Verstappen verteidigte die WM-Führung mit einem weitern Podium
© Getty Images/Red Bull Content Pool
F1

Schadensbegrenzung in Katar: Max Verstappen verteidigt seine WM-Führung

Der Star von Red Bull Racing hat rechnerisch die Möglichkeit, sich den Weltmeistertitel bei der nächsten Runde in Saudi Arabien zu sichern, nachdem er sich in Doha das 16. Podium des Jahres holte.
Autor: Matthew Clayton
7 min readveröffentlicht am
Rein rechnerisch ist es nun möglich: Max Verstappen von Red Bull Racing Honda hält nach dem Großen Preis von Katar die Chance auf seinen ersten WM-Titel aufrecht und kann, wenn alles in seine Richtung läuft, beim nächsten Rennen alles klar machen.
Der Sonntag in Doha war ein Spiegelbild des zuvor stattgefundenen Grand Prix' in Brasilien. Platz zwei für Verstappen, während Lewis Hamilton souverän den Sieg einfuhr. Damit geht der Niederländer mit acht Punkten Vorsprung ins vorletzte Rennen in Saudi Arabien. Gelingt es ihm dort, diesen auf 26 Punkte auszubauen, dann gehört der Titel ihm.
Daneben steht die schiere Dominanz, die die beiden Titelanwärter in der Saison 2021 an den Tag legen, außer Frage. Hamiltons Sieg am Sonntag war sein siebter in dieser Saison, daneben sein 15. Finish auf dem Podium. Verstappen hingegen sammelte bereits 16. Podiumsplatzierungen - alle davon entweder auf P1 oder P2.
Max Verstappen von Red Bull Racing Honda beim Großen Preis von Katar 2021.
Ein letzter Angriff sicherte Verstappen die schnellste Runde.
Die Formel 1 besuchte vergangenes Wochenende den Losail International Circuit, Heimat der MotoGP seit 2004, zum ersten Mal. Die unglaubliche Performance moderner F1-Maschinen machte sich hier ein weiteres Mal bemerkbar: Hamiltons Pole-Zeit lag bei 1 Minute und 20,857 Sekunden. Diese ist um 32 Sekunden schneller, als die Zeit von Francesco Bagnaia beim MotoGP-Qualifying auf seiner Ducati vor acht Monaten.
Das schnelle, flüssige Layout machte den Piloten sichtlich Spaß. Aston Martin-Fahrer Lance Stroll verglich es etwa mit Mugello und Suzuka. Auch Hamilton genoss es sichtlich, lief er doch mit seinem Mercedes nie wirklich Gefahr, die Führung zu verlieren. Das hatte vor allem mit der Strafversetzung von Max Verstappen nach dem Qualifying zu tun. Weil dieser auf seiner letzten schnellen Runde die gelbe Flagge ignorierte, wurde er in der Startaufstellung von P2 auf P7 zurück gereiht.
Mit einem Traum-Start setzt sich der Niederländer aber schnell im Rennen auf den zweiten Platz, den er ohne große Gefahr ins Ziel brachte. Der Kampf drehte sich vor allem um Platz drei. Am Ende sollte Fernando Alonso im Alpine zuschlagen. Es ist das erste Podium des Spaniers seit dem Grand Prix in Ungarn im Jahr 2014. Entscheidend war seine Ein-Stopp-Strategie und ein Virtual Safety Car, das dafür sorgte, dass der späte Angriff von Sergio Pérez im Red Bull nicht fruchtete.

Max holt die Punkte ab und zieht weiter

Nachdem Hamilton Verstappen im Qualifying mit 0,455 Sekunden Vorsprung hinter sich ließ, bestand das Ziel des WM-Führenden eher darin, Ergebniskorrektur zu betreiben, anstatt um den Sieg zu kämpfen. Daneben sorgte die Strafversetzung dafür, dass der Niederländer nur von Platz sieben aus ins Rennen ging, was seinen Job nicht gerade einfacher machte.
Mit 16 Medium- und High-Speed-Kurven auf der Strecke in Doha sah alles danach aus, als würde das Überholen schwierig werden, womit Red Bull Racing vor allem auf eine starke Boxenstopp-Strategie und den Start setzte, um Plätze gut zu machen. "Die ersten 500 Meter werden essenziell sein", meinte Red Bull-Teamchef Christian Horner etwa vor dem Rennen. Sein Schützling hörte aufmerksam zu und setzte herausragend um. Schon in den ersten beiden Kurven arbeitete er sich auf Platz vier vor.
Max Verstappen von Red Bull Racing Honda beim Großen Preis von Katar 2021.
Verstappen mit ausgestreckten Ellbogen auf der Eröffnungsrunde.
Fünf Runden später fand sich Verstappen auf Platz zwei wieder und auch wenn er nicht die Pace hatte, um mit Hamilton um den Sieg zu kämpfen, lagen die beiden in Runde 12 über 20 Sekunden vor Alonso, womit gegen Ende des Rennens ein spannender Fight um den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde entbrannte.
Verstappen nutzte den Vorteil eines späten Virtual Safety-Cars aus, nachdem Nicholas Latifi nach einem Platten aus seinem Williams steigen musste. Er holt sich die weichen Reifen ab, fuhr in der letzten Runde mit 1 Minute und 23,196 Sekunden Bestzeit und sicherte sich so den wichtigen Punkt im WM-Kampf.
"Unsere Startposition war nicht gerade ideal, aber glücklicherweise gelang mir ein guter Start und ich war schnell auf Platz zwei", erinnert sich Verstappen. "Als ich erfuhr, dass ich von P7 aus ins Rennen gehen werde, motivierte mich das, schnell nach vorne zu kommen und das gelang uns auch. Wir hatten eine gute erste Runde und nach fünf Runden hatte ich es geschafft. Daneben gelang es mir, den Abstand auf Hamilton klein zu halten."
"Am Ende war es gut, dass ich auch die schnellste Rennrunde mitnehmen konnte. Natürlich ist mir klar, dass es am Ende knapp werden wird. Aber ich glaube, das hält den Kampf spannend. Diese Strecke macht viel Spaß und der Speed ist hoch. Die Reifen hielten sich gut, es war also ein cooler Tag auf der Strecke. Zwei Runden sind jetzt noch offen - alles ist möglich!"

Checo taktiert am Podium vorbei

Ein Boxenstopp oder doch zwei - es war die Frage des Tages, die sich alle Teams stellten, nachdem die Daten vor dem Rennen mager ausfielen. Sergio Pérez entschied sich im Rennen, einen zweiten Boxenstopp einzulegen. Wie sich herausstellte, war das die falsche Herangehensweise, denn so verpasste er eine weitere Podiumsplatzierung nur knapp.
Die strategische Entscheidung selbst war aber durchaus nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass drei Fahrer (Valtteri Bottas im Mercedes und die beiden Williams-Piloten Latifi und George Russell) sich vorne links einen Platten einfuhren. Dennoch: Es war dieser zweite Boxenstopp und das späte Virtual Safety Car, wodurch Pérez' später Angriff nicht von Erfolg gekrönt war.
Sergio Pérez von Red Bull Racing Honda beim Großen Preis von Katar 2021.
Pérez hatte nicht genug Runden zur Verfügung, um das Podium zu holen.
Generell ging der Mexikaner nach seinem Ausscheiden in Q2 mit Frust ins Rennen, den er aber richtig zu nutzen wusste. Von Platz 11 weg arbeitete er sich durch das Feld, bis er sich in Runde 33 auf Platz drei wiederfand. Nach seinem Boxenstopp in Runde 41 hatte er aber zu wenig Zeit zur Verfügung, um Alonso noch einzuholen.
Nachdem Bottas seinen Wagen abstellen musste, gelang es Pérez mit 13 Punkten Rückstand in der Fahrerwertung an den Mercedes-Piloten heranzukommen. Damit wird auch der Kampf um Platz 3 der Gesamtwertung noch spannend. In der Konstrukteurs-Wertung haben die Bullen nur mehr fünf Punkte Rückstand auf den großen Konkurrenten.
"Leider sollte es nicht sein", meint Pérez anschließend. "Wir veränderten die Strategie während des Rennens - einmal gingen wir auf einen Stopp, dann auf zwei, dann wieder auf einen. Das Ganze war nicht ganz klar."
"Ich glaube, wir hatten das Podium ziemlich in der Tasche, aber das Virtual Safety Car machte das zunichte. Wenn du von Platz 11 weg ins Rennen gehst, darfst du dir aber nicht allzu viel erwarten."

AlphaTauri gelingt es nicht, ihre Versprechen einzulösen

Nachdem Verstappen strafversetzt wurde - ebenso wie Bottas - rückte Pierre Gasly von AlphaTauri in die Front-Row vor. Der Franzose verlor die Position beim Start aber an Alonso. Dennoch, solide Punkte schienen möglich, bevor er nach seinem Boxenstopp in Runde 13 aber immer mehr abfiel und am Ende auf P11 über die Ziellinie ging. "Unsere Pace war schockierend", gestand sich Gasly im Anschluss ein.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Katar 2021.
Gaslys Abend startete vielversprechend, war aber nicht von Erfolg gekrönt.
Gasly war der Auslöser in Q3, der für die gelbe Flagge und die darauffolgenden Strafversetzungen sorgte. Er preschte in Q3 zu hart über die Curbs, womit er sich einen Platten einfuhr.
Auch Teamkollege Yuki Tsunoda fiel nach einem Start in den Top-10 weit ab. Der japanische Rookie schaffte es zum vierten Mal in den letzten fünf Rennen ins Q3 und qualifizierte sich als Achter, aber es sollten auch für ihn keine Punkte werden. Am Ende ging er auf P13 über die Ziellinie.
AlphaTauris erstes Rennen ohne Punkte seit Russland kostete dem Team im Kampf um Platz fünf in der Konstrukteurs-Wertung mit Alpine einiges, nachdem das französische Team mit Platz drei für Alonso und Platz fünf für Esteban Ocon ganze 25 Punkte holte.

Alonso egalisiert die Alters-Marke, Aston Martin fightet weiter

Es war das erste Podium für Fernando Alonso nach 104 Rennen und, bemerkenswerterweise, das erste dritte Podium, das in den letzten 35 Jahren an einen Piloten über 40 vergeben wurde. Alpine erlebte damit ein wahres Traumwochenende; das beste Rennen seit dem überraschenden Sieg von Ocon in Ungarn.
Daneben kämpfte sich Lance Stroll von Platz 12 auf den siebten Platz vor und ließ die beiden Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz hinter sich.

Ab auf die Straßen

Nach dem kräfteraubenden Triple-Header in Mexiko, Brasilien und Katar atmet die Formel 1 eine Woche durch, um am 6. Dezember beim Großen Preis von Saudi Arabien wieder zurückzukommen. Auch dort erwartet uns eine neue und spannende Strecke, die in Teilen an das Layout in Aserbaidschan erinnert. Der WM-Kampf geht also weiter - Wir blicken mit Spannung darauf!