Karsten Warholm gewinnt das 300-Meter-Hürdenrennen bei der Diamond League in Oslo, Norwegen, und stellt einen neuen Weltrekord auf.
© Håvard Andre Kilvær/Red Bull Content Pool
Leichtathletik

Dein Guide zur Leichtathletik: Alles über Disziplinen und Rekorde

Von atemberaubenden Sprintduellen auf der 100-Meter-Bahn bis zu den Höhenflügen im Stabhochsprung – entdecke die ganze Faszination der Leichtathletik in unserem ultimativen Guide!
Von: Stella Morrison
10 min readPublished on
Leichtathletik vereint eine Vielzahl spannender Disziplinen, die auf einer klassischen Leichtathletikbahn und dem dazugehörigen Innenfeld ausgetragen werden -- egal ob in deinem örtlichen Sportzentrum oder in riesigen Stadien auf den größten Sportbühnen der Welt.
Laufen, Springen, Werfen -- auf diesen drei Grundformen bauen alle Leichtathletikdisziplinen auf. Sie reichen von kurzen und spektakulären Sprintrennen auf der Bahn bis hin zu hochtechnischen Felddisziplinen wie Stabhochsprung oder Diskuswerfen.
Leichtathletik bietet für jeden etwas – von Sprint bis Wurf, von Technik bis Ausdauer. Lies weiter und entdecke die Disziplinen, die dich am meisten faszinieren könnten.
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Was sind die Laufdisziplinen?

Sprint

Die Menge tobte, als Karsten Warholm und Mondo Duplantis am 4. September 2024 beim Red Bull Karsten vs. Mondo in Zürich, Schweiz, gegeneinander antraten.

Der 100m-Sprint ist die bekannteste und berühmteste Leichtathletikdisziplin

© Herman Berger/Red Bull Content Pool

Beim Sprint zählt nur eines: pure Geschwindigkeit. Ziel ist es, eine kurze Strecke in der schnellstmöglichen Zeit zu bewältigen – von A nach B im Höchsttempo. Auf internationaler Bühne stehen vor allem drei Distanzen im Fokus: 100, 200 und 400 Meter. Besonders das 100-Meter-Finale gilt bei Großereignissen als das prestigeträchtigste Highlight und zieht weltweit Millionen von Zuschauer:innen in seinen Bann.
Der schnellste Mann der Geschichte, der Jamaikaner Usain Bolt, stellte bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 sowohl den 100m- als auch den 200m-Weltrekord auf: Er lief die 100m in 9,59s und beendete die 200m in 19,19s.
Bei den Frauen hält die mittlerweile verstorbene Amerikanerin Florence Griffith-Joyner sowohl den 100m- als auch den 200m-Rekord, die beide in einer dominanten Saison 1988 aufgestellt wurden. Ihre 100m-Zeit von 10,49s und ihr 200m-Rekord von 21,34s sind derzeit zwei der ältesten Weltrekorde, obwohl bemerkenswerte aktuelle Sprinterinnen immer näher kommen, darunter Sha'Carri Richardson, die 2023 eine persönliche Bestleistung von 10,71s über 100m erzielte, Elaine Thompson-Herahs 10,54s im Jahr 2024 und Shelly-Ann Fraser-Pryce, die 2021 10,60s erreichte.

Mittelstrecke

Die Mittelstreckenläufe umfassen Rennen von bis zu 3.000 m, wobei die bekanntesten und typischsten Strecken 800 m und 1.500 m sind. Sie schließen die Lücke zwischen den reinen Sprintwettbewerben und den kräftezehrenden Ausdauerdistanzen.
Spricht man über Mittelstreckenlauf, kommt man an Hicham El Guerrouj kaum vorbei. Der Marokkaner gilt als einer der größten Athleten aller Zeiten. 1998 stellte er den bis heute gültigen Weltrekord über 1.500 m in 3:26 Minuten auf und hält zudem den Meilenrekord mit 3:43,13 Minuten.
Niklas Kaul tritt bei den Europameisterschaften am 16. August in München, Deutschland, auf.

Auf der Mittelstrecke geht es unter anderem über 800 m und 1.500 m

© Phil Pham/Red Bull Content Pool

Wenn du dich an der Mittelstrecke versuchen möchtest, lohnt es sich, gezielt an deiner Laufökonomie zu arbeiten – also daran, möglichst effizient mit deinem Sauerstoff umzugehen. Eine Steigerung deiner VO₂max, der maximalen Sauerstoffaufnahme, hilft deinem Körper, besser mit der Milchsäurebildung umzugehen, die bei 1.500-Meter-Läufen oft zu Krämpfen und Kurzatmigkeit führt. Ergänzend können Atemübungen deine Ausdauer zusätzlich verbessern und dich auf die besonderen Anforderungen dieser Distanz vorbereiten.

Langstrecke

Der Langstreckenlauf wird auch als Ausdauerlauf bezeichnet und umfasst Distanzen von mindestens drei Kilometern. In der Leichtathletik sind 5.000m- und 10.000m-Läufe üblich. Marathons und Halbmarathons werden nicht auf einer Bahn gelaufen, werden aber vor allem in den Vereinigten Staaten manchmal als Leichtathletikwettkämpfe bezeichnet.
Der Mann aus Uganda Joshua Cheptegai hält seit 2020 den Weltrekord über die 5.000m- und 10.000m-Distanz. Den 5.000m-Rekord sicherte er sich mit einer Zeit von 12:35,36 Minuten und den 10.000m-Rekord mit 26:11 Minuten.
Konstanze Klosterhalfen läuft bei den Europameisterschaften am 15. August in München, Deutschland.

Der 10.000m-Lauf stellt Ausdauer und Schnelligkeit auf die Probe

© Phil Pham/Red Bull Content Pool

Sowohl über 5.000 als auch über 10.000 Meter hält derzeit eine Athletin die Weltrekorde: die Kenianerin Beatrice Chebet. Sie unterbot damit die bisherigen Bestmarken der Äthiopierin Letesenbet Gidey. 2024 brach sie beim renommierten Prefontaine Classic den 10.000-Meter-Rekord in beeindruckenden 28:54,14 Minuten und legte ein Jahr später nach: Im Juli 2025 stellte sie an gleicher Stelle auch über 5.000 Meter mit 13:58,06 Minuten einen neuen Weltrekord auf. Darüber hinaus ist sie auch Rekordhalterin im 5-Kilometer-Straßenlauf.
Langstreckenläufe sind gut für die Entwicklung der Ausdauer, die Verbesserung der mentalen Konzentration und die allgemeine körperliche Gesundheit. Um die Langstrecke zu trainieren, solltest du dein Laufprogramm mit Krafttraining und kürzeren Erholungsläufen auflockern.

Hürden

Karsten Warhol nimmt 2023 bei den Bislett Games in Oslo, Norwegen, teil.

Karsten Warhol 2023 bei den Bislett Games in Oslo

© Daniel Tengs / Red Bull Content Pool

Beim Hürdenlauf springt man über identische Hindernisse, die Hürden genannt werden, während zwischen den Hürden mit Top-Speed gesprintet wird. Es gibt verschiedene Arten von Hürden mit unterschiedlichen Höhen, darunter niedrige, mittlere und hohe Hürden. Je nach Rennen sind sie zwischen 68 cm und 106 cm hoch.
Die Standarddistanzen für Hürdenrennen sind 400 m und 110 m. Der Norweger Karsten Warholm lief bei den Spielen in Tokio 2021 den ersten 400m-Lauf der Welt unter 46 Sekunden und gewann die Goldmedaille in einer Weltrekordzeit von 45,94 Sekunden.
Beim Steeplechase, einer Langstreckenvariante des Hürdenlaufs, müssen die Läufer:innen während eines Rennens über zwei verschiedene Hindernisse springen: eine Hürde und einen Wassersprung. Es gibt Steeplechase-Rennen über 3.000 m und 4.000 m, und die Höhe der Hindernisse variiert zwischen den Rennen der Männer und der Frauen. Inspiriert von den traditionellen Hindernisläufen für Pferde, kam die Disziplin 1900 auf die Weltbühne.

Staffel

Staffelläufe sind Sprintwettbewerbe in Viererteams, bei denen jedes Teammitglied eine bestimmte Strecke läuft, bevor es den Staffelstab an ein anderes Teammitglied weitergibt. Die zwei gängigsten Staffeln sind die 4x100m- und die 4x400m-Staffel, wobei es eine Frauen-, eine Männer- und eine Mixed-Staffel gibt.
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Was sind die Felddisziplinen?

Springen

Armand Duplantis bricht den Weltrekord von 6,30 m im Stabhochsprung der Männer während der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2025 in Tokio, Japan, am 15. September 2025.

Weltrekordhalter Armand Duplantis ist der Meister im Stabhochsprung

© Sona Maleterova/Red Bull Content Pool

Die Leichtathletik-Sprungdisziplinen bestehen aus vier Disziplinen. Sie sind in zwei Kategorien unterteilt: das horizontale Springen, bei dem es darum geht, so weit wie möglich zu springen, und das vertikale Springen, bei dem es darum geht, so hoch wie möglich zu springen.
Die vier Disziplinen sind:
  • Weitsprung: Beim Weitsprung läufst du eine Anlaufbahn hinunter und springst von einem festgelegten Absprungpunkt so weit wie möglich in eine Sandgrube. Die Sprünge werden vom Absprungpunkt bis zur letzten Markierung gemessen, die dein Körper im Sand hinterlassen hat. Die Weltrekorde im Weitsprung sind zwei der ältesten in der Leichtathletik: Mike Powell hält den Rekord bei den Männern seit 1991 mit 8,95 m und Galina Chistyakova stellte den Rekord bei den Frauen 1988 mit 7,52 m auf.
  • Dreisprung: Beim Dreisprung werden vor dem Sprung in die Sandgrube noch zwei weitere Sprünge gemacht. Zu den bemerkenswerten Dreispringern gehören die Weltrekordhalter Jonathan Edwards (18,29 m) und Yulimar Rojas (15,67 m), während die aktuellen Stars Jordan Diaz und Will Claye die dritt- und viertgrößten Dreisprünge in der Geschichte halten und alles daran setzen, noch besser zu werden.
  • Hochsprung: Ziel ist es, eine waagerechte Latte zu überspringen, ohne sie zu berühren. Dabei rennen die Athlet:innen an und überqueren die Stange meist mit dem Rücken zuerst – die Technik ist als "Fosbury Flop" bekannt. Für jede Höhe stehen drei Versuche zur Verfügung. Den Weltrekord hält bis heute der Kubaner Javier Sotomayor mit 2,45 m (aufgestellt 1993).
  • Stabhochsprung: Beim Stabhochsprung benutzen die Athlet:innen einen langen biegsamen Stab, um sich über eine hohe horizontale Latte zu stoßen. Das Ziel ist es, die Latte in immer größerer Höhe zu überspringen, bis nur noch eine Person übrig ist. Wie beim Hochsprung haben die Athlet:innen drei Versuche, um jede Höhe zu überwinden. Der 14-fache Stabhochsprung-Weltrekordler Armand Duplantis ist vielleicht der beste Leichtathlet, den es derzeit auf der Welt gibt. Auf dem Weg zu seiner dritten Goldmedaille in Folge bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2025 in Tokio, Japan, stellte er erneut eine neue Rekordhöhe von 6,30 m auf.
 Mutaz Barshim ist am 09. Mai 2024 im Katara Amphitheater in Doha, Katar, zu sehen.

Der Hochsprung gehört zu den technisch schwierigsten Disziplinen

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Training für Sprungwettbewerbe
Bei allen Sprungdisziplinen zählen Technik und Kraft gleichermaßen – doch auch die mentale Stärke spielt eine große Rolle. Athlet:innen trainieren, um sich voll auf den Absprung zu konzentrieren und sich in den Sprung hineinzulehnen, um maximale Weiten und Höhen zu erzielen. Hilfreiche Trainingsmethoden sind Einbeinübungen zur Optimierung der Vorwärtsbewegung, Sprints zur Steigerung der Laufgeschwindigkeit und gezieltes Krafttraining zur Verbesserung der Rumpfstabilität.

Werfen

Im Kern geht es beim Werfen darum, einen beschwerten Gegenstand so weit wie möglich zu werfen, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. Diese Disziplinen haben ihre Wurzeln im antiken Griechenland und sind auch heute noch zentrale Disziplinen auf der Weltbühne.
Niklas Kaul tritt bei den Europameisterschaften am 16. August in München, Deutschland, auf.

Der Speerwurf geht bis in die Antike zurück

© Phil Pham/Red Bull Content Pool

  • Kugelstoßen: Dabei wird eine schwere Kugel so weit wie möglich geworfen. Dabei gibt es einen bestimmten Bewegungsablauf, bei dem die Athlet:innen ihren Arm und die Kugel im Nacken halten, während sie sich auf den Wurf vorbereiten, und die Kugel dann nach oben und vorne schleudern. Die Männer verwenden eine 7,26 kg schwere Kugel, während die Frauenkugel 4 kg wiegt. Der Amerikaner Ryan Crouser stellte 2023 den Freiluftrekord der Männer mit 23,56 m auf, der Rekord der Frauen von Natalya Lisovskaya mit 22,63 m ist dagegen seit 1987 ungebrochen.
  • Diskuswurf: Bei dieser uralten Disziplin wird eine flache, schwere Scheibe geworfen. Das Gewicht der Scheibe hängt davon ab, wer sie wirft, aber bei den heutigen Profiwettbewerben verwenden Männer eine 2 kg schwere Scheibe und Frauen eine 1 kg schwere Scheibe. Der Weltrekord bei den Männern wird vom Litauer Mykolas Alekna gehalten, der ihn im April 2025 zweimal an einem Tag brach, als er 74,89 m und dann 75,56 m weit warf. Bei den Frauen hält die Deutsche Gabriele Reinsch seit 1988 den Rekord mit 76,80 m.
  • Hammerwurf: Beim Hammerwurf wird eine beschwerte Kugel geworfen, die an einem Draht befestigt ist. Um den Hammer zu werfen, stellst du dich in einen festgelegten Kreis und schwingst den Hammer ein paar Mal herum, um Schwung zu holen, bevor du ihn loslässt. Wer den Hammer am weitesten wirft, gewinnt den Wettbewerb. Männer verwenden einen 7,26 kg schweren Hammer und Frauen einen 4 kg schweren Hammer, wobei die maximale Länge des Drahts in beiden Klassen 122 cm betragen darf. Zu den bekannten Hammerwerferinnen gehört die Polin Anita Włodarczyk, die die sechs besten Würfe aller Zeiten hält und die erste Frau in der Geschichte war, die die 80-Meter-Marke überwarf.
  • Speerwurf: Diese Disziplin verlangt, einen Speer so weit wie möglich zu werfen – und dabei innerhalb der Wurfzone zu landen. Die Athlet:innen beschleunigen auf einer mindestens 30 Meter langen Anlaufbahn, lassen den Speer los und stoppen rechtzeitig vor der Begrenzungslinie. Präzise Technik ist entscheidend, was den Speerwurf zu einem hochtechnischen Wettkampf macht. Weltrekorde halten tschechische Athlet:innen: Jan Železný warf 1996 98,48 m – als einziger Mensch über 98 Meter – und Barbora Špotáková stellte 2008 mit 72,28 m den Rekord der Frauen auf.
Training für Wurfdisziplinen
Wurfwettbewerbe erfordern Explosivkraft. Neben dem Verbessern deiner Wurfkünste solltest du daher lange Aufwärmübungen, Krafttraining und Gewichtheben in dein Trainingsprogramm einbauen. Plyometrische Übungen sind besonders gut geeignet, um dein Gleichgewicht zu perfektionieren, am besten mit Übungen wie Side Jumps und High Knees. Andere Core-Übungen wie Planks und Lunges helfen dir, die Form zu halten und das Wurfobjekt maximal zu beschleunigen. Speerwerfer:innen müssen auch über eine ausgezeichnete Geschwindigkeit und Beinkraft verfügen, daher ist Sprinttraining ebenfalls unerlässlich.
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Was sind kombinierte Leichtathletikwettkämpfe?

Zwei Mehrkampfwettbewerbe vereinen die gesamte Leichtathletik in einer einzigen, mehrtägigen Veranstaltung: der Zehnkampf für Männer und der Siebenkampf für Frauen. Beide Wettkämpfe sind für ihren Schwierigkeitsgrad bekannt und gelten weithin als die härtesten Wettbewerbe, die es gibt. Für jede Aktivität erhältst du Punkte und die Person mit der höchsten Punktzahl gewinnt. Nafissatou 'Nafi' Thiam ist eine der wenigen Frauen in der Geschichte, die die 7.000-Punkte-Marke im Siebenkampf geknackt hat - eine enorme Punktzahl, an die nur die Besten der Geschichte herankommen.
Nafissatou Thiam tritt bei den Europameisterschaften am 17. August 2022 in München, Deutschland, auf.

Nafissatou Thiam in Action

© Daniel Kopatsch/Red Bull Content Pool

Der Zehnkampf umfasst 10 Disziplinen, die in einer bestimmten Reihenfolge an zwei Tagen durchgeführt werden, und zwar in schneller Folge mit wenig Zeit zur Erholung dazwischen. Der erste Tag eines Zehnkampfs umfasst den 100m-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Hochsprung und 400m. Am zweiten Tag stehen 110m Hürden, Diskus, Stabhochsprung, Speerwurf und ein abschließender 1.500m-Lauf auf dem Programm.
Der Siebenkampf folgt demselben Prinzip, besteht aber aus sieben statt zehn Disziplinen. Während es beim Zehnkampf ein eigenes Punktesystem für Frauen gibt, ist der Siebenkampf nach wie vor nur weiblichen Teilnehmerinnen vorbehalten. Der erste Tag beginnt mit dem 100m Hürdenlauf, gefolgt von Hochsprung, Kugelstoßen und 200m. Der zweite Tag besteht aus Weitsprung, Speerwurf und einem 800m-Finale.