Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Monaco 2022.
© Getty Images/Red Bull Content Pool
F1

Sergio Pérez bleibt cool und holt sich den Sieg beim Grand Prix in Monaco

Der Mexikaner fährt beim berühmtesten aller Grand Prixs souverän und sichert sich damit seinen zweiten Sieg für Oracle Red Bull Racing. Teamkollege Max Verstappen leistet ihm am Podium Gesellschaft.
Autor: Matthew Clayton
8 min readveröffentlicht am
Der Große Preis von Monaco gehört zu jenen Rennen der Formel 1-Saison, bei denen man schon vorab ganz genau weiß, was einen erwartet: eine Hochgeschwindigkeits-Parade rund um die Strecke mit jeder Menge Prestige und Geschichte. Es ist ein Rennen, bei dem das Überholen so gut wie unmöglich ist und sich die Action am ehesten auf die erste Kurve der Eröffnungsrunde beschränkt.
Natürlich trifft das nur dann zu, wenn es nicht regnet... Denn kommt der Regen, dann kommt das Chaos.
Es war ein Rennen, das erst nach über drei Stunden zu Ende ging; eines, dass dafür sorgte, dass die halbe Strecke unter Wasser stand; eines, das nach einem Crash eine rote Flagge zur Folge hatte und bei dem nicht einmal die gesamte Renndistanz gefahren werden konnte. Damit stellte sich vor allem eine Frage: Wem sollte es gelingen, unter diesen Bedingungen am ehesten einen ruhigen Kopf zu bewahren? Am Ende war die Antwort klar: Sergio Pérez und seinem Team von Oracle Red Bull Racing.
Der Mexikaner, der nach einem heftigen Crash im Qualifying am Samstag als Dritter in den Kampf ging, machte seinen Mechanikern schon vorab Versprechungen, nachdem diese die ganze Nacht über damit zubringen mussten, seinen RB18 zu reparieren. Nach 64 Runden atemloser Action war es dann soweit: Pérez machte sich zum erfolgreichsten mexikanischen F1-Piloten, indem er genau dann zuschlug, als die beiden Ferrari-Piloten, die beim Qualifying noch für ein Front-Row-Lockout gesorgt hatten, einen Moment der Schwäche zeigten.
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Monaco 2022.
Dem Red-Bull-Trio war die Freude ins Gesicht geschrieben.
Den Höhepunkt fand das Rennen in den letzten 40 Minuten, nachdem Mick Schumacher crashte und eine Barriere repariert werden musste. Red Bull und Ferrari setzten auf unterschiedliche Strategien, um am Ende ganz oben zu stehen.
Pérez und Teamkollege Max Verstappen gingen mit dem Medium-Reifen in den Restart, der schneller, aber weniger robust als der harte Reifen von Charles Leclerc und Carlos Sainz sein sollte. In den 36 letzten Runden gab es dann einige Momente, an denen es so aussah, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis Sainz Pérez einholen würde, aber der Red Bull-Pilot ließ sich nicht beirren und zog sein Programm durch. Am Ende ging er mit nur 1,154 Sekunden Vorsprung als Sieger über die Ziellinie - sein zweiter Triumph für Oracle Red Bull Racing nach seinem Erfolg beim Großen Preis von Aserbaidschan im letzten Jahr.
Sainz wurde Zweiter, während Verstappen - der das gesamte Wochenende über nicht ganz mit der Pace von Pérez mithalten konnte - den dritten Platz einfuhr und Leclerc im Ferrari hinter sich hielt.

Für Checo geht ein Traum in Erfüllung

Verstappen gewann den Monaco-Grand Prix im letzten Jahr mit wenig Aufsehen. Er führte das gesamte Rennen über ohne Eingriff des Safety Cars. Pérez musste im Vergleich dazu einige Hindernisse überwinden; an einem Sonntag, an dem so gut wie alles passieren hätte können.
Alles begann mit einem heftigen Regenguss, der dafür sorgte, dass das Rennen erst eine Stunde später gestartet wurde. Als der Regen also abflaute, reihte sich das Feld hinter dem Safety Car auf Heavy Wet-Reifen ein und Leclerc war der Erste, der das Rennen mit einem rollenden Start eröffnete.
Während die Strecke immer weiter auftrocknete, wurde immer klarer, dass derjenige, der im richtigen Moment die richtige Reifenwahl treffen sollte, am Ende die bessere Position herausschlagen könnte - alles war eine Frage von Heavy Wet-, Intermediate- oder Slick-Reifen. Das strategische Team von Oracle Red Bull Racing ließ sich nicht beirren und traf die richtigen Entscheidungen. Pérez ging in Runde 16 in die Box, um sich die Intermediates abzuholen und das sollte sich als Schlüsselmoment herausstellen, den er machte Zeit gut, nachdem ein Boxenstopp von Leclerc mächtig in die Hose ging. In Runde 22 schnallten sich er und Verstappen dann die Trockenreifen an - und Pérez war plötzlich in Führung. Nun hatte Red Bull die strategische Oberhand und der Sieg war nur mehr Formsache.
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Monaco 2022.
Der Moment aller Momente: Pérez gewinnt in Monaco!
"Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht!", meint Pérez anschließend mit einem Grinsen im Gesicht.
"Als Fahrer träumst du natürlich davon, hier zu gewinnen. Neben dem Heimrennen gibt es, glaube ich, kein Wochenende, dessen Sieg so besonders ist wie hier in Monaco. Am Ende haben wir uns das Leben selbst ein bisschen schwerer gemacht, als es sein hätte müssen. Mit dem Graining, das ich auf dem Reifen hatte, durfte ich mir keine Fehler erlauben, um den Sieg heimzufahren. Carlos hinter mir zu behalten war nicht einfach."
"Es ist ein großer Tag für mich und mein Land."
Auch Oracle Red Bull Racing Teamchef Christian Horner weiß, dass der zweite Sieg in Folge neben dem Speed vor allem auch mit der richtigen Strategie zu tun hatte.
"Ich glaube nicht, dass wir heute das schnellste Auto auf dem Feld hatten", meint Horner nach dem Rennen.
"Aber wir haben die richtige Strategie gefunden. Der Doppelboxenstopp wurde perfekte exekutiert und insgesamt war das Rennen eine Frage des Teamworks. Es ist ein hervorragendes Teamergebnis."
Pérez sicherte damit seinen dritten Platz in der Fahrer-Gesamtwertung ab. Mit seinem vierten Podium in sieben Rennen stehen nun ganze 110 Punkte auf seinem Konto, womit er nur sechs Punkte hinter Leclerc liegt. Zwölf Jahre, nachdem er in die Formel 1 eingestiegen ist, fährt er die Saison seines Lebens!

Max lobt das Team nach einem guten Monaco-Ergebnis

Es kam bisher nur selten vor, dass Verstappen neben seinen Teamkollegen die zweite Geige spielt. Dennoch lag er in allen Trainings-Sessions dieses Wochenende und auch im Qualifying hinter Pérez. Nach dessen Crash in Q3 zeigte er sich dementsprechend frustriert, da er seine schnellste Runde nicht fertigfahren konnte. Er ging von Platz vier aus ins Rennen.
Alle Zeichen standen damit gegen Verstappen, denn in Monaco konnte seit Alain Prost im Jahr 1985 keiner mehr gewinnen, der außerhalb der Top-3 startete. Dann aber kamen die chaotischen Bedingungen: Max blieb ruhig und ging smart in sein Rennen - und plötzlich lag er auf Platz drei, vor seinem Weltmeisterschafts-Konkurrenten Leclerc, der sich im Qualifying die Pole geholt hatte. Es war ein Ergebnis, das sehr viel mehr wert ist, als die 15 Weltmeisterschaftspunkte.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Monaco 2022.
Verstappen baute seinen Vorsprung in der Gesamtwertung aus.
"Ich gab mein Bestes und auch das Team machte einen guten Job, strategisch gesehen. Wir konnten uns vor die Ferraris setzen", analysierte er im Anschluss.
"Das gesamte Team kann mit diesem Sonntag sehr zufrieden sein. Mit dem Regen und allem drumherum war es sehr hektisch, aber ich glaube, wir haben alles gut umgesetzt. Ich habe meine Führung in der Gesamtwertung ausgebaut - das ist etwas, was ich letzte Nacht so nicht erwartet hätte. Das ist wirklich positiv."
"Wenn du hier im Nassen noch nie gefahren bist und auch die Reifen sehr rutschig sind, geht es vor allem darum, fokussiert zu bleiben. Fehler passieren ungemein schnell. Glücklicherweise ist nichts dergleichen passiert. Insgesamt war das ein wirklich guter Tag."
Red Bull baute damit auch seinen Vorsprung auf Ferrari in der Konstrukteurswertung aus, der nun bei 36 Punkten liegt.

Gaslys Pech versprach Action

Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg ist in Monaco nicht selten ein schmaler und Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri musste das am Samstag am eigenen Leib spüren, als er mit viel Pech nur auf P17 fahren konnte.
Gasly, der alle Trainings-Sessions unter der Top-10 abgeschlossen hatte, war das Opfer einer in weiten Teilen nicht ganz nachvollziehbaren roten Flagge, die durch seinen Teamkollegen Yuki Tsunoda ausgelöst wurde, der die Innenwand berührte. Als die Action wieder losging, verpasste er es um eine Sekunde, eine letzte fliegende Runde im Q1 zu absolvieren, womit der 17. Startplatz fixiert war.
Yuki Tsunoda von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Monaco 2022.
Tsunoda ging an die Grenze, schaffte es aber nicht in die Punkte.
Damit blieb nichts anderes übrig als auf Risiko zu gehen. Gasly war einer der Ersten, die sich Intermediate-Reifen abholten, und er lieferte einige beeindruckende Überholmanöver ab, die auf dieser Strecke eine absolute Seltenheit sind. Am Ende reichte es jedoch nicht ganz: Er beendete das Rennen auf Platz 11.
Tsunoda hatte gegen Ende des Rennens hingegen mit seinen Reifen zu kämpfen und er landete in der Kurve 1 mehrmals in der Auslaufzone, womit am Ende nur Platz 17 übrigblieb.

Schumachers Glück im Unglück

Obwohl das Wetter und die enge Streckenführung anderes vermuten ließen, gab es insgesamt nur drei Ausfälle, was wiederum für die unheimlich ausgeprägten Skills der modernen Formel 1-Fahrer spricht.
Schumachers Crash, der die rote Flagge auslöste, sorgte für jede Menge Aufsehen. Er verlor sein Auto mitten in der Swimming Pool-Passage, es rotierte und knallte in die Barriere, während das Heck vollständig abgerissen wurde.
Auch wenn es zunächst anders aussah: Schumacher zeigte sich eher überrascht von dem Unfall und er kam ohne Verletzungen davon. Generell war es ein schwarzer Tag für das Team Haas, denn auch Magnussen musste seinen Boliden nach dem halben Rennen vorzeitig abstellen.

Ein weiterer Stadtkurs mit jeder Menge Pace

Nach Monaco steht das nächste Stadtrennen auf dem Programm: Am 12. Juni geht in Baku der Große Preis von Aserbaidschan über die Bühne, der sich in seiner Charakteristik jedoch stark von Monaco unterscheidet. Im letzten Jahr erlebte Verstappen ebendort seinen Reifenplatzer, nachdem er das Rennen souverän angeführt hatte. Er wird auf Wiedergutmachung aus sein!