Lawinenkunde 1/9: die Lawinenarten

Autor: Andi Spies
Schneebrett-, Lockerschnee- und Staublawine: alle sind gefährlich, nur was sind die Unterschiede?
Die größte Gefahr im Backcountry: Lawinen
Die größte Gefahr im Backcountry: Lawinen

Im Backcountry besteht immer Lawinengefahr

Lawinen sind unberechenbar und gehen oft ohne Vorwarnung ab. Eine Lawine ist dabei niemals ungefährlich und die tödliche Gefahr sollte sowohl beim Hiken als auch beim Freeriden niemals unterschätzt werden. Man unterscheidet drei verschiedene Lawinenarten: Die Schneebrett-, die Lockerschnee- sowie die Staublawine. Vor allem die Schneebrett- und Lockerschneelawine sind für uns Snowboarder von besonderer Bedeutung.

Welche Lawinenarten gibt es?

Lawinen werden nach ihren äußeren Merkmalen wie die Form des Anrisses, die Lage der Gleitfläche, die Form der Bewegung, die Feuchtigkeit der Lawine und das Material der Lawine unterschieden. Dadurch ergibt sich die Unterteilung in Schneebrettlawine, Lockerschneelawine und Staublawine.
Lawinen können aus trockenem oder nassem Schnee entstehen und sowohl vom Untergrund als auch von den unterschiedlichen Schichten innerhalb einer Schneedecke abgleiten. Welche Lawinenart sich entwickelt, ist vor allem von der Schnee- und Geländebeschaffenheit sowie vom Wetter abhängig. Wie die Lawinen entstehen, behandeln wir in unserem zweiten Teil der kleinen Lawinenkunde der hier demnächst online geht. Zunächst beschäftigen wir uns mit den drei verschiedenen Lawinenarten.

Die Schneebrettlawine

Schneebrettlawinen erkennt man an ihrem linienförmige Anriss und der flächigen Sturzbahn, auf der der Schnee abgeht. Die abbrechenden Schneemassen gleiten blitzschnell als Schollen auf einer glatten Schneeschicht ab. Schneebrettlawinen sind sehr gefährlich und unberechenbar. Ab einer Hangneigung von 30 Grad können Schneebrettlawinen entstehen, wenn gleichzeitig eine Gleitfläche oder eine störanfällige Schwachschicht in der Schneedecke vorhanden ist. Die Gleitfläche kann aus einer verharschten Altschneedecke, einer Eislamelle, einer Schwimmschneeschicht, eingeschneitem Oberflächenreif oder aus Graupelschichten bestehen. Durch die geringe Bindung der Schwachschicht zur unteren Schicht geht die Lawine als Schneebrett mit hoher Geschwindigkeit ab. Typisch für die Bildung einer Schneebrettlawine ist Triebschnee (vom Wind verlagerter Schnee).
Etwa 97 % aller Lawinenunglücke passieren im Gelände mit 30 und mehr Grad Hangneigung. Leider sind Hänge, die sich für uns Snowboarder zum Powdern eignen mindestens 30 Grad steil.

Die Lockerschneelawine

Markantes Kennzeichen einer Lockerschneelawine ist der punktförmige Anriss. Die abgleitenden Schneemassen werden beim Abrutschen immer breiter und schneller. Es bildet sich ein birnenförmiger Lawinenkegel. Lockerschneelawinen entstehen bei einer Hangneigung von mehr als 35 Grad. Sie werden ausgelöst, wenn ein Schneeteil von selbst oder durch einen Snowboarder in Bewegung kommt und treten häufig nach Tauwetter oder Sonneneinstrahlung auf. Eine ungebundenen Neuschneeschicht in steilem Gelände oder eine durchfeuchtete Schneedecke begünstigen den Abgang von Lockerschneelawinen.
Achtung: Lockerschneelawinen können bei durchfeuchtem, schweren Schnee auch in Hängen unter 30 Grad Neigung abgehen.
Auch wenn nur etwa 1% der Lawinenopfer in Lockerschneelawinen ums Leben kommt sind sie gefährlich, denn das Gewicht des Schnees schwankt gewaltig. Während trockener Pulverschnee pro Kubikmeter bis zu 50 Kilogramm wiegt, können es bei feuchtem Neuschnee 200 Kilogramm, oder bei am Boden verdichtetem Schnee gar 500 Kilogramm sein – selbst kleinen Lawinen können dann sehr gefährlich werden.

Die Staublawine

Staublawinen kommen auch in unseren Bergen vor, sind aber eher selten. Sie beginnen als Fließlawine mit trockenem, wenig verfestigtem Schnee. Auslöser einer Staublawine kann eine Eislawine von einem Gletscher sein. Staublawinen entstehen erst bei entsprechend langer und steiler Sturzbahn, besonders wenn sie über Felsabbrüche stürzen. An der Spitze von Staublawinen wird der Schnee aufgewirbelt und fein zerstäubt und es entsteht ein Sog, der Schnee und Luft aus der Umgebung nach sich zieht. Eine Staublawine erreicht extrem hohe Geschwindigkeiten von 50 bis 100 Meter pro Sekunde. Wer in eine Staublawine gerät kann am aufgewirbelten Schneestaub ersticken, da die Lungen durch die feinen Schneekristalle schnell geschädigt werden. Besonders beim Tourengehen oder beim Hiken zum Bauplatz für den nächsten Backcountry-Kicker heißt es deshalb immer Wachsam sein und das umliegende Gelände im Blick haben.