Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Österreich 2022.
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F1

Max Verstappen holt in Österreich Platz 2 und baut seinen Vorsprung aus

Es war nicht die übliche Meisterfahrt des regierenden Weltmeisters auf dem Red Bull Ring, mit einer starken Leistung konnte er seine Führung in der Weltmeisterschaftswertung jedoch ausbauen.
Autor: Matthew Clayton
7 min readveröffentlicht am
Max Verstappen ist ein Optimist; führ ihn ist das Glas halbvoll, wie er auch beim Großen Preis von Österreich bewies. Der Star von Oracle Red Bull Racing ging von der Pole aus ins Rennen und führte die Eröffnungsrunden an, jedoch wurde ihm schnell klar, dass ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr nicht möglich sein würde.
Der Grund dafür lag in der Abnutzung der Reifen, wodurch Verstappen gegenüber Charles Leclerc im Ferrari einen massiven Nachteil hatte. Letzterer sicherte sich damit seinen dritten Saisonsieg und seinen ersten seit der dritten Runde in Australien.
Dennoch konnte Verstappen mit dem zweiten Platz gut leben, da er seine Führung in der Gesamtwertung auf 38 Punkte ausbaute. Selbst im Adrenalinrausch nach den 71 Runden sah der Niederländer das Ergebnis eher pragmatisch anstatt Panik zu schieben.
"Es war ein schwieriger Tag. Es sah ganz danach aus, als hätten wir auf der Strecke mit den Reifen Probleme und das zog sich über alle Reifentypen durch. Die Degradation war einfach zu stark, um Charles zu attackieren. Der zweite Platz ist für uns nach einem solchen Rennen ein gutes Resultat."
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Österreich 2022.
Es gab keinen Zweifel, wem die Fans auf dem Red Bull Ring zujubelten...
Bezieht man das Renngeschehen mit ein, dann ist der zweite Platz nichts, worüber Verstappen enttäuscht sein müsste. Natürlich, die "Oranje Army" voller niederländischer Fans sah das etwas anders. Immerhin konnte Verstappen in den Jahren 2018, 2019 und 2021 gleich zweimal den Sieg einfahren, womit die Hoffnungen auf einen fünften Sieg nach dem herausragenden Sprint-Qualifying am Samstag hoch waren. Verstappen legte an diesem Tag 26 souveräne Runden aufs Parkett, womit er am Sonntag der klare Favorit war.
Dennoch war auch der zweite Platz keine sichere Sache. Verstappen hatte das Glück, dass der Ferrari von Carlos Sainz bei einer Attacke in Flammen aufging, womit er ausschied. Am Ende war der Rückstand auf Leclerc nur 1,5 Sekunden groß, während Lewis Hamilton den dritten Platz für Mercedes erbte. Es ist das dritte Rennen in Serie, in dem der britische Rekordhalter eine Podiumsplatzierung holte.
So lief der große Preis von Österreich 2022 ab:

Max kämpft trotz Reifennachteil

Die Pace war für Verstappen in Österreich nie wirklich das Problem. Während er den Druck auf Leclerc erhöhte, holte er sich die schnellste Rennrunde, doch der rapide Reifenabbau war dann doch zu stark, um am Ende noch ein Wörtchen mitreden zu können.
In den ersten 12 Runden konnte Verstappen Leclerc hinter sich halten, doch dann musste er die Führung abgeben, was dazu führte, dass er unmittelbar darauf in die Box fuhr, um sich den weißen Reifen abzuholen. In Runde 33 ging dann Leclerc an die Box, womit dieser mit dem Reifenvorteil erneut an Verstappen vorbeiging. In der zweiten Hälfte des Rennens wiederholte sich diese strategische Sequenz: Verstappen führte mit den älteren Reifen das Rennen an, während Leclerc den RB-Piloten in Runde 53 ein letztes Mal überholte.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Österreich 2022.
Verstappen startete souverän, Leclerc ließ sich davon aber nicht beirren.
Oracle Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner zog seinen Hut vor Ferrari, an einem Tag, an dem die Roten schlicht die Oberhand behielten.
"Gratulation an Ferrari, sie hatten über den Großteil des Rennens einfach das schnellere Auto. Unser Reifenabbau war das Problem, womit Verstappen mit einer stumpfen Waffe kämpfte. Ferrari kam einfach leichter mit den Reifen zurecht", meinte Horner nach dem Rennen.
"Unsere Pace am Ende des Rennens war gut, wir konnten uns noch die schnellsten Rennrunde sicher, dennoch hatten wir nicht dieselben Möglichkeiten wie gestern. Das ist etwas, was wir verstehen müssen."
Während Verstappen mit einer gesunden Führung in der Weltmeisterschaftswertung in die zweite Hälfte der Saison geht, liegt der Polster in der Konstrukteurswertung nach 11 Rennen bei 56 Punkten.
"Die Gesamtwertungen sehen gut aus, aber Ferrari ist schnell und wir müssen weiter Druck aufbauen", meint Horner. "Wir können es uns nicht leisten, uns darauf auszuruhen."

Ein früher Kontakt beendete das Rennen von Checo

Verstappens Teamkollege Sergio Pérez hatte sich mit harter Arbeit am Samstag nach vorne gekämpft, bevor er ins Rennen am Sonntag ging. Im Qualifying am Freitagnachmittag wurden seine Rundenzeiten in Q3 gelöscht, nachdem er in Q2 die Tracklimits überschritten hatte. Er wurde nachträglich auf Platz 13 zurück versetzt, von dem aus er ins Sprint Qualifying ging.
Er musste am Samstag also abliefern, um am Sonntag in die Punkteränge zu kommen. Das gelang ihm auch: Er fuhr auf Platz fünf vor, der ihm am Sonntag jedoch leider nicht viel brachte. Direkt nach dem Start berührte er den Mercedes von George Russell in Kurve vier, womit sich der RB-Pilot drehte und im Kies landete.
Russell wurde später eine 5-Sekunden-Strafe aufgebrummt, Pérez konnte damit aber nur wenig anfangen. Bis Runde 24 fuhr er dem restlichen Feld hinterher, bis ein beträchtlicher Schaden an der rechten Seite seines Autos ihn dazu zwang, das Rennen vorzeitig zu beenden.
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Österreich 2022.
Pérez musste das Rennen früh beenden.
"Ich habe das Gefühl, dass wir alles Mögliche gemacht haben, um den Vorfall zu vermeiden. Es ist die erste Runde und es liegt an George, sein Auto zu kontrollieren, doch das gelang ihm nicht. Es kam zum Kontakt, obwohl ich klar vorne war", meinte Pérez anschließend.
Auch Horner zeigte sich frustriert über das Pech seines Piloten, der in der Gesamtwertung mit 151 Punkten hinter Leclerc zurückfiel.
"Es ist eine Schande, was Checo passiert ist...der Schaden war so groß, dass er keine Chance hatte, noch Punkte zu holen", meinte Horner. "Es war die bessere Entscheidung, ihn aus dem Rennen zu nehmen und den Motor zu schonen. Die vierte Kurve ist schwierig; es ist schade, dass ihm der notwendige Raum nicht gegeben wurde."

AlphaTauri bleibt erneut punktelos

Es ist wahrscheinlich, dass im nächsten Jahr ganze sechs Sprint Rennen stattfinden werden. Das wird Pierre Gasly nicht unbedingt in Freudentaumel versetzen, denn zum zweiten Mal bei einem Sprint Event in diesem Jahr wurde das Sonntagsrennen des Scuderia AlphaTauri-Piloten schon am Samstag durch einen Vorfall ruiniert, womit er das Wochenende auf Platz 15 beendete.
Im Sprint am Samstag, konnte er seinen elften Platz nicht verteidigen, nachdem er in der ersten Kurve zwischen Hamilton und Alex Albon landete. Es kam zum Kontakt mit dem Mercedes-Piloten, er drehte sich und fand sich hinten im Feld wieder. Der Franzose kämpfte sich zurück, um am Ende Platz 14 einzufahren.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Österreich 2022.
Gaslys Wochenende ging schon am Samstag den Bach runter...
Der Rennsonntag war für Gasly schon ein Krampf, bevor es in Runde 40 zur Berührung mit dem Aston Martin von Sebastian Vettel kam. Damit setzte sich seine Pechserie fort, die ihm in den letzten acht Rennen nur einen Punkt einbrachte.
Den einzigen Fahrer, den er schlagen konnte, war Teamkollege Yuki Tsunoda auf Platz 16, der von der selben Startreihe auf weißen Reifen ins Rennen ging.

Der Sprint ist da, um zu bleiben

Das Sprint-Rennen am Samstag, das über 24 Runden ging, war nicht das actionreiche Spektakel, nachdem Verstappen die Führung in der ersten Runde gegen Leclerc verteidigen konnte - den Dreher von Gasly und ein paar nette Fights zwischen den Ferraris einmal ausgenommen.
Der Kampf von Pérez von Platz 13 weg auf Platz 5 war herausragend, daneben gab es noch einige kleinere Kontakte, die dafür sorgten, dass die letzten drei Plätze für Sonntag auf Vettel, Fernando Alonso und Valtteri Bottas aufgeteilt wurden. Es ist nicht gerade die Norm, dass die hinteren Reihen auf ein Trio von Piloten fallen, die zusammen 95 Siege und sechs Weltmeisterschaften eingefahren haben. Alonso ging aus diesem Trio mit Platz 10 als Bester hervor.
Der dritte und letzten F1-Sprint für das Jahr 2022 wird im November in Interlagos (Brasilien) stattfinden.

Die zweite Hälfte der Saison startet in Frankreich

Vier Rennen an fünf Wochenenden sorgen dafür, dass der Juli der anspruchsvollste Monat im F1-Kalender 2022 ist. Die Teams werden ein freies Wochenende genießen, bevor es zum nächsten Double-Header am 24. Juli beim Großen Preis von Frankreich geht. Wir freuen uns schon jetzt!