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Local Surf Legends: Tahitis Michel Bourez ist ein waschechter "Spartan"

Michel Bourez ist der zweite Tahitianer überhaupt auf der WCT. Er könnte der Erste mit Titel werden.
Autor: Henner Thiesveröffentlicht am
Michel Bourez
Michel Bourez
Sheppard’s Pie und Skype, gepaart mit unbändiger Kraft und Konzentration – so oder so ähnlich lautet das Erfolgsrezept des modernen Surf-Spartaners Michel Bourez: Er telefoniert mit seiner Frau und seinem einjährigen Sohn, isst anschließend einen Sheppard’s Pie und zieht dann in die Surfschlacht, um seine Gegner mit kraftstrotzenden Hacks und feinsten Tuberides zu vernichten. Und dass, nachdem er eine halbe Stunde Marilyn Manson (!) gehört hat, um runterzukommen.
Was klingt wie der nächste Tarantino Film, beschreibt einen normalen Tag im Leben des Profi-Surfers Michel Bourez. Der 27-jährige ist nach Vetea „Poto“ David, erst der zweite Tahitianer überhaupt, der es auf die WCT geschafft hat. Seit seiner Qualifikation 2009 hat sich Michel Bourez seinen Spitznamen, „the Spartan“, redlich verdient: Denn der Regular-Footer überzeugt nicht nur mit seiner körperlichen Fitness. Vor allem seine aggressiven Carves sind gefürchtet und bescheren ihm dieses Jahr allem Anschein nach einen Platz unter den Top 10. Beachtlich für einen gebürtigen Insulaner, dessen größte Schwäche in seinem Fall – als vielreisender Surfnomade – unheilbar ist: Heimweh.
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Eine Saison mit mächtigen Barrels in Teahupo'o
Gut möglich, dass es auf der Tour keinen anderen Surfer gibt, der sein Zuhause so sehr vermisst wie Michel Bourez. Geboren auf den Austral-Inseln am 30. Dezember 1985, hat er den Großteil seines Lebens in Tahiti verbracht. Er ist in Tahiti aufgewachsen und hat hier im Alter von 10 Jahren gelernt, wie man surft, und zwar am legendären Strand von Papara. Michels angestammte Heimat ist nach eigener Aussage das Wasser. Irgendwann ist daraus die Tube Teahupo’os geworden. Wäre es nach seinem Vater gegangen, wäre Michel heute kein Meister im Barrel-Riding, sondern professioneller Kanute. Wie wir wissen, ist es – dem Himmel sei Dank – anders gekommen, und statt Paddel in waagrechte See, sticht Michel heute seine eigenen Hände in senkrechte Wasserwände. Glaubt man seinen WCT-Kollegen gibt es sogar niemanden auf der Tour, der schneller paddeln kann als Michel.
Statt mit Eskimorollen, beeindruckt Michel heute also mit einmaligen Tuberiding-Skills, die man so nur an einem Ort der Welt erlernen kann: Teahupo’o. Jenem Spot der Tahiti in der Surfwelt international bekannt gemacht hat. Zwar nennt auch Michel Teahupo’o als seine Lieblingswelle, doch erinnert er daran, dass die Welle am Ende der Straße nur eine von Tahitis vielen weltklasse Wellen ist – mit dem Unterschied, dass Michels andere Lieblingswellen nur Eingeweihte kennen.
Kein Wunder also, das der „Spartan“ ständig Heimweh hat. Was gibt es schon besseres als jeden Tag glasklare Tuben in Boardshorts zu surfen und das Ganze am Abend bei selbst zubereitetem Sashimi in frischer Kokosnussmilch von der Hängematte aus mit Freunden und Familie zu besprechen... Eben. Dass Michel Bourez sich den Stress, auf der Tour mitzumischen, trotzdem gibt, ist dem „Spartan“ daher mehr als hoch anzurechnen. Mehr noch: Wer derlei „Verzicht“ übt, der muss am Ende irgendwann belohnt werden. Bleibt abzuwarten, wann das sein wird. 2014?