Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Singapur 2022.
© Getty Images/Red Bull Content Pool
F1

Sergio Pérez krallt sich in Singapur souverän seinen vierten Karrieresieg

Der "Street-Fighter" von Oracle Red Bull Racing feierte den 4. Sieg seiner Karriere. Es ist sein bislang bester, wenn man an die vielen Hindernisse denkt, die ihm in den Weg gelegt wurden...
Autor: Matthew Clayton
6 min readveröffentlicht am
Gib Sergio Pérez einen Stadtkurs und die Chance, einen Formel 1-Sieg einzufahren, und schon kannst du ihm dabei zusehen, wie er das Ganze bravourös umsetzt. Der Mexikaner hat sich seit seinem Einstieg bei Oracle Red Bull Racing als Meister der urbanen Streckenführung entpuppt und nach seinem Sieg beim Großen Preis von Singapur erlebt er einen neuen Höhenflug.
Schon im Qualifying geigte er groß auf: Er qualifizierte sich mit nur 0,22 Sekunden Rückstand hinter Charles Leclerc auf Platz zwei. Im Rennen am Sonntag legte er dann einen hervorragenden Start hin, mit dem er den Monegassen schon zu Beginn hinter sich lassen konnte. Es folgte ein langer Abend am Marina Bay Circuit, der schon um eine Stunde verspätet begann, nachdem ein heftiger Regenschauer seine Spuren hinterlassen hatte. Die Strecke trocknete nur langsam auf, womit das Feld kollektiv auf dem Intermediate startete.
Es folgten zwei Safety-Car- und drei Virtual-Safety-Car-Phasen, womit es nicht verwundert, dass innerhalb des vorgegebenen zweistündigen Zeitfensters die volle Renndistanz schlicht nicht möglich war. Dennoch bekamen wir 59 spannende Runden zu sehen, die Pérez kurz vor Mitternacht für sich entschied.
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Singapur 2022.
Pérez holte sich die Führung beim Start und blickte nicht zurück.
Es war der vierte Karrieresieg für Pérez und sein insgesamt dritter für Red Bull Racing - alle drei davon holte er sich in Stadtrennen, darunter Aserbaidschan im letzten Jahr und Monaco in der laufenden Saison. Der letzte, der zuvor sowohl Monaco als auch Singapur für sich entscheiden konnte, war Sebastian Vettel für Red Bull im Jahr 2011.
Pérez' Teamkollege Max Verstappen reiste mit der unwahrscheinlichen, aber mathematisch durchaus möglichen Chance auf den Weltmeistertitel nach Singapur. Ein schwieriges Qualifying sorgte jedoch dafür, dass er nur von P8 aus ins Rennen gehen konnte. Am Ende blieb Platz 7 übrig; dennoch hat er in der Gesamtwertung nach wie vor einen komfortablen Vorsprung von 104 Punkten.

Checos "beste Performance"

Pérez war sichtlich ausgelaugt, als er nach einem intensiven Rennen unter der Hitze und den feuchten Bedingungen von Singapur aus seinem RB18 stieg und feierte. Dennoch war ihm instinktiv klar, welche Bedeutung dieser Sieg im Kontext seiner F1-Karriere hat.
"Das war definitiv meine beste Performance", erklärt er ohne Zögern.
"Ich habe das Rennen kontrolliert, auch wenn das Warm-Up der Reifen ziemlich schwierig war. Die letzten paar Runden waren so intensiv...Im Auto selbst habe ich das gar nicht so sehr gespürt; erst, als ich ausgestiegen bin."
"Ich habe gepusht und für den Sieg heute alles gegeben!"
Pérez war ein Überholmanöver im gesamten Rennen genug, um zu triumphieren - nämlich jenes gegen Leclerc in der ersten Kurve der ersten Runde. Dann zeigte er Köpfchen, indem er die Kontrolle auf dem halbnassen Track niemals abgab. Laufend veränderte sich der Grip, doch der Mexikaner blieb cool; auch dann noch, als das Feld in Runde 23 auf den Slick-Reifen wechselte.
Als das Rennen nach einer Safety-Car-Phase in Runde 39 neu gestartet wurde, saß ihm Leclerc im Nacken, doch Pérez gelang es, nach einem Fehler des Monegassen 10 Runden später eine Lücke herauszufahren. Er ging mit 7,595 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie, musste jedoch nach der Podiums-Zeremonie zu den Stewards, nachdem er die geforderten 10 Wagenlängen hinter dem Safety-Car nicht eingehalten hatte. Die Fünf-Sekunden-Strafe nahm er gerne in Kauf.
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Singapur 2022.
Pérez setzte sich von Leclerc ab und fuhr zum Sieg.
"Er hatte das Rennen immer unter Kontrolle", analysiert Oracle Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner nach dem Rennen.
"Er blieb zu jedem Zeitpunkt cool. Nach dem Wechsel auf die Slicks konnte er Charles nicht abschütteln, aber Checo gelang es, den Rhythmus zu finden. Es ist ein herausragendes Resultat für ihn. Das war Weltklasse-Racing und das unter diesem massiven Druck..."
Es war der 13. Saisonsieg für das Team in dieser Saison, womit Red Bull seinen Rekord an Siege in einer Saison egalisierte. Eine weitere statistische Kuriosität sei noch erwähnt: Alle 12 Rennen in Singapur waren vor dem Sieg von Pérez von Weltmeistern gewonnen worden: Vettel (fünf Siege), Lewis Hamilton (vier Siege), Fernando Alonso (zwei Siege) und Nico Rosberg (ein Sieg).

Die Siegessträhne von Max nahm ein Ende

Verstappen feierte in Singapur seinen 25. Geburtstag, jedoch lief das Wochenende anschließend nicht so, wie geplant.
Im Qualifying musste der Niederländer seine finale Runde in Q3 abbrechen, da der Benzin im Tank für eine weitere Runde nicht reichte. Es blieb nur P8 übrig und das auf einem Track, auf dem Überholmöglichkeiten nur spärlich zu finden sind. Es folgte ein verpatzter Start ins Rennen, womit er in Runde 1 auf Platz 12 zurückfiel.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Singapur 2022.
Singapur verlief für Verstappen nicht nach Plan.
Verstappen kämpfte sich zurück in die Punkteränge! Nach einem erfolglosen Überholmanöver gegen Lando Norris zog er sich einen Flatspot zu und musste erneut an die Box, womit er erneut zurückfiel. Dann aber arbeitete er sich herausragend zurück, nur um sich dann in einem Fight der Weltmeister gegen Vettel und Lewis Hamilton zu finden.
Verstappen gelang es, beide Rivalen zu biegen, womit er nun mit einem Vorsprung von 104 Punkten in der Gesamtwertung nach Japan reist. Sollte der Vorsprung nach Suzuka auf 112 Punkte ansteigen, dann ist ihm der Titel sicher.
"Alles begann schon im Qualifying; du suchst dir die beste Ausgangsposition und alles kann voll aufgehen oder dich in die Frustration stürzen, so wie es uns passiert ist", reflektiert der regierende Weltmeister anschließend.
"Siebter ist besser als Achter, aber das ist nicht die Leistung, für dich hier bin, wenn ich in einem Auto wie unserem sitze und die Performance durchaus da gewesen wäre."

Gutes Qualifying, schlechtes Rennen für AlphaTauri

Für Scuderia AlphaTauri sah das Wochenende nach dem Qualifying gut aus, nachdem es sowohl Pierre Gasly als auch Yuki Tsunoda zum dritten Mal in dieser Saison gelang, sich in den Top-10 zu qualifizieren.
Leider gelang es nur Gasly (der mit dem zehnten Platz einen Punkt einfuhr), aus dieser Ausgangssituation Kapital zu schlagen. Nachdem die beiden Aston Martin-Piloten Lance Stroll (P6) und Vettel (P8) beide in die Punktränge fuhren, rutschte AlphaTauri in der Konstrukteurswertung auf Platz sieben ab.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Singapur 2022.
Gasly startete und beendet das Rennen in den Top-10.
Für Gasly war es das erst dritte Rennen in Singapur, obwohl der Franzose bereits auf 100 Starts in der F1 zurückblickt. Das hat damit zu tun, dass der GP aufgrund der Pandemie in den letzten zweit Jahren von Kalender gestrichen wurde.
Tsunodas erster Grand Prix in Singapur endete in der Streckenbegrenzung der Kurve 10. Dennoch wird er auch in der kommenden Saison die Rennen für AlphaTauri bestreiten.

Alonso hatte bei seinem Meilenstein nichts zu feiern

Alonso ist der erste Fahrer, der an 350 Grand Prix teilnahm. Doch hatte der Spanier im Alpine nicht wirklich etwas zu feiern: Neben seinem Teamkollegen Ocon musste auch er das Rennen vorzeitig beenden, während die unmittelbaren Rivalen von McLaren die Punkte einfuhren - Lando Norris auf Platz vier und Daniel Ricciardo mit seinem besten Saisonergebnis auf Platz fünf. Damit überholte McLaren Alpine auch in der Konstrukteurswertung.

Nächster Stopp: Ein alter Favorit unter den Fahrern

Die Formel 1 geht schon nächste Woche beim Großen Preis von Japan weiter und auch dort wird es spannend zur Sache gehen: Wie Singapur war auch Japan seit 2019 nicht mehr auf dem Kalender zu finden. Doch da enden die Übereinstimmungen zwischen den beiden Strecken auch schon. Wer kommt auf dem kurvenreichen Track am besten zurecht? Und kann sich Verstappen seinen zweiten Weltmeistertitel sichern? Wir werden sehen...

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