Jürgen Klopp: Warum Spaß einer der unterschätztesten Erfolgsfaktoren ist
Jürgen Klopp betont, wie wichtig es ist, auf dem Spielfeld Spaß zu haben
© Joerg Mitter/Red Bull Content Pool
Wie wichtig ist es für Spieler auf diesem Niveau, den Spaß am Fußball nicht zu verlieren? Und erinnerst du dich noch an solche Momente aus deiner eigenen Karriere?
Wenn du Profi wirst, vergessen manche Leute irgendwann, dass Fußball eigentlich ein Spiel ist. Wenn du ein Spiel nicht genießt und keinen Spaß dabei hast, dann sieht das komplett anders aus. Die große Herausforderung besteht darin, sich das Kind im Inneren zu bewahren.
Ich habe in meiner Karriere ein paar Tore geschossen, sogar ein paar richtig schöne. Und ganz ehrlich: Als der Ball im Netz gelandet ist, war ich wahrscheinlich der Mensch im Stadion, der am meisten überrascht war. Aber natürlich habe ich es genossen. Für ein paar Sekunden dachte ich sogar: „Genau dahin wollte ich den Ball schießen.“ Ich hatte viele großartige Fußballmomente. Die meisten davon hat vermutlich niemand gesehen, aber für mich waren sie unglaublich wichtig. Sie haben mich motiviert und weitergetragen.
Und dann gab es natürlich die Tore meiner Mannschaften. Über die Jahre hinweg waren da einige Treffer dabei, bei denen ich mir aus biomechanischer Sicht gedacht habe: Das kann eigentlich gar nicht funktionieren. Aber es hat funktioniert. Die Jungs sind unglaubliche Athleten und können Dinge auf dem Platz machen, die wirklich außergewöhnlich sind.
Die Spieler stehen heute unter enormem Druck - das ist der größte Unterschied.
Was hat dich beim Zuschauen der Red Bull Ultimate Soccer Challenge am meisten beeindruckt?
Da waren einige beeindruckende Aktionen dabei. Am meisten hat mich aber definitiv der Pass von Endrick auf dem Laufband beeindruckt, den Richard direkt mit dem ersten Kontakt verarbeitet und anschließend verwandelt hat. Ganz ehrlich: Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist. Dafür brauchst du sicherlich auch ein bisschen Glück. Aber die Ballannahme war außergewöhnlich. Das dann direkt im ersten Versuch abzuschließen, ist absolut herausragend.
Was ist heute für Spieler grundlegend anders als noch für frühere Generationen?
Eigentlich alles. Wir leben heute in einer extrem öffentlichen Welt. Das ist komplett anders als zu meiner Zeit. Die Spieler stehen unter enormem Druck. Wenn du performst, ist alles wunderbar. Wenn du nicht performst, solltest du dich besser anschnallen und sicherstellen, dass du die richtigen Menschen um dich herum hast. Das ist für mich der größte Unterschied.
Dazu kommt, dass das Spiel schneller geworden ist. Die Spieler sind stärker, schneller und leistungsfähiger als früher. Sie entwickeln sich immer mehr zu echten Super-Athleten. Früher war das nicht in diesem Ausmaß notwendig. Aber heute musst du ein absoluter Profi sein, wenn du mit den Besten der Welt mithalten möchtest. Und die Spieler, mit denen ich arbeiten durfte, waren genau das.
Welches Land könnte deiner Meinung nach in diesem Sommer am Ende den Pokal in die Höhe stemmen?
Es gibt viele starke Nationalmannschaften. Aber bei einem Turnier hängt vieles vom Turnierverlauf, den Gegnern und der Dynamik innerhalb der Mannschaft ab. Die Teams mit den besten Spielern und dem stärksten Zusammenhalt werden am Ende weit kommen. Aber irgendwann treffen sie auf andere Mannschaften, die genauso stark sind.
Und dann sitzen wir alle bequem vor dem Fernseher und schauen zu, wie diese Spieler nach sechs intensiven Turnierwochen noch einmal alles aus sich herausholen. Deshalb kann ich jetzt keinen Favoriten nennen. Worauf ich mich aber festlegen kann: Ich freue mich riesig auf die Weltmeisterschaft.