Loïc Bruni beim UCI MTB World Cup 2021 in Snowshoe.
© Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool
Bike

Inside Lines #13: Snowshoe, sonst Nichts.

Große Sprünge, weite Kurven, Steinfelder, „Rhythm Sections“: Die Highspeed-Strecke in Snowshoe verlangt den Ridern alles ab. Vor dem Rennen gilt daher: Carb-Loading und früh ins Bett.
Autor: Jasper Jauch
4 min readveröffentlicht am
Inside Lines – die Kolumne zum UCI Mountain Bike World Cup 2022 mit Jasper Jauch: #13 Der Weltcup-Stopp in Snowshoe.
Freedom, Burger und Pick-Up Trucks, sind wohl die ersten Klischees, die einem bei den USA in den Sinn kommen, aber eher weniger mit dem anstehenden Downhill Weltcup zu tun haben. Snowshoe liegt in West-Virginia, im Osten der USA und dient im Winter einzig und allein der Bespaßung von Skifahrern. Wie praktisch, dass man im Sommer dann die Lifte für Mountainbikes benutzen kann. Und zwar so gut, dass man direkt einen Weltcup austrägt.
Sowohl die Strecke als auch die Infrastruktur lassen hierbei keine Wünsche offen und einmal mehr wird gezeigt, wie man Ski Resorts sinnvoll für den Sommer nutzen kann.
MTB-Profi Laurie Greenland rollt über Steinfelder als wären sie Asphalt.
Laurie Greenland rollt über Steinfelder als wären sie Asphalt.
Dass die Stimmung an den Strecken nur in Schottland und Frankreich extrem sein kann, haben die Amerikaner in Windham bereits widerlegt. Allerdings liegt Windham mit der Nähe zu New York doch deutlich leichter zu erreichen. Nach den langen Corona-Beschränkungen kann ich mir jedoch gut vorstellen, dass einige Mountainbike Fans die amerikanische Flagge einpacken, und dann 4,5 Stunden aus Washington DC anreisen, um die schnellsten Mountainbiker*innen live zu erleben und gebührend anzufeuern.
Mountainbike Downhill Fans jubeln beim Weltcup-Stopp in Lenzerheide.
Greg Minnaars Fan Base in Lenzerheide. Snowshoe zeigt mehr USA Flaggen.
Dass das Rennen wieder zum Zerreißen spannend wird, ist eigentlich eh schon klar. Zumindest für alle, die fleißig Andorra geschaut haben. Ein so dichtes Fahrerfeld an potenziellen Gewinnern gab es in der Downhillgeschichte noch nicht.
In der Vergangenheit zeichnete sich meist eine Top 5 oder Top 10 ab, bei der man dann für die jeweilige Strecke 3 Favoriten*innen auserkoren hat. Derzeit würde ich sagen, könnte die komplette Top 20 einen Weltcup für sich entscheiden. Leider macht es das schwer für Kolumnisten wie mich, euch geheime Favoriten*innen Insights zu liefern, aber für den Zuschauer und die Berichterstattung im Allgemeinen wird es unglaublich spannend und vielseitig.
Besseres Material, professionellere Teams, individuell abgestimmte Trainingspläne, modernste Analysetools und mehr Budget haben den Downhillsport auf ein neues Level gehoben.
MTB-Downhill-Profi Andi Kolb springt beim Weltcup Stopp über eine Rampe.
Andi Kolb fliegt unter die Top 5. Mit seinem Team auch in Snowshoe möglich.

Welche Arbeit braucht also Windham?

Glaubt man den Erfahrungen aus vergangenen Events in Snowshoe ist Fitness ein entscheidender Punkt, das Rennen bis ins Ziel zu bringen. Das wird im Downhill übrigens häufig unterschätzt. Zu viele Trainingsabfahrten und zu intensives Racing bereits im Training ermüden den/die Fahrer*in.
Nicht wirklich messbar und vielleicht sogar nicht wirklich spürbar, fehlt dann aber die entscheidende Power, um in einer ungeplanten Situation, die Kontrolle zu behalten, fehlerfrei durch Schlüsselstellen zu kommen oder eben die letzten Zehntel im Sprint herauszuholen.
Gerade bei Snowshoe waren sich alle einig, dass hier ein hoher Energieverbrauch zu verzeichnen war. Also, Carb-Loading, früh ins Bett und bedacht trainieren, denn die Strecke glänzt mit unzähligen Steinfeldern, einigen flachen Tretsektionen, immer wieder forderndem Untergrund und das alles auf Highspeed.
Ähnlich wie in Lenzerheide hat Snowshoe auch wieder mehr Optionen als nur eine Hauptlinie im Gepäck, sodass die Teams einiges an der Strecke zu analysieren haben, die richtigen Shortcuts zu finden. Und wahrscheinlich wurde das Memory Brettspiel auch schon in einigen Trainingsplänen verankert, um sich die ganzen Schlüsselstellen, Wurzelabbiegungen und blinden Absprünge besser merken zu können. Ist übrigens kein Scherz: Vor allem neurologisches Training bekommt immer mehr Aufmerksamkeit.
MTB-Downhill-Profi Myriam Nicole mit deutlicher Körpersprache beim Weltcup.
Myriam Nicole mit deutlicher Körpersprache. Sie beherrscht die Strecke.
Große Sprünge, weite Kurven, gefolgt von engen Wäldern mit geröllartigen Steinfeldern. Natürliche Gaps oder auch technische „Rhythm Sections“ mit den stetigen Fragen: Abziehen oder Wegdrücken? Inside oder Outside?

Eine Downhillstrecke, die einer Bühne wie dem Weltcup mehr als nur gerecht wird.

Kurze Notiz noch am Rande: Übersee-Weltcups sind immer eine besondere Herausforderung. Limitiertes Gepäck, keinen Truck und der Jetlag lassen solche Reisen und Rennen besonders anstrengend werden. Fällt einem im TV und auf Instagram nur meist nicht auf.
Aus meiner eigenen Erfahrung ist vor allem der Jetlag eine sehr nervige Sache, wenn man sportliche Höchleistung bringen soll. Ich als Lauch (dünn und groß gebaut), war da mehr von der Verdauung betroffen, als der Müdigkeit. Mitten in der Nacht knurrt der Magen und tagsüber bekommt man nichts runter, weil man so gar keinen Hunger hat. Vom daraus resultierenden Energiemangel ganz zu schweigen.
Frühes Anreisen ist also von Vorteil. Schade, dass unsere frisch gebackenen Deutschen Meister*innen, Nina Hoffmann und Max Hartenstern noch eben schnell das Rennen in Ilmenau fahren mussten und es somit erst auf den letzten Drücker in die USA schaffen. Glückwunsch an dieser Stelle, ihr leistet Unglaubliches!
MTB Downhill-Profi Aaron Gwin zurück auf Podiums Jagd. Stetig kämpft er sich wieder nach oben.
Aaron Gwin zurück auf Podiums Jagd. Stetig kämpft er sich wieder nach oben.
Bei den Locals hat es am Wochenende Dakotah Norton geschafft und Aaron Gwin ist Vizemeister geworden. Die vereinigten Staaten hatten ebenfalls ihren nationalen Meisterschaften. Das könnte etwas Schub für den anstehenden Weltcup in heimischen Gefilden geben.
Ich freue mich auf ein spannendes Downhill-Drama und hoffe ihr seid auch mit dabei. Live auf Red Bull TV.
Euer Jasper.

Die Livestreams der MTB DH Finale in Snowshoe auf einen Blick:

Samstag ab 18:25 Uhr: Das DH Finale der Damen in Snowshoe live auf Red Bull TV

DH Finale der Damen – Snowshoe

Verfolge die Action beim DH-Finale der Damen in Snowshoe, wo eine technisch anspruchsvolle Strecke auf die Fahrerinnen wartet.

Samstag ab 19:45 Uhr: Das DH Finale der Herren in Snowshoe live auf Red Bull TV

DH Finale der Herren – Snowshoe

Verfolge die Action beim DH-Finale der Herren in Snowshoe, wo eine technisch anspruchsvolle Strecke auf die Fahrer wartet.