Das sind drei Siege für Verstappen in der Saison 2022!
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F1

Sieg beim GP von Miami 2022: Verstappen bleibt in der Florida-Hitze "cool"

Der regierende Weltmeister holt sich den zweiten Sieg in Folge beim Premierenrennen im sonnenheißen Miami. Pérez fährt knapp am Podium vorbei.
Autor: Matthew Clayton
9 min readveröffentlicht am
Das Rennwochenende beim Großen Preis von Miami war für Max Verstappen ein Kontrast der Extreme: Nach Gearbox-Problemen am Freitag, die ihm beim zweiten freien Training nur eine Runde gestatteten, sah er das Qualifying am Samstag, wo er sich für den dritten Startplatz qualifizierte, noch als Schadensbegrenzung. Am Sonntag aber, als es wirklich zählte? - da war er an Souveränität nicht zu überbieten. Der regierende Weltmeister holte sich seinen zweiten Sieg in Folge und den insgesamt dritten in der laufenden Saison.
Ferrari sorgte mit seiner Fahrer-Paarung rund um Leclerc und Carlos Sainz zum ersten Mal seit Mexiko 2019 für ein Front-Row-Lockout, dahinter reihte sich aber das Oracle Red Bull Racing-Duo mit Max Verstappen und Sergio Pérez ein und brachte sich in Angriffsposition, womit das Rennen vor allem ein Kampf zwischen diese beiden Teams war.
Schon das gesamte Wochenende über war Ferrari in den Kurven schneller, während die Bullen vor allem auf den Geraden ihren Vorteil ausspielen konnte. Alles schien auf ein spannendes Rennen zuzulaufen.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Miami 2022.
Eine Trophäe und einen Dolphins-Helm gibt's für den Triumph in Maimi.
Der erste Besuch der Formel 1 auf dem Miami International Autodrome sorgte aber schon vor dem anstehenden Fight für eine Party, die nur ein amerikanisches Sport-Event bieten kann und auch wenn das 57 Runden lange Rennen eher zahm ablief, störte das das Team von Oracle Red Bull Racing kein bisschen. Denn Verstappen legte schon am Start eine fabelhafte Performance hin, in der ersten Kurve war er bereits Zweiter. In Runde 9 kam dann der Angriff auf Leclerc und er übernahm die Führung - ab diesem Moment zeigte der Niederländer eine souveräne Leistung und er behauptete sich bis zum Ende.
Eine Safety-Car-Phase spät im Rennen, die durch einen Crash von McLaren-Pilot Lando Norris ausgelöst wurde, sorgte dafür, dass das Feld 10 Runden vor Schluss wieder näher zusammenrückte, womit auch der komfortable Vorsprung von Verstappen auf Leclerc wieder dahin war. Doch der Red Bull-Pilot ließ sich davon nicht beirren: Nach einigen Runden hatte er wieder einen Polster von über einer Sekunde und er legte zugleich die schnellste Rennrunde mit 1 Minute und 31,361 Sekunden hin. Er zeigte damit, dass er dann, wenn es darauf ankam, noch die meisten Reserven übrig hatte.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Miami 2022.
Ich und mein Schatten: Ein weiterer Fight zwischen Leclerc und Verstappen.
Nachdem Verstappen und Leclerc ein weiteres Mal eine Klasse für sich waren, fochten deren Teamkollegen Pérez und Sainz dahinter einen Kampf um den letzten Podiumsplatz aus. Alles schien nach dem Safety Car für den Mexikaner zu sprechen, nachdem er den Vorteil nutzte und sich frischere Medium-Reifen abholte. In Runde 52 ging er auf Attacke, ein Verbremser sorgte jedoch dafür, dass er zurückziehen und das Feld für Sainz freigeben musste. Er ging 8,229 Sekunden hinter Verstappen als Vierter über die Ziellinie.
Verstappens 23. Sieg seiner Karriere reduzierte den Rückstand auf Leclerc in der Gesamtwertung auf 19 Punkte. Der Ferrari-Pilot kam 3,786 Sekunden später als Zweiter ins Ziel.
Ich glaube, wir haben die Dinge bis zum Ende spannend gehalten.

Max mag es simpel

Für einen Sport, der so kompliziert sein kann, ist Verstappens Mission rund um die Titelverteidigung relativ einfach zu verstehen: Jedes Rennen, das er in der Saison 2022 beendet, gewinnt er auch. Nach den ersten fünf Events dieses Jahres blickt der Niederländer nämlich auf einen seltsamen Lauf zurück: In Bahrain und in Australien musste er frühzeitig aus dem RB18 aussteigen, während er in Saudi Arabien und in Imola mit Siegen mehr als nur Schadensbegrenzung betrieb. Mit dem Triumph in Miami sollte der Fluch endgültig gebrochen sein.
"Es war ein unglaublicher Grand Prix; physisch unheimlich anstrengend", erzählte ein verschwitzter Verstappen nach 57 lange Runden in der Florida-Hitze.
"Ich glaube, wir haben die Dinge bis zum Ende spannend gehalten. Ich bin unglaublich glücklich über den Sieg hier in Miami. Für uns war das ein unglaublicher Sonntag."
"Aufgrund unserer Probleme hatte ich das gesamte Wochenende über keinen einzigen Start trainiert, im Rennen selbst lief er aber wirklich gut. Ich sah die Möglichkeit, außen zu überholen und das ging voll und ganz auf. Danach bemerkte ich, wie Charles mit seinem rechten Vorderreifen zu kämpfen hatte, und auch das nutzte ich aus. Das waren die Schlüsselmomente meines Rennens. Das Safety Car machte es noch einmal spannend, aber diese Dinge haben auch mir in der Vergangenheit geholfen, also kann ich mich nicht wirklich darüber beschweren."
"Ich muss einfach nur jedes Mal ins Ziel kommen!"
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Miami 2022.
Verstappen legte nach dem Safety Car an Tempo zu!
Oracle Red Bull Racing Teamchef Christian Horner meinte anschließend, dass Verstappens Sieg "alles brauchte, was wir aufzubieten hatten":
"Nach dem Safety Car hatten wir das Glück, dass Ferrari nicht an die Box ging, um sich neue Reifen zu holen, da sie wahrscheinlich den Soft-Reifen genommen hätten. Das hat die Dinge etwas neutralisiert, aber sobald Charles m DRS-Fenster war, war es für uns schwer, ihn abzuschütteln", erklärt er weiter.
"Für Max ist das in dieser Situation ein enormer Druck, womit die Gefahr für Fehler größer wird. Aber er hat es sauber durchgezogen. Es gelang ihm, den DRS-Vorteil in den Bremsphasen abzufedern und das Rennen bis zum Ende unter Kontrolle zu halten. Es war ein sehr strategisches Rennen."

Checo kämpft weiter

Die Bücher werden festhalten, dass Pérez als Vierter ins Rennen ging und dieses als Vierter beendete, doch ganz so sauber lief es für den Mexikaner tatsächlich nicht. Pérez saß zu Beginn Sainz auf den Fersen und bis Runde 20 sah es ganz danach aus, als könnte er seinem Konkurrenten gefährlich werden. Dann kam der Funkspruch: "Ich verliere Power!" und Pérez fiel ganze fünf Sekunden zurück.
Mit dem Coaching von der Oracle Red Bull Racing-Pitwall und ein paar Veränderungen in den Einstellungen des Lenkrades machte Pérez die verlorene Zeit wieder gut und er legte sich alles zurecht, um Sainz in den letzten zehn Runden zu attackieren. Sein Angriff fünf Runden vor Schluss fiel jedoch etwas zu enthusiastisch aus. Er verbremste sich, musste weit gehen und war nun im Nachteil.
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Miami 2022.
Pérez kämpfte hart, kam aber dort ins Ziel, wo er startete.
Nachdem Pérez in dieser Saison konstant performt und er vier der ersten fünf Rennen unter den besten Vier beendete, gelang es ihm, seinen dritten Platz in der Gesamtwertung mit 66 Punkten zu halten, während der Rückstand auf Ferrari in der Konstrukteurswertung auf sechs Punkte schrumpfte.
"Die Beständigkeit des Autos ist nach wie vor ein Problem. Wir hatten Komplikationen mit den Sensoren auf Checos Motor und die Jungs arbeiteten gut darum herum, aber insgesamt verlor er dadurch um die 30 Pferdestärken", erklärt Horner.
"Er verlor in jeder Runde eine halbe Sekunde. Ohne dieses Problem hätte er vielleicht sogar Zweiter werden können. Wir holten ihn dann an die Box und wir hatten mit den neuen Reifen einen kleinen Vorteil gegenüber den Ferraris."
"Insgesamt ist es aber frustrierend. Wir müssen dieser Situation Herr werden - auch wenn wir mittlerweile klar auf einem guten Weg sind."

Vielversprechende AlphaTauris können nicht liefern

Alles sah ganz danach aus, als könnte Scuderia AlphaTauri in Miami den Umschwung schaffen, nachdem sich sowohl Pierre Gasly als auch Yuki Tsunoda in die Top-10 qualifizierten. Der Franzose zeigte von Platz sieben weg einen stürmischen Start und überholte Lewis Hamilton (Mercedes), doch nach einem Kontakt mit Fernando Alonso in der ersten Kurve der 40. Runde war sein Rennen gelaufen.
Gasly machte zwar weiter, doch er wusste, dass er in dem malträtierten Auto keine Chance mehr haben. Während er auf dem Weg zurück in die Box war, kam es zur Berührung mit Norris, die wiederum das Safety Car auslöste. Damit verlässt der frustrierte AlphaTauri-Pilot Miami auf Platz 13 in der Gesamtwertung.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Miami 2022.
Gasly brachte die Pace mit, konnte aber kein Top 10-Ergebnis rausholen.
"Es kam in Kurve 1 zu einer Berührung mit Fernando, die wiederum die hintere Radaufhängung zerstörte. Wir versuchten noch eine Runde, um zu sehen, ob wir weitermachen könnten oder das Rennen beenden müssten, aber der Schaden am Auto war einfach zu groß", erklärte Gasly.
"Auf dem Weg zurück in die Box hatte ich Kontakt mit Norris. Ich versuchte, nach rechts auszuweichen und die Jungs vorbeifahren zu lassen. Leider kam es zur Berührung. Ich bin extrem enttäuscht. Es war ein guter Nachmittag, wir kamen beim Start am Lewis vorbei und alles sah danach aus, als wäre P8 drinnen."
Auch Tsunodas Rennen lief nicht gerade gut. Er ging von Startplatz neun ins Rennen, fiel aber in Runde eins auf Platz 10 zurück. Fünf Runden später lag er bereit außerhalb der Punkteränge. Am Ende kam er über Platz 12 nicht hinaus, nachdem Daniel Ricciardo (McLaren) nach dem Rennen eine fünf Sekunden-Strafe ausfasste.
Damit liegt Tsunoda in der Gesamtwertung mit 10 Punkten auf Platz 12, während AlphaTauri in der Konstrukteurswertung den siebten Rang mit 16 Punkten behielt. Der Vorsprung auf Haas beträgt jedoch nur einen Punkt.

Miami setzt ein Zeichen

Es war ein langer Prozess notwendig, bis Miami letztlich sein Debüt als F1-Location feiern konnte; schon im Jahr 2018 wurde darüber diskutiert. So viel sei nach dem ersten Wochenende in Florida gesagt: Miami ließ es wirklich krachen. "Es fühlt sich an, wie der Super Bowl der Formel 1. Ich habe so etwas noch nie erlebt", meinte Gasly während es Rennwochenendes. Die Liste an amerikanischen Celebritys sorgte für den notwendigen Glamour, der stark an Monaco erinnert - eine der wichtigsten Locations der Formel 1, zumindest finanziell gesehen.
Das gesamte Wochenende fühlte sich an, als würde man das globale Wachstum der Formel 1 feiern und auch die Piloten zogen zu einem Großteil mit, indem sie ihre Helm-Designs an die Venue anpassten. Valtteri Bottas von Alfa Romeo war dabei besonders auffällig, da er an jedem einzelnen Tag des Wochenendes mit einem anderen Helm auf die Strecke ging.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Miami 2022.
Gasly war einer der vielen Fahrer, die ihrem Helm etwas Miami-Vibe gaben.
Doch ganz ohne Problemchen ging das Event letztlich nicht über die Bühne. So mussten einzelne Passagen der Strecke repariert werden, bevor das erste freie Training über die Bühne gehen konnte. Die Mischung aus Sonne, Unterhaltung und Geld sorgte aber letztlich dafür, dass die Präsenz der Formel 1 in den Staaten gefestigt wurde. Inklusive Las Vegas werden in der nächsten Saison insgesamt drei Rennen in der USA ausgetragen.

Fühlt sich an wie zuhause...

Nachdem Miami nun hinter uns liegt, macht sich der Formel 1-Zug wieder auf nach Europa. Am 22. Mai steht der Große Preis von Spanien in Barcelona auf dem Programm - ein guter Ort für Verstappen, während Pérez mit der spanischen Strecke noch eine Rechnung offen hat. Die Aufholjagd geht weiter!