Radsport

Die erfolgreiche Radsport Karriere von Justin Williams

Das Aufbegehren gegen jede Norm definiert die Karriere des amerikanischen Radsportprofis Justin Williams. Er sprich über die neuen Herausforderungen, die er sich zum Ziel gesetzt hat.
Von: Colin Bane
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Justin Williams fährt auf dem Saddle Peak in Malibu, Kalifornien.
© Aaron Blatt/Red Bull Content Pool
Justin Williams blickt auf eine lange Karriere im Radsport zurück. Er ist die prominenteste Stimme, die schon lange für Inklusion und Diversität eintritt, doch erst jetzt bekommt der 31-Jährige jene Aufmerksamkeit für seine Leistung, die er sich verdient hat.
Seine Mission als Sprachrohr für mehr Diversität verfolgt er nach wie vor und das Ausrufezeichen, das er gemeinsam mit seinem Team L39ION in Los Angeles setzt, fällt mit jedem Erfolg größer aus. In Zusammenarbeit mit seinem Bruder Cory managt er das Team, das innerhalb des amerikanischen Raums laufend Siege einfährt und budgetär besser dastehende Konkurrenten in die Schranken weist. Daneben führt Williams als Einzelsportler die Gesamtwertung an und ist bereits zweimaliger US National Criterium Champion.
Justin Williams fährt auf dem Saddle Peak in Malibu, Kalifornien.

Justin Williams trainiert in Malibu

© Aaron Blatt/Red Bull Content Pool

"Grundsätzlich mache ich keine Interviews mehr, in denen es darum geht, als Schwarzer im Radsport aktiv zu sein. Meine Hautfarbe war mein gesamtes Leben lang schwarz", erklärt Williams. "Ich will alleine für mich mehr Diversität, aber zugleich möchte ich den Sport für alle ändern, ihn weiterentwickeln, um die Ausgangssituation für jeden einzelnen Athleten da draußen zu verbessern. Das ist die Geschichte, die ich erzählen möchte."

Criterium-Racing ist seine Leidenschaft

Williams gründete sein Team L39ION im Jahr 2019 gemeinsam mit seinem Bruder Cory. Justin leitet damit ein siebenköpfiges Aufgebot, das sich darauf spezialisiert, Rennen im amerikanischen Raum zu bestreiten, während Cory ein zehn Personen starkes UCI Continental-Rennteam anführt, das vor allem im Ausland antritt. Der Fokus für Justin liegt vor allem auf der Disziplin "Criterium".
"Dem Crit-Racing bin ich von Anfang an verfallen, da der Zugang für mich leicht gegeben war und es so verrückt ist", erzählt Williams, der schon als Teenager in Los Angeles mit dem Radfahren begonnen hat. "Du versuchst, dieses Schachspiel bei 50 km/h zu spielen und nicht zu crashen - das liebe ich so daran."

Das Radfahren liegt ihm im Blut

Williams wurde in Los Angeles geboren und er fasste schon in jungen Jahren in der Radsportkultur Fuß. Seine Familie spielte dabei eine zentrale Rolle: Sein Vater und sein Onkel fuhren beide und er hörte sich die vielen inspirierenden Geschichten an, wenn sie von ihrer Teilnahme bei den Rennen in ihrer Heimat in Belize und beim berühmten Holy Saturday Cross Country Classic in den 1970er-Jahren erzählten.
Williams versuchte sich zunächst im Track-Racing und gewann in den Jahren 2006, 2007 und 2008 entsprechende Junioren-Titel, bevor er sich nach Europa aufmachte, um dort eine professionelle Karriere auf Asphalt anzustreben. Obwohl er durchaus erfolgreich war und Teil von mehreren Pro-Teams war, desillusionierte ihn die Art und Weise, wie diese Teams operierten. Daneben hatte er das Gefühl, dass die Anerkennung auf nationalem Level nur spärlich ausfiel, und er war auf einigen Ebenen des Sports mit Rassismus konfrontiert.
2015 - auf der Suche nach seinem eigenen Weg in der Radsport-Szene - reisten er und Cory nach Belize, um als Zwei-Personen-Team am Holy Saturday-Rennen teilzunehmen. Die beiden siegten und widmeten die Performance ihrem Vater, als Dank dafür, dass dieser deren Karriere auf jeder Ebene unterstützte. Im Jahr 2018 triumphierten sie ein weiteres Mal und endlich fühlte sich Williams auf seinem Höhepunkt als Racer. Die Idee von L39ION folgte nur wenige Zeit später.
Justin Williams fährt gemeinsam mit Kate Courtney und Payson McElveen am Saddle Peak in Malibu, Kalifornien.

Kate Courtney und Payson McElveen gehören zu Williams größten Unterstützern

© Aaron Blatt/Red Bull Content Pool

Wahre Vorbilder

L39ION - ausgesprochen als "Legion of Los Angeles" - ist ein Tribut an die 39th Street in Los Angeles, wo die Williams-Brüder aufwuchsen. Das Team fokussiert sich auf das Wachstum des Sportes und setzt den Fokus zugleich auf eine Vorbildwirkung, die andere Menschen dazu inspirieren sollen, die Stars von Morgen zu werden.
"Die Leute bauen eine emotionale Verbindung zu Geschichten auf", erklärt Williams. "Ich zum Beispiel bin ein Lakers-Fan, da ich zu Kobe Bryant aufblickte - er war mein absoluter Held. Er wechselte dann zu den Lakers und ich dachte mir: 'Ja? Passt für mich. Ab sofort bin ich Lakers-Fan, weil er für sie spielt.' Das Ganze wächst sich dann zu einer Liebe für das Team aus, zunächst brauchst du aber diese Connection zu dieser Person, mit der du dich auf irgendeine Art und Weise identifizierst. Das bringt dir Inspiration und du hast ein Vorbild von jemandem vor Augen, der du einmal sein möchtest. So etwas haben wir im Radsport nicht gesehen, also wollten wir diejenigen sein, die diese Lücke ausfüllen."
"Ich hatte das Glück, dass ich Menschen mit schwarzer Hautfarbe als Mentoren hatte, um im Radsport Fuß zu fassen - Menschen wie Rahsaan Bahati. Daneben gab es einige schwarze Vorbilder im Sport, wie etwa Major Taylor und Nelson Vails. Viele meiner Helden sind aber tatsächlich keine professionellen Radfahrer, wie etwa Bryant, Lebron James und Lewis Hamilton."
Justin Williams posiert mit Kate Courtney, Colin Strickland, Payson McElveen und Basketballer Reggie Miller.

Williams will ein Vorbild für andere sein.

© Aaron Blatt/Red Bull Content Pool

Wie man Menschen zum Radsport inspiriert

Criterium-Rennen werden innerhalb abgegrenzter Strecken auf öffentlichen Straßen abgehalten und finden vorwiegend im urbanen Bereich statt. Williams ist fest davon überzeugt, dass diese Disziplin das Geheimnis dafür ist, der amerikanischen Radsport-Szene mehr Spannung zu verpassen und Menschen mit schwarzer Hautfarbe, Frauen und benachteiligte Communitys vom Sport zu überzeugen. Daneben geht es ihm auch darum, sie zu supporten, sobald sie einmal eingestiegen sind.
Blickt Williams auf seine jungen Jahre im Radsport zurück, kritisiert er vor allem diesen eingeengten Fokus auf Athletik und Power-Output, während die hierarchisch festgelegten Regeln und Etiketten immer im Vordergrund standen. Im Criterium-Racing sah er jedoch den ursprünglichen Geist des Radfahrens verankert, da sich das Racing dort als schnell, aggressiv und minimalistisch präsentiert.
"Ich nahm an Criterium-Rennen teil und ich dachte mir: 'Entweder gewinnst du oder du crashst. Und wenn du in einen Unfall verwickelt bist, während du versuchst zu gewinnen, dann ist das vollkommen in Ordnung.' Ich liebte es, im Crit Siege einzufahren, da es bedeutete, dass ich nicht nur schneller als die Konkurrenz war, sondern ich das Ganze auch schlauer angegangen bin", legt er weiter dar.

Die unmittelbare Zukunft

Williams nimmt weiterhin an den nationalen Criterium-Rennen teil und will dort groß aufzeigen. Daneben zeigt er sich begeistert, wenn er von L39ION spricht, da die Talenttiefe, die sein Team mittlerweile auszeichnet, für die Zukunft viel verspricht.
"Viele Menschen verstehen noch nicht, dass sich vieles verändern wird. Aber die Veränderung hat bereits begonnen", meint er abschließend. "Lassen wir sie zu! Ich habe viele Pläne. Es gibt so vieles, was ich angehen möchte, und ich kann es kaum erwarten, bis es soweit ist. Ich bin super dankbar und so glücklich. Ich bin bereit, endlich mit der Arbeit anzufangen!"