag aus der Boxengasse starten.
In der Anfangsphase des Rennens pflügte der Mexikaner förmlich durch das Feld und für den Mann, der als einziger Fahrer auf harten Reifen startete, schien ein Top 10-Ergebnis möglich zu sein. Eine Berührung mit dem Alfa Romeo von Kimi Räikkönen machte diese Pläne aber zunichte. Der Mexikaner holte sich danach einen frischen Reifensatz und versuchte, die schnellste Rennrunde zu fahren, um Hamilton einen weiteren WM-Punkt zu verwehren, was ihm in Runde 50 auch gelang.
Sergio Pérez von Red Bull Racing Honda beim britischen Grand Prix, am 18. Juli 2021.
Pérez fährt nach spätem Stopp die schnellste Runde
Der 16. Platz ließ Pérez in der Fahrerwertung vom dritten auf den fünften Platz abrutschen, mit McLaren-Pilot Lando Norris (Vierter) und Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas (Dritter) vor ihm. Für Red Bull war es das erste punktelose Rennen als Team seit dem Saisonauftakt beim Grand Prix von Österreich 2020 und der Vorsprung auf Mercedes in der Konstrukteurswertung schrumpfte damit auf nur vier Punkte.

Tsunoda punktet, Gasly geht leer aus

Nach dem zehnten Platz von Yuki Tsunoda konnte die Scuderia AlphaTauri erfolgreich den fünften Platz in der Konstrukteurswertung verteidigen, mit nur einem Punkt Vorsprung auf Aston Martin.
Tsunoda punktete bereits zum vierten Mal in dieser Saison und fuhr in seinem ersten Stint länger als jeder andere Fahrer (30 Runden), um sich von Startplatz 16 stetig nach vorne zu schieben und seinen 14. Platz in der Fahrerwertung zu festigen.
Yuki Tsunoda von der Scuderia AlphaTauri beim britischen Grand Prix, am 18. Juli 2021.
Tsunoda erkämpft sich hartnäckig WM-Punkt
Drei Sekunden hinter Tsunoda kam sein glückloser Teamkollege Pierre Gasly ins Ziel. Der Franzose erholte sich nach der „schlechtesten Performance des Jahres" im Qualifying (12. Platz) und kam als Elfter ins Ziel. Aufgrund eines Reifenschadens in der Schlussphase musste der Franzose ungeplant ein drittes Mal in die Box. Es war erst das dritte Mal in dieser Saison, dass Gasly nicht in die Punkte fuhr.

„Alte Herren" glänzen im brandneuen Sprintformat

Die dramatische erste Runde am Sonntag sorgte zwar für die meisten Schlagzeilen, aber es war nicht das Einzige, über das beim 1045. Grand Prix in der Formel 1 gesprochen wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde nämlich ein Rennen genutzt, um die Startaufstellung für den eigentlichen GP 24 Stunden später festzulegen.
Im Qualifying am Freitagabend noch von Hamilton geschlagen, war Verstappen im Sprint am Samstag Feuer und Flamme - im wahrsten Sinne des Wortes, denn vor dem Start züngelten Flammen aus seiner linken Vorderradbremse. Kurz nachdem die Lichter beim Start ausgingen, zog der Red Bull-Mann am Mercedes vorbei und kontrollierte die 17 Runden. Mit etwas mehr als 25 Minuten war es die mit Abstand langsamste Pole-Position-Zeit in der Geschichte der Formel 1, aber den Niederländer störte das nicht im Geringsten - auch wenn er nicht genau wusste, wie er sich danach fühlen sollte.
Max Verstappen von Red Bull Racing Honda beim britischen Grand Prix, am 18. Juli 2021.
Verstappen siegte im ersten Sprint-Qualifying der F1 überhaupt
„Es klingt ein bisschen komisch, wenn man hört: ‚Du hast eine Pole Position geholt', aber egal, wir nehmen es", sagte er.
„Ich war mir nicht sicher, ob meine Bremsen in Kurve 3 funktionieren würden, aber zum Glück war der Schaden nicht allzu schlimm. Ich glaube, ich habe ein paar Leute auf der Tribüne gesehen, die Bilder gemacht haben, als die Bremsen brannten - da sind sicher ein paar gute Aufnahmen dabei."
Nur die ersten Drei am Samstag wurden mit Punkten belohnt - Verstappen (3 Punkte), Hamilton (2 Punkte), Bottas (1 Punkt).
Nach einer chaotischen ersten Runde, in der gleich mehrere Autos Kontakt hatten, lag Carlos Sainz (Ferrari) am Ende des Feldes, nach einer Berührung mit dem Williams von George Russell. Dem Briten brachte das eine Startplatzstrafe von drei Plätzen für den Sonntag ein. Das restliche Sprintrennen verlief dann größtenteils nach Plan. Die meisten Fahrer fuhren hinsichtlich des GPs am Sonntag eher vorsichtig und gingen kaum Risiko ein.
In dem Format, das vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen sollte, entging es nur wenigen, dass die beiden „alten Herren" der Formel 1, der 41-jährige Räikkönen und Alpine-Pilot Fernando Alonso (40 in diesem Monat), die meisten Plätze im Sprintrennen gutmachten (jeweils vier). Alonso fuhr in der ersten Runde von Platz 11 sogar auf Platz 5 vor.

Max steht vor einer schwierigen Aufgabe

Nachdem seine Führung in der WM geschrumpft ist, werden Max' Comeback-Fähigkeiten beim nächsten Rennen, dem Grand Prix von Ungarn (1. August), dem elften Rennen der Saison, das gleichzeitig das letzte Rennen vor der Saisonpause ist, sofort auf die Probe gestellt.
Red Bull hat auf der engen, kurvenreichen Strecke am Stadtrand von Budapest erst zwei Siege errungen (Mark Webber 2010 und Daniel Ricciardo 2014). Im Gegensatz dazu ist der Hungaroring eine der Lieblingsstrecken Hamiltons damit eindeutig noch das Revier von Mercedes. Der siebenfache Weltmeister hat das Rennen bereits achtmal gewonnen. Damit hat er gleich viele Siege bei einem einzelnen Grand Prix auf dem Konto wie Michael Schumacher (acht Siege beim Grand Prix von Frankreich in Magny-Cours) und, nach dem dramatischen Sonntag, wie er selbst in Silverstone.
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