Travis Rice und ein normaler Arbeitstag
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Lawinenkunde 6/9: Verhalten beim Lawinenabgang

Hier erfährst du, wie du deine Chancen eine Lawine zu überleben erhöhst & nach Verschütteten suchst.
Autor: Andi Spies
4 min readveröffentlicht am
Ein Lawinenunfall bedeutet immer Lebensgefahr. Deshalb solltest du genau wissen, wie du dich bei einem Lawinenabgang verhältst und wie du zur schnellen Bergung eines Verschütteten beitragen kannst.
Red Bull Powder Escape 2013 - Santiago
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Das blüht dir in einer Lawine:

  • Überlebst du den Lawinenabgang bis zum Stillstand der Schneemassen, droht dir im Falle einer Komplettverschüttung der Erstickungs- oder Kältetod.
  • Auf Sauerstoffmangel reagiert dein Gehirn empfindlich. Nach nur wenigen Minuten tritt der Gehirntod ein.
  • Die Haupttodesursache bei Lawinenunfällen ist das Ersticken (46 %), gefolgt von Gewalteinwirkung und Unterkühlung.
  • Aufgrund schwerer Verletzungen sterben rund 43 Prozent der Opfer. In den meisten Fällen ist die Halswirbelsäule betroffen.
  • Hast du eine Atemhöhle und keine lebensbedrohlichen Verletzungen davongetragen, droht eine weitere große Gefahr: bereits nach 35 Minuten Verschüttungsdauer besteht das Risiko einer Unterkühlung, die im Extremfall zum Tod führt.

Richtiges Verhalten beim Lawinenabgang

Geht eine Lawinen oberhalb des eigenen Standorts ab, gibt es nur eine Lösung: Raus aus der Gefahrenzone.
  • Versuche dabei seitlich etwa im 45-Grad-Winkel aus der Lawine/der Gefahrenzone herauszufahren.
  • Hast du einen Rucksack mit ABS-Airbag löst du diesen sofort aus.
  • Gelingt es dir nicht aus der Lawine zu fahren versuchst du an der Oberfläche zu bleiben, kämpfe mit aller Kraft mit Schwimmbewegungen gegen die Schneemassen an!
  • Kurz bevor die Lawine zum Stillstand kommt: Kauerstellung einnehmen, Unterarme und Fäuste mit Abstand vor das Gesicht halten, um eine Atemhöhle zu schaffen.
  • Bei Selbstbefreiungsversuchen mit den Kraftreserven haushalten. Wenn eine eigene Befreiung nicht möglich ist: Ruhe bewahren und Kraft sparen.

Wie verhalte ich mich wenn ich den Lawinenabgang beobachte?

Trotz des Schockmoments musst du jetzt unbedingt einen kühlen Kopf bewahren. Versuche den Erfassten genau zu beobachten und ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Ist die unmittelbare Gefahr vorüber und das Schneebrett zum Stillstand gekommen, markierst du den Erfassungspunkt und der Verschwindepunkt des Verschütteten mit Tourenstöcken oder Kleidungsstücken. Damit grenzt du das Suchgebiet ein und sparst Zeit. Bevor du mit dem LVS zu suchen beginnst, sollten die Schneemassen gründlich mit Augen und Ohren auf Körper- und Ausrüstungsteile abgesucht werden.
Genaues Beobachten schränkt den Suchbereich ein.
Genaues Beobachten schränkt den Suchbereich ein.

Die Verschüttetensuche

Der Bereich um den Verschwindepunkt ist der primäre Suchbereich. Hier beginnst du mit der Suche nach einem Signalempfang des Verschütteten. Aber beachte: Der Verschüttete kann auch an einer anderen Stelle liegen und auch außerhalb der eigentlichen Fließlinie der Lawine liegen. Seid ihr zu zweit oder mehr, verständigt einer per Handy die Bergrettung (112).

Phase 1: Signalsuche

  • Handys und Funkgeräte ausschalten, da diese die LVS Geräte stören können.
  • Alle Suchbeteiligten schalten ihr LVS-Gerät auf Empfang um.
  • Der Suchbereich wir nun in Suchstreifen im Abstand von 20 Metern abgesucht. Dabei wird das LVS in allen drei Dimensionen geschwenkt.
  • Wird ein erstes Signale empfangen beginnt die Grobsuche.
Signalsuche: allein (li) und im Team (re).
Signalsuche: allein (li) und im Team (re).

Phase 2: Grobsuche

  • Halte das LVS-Gerät auf Hüfthöhe und drehe es zunächst in verschiedene Richtungen
  • Folge der Richtung die dir vom Richtungspfeil anzeigte oder vom Audiosignal (lauter/leiser) vorgegeben wird. Das LVS jetzt nicht mehr drehen!
  • Wird die angezeigte Distanz nicht mehr kleiner folgt die Feinsuche

Phase 3: Feinsuche

  • Um die genaue Position des Verschütteten zu bestimmen führst du das LVS langsam knapp über die Schneeoberfläche.
  • Hast du den Liegepunkt bestimmt markierst du ihn mit Teleskopstöcken und legst so ein Kreuz auf den exakten Suchpunkt. Im Bereich um das Stockkreuz herum beginnst du mit der Punktortung durch die Sonde.
  • Um keine wertvolle Zeit zu verschenken ist es oft effektiver frühzeitig mit dem Sondieren zu beginnen als den genauen Liegepunkt mit dem LVS-Gerät zu ermitteln

Phase 4: Punktortung durch Sondieren

  • Beim Sondieren Handschuhen anlassen damit sich die Sonde nicht erwärmt und Schnee an ihr „kleben“ bleibt.
  • Die Sonde immer im 90°-Winkel zur Schneeoberfläche einstechen.
  • Hast du den Verschütteten geortet lässt du die Sonde als Bezugspunkt stecken und legst mit dem Ausgraben los.
Tipp: Übe jeden Winter mit Freunden das Suchen von vergrabenen LVS-Geräten. Besuche die kostenlosen Lawinencamps z.B. von SAAC und Risk ‘n‘ Fun, um immer up-to-date zu bleiben!