Essah, Essah: Kool Savas in unserem Berliner Studio.
© Fabian Brennecke
Music

Kool Savas: Das sind die besten Songs des „King Of Rap“

Hymnen zuhauf und Skills ohne Ende – Kool Savas hat Deutschrap zwei Jahrzehnte lang geprägt wie sonst niemand. Hier sind 14 seiner wichtigsten Songs auf einen Blick!
Autor: Fred Erik
7 min readveröffentlicht am
Kool Savas, der Urberliner Battlerap-Dino, der abgedrehte Welle-Macher, der Optik schiebende King of Rap und der Hits am Fließband liefernde, ewig junge Deutschrap-Vordenker. Savas hatte in den über zwei Jahrzehnten seiner Karriere so viele einmalige Ideen, hat so viele Slangs geprägt und so vielen Fans immer und immer wieder den Spaß an Rap zurückgebracht – es ist Zeit, das alles ein wenig aufzuarbeiten.
Hier kommen die 14 vielleicht wichtigsten Songs aus einer riesigen Diskografie: Von alt nach neu, als kleine gemeinsame Reise durch die bewegte Karriere des S-A-V. Kommt mit!
01

„King of Rap“ (mit Plattenpapzt, 2000)

Mit „King of Rap“ fing alles an. Oder, Moment … nein! Natürlich fing mit „King of Rap“ nicht alles an. Vorher gab es Untergrund-Demos, die kontrovers diskutierte erste 12", das infernalische Duo Westberlin Maskulin mit seinem ersten Album gab es ebenfalls. Wenn man wollte, konnte man also schon vor Mitte 2000 wissen, dass dieser überkreative und komplett unkonventionelle Berliner MC existiert und Feuer spuckt. Das Ding war nur: Ab „King of Rap“ musste man es wissen. Es führte kein Weg mehr an Kool Savas vorbei, an seiner genialen Art, Sprache zu strecken und zu stauchen und die haarsträubendsten Punchlines so zu verpacken, dass man es zwar aus HipHop-Traditionalismus immer noch haten konnte – aber gleichzeitig respektieren musste. Weil es, Verzeihung: Weil S einfach besser war als der Rest.
02

„Der beste Tag meines Lebens“ (2002)

Zweieinhalb Jahre nach „King of Rap“. Während die erste große Deutschrap-Hype-Bubble gerade geplatzt war, mauserte sich das Solo-Debütalbum von Kool Savas zum meisterwarteten Release der Szene – und auch der Industrie, die händeringend nach neuen Rap-Spielarten nach der Generation „Bambule“ suchte. Und tatsächlich konnte dieser vermeintlich unberechenbare Battlerapper aus Kreuzberg die Erwartungen mehr als erfüllen, denn „Der beste Tag meines Lebens“ stieg auf Platz 6 in die deutschen Albumcharts ein und blieb 17 Wochen lang in den Top 100 – länger als jedes seiner späteren Alben!
Der Titeltrack mag nicht ganz repräsentativ für das Album sein, war aber durchaus prophetisch. Denn inhaltlich gab Savas sich hier zum ersten Mal nahbar und ruhig, punchlinefrei und durchweg positiv, und musikalisch entstand ein Songformat mit gesungener Hook, das später in seiner Karriere noch viel mehr Bedeutung erlangen sollte. „Du bist jung und alles in Hektik um dich herum“ – wir fühlen's auch nach 20 Jahren noch.
03

„Deutschlands 1“ (mit Eko Fresh, 2003)

Aber da war immer noch die andere Seite von Kool Savas, die des Rap-Innovators und angriffslustigen MCs, der auf B-Seiten und in oft obskuren Videos Dinge zu klären und Skills zu beweisen hatte. Sein wichtigster kreativer Partner in dieser Zeit war Eko Fresh und gemeinsam entwickelten die beiden Slangs und Patterns, die in Deutschland ihresgleichen suchten. Das Dipset-inspirierte Ignoranz-Manifest „Bitte Spitte“, der Hidden Track „Dunne“, Allstar-Nummern wie „Nein“ oder gar das „Freunde der Sonne“-Album, Beispiele gibt's reichlich – wir nehmen hier aber „Deutschlands 1“, die Hood-Hymne auf Boogie-Down-Productions-Beat, denn „HipHop ist ein schwieriger Fall“. So hielt Savas auch im ersten kommerziellen Hoch seiner Karriere immer die Low-Budget-Untergrund-Balance.
04

„Keep it Gangsta (Remix)“ (2004)

Etwas vergraben auf dem Remixalbum „Die besten Tage sind gezählt“, halb versteckt hinter der Kutmasta-Kurt-produzierten Single „Da bin, da bleib“, aber ganz sicher die schönste Liebeserklärung, die in Deutschland jemals jemand an Gangsta-Rap und an Westcoast-Idole geschrieben hat: der „Keep it Gangsta“-Remix, passend produziert von Savas höchstselbst.
05

„Monstershit“ (mit Azad, 2005)

Deutschrap, aber so krass wie Amirap – das hat vielleicht niemand genau so formuliert, aber so ähnlich muss 2005 das Credo gelautet haben für eine der größten Kollabos des Genres bis dato. Azad, Frankfurter Hardcore-Rap-Instanz mit bewegter Geschichte, teilte sich ein ganzes Album mit Kool Savas und Kompromisse suchte man vergebens. „Monstershit“, die erste Single mit dem unübertroffen brachialen Monroe-Beat, fand in der Kinderchor-Hymne „All 4 One“ einen pathosgeladenen Gegenpart, und nichts an diesen Kontrasten wirkte kalkuliert. Im Gegenteil: „One“ war eines der Alben des Jahres und muss sich auch heute nicht verstecken.
06

„Mona Lisa“ (2007)

An Projekten, Ideen und Releases mangelt es nicht in den Nullerjahren bei Kool Savas. Aber vor dem Thema Soloalbum scheint er einen Heidenrespekt zu haben: Nur ein Weiteres, „Tot oder lebendig“, erscheint vor Ende des Jahrzehnts. Mit „Mona Lisa“ findet sich darauf dieses beeindruckende zweiminütige Rap-Gewitter, das dezent an „Neongelb“ erinnert und doch ein ganz neues Level von Präzision erreicht.
07

„Rapfilm“ (2009)

In den ersten Jahren seiner Karriere sägte Savas lyrisch gern an den Grundpfeilern des HipHop. Die Rebellion gegen alte Dogmen und die Deutungshoheit der Anderen war ein wichtiger Antrieb für sein Anderssein als Rapper. Aber in seinem Herzen, das war schnell klar, liebte Kool Savas HipHop über alles. „Rapfilm“ brachte das auf den Punkt: Breakdance und Graffiti, wichtige Szene-Cameos im Video und ein smarter Text rund um ikonische 90s-Lines von Biggie bis Mobb Deep. Hand aufs Herz, wer kennt alle Originale?
08

„Rhythmus meines Lebens“ (2010)

Vielleicht hat in Deutschland nie wieder jemand so konsequent für sich adaptiert, wie in den USA mit dem Format „Mixtape“ umgegangen wurde – für Savas immer wieder auch ein Weg, mit weniger Druck, mehr Spaß und all seinen Freund*innen Musik zu machen, die auch einfach mal durchdrehen darf und nicht immer in eine Marketingkampagne passen muss. (Profitipp: „Kool Savas Goes Hollywood“ nicht verpassen!) Drei Ausgaben der „John Bello Story“-Reihe, erschienen von 2005 bis 2010, bringen das auf den Punkt, und dabei ist der dritte Bello schon fast wieder ein Album – zumindest, wenn man nach der hochglänzenden Lead-Single „Immer wenn ich rhyme“ urteilt. Absurdes und Überdrehtes wie das Klaus Kinski sampelnde Ungetüm „Mach doch deinen Scheiss“ mit MoTrip, Olli Banjo, Franky Kubrick und Kaas stand aber immer gleichberechtigt daneben. Ganz tief in unseren Herzen verankert ist diese Ode ans Tourleben: „Rhythmus meines Lebens“.
09

„Aura“ (2011)

Es war, als sei nach all dem Mixtape-Wahnsinn ein Knoten geplatzt: „Aura“ war nicht nur das erste Nummer-1-Album von Kool Savas, sondern auch seine größte Single bis dato – und damit meinen wir nicht irgendwelche Zahlen, sondern wirklich schiere Größe. Das ausladende Sample, die herrschende Hook, die neue Ernsthaftigkeit und das Selbstbewusstsein, mit der Savas sich rund zehn Jahre nach dem Karriere-Kickstart in die Berglandschaft stellt: Das war ein neuer Savas und in gewisser Weise der Beginn dessen, was ihn und seinen szeneübergreifenden Erfolg bis heute ausmacht. Ein Hit eben.
10

„Matrix“ (2014)

Mit „Märtyrer“, Album Nummer vier, hatte Kool Savas dann offensichtlich seinen Release-Flow gefunden. Deutschpop-Prinz Tim Bendzko gleich auf dem Intro, die Live-Abfahrt-Single „Limit“ mit Alex Prince mittendrin, daneben aber immer brettharte Ansagen wie „Es ist wahr / S A zu dem V“, „Rap über Rap“ oder alte Helden wie Tajai von Souls of Mischief und Masta Ace als Featuregäste. „Matrix“ zählt ebenfalls klar zu dieser Rap-Seite des Albums und beweist, dass Savas auch 2014 nichts an Angriffslust und MC-Ethos eingebüßt hat. (Was das Video über den Spielfilmgeschmack des Kings sagt, lassen wir mal dahingestellt.)
11

„Essah, Essah“ (mit Karen Firlej, 2016)

Es gab eine etwas subtilere Sache, die Kool Savas im Verlauf seiner Karriere lernte: Er ließ uns oft und immer öfter denken, ganz persönlich zu sprechen und ungefilterte Einblicke in sein Leben zu erlauben. Oft war das aber eine geschickte Täuschung, die biografische Fakten mit nahbaren Gefühlen verband, ohne wirklich viel über den Menschen Savaş Yurderi zu offenbaren. Auf dem Mixtape „Essahdamus“ ging er einen entscheidenden Schritt weiter und rappte auf „Essah, Essah“ so autobiografisch wie nie zuvor.
12

„Royal Bunker“ (mit Sido, 2017)

Nach „One“ das zweite große Kollabo-Album: Sido und Kool Savas, zwei der prägendsten Rapper der Nullerjahre, besinnen sich auf ihre Gemeinsamkeiten. Und die haben es in sich, denn ihre ersten ernsthaften Rap-Erfahrungen sammelten beide Berliner in der legendären Cypher des Freestyle-Cafés Royal Bunker, nach der natürlich auch ein nicht minder legendäres Untergrund-Label benannt wurde. Unterschiede beiseite also für ein astreines Blockbuster-Album, Dicker – und für ein sportliches Mit- und Gegeneinander beim Red Bull Soundclash.
13

„Deine Mutter“ (mit Nessi, 2019)

Es mutet an wie ein „Rapfilm“-Sequel, wenn Savas für dieses Video alles in einem Klassenzimmer versammelt, was Rang und Rap-Namen hat. Der demonstrative Schulterschluss mit der halben, ach was, mit der ganzen Szene, das tief verankerte Berlin-Ding und die Trotzigkeit des ewigen Underdogs: „Deine Mutter hat es immer gewusst“.
14

„Rapkiller“ (mit Alies, 2021)

Ausgerechnet das lyrische Morden schließt den Kreis unserer Liste – Kool Savas, der „Rapkiller“. Schon „King of Rap“ begann 21 Jahre zuvor mit diesem Vocalsample aus Savas' Anfangstagen, und 2021 hatte KKS immer noch nicht aufgegeben, die Welt von „Wack MCs“ zu befreien. Es gibt eben Dinge, die sich wohl nie ändern – Kool Savas hat das Rapding in seinem Blut wie kein zweiter.