Auf der Piste in Maribor mussten die Fahrer so manche Linie improvisieren.
© Bartek Wolinski
Bike

Inside Lines #4: Another one rides the dust

In seiner Kolumne fasst MTB-YouTuber Jasper Jauch den 4. WM-Lauf in Maribor zusammen und liefert einen (technischen) Erklärungsansatz für die Dominanz der Commencal-Fahrer.
Autor: Jasper Jauch
5 min readveröffentlicht am
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Endlich wieder Weltcup, endlich wieder spannende Rennen. Und noch ehrlicher gesprochen: Endlich mal gleichbleibende Bedingungen über das ganze Wochenende. Die legendäre Strecke in Maribor hat in der Vergangenheit schon viele spannende Rennen zu Tage getragen und auch dieses war es mal wieder würdig die Zähne zu knirschen, sich auf die Schenkel zu hauen oder auch die Hände über den Kopf zu schlagen.
Ich habe dieses mal wirklich krass mitgefiebert. Aber warum war es so spanend? Wenn sich die Top-Fahrer auf einer Strecke, die keine Fehler duldet, unter Bedingungen bei denen jeder attackiert und sich um 1000/sek bekämpft, dann ist hohe Spannung wohl eher milde ausgedrückt.
Valentina Höll beim Downhill-Rennen in Maribor.
Red Bull-Bikerin Valentina Höll belegte Rang sechs.
Die Strecke in Maribor ist schnell, hat viele Wellen und Löcher und dabei auch ganz viele Wurzeln. Also eigentlich genau das, was eine ordentliche Downhillstrecke braucht. Als Kirsche auf das Sahnehäubchen gibt es dann noch das bekannte und auch gefürchtete Steinfeld, bei dem die ein oder andere Linie auch mal improvisiert werden musste. Aber warum sind einige Fahrer schnell gestartet und im weiteren Verlauf der Strecke eher nach hinten durchgereicht worden?
Zunächst müssen wir natürlich beim Fahrer ansetzen. Die Strecke ist sehr rau und dementsprechend auch extrem anstrengend. Wer oben seine Körner schon verschossen hat, wurde unten leider wie auf einem Rodeoritt von Loch zu Loch geworfen und musste es mit teuren Sekunden bezahlen. Um das ganze Rennen also attackieren zu können, musste man sich die Kraft einteilen und bedacht fahren.
In Maribor fand der 4. Lauf zum MTB World Cup statt.
Luca Shaw brennt auf auf seinem VPP Hinterbau durch den Staub.
Benoit Coulange, der lange in Führung lag, erläuterte das auf den Punkt gebracht in seinem Interview. Warum aber waren auffällig viele Commencal-Fahrer vorne? Vielleicht bilde ich es mir ein oder meine Studie ist nicht fundiert genug, aber betrachten wir die Ergebnisse fällt folgendes auf: Sieben Bikes von den Top Ten setzen auf High-Pivot oder VirtualPivotPoint Hinterbau Systeme.
Bei dieser Art des Hinterbaus, also des Federungssystems am Heck des Bikes, liegt der Drehpunkt besonders weit oben, also über der Achse der Laufräder. Das bringt vor allem Laufruhe in sehr rauen Sektionen, die dem Fahrer Kraft spart und gleichzeitig mehr Grip für den Reifen liefert. Beim Einfedern muss das Hinterrad nämlich nicht nach vorne wandern, um das Hindernis zu überrollen, da es entweder senkrecht nach oben einfedert, oder sogar etwas nach hinten oben.
Dazu sind bei einigen dieser Bikes auch Umlenkrollen der Kette verbaut. Das sieht auf den ersten Blick komisch aus, ergibt aber auf den zweiten Blick jede Menge Sinn. Jeder, der sein Bike mit dem Hinterrad schon mal aus der Luft auf den Boden fallen gelassen hat, merkt, dass sich beim Aufkommen die Kurbel leicht verdreht - der so genannte Pedalrückschlag!
Das Sieger-Bike aus Maribor in der Seitenansicht.
Das Sieger Bike von Loris Vergier mit High Pivot Point und Umlenkrolle.
Den bekommt sowohl der Fahrer ab, als auch die Schaltung, die versucht die Kette auf Spannung zu halten, also eher dagegen zu arbeiten. Dagegen arbeiten trifft es ganz gut, denn die Kettenspannung arbeitet dabei gegen die Sensibilität der Federung. Die Rolle schlägt somit zwei Fliegen mit einer Klappe und bringt eben auch wieder die Möglichkeit auf die entscheidenden Zehntel im Rennen. So viel zum Tech-Talk. Lasst uns wieder über das Rennen sprechen.
Bei so einem staubigen Untergrund fällt es schwer, den genauen Punkt des Griplimits zu finden, die Bremse punktgenau zu dosieren und neben bei auch noch den Blick durch den Staubnebel zu behalten. Bei den Frauen hat Myriam Nicole (Obacht: auch sie war auf einem High-Pivot Bike unterwegs) sehr deutlich bewiesen, dass sie den Blick weit voraus hatte.
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Ich persönlich hätte es Thanée Seagrave etwas mehr gegönnt, da das zarte Auftreten dieser jungen Persönlichkeit im Rennen immer wieder erstaunlich viel Power beweist. Aber die Saison ist ja noch nicht zu Ende. Die Italienerin Farina Eleonora zeigt, dass ein langer Atem auch zum Ziel führt. Seit Jahren kämpft sie sich stetig nach vorne und hat diesen zweiten Platz wirklich verdient.
Bei den Männern hat „The GOAT“ mal wieder gezeigt: Ihn dürfen wir einfach nicht abschreiben. Greg Minnaar hat mit seinen 39 Jahren den Jungen mal wieder etwas Angst einjagen können. Sein sehr sauberer Lauf brachte ihn souverän auf Rang vier.
Thanée Seagrave beim Downhill-Rennen in Maribor.
Powerfrau auf dem Bike: Thanée Seagrave
Mein schon in vergangen Kolumnen angekündigter deutschsprachiger Favorit Andi Kolb hat definitiv bewiesen, dass er noch ein Ass im Ärmel hat. Oder, dass auch sein Bike ohne Kette bzw. mit einer Umlenkrolle schneller fährt bzw. fahren würde. Er schaffte es trotz gerissener Kette am Anfang der Tretsektion auf Platz 16.
Auf den Sieg von Loris Vergier habe ich wirklich gehofft - und mit gehofft meine ich mit voller Körperspannnung gezittert und gebangt, dass er sein Können endlich unter Beweis stellt. Sein Sieg war für mich eine absolute Krönung dieses spannenden Rennens in Maribor. Die restlichen Ergebnisse findet ihr wie immer in den Listen oder ihr schaut euch - weil es so schön war - den Livestream nochmal im Replay an.
Die siegreichen Fahrer jubeln auf dem Podium.
Strahlende Gesichter auf dem Podium in Maribor.
Ich hoffe mein kleiner Ausflug in die Gedanken eines Jasper Jauchs zum Weltcup in Maribor haben euch gefallen und ihr konntet etwas über Hinterbau-Systeme lernen.
Euer Jasper
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