Beim Klettern geht es um den Stil und das individuelle Engagement. Mit der richtigen Ausrüstung kann fast jeder eine Felswand hochklettern. Es geht weniger darum, dass man es macht, sondern WIE man es macht.
Allerdings ist es oft schwierig, die Begriffe des sportlichen Fachjargons richtig zu verwenden oder auseinanderzuhalten. Und genau deshalb haben wir für dich einen Leitfaden zusammengestellt, mit dem du für jede felsige Begegnung in der Zukunft bestens gerüstet sein wirst.
Technik
Das ist all das, was ein Kletterer anwendet, um eine Wand hinaufzuklettern - egal ob ungesichert oder gesichert.
Freiklettern (oder Freeclimbing)
Freeclimbing wird fälschlicherweise oft verwechselt mit der Technik des Free Solo - eine ganz andere und noch verrücktere Art des Kletterns, bei der man ohne Seil, vollkommen ungesichert in der Wand ist.
Freiklettern funktioniert dagegen mit Seileinsatz. Allerdings nur zur Sicherung des Kletterers und nicht zur Unterstützung.
Aid Climbing
Aid Climbing ist das genaue Gegenteil zum Freeclimbing. Hier kann alles verwendet werden, um eine Route zu schaffen. Von Leitern bis hin zu handbetriebenen Aufstiegshilfen.
Die Technik wird überwiegend verwendet, um Felsabschnitte zu umgehen, die ohne Hilfsmittel unmöglich zu erklimmen sind.
Kletterarten
Dabei geht es um die Art der Sicherung, für die sich Kletterer in der Wand entscheiden. Ein Traditionalist würde beispielsweise am Weg nach oben Sicherungen befestigen und danach wieder herauspeitschen. Verrückte Free Solo-Kletterer fragen sich dagegen: Wozu überhaupt ein Seil?
Traditionelles Klettern
Beim traditionellen Klettern wird eine Route erst während des Aufstiegs mit Absturzsicherungen ausgestattet. Diese Sicherungen können beispielsweise Metallstifte sein, die in Felsspalten eingekeilt werden. Nachdem man eine Seillänge hinter sich gebracht hat, werden die Sicherungen dann wieder entfernt.
Dadurch, dass man bei diesem Stil eine Route im Vorfeld nicht besichtigt und keine fixe Seilsicherung zu Verfügung hat, ist er extrem technisch und erfordert ein erhöhtes Maß an Erfahrung und Können. Ein weiteres Charakteristikum: Kletterer des traditionellen Stils hinterlassen keine Spuren in der Wand.
Sportklettern
Das Sportklettern wurde Mitte der 1980er erfunden. Kletterer verwenden dabei vorab befestigte Sicherungen, wo sie ihr Seil am Weg nach oben einhängen können, anstatt am Weg nach oben zusätzlich noch Bolzen einschlagen oder schrauben zu müssen.
Sportklettern ist das Malen nach Zahlen des Klettersports. Die Routen sind häufig definierter und folgen festgelegten Punkten an der Wand, bis ganz hinauf. An der Spitze befinden sich sogenannte Ankerpunkte, von wo aus Sicherungen installiert werden können. Das alles macht es einfacher und anfängerfreundlich. Allerdings stören die permanenten Verschraubungen im Felsen viele Kletterer.
Beim Sportklettern liegt der Fokus auf Flexibilität, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit - ganz anders also als beim traditionellen Klettern.
Traditionelles Klettern mit Sicherungen
Auch wenn das auf den ersten Blick nach einem Widerspruch aussehen mag, werden auch beim traditionellen Klettern Routen geklettert, die vorab bereits mit Sicherungen ausgestattet sind.
Der Unterschied liegt darin, dass die Sicherungen im Vorstieg am Weg nach oben angebracht werden und die Distanzen dazwischen häufig sehr weit sind. Bei Sportrouten werden die Bolzen, Schrauben oder Haken dagegen beim Abseilen in der Wand befestigt und sind dadurch meist strukturierter.
Simul-Klettern
Das Simul-Klettern ist einer Form des traditionellen Stils, speziell designed eine Route gemeinsam schnellstmöglich zu bewältigen. Zwei Kletterer hängen dabei in einer sogenannten Laufsicherung am selben Seil, wobei der vordere die Sicherung anbringt und der hintere sie danach wieder entfernt.
Free Solo
Die absolute Königsdisziplin. Free Solo ist die extremste Art des traditionellen Kletterns bei der auf jegliche technische Hilfs- und Sicherungsmittel verzichtet wird. Zweifellos hast du bereits von Alex Honnold und seinem völlig wahnsinnigen Aufstieg auf den El Capitan gehört - festgehalten in der Oscar-prämierten Doku „Free Solo".
Für manche ist es die reinste Form des Klettersports, für andere dagegen purer Wahnsinn. Angesichts der Zahl der Free Solo-Kletterer, die nicht mehr unter uns weilen - eingeschlossen Brad Gobright und Austin Howell, die beide 2019 umkamen, ist letzteres womöglich näher an der Wahrheit dran.
Die meisten Free Solo-Kletterer sagen, dass sie es nicht wegen dem Nervenkitzel, sondern wegen dem besonderen Gefühl der Freiheit machen.
Das sind die verschiedenen Varianten des Free Solo-Stils:
- Urban Solo: Hier klettern Menschen im urbanen Raum auf Gebäude oder Türme. Einer der ersten war der Franzose Alain Robert, auch bekannt als „Spiderman". Heute machen es dank der Popularität des Selfiesticks immer mehr Menschen.
- Deep Water Solo: Im Wesentlichen geht es dabei um das Klettern auf Klippen. Bei geringen Höhen ist das Wasser darunter die Absicherung im Falle eines Sturzes. Je höher die Routen allerdings werden, desto höher wird auch das Risiko.
- Base Solo: Dabei haben Kletterer einen Fallschirm am Rücken, den sie bei einem Sturz öffnen können. Manche meinen es gibt ihnen mehr Sicherheit und Selbstvertrauen noch schwierigere Routen auszuprobieren.
Bouldern
Boulderprobleme erfordern Kraft und das richtige Gespür für den Fels
© Teddy Morellec/Red Bull Content Pool
Beim Bouldern ist der Name Programm. Wörtlich übersetzt heißt „Bouldern" nämlich „Felsbrocken" und genau das ist das Terrain bei dieser Klettervariante. Die Felsen können unterschiedlich groß sein und variieren grob gesagt zwischen einer Höhe von 1,5 m und 15 m.
Routen werden als sogenannte „Boulderprobleme" bezeichnet und die Lösungen dieser Probleme haben häufig Ähnlichkeiten zu einer Partie Schach. Du brauchst zum Bouldern praktisch keine Ausrüstung oder Partner.
In Boulder-Gebieten gibt es üblicherweise zahlreiche verschiedene Einstiege und die Boulder sind meist niedrig genug, dass ein Crashpad als Sicherheitsmaßnahme vollkommen ausreicht. Ganz im Gegensatz zum Highball-Bouldern, wo sich Kletterer in gewagten Höhen, weit über der Absprunghöhe, Boulderproblemen stellen. Das gibt den Extrakick!
Seilvarianten
Welche Maßnahmen du ergreifst, um für deine Sicherheit zu garantieren, liegt an dir. Vom einfachen Toprope bis hin zu Mehrseillängen, das sind die verschiedenen Optionen...
Toprope und Bottomrope
Dabei hat man ein Seil von oben, das ein Partner, der dich sichert, kontrolliert und zu jedem Zeitpunkt straff zieht, damit du nicht weit fällst, solltest du einmal den Halt verlieren.
Beim Toprope-Klettern befindet sich der Sicherer an der Spitze. Beim Bottomrope-Klettern steht er unten mit dem Sicherungsseil, das ganz oben durch ein Ankersystem geführt wird.
Diese Art des Kletterns eignet sich vor allem für Anfänger und fürs Indoor-Klettern. Es verleiht einem Selbstvertrauen und Sicherheit in der Wand und bereitet dich optimal vor, schwierigere Routen zu versuchen. Allerdings ist man durch die begrenzte Länge der Seile häufig etwas eingeschränkt.
Vorstieg
Beim Vorstieg bilden immer mindestens zwei Kletterer gemeinsam eine Seilschaft, wobei der Vordere einen Klettergurt trägt, der mit dem Seil und damit allen anderen Kletterern dahinter verbunden ist.
Der Vorsteiger führt das Seil durch die Zwischensicherungen, die entweder permanent dort bleiben (Sportklettern) oder wieder entfernt werden (traditionelles Klettern). Der untere Kletterer fungiert beim Vorstieg als Sicherer und füttert den oberen ständig mit genug Seil, damit ein ungefährliches Aufsteigen gewährleistet werden kann.
Mehrseillängen
Eine Mehrseilllängen-Klettertour ist es dann, wenn mindestens zwei Routen nacheinander geklettert werden. Wenn einmal das Seil ausgeht, wird abgeseilt und einfach Nachschub von unten besorgt.
Auf diese Weise können Kletterer viel längere Routen in Angriff nehmen und größere Felswände hochklettern. Touren dieser Art dauern häufig mehrere Tage. Kletterer schlafen während dieser Zeit in speziellen Portaledges, direkt in der Wand.
Zugang
Letztendlich hängt der persönliche Erfolg stark davon ab, mit welcher Einstellung du an eine Kletterroute herangehst. Für viele ist das Ziel ganz einfach: Kommen und Klettern. Bei extremeren Routen ist das jedoch meist nicht genug und es nimmt alles mehr Zeit in Anspruch.
Ein extrem harter Redpoint kann also genauso cool sein, wie ein etwas schwächer bewerteter Onsight.
Onsight
Das Onsight-Klettern ist eine der herausfordernsten Varianten der Sports. Das wichtigste ist, dass der Kletterer keinerlei Informationen über eine Route erhält und nach einem kurzen Blick von unten, einfach darauf losklettert. Und im Idealfall Non-Stop.
Die Meinungen darüber, was einen richtigen Onsight ausmacht, gehen weit auseinander. Manche behaupten, schon die Kenntnis über den Schwierigkeitsgrad einer Route machen einen Onsight zu einem Flash.
Flash
Ein Flash beinhaltet Vorbereitung (im Kletterjargon auch „Beta" genannt). So erhält der Kletterer einen Einblick darüber, was ihn auf der Route erwarten könnte.
Redpoint oder Headpoint
Alex Megos beim „Speed Integrale" über dem Voralpsee in der Schweiz
© Thomas Ballenberger / Red Bull Content Pool
Diese Variante wird normalerweise dann geklettert, wenn eine Route zu anspruchsvoll ist, um sie als Flash oder Onsight zu machen. Es geht dabei darum, eine Route zu klettern, die davor bereits geübt wurde.