Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Spanien 2022.
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F1

Max Verstappen übernimmt nach seinem Sieg in Spanien die Gesamtführung

Der regierende Weltmeister rückt in Barcelona zum ersten Mal in dieser Saison auf Platz eins der Gesamtwertung vor, während sein Teamkollege Sergio Pérez den Doppelsieg perfekt machte.
Autor: Matthew Clayton
7 min readveröffentlicht am
Der Große Preis von Spanien war vor dem Wochenende vor allem für eines bekannt: dass nämlich derjenige, der auf der Pole-Position steht, die größten Chancen hat zu gewinnen. In 31 Rennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya wurden 90 Prozent davon von der Front-Row aus gewonnen, 23 davon von der Pole aus.
Damit hatte Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing zumindest eine 50:50-Chance, den Sieg einzufahren - auf einer Strecke, auf der er sechs Jahre zuvor seinen ersten F1-Sieg feierte. So ging er als Zweiter hinter Charles Leclerc ins Rennen, wo er sich in Angriffsposition begab. Es schien wie eine einfache Strategie, doch wie so oft sollte es nicht ganz so kommen, wie Verstappen und sein Team es geplant hatten. Der Niederländer hatte Probleme mit seinem DRS-System und nachdem er sich in der neunten Runde in Kurve 4 drehte, war Leclerc auf und davon, während Verstappen versuchte, mit dysfunktionaler DRS-Unterstützung an dem Mercedes von George Russell vorbeizugehen.
Dann griff der Twist: Frustriert und bitter enttäuscht musste Leclerc seinen Ferrari nach einem Power-Verlust in Runde 27 abstellen, womit sich Verstappen nun doch seinen vierten Sieg in sechs Rennen dieser Saison abholen konnte. Und es kam noch besser: Es sollte der zweite Doppelsieg dieser Saison für die Bullen werden, nachdem sich Sergio Pérez wie beim Großen Preis der Emilia Romagna Platz zwei sichern konnte.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Spanien 2022.
Verstappen und Pérez - ein Dream-Team!
Nachdem Verstappens Sieg mit dem ersten punktelosen von Leclerc in dieser Saison einhergeht, übernahm der regierende Weltmeister die Führung der Gesamtwertung mit sechs Punkten Vorsprung. Daneben gelang es Verstappen drei Siege in Folge auf drei verschiedenen Strecken (Imola, Miami, Barcelona) zu holen - ein weiterer Meilenstein.
Auch Pérez macht in dieser Saison konstant gute Figur, denn wie im Albert Park und in Imola holte er Platz zwei heraus, während Russell seinen Mercedes auf den dritten Platz steuerte und seinen Run fortsetzte: Er beendete alle sechs Rennen in den Top-5!

Ein dankbarer Max ist zurück in der Spur

Die Führung in der Gesamtwertung nach dem Grand Prix in Spanien zu übernehmen, war noch am Samstag nach dem Qualifying ein ferner Traum, den Verstappen nicht für wahr halten hätte können. Leclerc sicherte sich die Pole mit ganzen drei Zehnteln Vorsprung - davor hatte der Monegasse auch alle Trainings-Sessions angeführt. Doch auch im Rennen selbst lief nicht alles perfekt: Nach seinem Dreher auf der Strecke musste er die Position an Russell und Pérez abgeben, doch Verstappen gab nicht auf.
Nachdem sein DRS nur manchmal mitspielte, veränderte er seine Strategie und setzte auf einen Zugang, bei dem er bei sauberer Luft auf frischen Reifen fahren konnte. Es sollte eine 3-Stopp-Strategie werden. Nach Leclercs Ausfall übernahm Verstappen 17 Runden vor Schluss den ersten Platz, nachdem ihn Pérez als Teamplayer passieren lassen hatte.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Spanien 2022.
Verstappen bei seinem zweiten Sieg in Spanien.
"Ich hatte plötzlich viel Rückenwind, also verlor ich das Heck und drehte mich von der Strecke", erklärt Verstappen nach dem Rennen. "Dann versuchte ich zu überholen, aber mein DRS funktionierte nicht, was es wieder schwer machte. Dennoch fanden wir die richtige Strategie, um wieder Boden gut zu machen und unser eigenes Rennen fahren zu können. Am Ende sollte es der Sieg werden."
"Auf dem Soft-Reifen verhielt sich das Auto gut, auch auf den Medium-Reifen. Am Ende ging alles gut aus. Ich versuchte fokussiert zu bleiben, aber natürlich ist es nicht einfach, wenn solche Dinge passieren. Ich bin einfach nur glücklich über den Sieg und glücklich für Checo. Es ist ein großartiges Resultat für das Team."
Es war ein schwieriger Anfang, aber alles ging am Ende gut aus.
Max Verstappen
Verstappen und Pérez sorgen mit ihren Leistungen nun insgesamt dafür, dass Red Bull auch die Führung in der Konstrukteurs-Wertung übernimmt: Die Bullen liegen mit 195 Punkten auf Platz eins, Ferrari mit 169 Punkten dahinter.
"Es war ein Rennen, das aus zwei sehr unterschiedlichen Abschnitten bestand. In der ersten Hälfte schien bei uns nichts zu funktionieren", blickt Oracle Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner auf das Rennen zurück.
"Als Verstappen hinter George (Russell) hängen blieb und sein DRS streikte, war uns schnell klar, dass eine 3-Stopp-Strategie eine gute Alternative sein würde. Sie stellte sich als perfekte Strategie heraus."

Checo ist ein echter Teamplayer

Pérez zeigte sich etwas enttäuscht, dass er gegen Verstappen nicht um den Sieg fahren konnte, dennoch darf sich der Mexikaner über einen Erfolg freuen: Noch nie zuvor war es ihm gelungen, in Spanien auf das Podium zu fahren.
Der 32-Jährige, der zwischen dem Rennen in Miami und jenes in Spanien Vater wurde, hatte sein Auto beim ersten Training am Freitag an den F2-Piloten Juri Vips übergeben. Am Renntag zeigte er aber vom Start weg, dass er der richtige für den Job ist. Er ging von Platz fünf weg ins Rennen und machte schon zu Beginn einige Plätze gut.
Nachdem Leclerc ausgefallen und Verstappen auf einer anderen Strategie unterwegs war, führte Pérez 11 Rennrunden an. Am Ende sicherte er sich wichtige Punkte und er holte daneben die schnellste Rennrunde. Damit liegt er in der Gesamtwertung auf Platz drei, nur 19 Punkte hinter Leclerc.
"Ich glaube, es war eng, aber am Ende ist es einfach ein tolles Team-Ergebnis und darüber bin ich glücklich", meint Pérez.
Sergio Pérez von Oracle Red Bull Racing beim Großen Preis von Spanien 2022.
Pérez führt zum zweiten Mal in dieser Saison ein Rennen an.
Horner ist sich sicher, dass Pérez das Beste für das Team herausgeholt hat: "Ich rechne es Checo hoch an, dass er heute den Weg für das Team gegangen ist."
"Sie fuhren nicht das gleiche Rennen, ihre Strategien waren unterschiedlich, aber die beiden haben fantastisch zusammengearbeitet. Wir hatten Probleme mit den Temperaturen - Wasser, Öl, Bremsen - und das Letzte, was du willst, ist es, ein DNF zu riskieren, wenn du beide Autos potenziell an die Spitze bringen kannst."
"Da sie das Rennen unterschiedlich angingen, wäre es kein geradliniger Fight gewesen. Max hatte den Reifenvorteil und wir glauben nicht, dass es Checos Reifen bis zum Ende durchgehalten hätten. Deshalb haben wir gegen Ende des Rennens einen weiteren Boxenstopp eingelegt, um Sergio die roten Reifen aufzuschnallen und auf die schnellste Rennrunde zu gehen."

Tsunoda mit einem Punkt, der guttut

An einem Tag, der heißer war, als jeder andere spanische Grand Prix in letzter Zeit - beim Start lag die Streckentemperatur bei etwa 50° Celsius - sicherte sich Yuki Tsunoda einen hart verdienten Punkt mit dem 10 Platz für Scuderia AlphaTauri.
Yuki Tsunoda von Scuderia AlphaTauri beim Großen Preis von Spanien 2022.
Tsunoda fokussierte sich voll und ganz auf seine Aufgabe.
Der Japaner qualifizierte sich vor seinem Teamkollegen Pierre Gasly und ging von P13 aus ins Rennen, setzte sich früh auf P8, fiel aber wieder etwas ab, bevor er sich mit einem weiteren Boxenstopp eine gute Ausgangsposition für den Angriff verschaffte und sich zurück in die Top-10 kämpfen konnte. Dieser eine Punkt - der einzige für AlphaTauri in den letzten zwei Grand Prix - sorgte dafür, dass sich das Team Platz sieben in der Konstrukteurs-Wertung zurückholen konnte.
Weniger fruchtbringend war Gaslys Rennen. Der Franzose schaffte es in keiner einzigen Runde in die Top-10, nachdem er von Rang 14 aus ins Rennen gegangen war. Am Ende ging er spät am Mick Schumacher vorbei, womit er zumindest einen Platz gutmachen konnte. Dennoch, es ist sein drittes Rennen in Serie ohne Punkte.

Ein spanisches Märchen

Nach zwei Jahren, in denen Besucher beim Großen Preis von Spanien nicht erlaubt waren, strömten die Fan-Massen nun wieder auf den Circuit de Barcelona-Catalunya, um das Rennen am Sonntag zu sehen und ihre Local-Heroes Carlos Sainz (Ferrari) und Fernando Alonso (Alpine) anzufeuern.
Sainz holte als Vierter einen guten Erfolg, doch wäre mehr drinnen gewesen, hätte er sich nicht wie Verstappen aufgrund des starken Windes von der Strecke gedreht. Alonso erlebte daneben ein pechschwarzes Wochenende: Nach dem Qualifying stand nur Platz 17 zu Buche, womit Alpine entschied, die Engine zu tauschen und eine Strafversetzung in Kauf zu nehmen. Im Rennen selbst gelang es ihm vom letzten Platz weg, sich auf P9 vorzukämpfen und zwei wertvolle Punkte zu holen.

Nächster Stopp: Das Juwel der F1-Krone

Wir haben mit Miami eine brandneue Location erlebt, mit Australien alte Favoriten neue aufgewärmt und mit Saudi Arabien nasse Füße bekommen, dennoch gibt es kein anderes Rennen, das mehr nach Formel 1 schreit, als der Große Preis von Monaco, der in einer Woche (29. März) stattfindet. Glamour, Prestige und berühmte Gesichter treffen hier aufeinander, um eine einwöchige Motorsport-Party zu feiern. Wir können es kaum erwarten.