Gaming
Wie lässt sich der Hype um ein kommendes Videospiel sinnvoll messen? Ein möglicher Weg besteht sicherlich darin, die Popularitätvon dazugehörigen Youtube-Trailern auszuwerten. Nimmt man dieses Kriterium als Grundlage, dann führte der Ankündigungstrailer von „Fortnite Season 5“ die Videospiel-Hype-Charts des Jahres 2018 mit 48,6 Millionen Aufrufen unangefochten an. Auf Platz zwei und drei folgten der E3-Trailer zu „Fallout 76“ mit 33,8 Millionen Aufrufen sowie der Gameplay-Trailer #3 zu „Red Dead Redemption 2“ mit 27,9 Millionen Aufrufen.
Zugegeben, diese Zahlen sind durchaus beeindruckend. Vergleicht man sie jedoch mit denen des kommenden „Minecraft“-Rivalen „Hytale“, dann kommen selbst langjährige Branchenkenner ins Staunen. Denn obwohl „Hytale“ erst am 13. Dezember 2018 angekündigt wurde, bringt es der Annoucement-Trailer innerhalb von zweieinhalb Monaten auf sage und schreibe 43,8 Millionen Aufrufe. Es dürfte somit nur noch eine Frage von wenigen Wochen sein, bis die „Fortnite“-Bestmarke geknackt wird.
Doch was genau ist „Hytale“ nun eigentlich? Und hat das neue Spiel leidenschaftlicher „Minecraft“-Modder (die u.a. die sogenanten Hypixel-Server berteiben) wirklich das Zeug dazu, der nächste große Gaming-Trend zu werden? Wir haben Ursachenforschung betrieben und fassen alles Wissenswerte zu „Hytale“ für euch zusammen.
Willkommen auf dem Planeten Orbis
Inhaltlich betrachtet unterteilen die Macher „Hytale“ in drei große Bereiche. Den Anfang macht der Adventure-Modus. Hier reist ihr allein oder zusammen mit Koop-Verbündeten durch mindestens sechs verschiedene, prozedural generierte Zonen des Planeten Orbis und stellt euch dabei unzähligen Herausforderungen.
Geht’s nach einer Konzeptgrafik auf dem Blog der Entwickler, beginnt das Abenteuer in einer eher gemäßigten Zone. Saftig grüne Wiesen, wunderschöne Laubbäume und rauschende Bäche geben hier den Ton an. Dringt ihr tiefer ins Erdinnere ein, stoßt ihr sodann auf verwinkelte Höhlensysteme, unterirdische Seen und brodelnde Lava-Vorkommen.
Ganz anders Zone zwei: Sie ist als Wüsten- und Canyon-Welt konzipiert und begeistert im Gameplay-Trailer mit immensen Höhenunterschieden und jeder Menge garstiger Kreaturen, allen voran seltsame Riesen-Hornissen. Zone drei wiederum entführt euch in eine Art Eislandschaft mit zugefrorenen Seen, schneebedeckten Gipfeln und vereisten Höhlensystemen.
Neugierig macht darüber hinaus die vierte der insgesamt sechs Zonen. Denn hier fließen die tosenden Lava-Bäche erstmals überirdisch, während ihr unter der Erde mystische Wälder, verschlungene Flussläufe und gefrässige Dinosaurier vorfindet. Was es mit Zone fünf und sechs auf sich hat, halten die Machern dagegen noch geheim.
Laut Hypixel soll jede Zone zudem über ausgedehnte Küstenbereiche verfügen, die wiederum mit einem großen Ozean verbunden sind, der eine eigene Zone darstellt. Wer im kühlen Nass überleben will, sollte sich allerdings gut vorbereiten, denn auch hier lauern Gefahren überall.
Cleveres Feindpack
Stichwort Gefahren: Jede Zone der Spielwelt verfügt über ein breites Sammelsurium an Gegnertypen. In der Zone Emerald Grove etwa begegnen euch die Ork-ähnlichen Trork. Sie allein schicken mindestens fünf verschiedene Einheitentypen mit ganz individuellen Fähigkeiten in die Schlacht. Sentry-Krieger sind außerordentlich wachsam, Hunter werden stets von einem Wolf begleitet, Warriors schwingen eine besonders große Axt, Schamanen wirken mächtige Fernkampfzauber und die sogenannten Cheftains schüchtern einen allein schon aufgrund ihrer beachtlichen Größe ein.
Doch nicht nur verschiedene NPC-Stämme tummeln sich in der Welt, auch Wildtiere sind allgegenwärtig und ausgestattet mit sehr unterschiedlichen, gleichwohl nachvollziehbaren Verhaltensweisen. Säbelzahntiger zum Beispiel jagen ihre Beute im Rudel, sind also meist in größeren Gruppen anzutreffen. Laufen euch dagegen putzige Hühner-Küken über den Weg, könnt ihr davon ausgehen, dass sich eine Henne in unmittelbarer Nähe befindet. Doch Obacht: Klaut ihr eines dieser Küken, müsst ihr euch nicht wundern, wenn Mama richtig sauer wird und euch mit ihrem Schnabel in den Allerwertesten kneift. Kurzum: NPC-Interaktionen wie diese sind es, die „Hytale" schon jetzt deutlich lebendiger erscheinen lassen als "Minecraft".
Zünftiges Dungeon-Crawling, harte Bosse
Um der Spielwelt möglichst viel Abwechslung einzuimpfen, entdeckt ihr zudem in schöner Regelmäßigkeit Dungeons. Sie bestehen für gewöhnlich aus vielen Kammern, Verbindungsgängen sowie einem finalen Raum, in welchem nicht selten ein schlecht gelaunter Bossgegner bereits auf euch wartet.
Laut den Entwicklern reicht es in „Hytale" übrigens nicht, Bossen einfach mit möglichst starken Waffen und möglichst dicker Rüstung zu Leibe zu rücken. Im Gegenteil: Sei es nun die haarige Void Spider oder der zähe Steingolem – jeder Boss folgt einer eigenen Strategie und gibt erst dann klein bei, wenn ihr diese durchschaut und seinen Schwachpunkt gefunden habt.
Ebenfalls vielversprechend: Während die meisten Kerker prozedural von der Engine erzeugt werden, gibt es auch von Hand entworfene Portal Dungeons. Hierbei handelt es sich um besonders schwierig zugängliche Kerker, die allesamt eigenen Regeln folgen und über eine Vielzahl von Blöcken verfügen, die sich nicht einfach so zerstören lassen. Eines dieser Portal Dungeons ist der „Tempel von Gaia“, dessen wunderschöne Konzeptgrafik wir weiter unten verlinkt haben.
Last but not least: Wie ihr den Abenteuer-Modus in Angriff nehmt, spielt in „Hytale" keine Rolle. Es ist also durchaus möglich, sich erst einmal tagelang in Zone eins aufzuhalten, eine imposante Burg aus dem Boden zu stampfen und tonnenweise Ressourcen zu sammeln, um das eigene Rüstzeug für bevorstehende Kämpfe weiter zu verbessern.
Oder aber ihr züchtet erst einmal in Ruhe Nutztiere, zähmtMounts und baut euch Boote und Heißluftballons, die die Erkundung der Welt beschleunigen. Schenkt man einer Konzeptzeichnung auf dem Entwickler-Blog Glauben, könnten diese Explorations-Gadgets zum Release außerdem noch um Jetpacks, Propeller-Rucksäcke, mechanische Flügel, Fallschirme und Tauch-Equipment erweitert werden.
Wunderschöne Pixel-Pracht
Grafisch macht „Hytale“ schon jetzt einen ganz hervorragenden Eindruck. Hauptgrund hierfür ist die Tatsache, dass die Entwickler die Engine eigenes für das Projekt entwarfen und genau dort optimierten, wo es bei „Minecraft“ vielfach hakte. Gesichtsausdrücke und Animationen zum Beispiel wirken in „Hytale“ deutlich vielfältiger als beim Mojang-Konkurrenten. Figuren blinzeln, runzeln mit den Augenbrauen, verziehen den Gesichtsausdruck, winken anderen zu, tanzen und folgen Umgebungsobjekten in Echtzeit mit ihren Kopfbewegungen.
Dazu gesellen sich viele coole Details, die erst bei genauerem Hinsehen auffallen. Im Ozean etwa trefft ihr auf Kugelfische. Fühlen sie sich bedroht, blasen sie ihren mit Stacheln übersäten Körper wie einen Ballon auf. Oder nehmen wir den im Trailer gezeigten Yeti. Greift ihr ihn an, reißt er Felsbrocken aus dem Block-Boden und schleudert sie euch entgegen. Auch klasse: Haut ihr eine Ansammlung Skelette in Stücke, bleiben ihre modrigen Knochen am Bogen liegen.
Für viel Atmosphäre sorgen ferner das dynamische Beleuchtungssystem, die tolle Weitsicht sowie die schicken Partikeleffekte – etwa wenn ein gehörnter Ritter sein Schwert am Boden entlang schleift und dabei Funken erzeugt und ordentlich Staub aufwirbelt. Lob gibt’s des Weiteren für die sogenannten Transition Textures. Sie erzeugen sanfte Übergänge zwischen verschiedenen Blocktypen und lassen die gesamte Welt deutlich natürlicher erscheinen.
Minigame-Gaudi und Wahnsinns-Werkzeuge
Hauptgrund für die große Beliebtheit der „Minecraft“-Server von Hypixel waren die dort angebotenen Multiplayer-Minigames. Sei es nun „Murder Mystery“, wo ein lautloser Killer einem Detektiv und anderen Opfern nach dem Leben trachtet oder das rasante „SkyWars“, wo sich Spieler auf fliegenden Inseln duellieren – die Community liebt den dort angebotenen Content. Entsprechend wundert es nicht, dass Minigames auch in „Hytale" eine tragende Rolle spielen. Hypixel scheint dabei auf eine Mischung aus aufgepeppten Fan-Favoriten (Stichwort SkyWars) und coolen Neuentwicklungen zu setzen. Kostprobe gefällig? Dann schaut im Ankündigungs-Trailer mal ab Minute 01:26 rein.
Bliebe noch die dritte große Säule des Spiels: die mächtigen Editor-Funktionen. Der Clou hier: Im Grunde genommen geben euch die Hypixel Studios genau die Werkzeuge an die Hand, die sie auch selbst zur Erstellung des Spiels nutzen. Eine gewisse Einarbeitung vorausgesetzt, könnt ihr dann zum Beispiel gänzlich eigene Welten erschaffen, Ingame-Filme drehen, In-Game-Scripts bearbeiten und mit dem „Hytale Model Maker“ im Browser ganz eigene 3D-Modelle von Gegnern und NPCs erschaffen und diese individuell animieren, texturieren und schließlich ohne Umwege ins Spiel importieren. Mit anderen Worten: „Hytale“ macht Klötzchen-Bauer-Träume wahr!
Nicht zuletzt, weil die Entwickler selbst aus der „Minecraft“-Szene stammen und genau wissen, was sich diese schon immer gewünscht hat. Community betriebene Server? Sind selbstverständlich Ehrensache! Gleiches gilt für eine Vielzahl an Jugendschutz-Optionen, die es Eltern ermöglichen, klar zu regeln, welche Inhalte der Nachwuchs spielen darf und welche nicht.
Wann erscheint "Hytale" und was kostet es?
Noch gibt es kein finales Releasedatum. Auf der offiziellen Webseite können sich Interessierte jedoch nach Angabe ihrer E-Mail-Adresse bereits für die Beta-Phase anmelden, die aller Voraussicht nach noch dieses Jahr stattfindet. Wichtig: Zum Start erscheint „Hytale“ zunächst nur für PC und Mac. Eine Unterstützung für andere Plattformen schließen die Macher allerdings nicht aus. Es dürfte somit nur eine Frage der Zeit sein, bis der Titel auch auf Konsole erscheint.
Ebenfalls noch nicht in Stein gemeißelt ist das Finanzierungsmodell. Da Riot Games (die Firma hinter dem MOBA-Hit „League of Legends“) das Projekt mitfinanziert, würden wir uns jedoch nicht wundern, wenn die Entwickler eine Free-2-Play-Route einschlagen. Auf diese Weise könnte man gleich zum Start eine signifikante Nutzerbasis generieren und den Stein erst richtig ins Rollen bringen.
Neugierig geworden? Dann solltet ihr euch schon jetzt den 6. April 2019 rot im Kalender anstreichen. An diesem Tag möchten die Entwickler im Rahmen der britischen Spielemesse EGX Rezzed weitere Details zu „Hytale“ bekannt geben. Das Panel selbst startet um 16 Uhr deutscher Zeit und wird auch via YouTube und Twitch gestreamt.