Der Niederländer Max Verstappen von Red Bull Racing feiert seinen Sieg beim Grand Prix von Ungarn auf dem Hungaroring, am 31. Juli 2022 in Budapest, Ungarn.
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F1

MAXimal! Verstappen holt denkwürdigen Sieg in Ungarn

Der amtierende Weltmeister von Oracle Red Bull Racing fährt trotz der schlechtesten Saisonleistung im Qualifying (10.) zum Sieg und liegt nun mit 80 Zählern in Front.
Autor: Matthew Clayton
7 min readveröffentlicht am
Max Verstappen hat am Wochenende beim Grand Prix von Ungarn ein weiteres Mal eindrucksvoll bewiesen, dass er einfach nicht zu stoppen ist! Schlechtestes Formel 1-Qualifying des Jahres? Unglücklich, aber passiert. Ein neuer Motor? Okay, wenn es sein muss. Ein 360-Grad-Dreher während des Rennens? Unangenehm, aber kein Problem. Der Niederländer trotzte allen Widrigkeiten und zeigte erneut auf, wer derzeit der Boss im F1-Game ist -- ein weiterer Sieg für die Geschichtsbücher von Oracle Red Bull Racing.
Nach 13 gefahrenen Rennen führt Verstappen nun komfortabel die Fahrerwertung an, aber mit dem Sieg in Budapest haben nur wenige gerechnet -- nicht einmal Verstappen selbst, der nach seinem Sieg im Parc Ferme ein breites Grinsen im Gesicht trug.
Aber wie überraschend war Verstappens Sieg wirklich? Wenn man bedenkt, dass die 36 vorangegangenen Grands Prix von Ungarn nur drei Mal von Fahrern gewonnen wurden, die von Startplatz 5 oder schlechter ins Rennen gingen, ist der Comeback-Sieg von Max auf jeden Fall eine Rarität. Für Red Bull war es der dritte Sieg auf dem Hungaroring und der erste seit acht Jahren nach Daniel Ricciardos Triumph im Jahr 2014. Und das Warten hat sich gelohnt!
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Grand Prix von Ungarn, am 31. Juli 2022.
Mit weiteren 25 Punkten auf dem Konto geht's in die verdiente Sommerpause
Vor dem Rennen am Sonntag war der Hungaroring nur eine von drei Strecken im F1-Kalender, auf denen Verstappen in seiner achtjährigen Karriere noch nie gewinnen konnte -- neben Sachir, Bahrain und Monza.
Und plötzlich waren's nur noch zwei. Nur Augenblicke nach der Podiumszeremonie weinte dann sogar der Himmel, und der Regen, der sich während des Rennens bereits unheilvoll ankündigte, ergoss sich über der Gemeinde Mogyoród, unweit der ungarischen Hauptstadt. Wie schon in Frankreich sieben Tage zuvor bekam Max auf dem Podium Gesellschaft vom Mercedes-Duo Lewis Hamilton und George Russell. Letzterer wurde nach der ersten Pole-Position seiner Karriere Dritter.
Es hat Spaß gemacht da draußen... was für ein verrücktes Rennen! Ich bin unglaublich happy, dass wir gewonnen haben.

Unstoppable

Vor dem Rennstart am Sonntag sah alles danach aus, als würde Verstappens Ungarn-Fluch erneut zuschlagen. Beim Qualifying kämpfte Max mit stumpfen Waffen, denn in Q3 gab's Probleme mit der Power Unit. Startplatz 10 bedeutete seine schlechteste Startposition seit dem Grand Prix von Russland im vergangenen Jahr, wo er nach einem Penalty von ganz hinten ins Rennen ging.
Der erste Schritt in die richtige Richtung kam dann mit der Entscheidung, einen neuen Motor für das Rennen einzubauen. Ergebnis: Max machte in der Eröffnungsrunde bereits zwei Plätze gut.
Trotz Kupplungsproblemen in den ersten paar Runden orientierte sich der amtierende Champion immer nach vorne. In Runde 16 gelang dem Team dann eine strategische Meisterleistung, als Max an die Box kam, um seine weichen Pneus gegen Medium-Reifen zu tauschen.
Max Verstappen von Oracle Red Bull Racing beim Grand Prix von Ungarn, am 31. Juli 2022.
Frühe Attacken legten den Grundstein für den Sieg in Ungarn
Ein zweiter Stopp auf Medium in Runde 38 verwickelte Verstappen in ein Duell gegen seinen schärfsten Titelrivalen Charles Leclerc von Ferrari. Verstappen war schneller und schob sich in Runde 41 vorbei, aber das sollte es noch nicht gewesen sein: Noch in derselben Runde in Kurve 13 drehte sich der RB18 vom Niederländer plötzlich und er verlor die Position wieder. Nach diesem kurzen Schockmoment dauerte es schließlich bis Runde 45, dass der Monegasse endgültig fällig war und Max erneut vorbeiging.
25 Runden später durfte Verstappen mit 7,8 Sekunden Vorsprung bei der Zielflagge über weitere 25 Punkte jubeln.
Der Sieg am Sonntag war Verstappens achter Triumph in der aktuellen Saison und sein 10. Podestplatz in 13 Rennen. Nach einem problematischen Rennen für Leclerc belegte der Mann von Ferrari Platz 6, wodurch der Vorsprung von Verstappen in der Fahrerwertung auf 80 Punkte anwuchs.
"Ich habe natürlich gehofft, dass ich es aufs Podium schaffe", meinte Verstappen über seine Ziele vor dem Rennen.
"Es waren schwierige Bedingungen da draußen, aber ich denke, wir hatten eine gute Strategie. Wir blieben reaktiv und kamen immer zum richtigen Zeitpunkt an die Box. Am Ende haben wir das Rennen sogar mit einem 360-Grad-Dreher gewonnen."
"Ich hatte Probleme mit der Kupplung und der Schaltung und wir mussten ein paar Dinge ändern, um die Kupplung nicht zu demolieren. Dabei haben wir etwas Leistung eingebüßt, und ich glaube, dass ich mich deswegen auch gedreht habe. Zum Glück drehte ich mich genau um 360 Grad -- so verlor ich nur einen Platz."
"Es hat Spaß gemacht da draußen... was für ein verrücktes Rennen! Ich bin unglaublich happy, dass wir gewonnen haben."

Checos bestes Ungarn-Ergebnis

Verstappens Teamkollege Sergio Pérez war vor Sonntag ebenfalls kein großer Fan vom Hungaroring, aber auch das sollte sich ändern. Der Mexikaner fuhr sensationell auf Platz 5 und holte bei seinem 12. Rennstart in Budapest sein bisher bestes Ergebnis. Und die 10 Punkte kamen nach dem verpatzten Samstag mehr als überraschend.
Nach einem merkwürdigen Qualifying, bei dem ihm erst eine Runde wegen Überschreitung der Streckenbegrenzung in Kurve 5 gestrichen wurde -- die dann aber doch zählte -- stand Pérez wie sein Teamkollege mit einem neu verbauten Motor am Sonntag auf Startplatz 11 am Grid.
Bereits in den ersten Kurven des Rennens lag er in den Top 10 und fuhr konstant weiter nach vorne. Im Finish lag er schließlich 15,688 Sekunden hinter Verstappen und nur drei Sekunden vom Podium entfernt.
"Die Pace von Checo in der zweiten Rennhälfte war unglaublich... er war in der Schlussphase eine Sekunde pro Runde schneller als Russell und Sainz", sagte Christian Horner, Teamchef von Oracle Red Bull Racing.
"In der Sommerpause hat er nun genug Zeit darüber nachzudenken, was in den letzten Rennen vielleicht nicht optimal gelaufen ist. In Spa wird er dann wieder voll da sein."
Red Bull konnte mit den 35 gesammelten Punkten von Verstappen und Pérez auch die Führung in der Konstrukteurswertung ausbauen, denn Ferrari holte nur 20 Punkte (Sainz, Vierter und Leclerc, Sechster). Oracle Red Bull Racing hält nun bei 97 Punkten.

Kein Glück für AlphaTauri

Für Scuderia AlphaTauri ging die punktelose Serie in Ungarn in die fünfte Runde, nachdem Pierre Gasly und Yuki Tsunoda nach einem schwierigen Qualifying auch im Rennen kaum Fortschritte machten.
Wie Pérez bekam auch Gasly wegen Überschreitung der Streckenlimits in Kurve 5 einen Penalty, was sich negativ auf seine Startposition auswirkte. Im Gegensatz zur aufgehobenen Strafe des Mexikaners blieb die Strafe für Gasly jedoch bestehen. Das Team entschied sich dann für einen Boxenstart, nachdem noch der Motor des Franzosen gewechselt wurde. Am Ende landete Gasly auf Platz 12 -- leider wieder außerhalb der Punkte.
Pierre Gasly von Scuderia AlphaTauri beim Grand Prix von Ungarn, am 31. Juli 2022.
Gasly fährt knapp an den Punkten vorbei
Tsunoda reihte sich am Ende des Feldes ein (Platz 19), nachdem Valtteri Bottas im Alfa Romeo der einzige Pilot war, der ausschied. Der Japaner startete von Platz 16 und verlor nach einem Dreher in der Schikane von Kurve 6-7 viel Zeit.
In der Konstrukteurswertung bleibt AlphaTauri mit 27 Punkten auf dem achten Platz, sieben Punkte vor Aston Martin.

Seb sagt bald ade

Die wohl größte Story des Ungarn-Wochenendes kam, noch bevor die Motoren überhaupt gestartet wurden. Der vierfache F1-Weltmeister Sebastian Vettel kündigte an, dass er nach der aktuellen Saison mit Aston Martin in den sportlichen Ruhestand gehen wird.
Vettel, der inzwischen 35 Jahre alt ist, feierte zwischen 2009 und 2014 mit Red Bull 38 Grand Prix-Siege und gewann ab 2010 vier Titel in Folge.
Mit seinen 53 Siegen ist er der drittbeste Fahrer aller Zeiten hinter Lewis Hamilton und Michael Schuhmacher. Außerdem hält er eine Reihe von Rekorden, die vielleicht für die Ewigkeit sind, darunter die meisten Siege in Folge (neun im Jahr 2013) und der dramatische WM-Titel 2010, wo er sich in Abu Dhabi im Alter von exakt 23 Jahren und 134 Tagen zum jüngsten Weltmeister in der Geschichte des Sports krönte.
Sportlich gesehen war der Auftritt für Vettel in Budapest dagegen eher unspektakulär. Nach Startplatz 18 beendete er das Rennen auf Platz 10 und geht damit als 14. in der WM-Wertung in die Halbzeitpause.

Verdiente Verschnaufpause

Nach 13 Rennen in etwas mehr als vier Monaten und fünf aufeinanderfolgenden Grands Prix kommt die Sommerpause genau zum richtigen Zeitpunkt. Die F1 verabschiedet sich in eine dreiwöchige Halbzeitpause, bevor es dann wieder mit aufgefüllten Tanks in die spannende Schlussphase der Saison geht. Auf dem Renn-Menü stehen ein paar Klassiker und natürlich die heiß geliebten Rennen in Asien, wo wir teilweise seit 2019 nicht mehr waren (Singapur und Japan).
Den Anfang machen wir aber noch in Europa, genauer gesagt in Spa, beim Großen Preis von Belgien. Das letzte Mal gewann Verstappen hier, allerdings nach einem stark verkürzten Rennen mit viel Regen, Safety Car und dreistündiger Verzögerung.
Der Grand Prix von Belgien findet am 28. August statt. Das solltest du auf keinen Fall verpassen! Und jetzt: Sommerpause.