Die Geschichte der MotoGP
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MotoGP

Die spannende Geschichte der MotoGP

Die MotoGP löste 2002 die bisherige Königklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft ab. Damit feiert die Rennserie im kommenden Jahr ihren 20. Geburtstag. Wir blicken zurück auf die Geschichte der MotoGP.
Autor: Philipp Briel
6 min readveröffentlicht am
Seit dem Jahr 2002 markiert die MotoGP die Königsklasse des zweirädrigen Motorsports für Straßen-Motorräder, doch die Ursprünge der Motorrad-Weltmeisterschaft gehen viel weiter zurück. Hier erfahrt ihr alles, was ihr über die Geschichte der MotoGP wissen müsst.
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Geburtsstunde der Motorrad-WM

Das erste Motorrad mit Benzinmotor, das in Serie produziert wurde, stammt aus dem Jahr 1894 und hört auf den Namen „Hildebrand & Wolfmüller“. 13 Jahre später, im Jahr 1907, fand mit der legendären Isle of Man TT das erste offizielle Motorrad-Rennen der Welt statt.
Es dauerte allerdings bis zum Jahr 1949, bis der Weltverband FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) erstmals eine Weltmeisterschaft für Straßenmotorräder austragen ließ – die inoffizielle Geburtsstunde der MotoGP.
Damals traten die Fahrer in verschiedenen Hubraumklassen an. Unterteilt wurden die Meisterschaften in 50 ccm bzw. 80 ccm, 125 ccm, 250 ccm, 350 ccm und 500 ccm für Solo-Maschinen, beziehungsweise in 500 ccm für Motorräder samt Beiwagen. In der Anfangszeit dominierten vor allem englische und italienische Marken mit Viertaktmotoren das Geschehen.
Rekordhalter ist der im Jahr 1942 geborene Italiener Giacomo „Ago“ Agostini, der am 15. September 1963 beim Heimrennen im italienischen Monza erstmals an den Start ging. Der Rest ist Geschichte: Zwischen 1963 und 1977 heimste Agostini 122 Rennsiege (in 194 Starts) ein und krönte sich ganze 15 mal zum Motorradweltmeister.
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Der Weg zur Gründung der MotoGP

In den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten kam es immer wieder zu weitreichenden Regeländerungen innerhalb der Motorrad-WM. 1983 wurde zunächst die 350-ccm-Klasse ersatzlos gestrichen, ein Jahr darauf die 50-ccm-Klasse durch die 80er-Klasse ersetzt.
Auch der klassische Rennstart, der seinerzeit noch mit dem Anschieben der Rennmaschinen einherging, wurde Ender der 1980er Jahre durch einen stehenden Start ersetzt.
In den 1990er Jahren wurden dann auch noch die 80-ccm-Klasse und die Seitenwagen-Rennen aus dem Programm entfernt, bis zum Jahr 2001 wurde dann ausschließlich in den Hubraum-Klassen 125 ccm, 250 ccm und 500 ccm gefahren.
Zeitgleich etablierte sich ebenfalls unter dem Dach der FIM die sogenannte Superbike-Weltmeisterschaft (SBK), in der Fahrer und Teams mit seriennahen Motorrädern an den Start gingen. Sie wurde ursprünglich von den vier großen japanischen Herstellern Honda, Yamaha, Kawasaki und Suzuki ins Leben gerufen.
Im Lauf der Saison 2001 wurde der Druck der japanischen Hersteller, allen voran Honda, auf den Dachverband so groß, dass es zu einer weitreichenden Umstrukturierung innerhalb der Motorrad-WM kam. Die etablierte 500-ccm-Klasse wurde 2002 durch die MotoGP ersetzt, die die Weltmeisterschaft fit für das neue Jahrtausend machen sollte.
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Die Anfangsjahre der MotoGP: Die „Rossi“-Jahre

Mit dem neuen Branding folgten auch neue Regularien. So kamen in der Königsklasse des Motorradsports fortan Viertaktmotoren mit maximal 990 cm Leistung zum Einsatz. Im finalen Jahr der ursprünglichen Motorrad-WM mit 500 ccm Hubraum (2001) krönte sich der „Doctor“ Valentino Rossi zum Weltmeister.
Auch die Anfänge der MotoGP sollten an den Italiener gehen, der zwischen 2002 und 2005 ganze vier Titel als Fahrerweltmeister einheimste, zunächst auf einer Honda-Maschine, dann auf Yamaha. Rossi führt gemeinsam mit dem Spanier Marc Márquez die Bestenliste der Fahrerweltmeister an – beide Piloten kommen bislang auf sechs Weltmeistertitel in der MotoGP.
Die kleineren Hubraumklassen (125 ccm und 250 ccm) fanden auch weiterhin unter dem Dach der Motorrad-WM statt. Sie wurden erst deutlich später in den MotoGP-Kalender eingegliedert: Die Moto2 ersetzt seit der Saison 2010 die bisherige 250-ccm-Klasse, die Moto3 löste zwei Jahre später, also zur Saison 2012, die dritthöchste Klasse ab.
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Der Weg der MotoGP in die Moderne

Ab der Saison 2007 wurde der zulässige maximale Hubraum innerhalb der MotoGP auf 800 ccm limitiert. Davon versprach sich die FIM eine erhöhte Sicherheit für die Piloten, da die Geschwindigkeiten geringer ausfallen sollten. In der Praxis war davon allerdings kaum etwas zu merken. Tatsächlich konnte die Geschwindigkeit in den Kurven sogar erhöht werden, sodass es häufiger zu Stürzen kam.
Zur Saison 2012 wurde der Hubraum dann wieder angehoben. Ab dieser Saison waren die Bikes mit 1.000 ccm Hubraum ausgestattet, gleichzeitig wurde die maximale Zylinderzahl auf vier beschränkt. Es begann die Dominanz der spanischen Fahrer: Zwischen 2012 und 2020 wanderte der Titel des Fahrerweltmeisters nach Spanien.
Marc Márquez auf Honda krönte sich ganze sechs Mal zum Weltmeister (zuletzt in der Saison 2019), Yamaha-Pilot Jorge Lorenzo sicherte sich zwei weitere Titel, während die Krone in der Saison 2020 an Joan Mir ging.
  • Hinter den Kulissen der MotoGP: Moderatorin Vanessa Guerra gewährt im 'MotoGP Inside Pass' einen Blick hinter die Kulissen.
Seit 2016 gilt innerhalb der technischen Regularien ein Mindestgewicht von 157 kg für ein Bike in der MotoGP-Klasse. Die Leistung eines Motorrades ist hingegen nicht reguliert und wird aus Wettbewerbsgründen lediglich in Untergrenzen bemessen.
Schätzungen zufolge leistet ein aktuelles Motorrad in der MotoGP zwischen 260 und 300 PS. Damit sind Geschwindigkeiten von über 360 km/h möglich. Den aktuellen Rekord stellte der Ducati-Pilot Johann Zarco auf dem Losail International Circuit in Katar auf. Der zweimalige Moto2-Weltmeister wurde im freien Training mit unglaublichen 362,4 km/h geblitzt – allerdings verhalfen dem Franzosen Windschatten und Rückenwind zu seinem Erfolg.
Auf Zeitreise durch die Geschichte der MotoGP: In unserem Film 'Racing Together' blicken einige Legenden auf eine bewegte Historie zurück.
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MotoGP 2022: Ein Ausblick

Die MotoGP-Saison 2021 ist beendet und feierte mit dem Franzosen Fabio Quartararo einen neuen Weltmeister. Traditionell startet die kommende Saison einmal mehr mit dem Katar-Grand-Prix in Losail, der Startschuss für die Saison 2022 der MotoGP fällt am 06. März 2022.
Mit satten 21 Rennen fällt der MotoGP-Kalender so umfangreich aus, wie nie zuvor. Gleichzeitig wurde allerdings auch das Starterfeld aufgestockt: Zwölf Teams mit jeweils zwei Piloten treten an. Erstmals seit dem Debüt der MotoGP ohne den Italiener Valentino Rossi, der sich als aktiver Fahrer zurückzieht.
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Very silly Season: So verrückt war das MotoGP-Jahr 2020
Für Marc Marquez eröffnet sich damit die Chance, den „Doctor“ zu überflügeln und mit einem möglichen Gewinn des siebten Fahrer-WM-Titels allein den Spitzenplatz unter den MotoGP-Weltmeistern einzunehmen.