Erklär uns doch kurz die Geschäftsidee von Suncrafter.
Energietechnologie ist immer komplex. Wir haben mit Suncrafter die Prozesse im Bereich Solarenergie abgekürzt, indem wir auf Gebrauchtmodule zurück greifen. Das spart signifikant Kosten und Emissionen. Solar-Module zu recyclen ist nämlich ein intensiver Prozess. Es werden jährlich Millionen Module vorzeitig ausrangiert, müssen entweder recyclet werden oder landen auf der Mülldeponie. Ursprünglich haben wir die Idee für den Katastropheneinsatz konzipiert.
Eure Idee ist aber nicht nur für den Katastropheneinsatz sinnvoll.
Auf dem Weg dahin haben wir festgestellt, dass es enormen Bedarf für die ländliche Entwicklung gibt. Menschen, die keinen Zugang zu Strom haben und eine günstige erneuerbare Energiequelle brauchen, ohne dass sie dafür viel technisches Know-how benötigen.
Was waren bislang die großen Herausforderungen?
Es ist jeden Tag eine große Herausforderung. Anfangs ist es schwer, die Menschen von der Idee zu überzeugen. Wenn sie überzeugt sind, ist es schwer, weitere Leute zu finden, um ein Team aufzubauen, die das kompetent tragen. Dann muss die Finanzierung sicher gestellt sein. Für ein Social Enterprise ist auch das eine Challenge. Was aber bleibt ist, dass das, was man macht, aus voller Überzeugung passiert.
Welche Rolle spielen Events wie Red Bull Amaphiko für den Bereich.
Ich erlebe in der Berliner Start-up-Szene nicht so oft die Möglichkeit, mich über das Thema Social Enterprises zu vernetzen. So eine Plattform tut total gut, weil man sich austauschen kann. Unternehmen haben dabei die Möglichkeit, solche Themen in den Fokus zu rücken. In dem Moment, in dem Corporates etwas wichtig finden, kann es schneller in die Agenda rücken.
Kommen wir zum Thema Nachhaltigkeit. Es ist in den vergangenen Jahren zwar viel passiert, aber offenbar noch lange nicht genug.
Ich mag es prinzipiell nicht, wenn solche Phänomene Elitenthemen bleiben. Ich mag es ebenfalls nicht, wenn wir alle immer in unseren Blasen bleiben. Wir sollten so unarrogant wie möglich an die Sache herangehen. Wir versuchen so inklusiv wie möglich zu arbeiten. Bioprodukte zeigen das Elitenproblem auf: Biowurst kostet zu viel Geld, als dass eine Familie mit unterdurchschnittlichem Einkommen sich das leisten könnte. Ich finde es nicht richtig, dass die Verantwortung nur auf die Konsumenten verlagert wird. Da sollte die Politik mehr Verantwortung tragen.
Wie definiert Ihr Erfolg?
Wenn wir es schaffen, einen Impact zu schaffen und dabei Profite zu generieren, dann haben wir Erfolg. Das ist mein persönlicher Anspruch. Wir sind angetreten, um zu beweisen, dass Social Entrepreneurships funktionieren und wenn wir das beweisen können, dann hat mit jedem Positivbeispiel der Sektor neue Chancen gewonnen.
Wo seht Ihr euch in zehn Jahren?
Ich könnte mir vorstellen, bei Suncrafter als Beraterin tätig zu sein. Und gleichzeitig irgendwas neues anzufangen.
Zum Beispiel?
Hier beim Almaphiko haben wir darüber nachgedacht, wie schwimmende Inseln aus Ozean-Plastik funktionieren könnten. Solche Flächen für Solar-/Albedo-Management zu nutzen, fände ich spannend. Vielleicht macht das irgendwann mal Sinn.
Wo siehst du die Welt in 20 Jahren?
Ich glaube an kulturelle Evolution. Die Welt wird trotz Rückschlägen immer besser werden. Ich hoffe, dass wir uns weiter entwickeln. In 20 Jahren werden wir in unserem System wenig Emissionen haben. Mobilität und Energie wird sich gewendet haben. Die heutigen Verlierer sind morgen vielleicht die Gewinner, weil sie am meisten von der Ressource Sonnenstrahlung haben. Ich rede von Gegenden wie Subsahara, Afrika und Südostasien. Dort haben immer noch über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Strom.
Du bist davon überzeugt, dass die Welt sich zum Besserem ändern wird?
Darauf werden wir uns zubewegen. Ich glaube daran, dass Menschen immer weiter lernen. Die Welt vor 500 Jahren sah diesbezüglich noch ganz anders aus. Ich glaube, in Menschen besteht der Wunsch nach Zivilisation, Gerechtigkeit, Freiheit, Fairness und so weiter. Die Welt ist nicht immer toll. Aber in winzigen Schritten bewegen wir uns auf eine immer bessere Welt zu.
Interessiert an Red Bull Amaphiko? Du kannst auch „nur“ der Community beitreten und dich unter www.redbullamaphiko.com vernetzen.