Eine humanoide Frau steht neben einem Drachen. Im Hintergrund fliegen weitere Drachen durch ein Tal.
© Activision-Blizzard
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World of Warcraft: Wieder anfangen oder nicht?

Der einstige MMO-Gigant World of Warcraft hat in den vergangenen Jahren stark verändert. Wir geben euch die besten Gründe für und gegen einen Wiedereinstieg.
Autor: Matthias Regge (@PrinnyTonic)
6 min readaktualisiert am
Als World of Warcraft 2004 erschienen ist, hat es die Welt der MMORPGs auf den Kopf gestellt. Seine Hochzeit hatte das Spiel mit seinem dritten Add-On, Wrath of the Lich King. Seitdem fluktuiert die Spielerzahl des ehemaligen Genre-Giganten. Die Community ist dabei relativ stabil. Immer wieder hören Spieler auf, es kommen neue nach oder Veteranen kehren zurück.
Wenn auch ihr mit dem Gedanken spielt wieder in die Welt von Azeroth einzutauchen, haben wir euch ein paar Gründe für, und gegen, einen Wiedereinstieg zusammen gefasst.

PRO: Der Einstieg ist leichter denn je

World of Warcraft war schon immer dafür bekannt, dass es Spielern einen einfachen Einstieg in das komplexe Genre der MMORPGs bietet. Dies war in der Vergangenheit sogar einer der Punkte, welcher den Titel von der Konkurrenz abgehoben hatte.
Zwei Soldaten der Allianz wurden an die Küste einer Insel gespült.
Die neue Start-Zone, Exile's Reach, bringt euch das Spiel bei.
In den vergangenen Jahren hat Blizzard diese Stärke weiter ausgebaut. Quests sind besser erzählt und geben dem Spieler mehr Kontext zur Spielewelt, ohne langweilige Textblöcke zu lesen, Mechaniken werden mit einer angenehmen Lernkurve eingeführt, und es existiert ein komplett neues Tutorial-Gebiet. In diesem lernen Spieler unter anderem das Prinzip einer Dungeon-Gruppe kennen. Beste Vorrausetzung, um später mit der eigenen Rolle vertraut zu sein.

CONTRA: Die Blizzard-Kontroverse

Der Elefant im Raum. Blizzard Entertainment ist leider lange nicht mehr die Firma, die uns einst mit ein paar der grössten Software-Perlen der PC-Welt beglückt hat. Natürlich ist es vollkommen fair, wenn man sich entscheidet ein End-Produkt von seinem Künstler zu trennen. Jedoch sind die zahlreichen Kontroversen um Activison Blizzard genug Gründe, World of Warcraft nicht finanziell unterstützen zu wollen.

PRO: Massig Content zum Nachholen

Umso länger man nicht in World of Warcraft hineingeschaut hat, desto mehr neuen Inhalt wird man nachholen können. Mit den vergangenen Add-Ons kamen natürlich grosse Content-Pakete wie ganze Kontinente, neue spielbare Rassen und Klassen ins Spiel. Aber auch viele kleine Dinge. Haustierkämpfe waren eines dieser Features, welche nicht zwingend notwendig gewesen wären, aber das Spielerlebnis für zahlreiche Abonnenten verbessert hatte.
Auch die Unmenge an neuen Reittieren und Ausrüstungsgegenständen, die man Sammeln kann wächst mit jedem Update. Ein Fest für jeden, der sich gerne auf die Jagd nach optischen Schmankerln macht.

CONTRA: Microtransactions

Leider sind längst nicht mehr alle dieser optischen Besonderheiten einfach nur im Spiel freizuschalten. Einige Mounts oder Kostüme können lediglich für Echtgeld erworben werden. Schade, da man ja ohnehin eine monatliche Gebühr für den Titel bezahlen muss.
Eine Nachtelfe in einer schicken Robe, umhüllt von Licht und Sternenkonstellationen.
Leider sehen die Rüstungen aus dem Shop besser aus, als die erspielbaren.
Das manche dieser bezahlten Inhalte dann auch noch optisch beeindruckender sind als alles, was ich in der Spielwelt finden lässt, ist für viele Spieler ein absolutes No-Go.

PRO: Mit Freunden Spielen ist noch einfacher

Blizzard hat die Grenzen zwischen Spielern immer weiter aufgebrochen. Es begann damit, dass man innerhalb seines Server-Clusters Gruppen für Dungeons, Raids und PvP bilden konnte. Später wurde auch gemeinsames Questen ermöglicht. Und durch die Änderung der Level-Mechanik, die Spielern immer Belohnungen passend zu ihrer aktuellen Stufe ausschüttet, müsst ihr nicht einmal gleich weit sein, wie eure Freunde, die mit euch spielen.
Seit Juni 2022 ist es nun sogar möglich mit Spielern der anderen Fraktion zusammen zu spielen. Das heisst es ist nicht einmal mehr ein Problem, wenn eure Freunde sich dafür entschieden haben sich auf die Seite des "Feindes" zu schlagen.

CONTRA: Die Server-Identität ist fast völlig verloren

Damit geht natürlich auch einiges von der Seele von World of Warcraft verloren. Immerhin wurde die Geschichte des Spiels auf dem Konflikt zwischen Allianz und Horde aufgebaut.
Was für viele aber wesentlich schmerzhafter ist, ist der Verlust der Server-Identität. Euer Server war früher eine Community. Man kannte die anderen Spieler und konnte selbst zur Legende werden. Kommunikation war Trumpf und ohne regelmässigen Austausch mit anderen Helden kam man nicht weit. Dies alles wurde im Austausch von Zeitersparnis und Zugänglichkeit geopfert. Auf der einen Seite eine nachvollziehbare Entscheidung, aber dennoch ein herber Verlust für die alten Hasen.
Sollte euch aber wirklich der Sinn nach diesem klassischen Rollenspiel-Erlebnis stehen, findet ihr das mittlerweile an einem ungewöhnlichen Ort: Grand Theft Auto V Online. Denn auch Red Bull Gamer GrandPOOBear hat sich Stundenlang in den RPG-Server "NoPixel" investiert.

PRO: WOW Classic ist eine neue Möglichkeit

Wer das alte Spielgefühl vermisst, für den ist WoW Classic vielleicht eine lohnenswerte Alternative. Anstatt wieder in die neuste Version ("Retail" genannt) einzusteigen, stehen nun auch diverse Classic-Varianten zur Verfügung, die das Spiel in dem Stadium darstellen, wie es zu jener Zeit existiert hat.

CONTRA: Der End-Grind ist schlimmer als zuvor

Grind ist natürlich etwas, was zur DNA eines MMOs dazugehört. Für viele Spieler ist es sogar etwas, dass sie als festen Bestandteil der Spielerfahrung sehen. Allerdings muss man hier auch differenzieren. Denn nicht jeder Grind bietet das gleiche Mass an "Güte". Raids und Dungeons zu spielen, in der Hoffnung ein begehrtes Stück an Ausrüstung abzugreifen, oder ein tolles Reittier zu ergattern ist etwas, was sehr motivierend sein kann.
Leider verfügt das Spiel mittlerweile über viele sekundäre Systeme, die für den Fortschritt eures Charakters unerlässlich sind. Im Vergleich zu vielen anderen Mechaniken sind diese auch nicht Account-übergreifend. Das heisst ihr müsst euch den Grind mit jedem eurer alternativer Charaktere antun.

PRO: Reinschnuppern ist kostenlos

Wer sich nicht sicher ist, ob World of Warcraft in seiner jetzigen Version das Richtige für einen ist, muss immerhin kein Geld zahlen. WoW ist (unter Einschränkungen) kostenlos spielbar. Ihr könnt alle Charaktere, die unter Level 20 sind, spielen, bevor ihr auch nur einen Cent zahlen müsst.

CONTRA: Die Konkurrenz hat nicht geschlafen

Aber gerade der Free-Trial ist etwas, was die Konkurrenz bereits wesentlich besser gemacht hat, als World of Warcraft. Auch das von Kritikern gelobte MMORPG, Final Fantasy XIV, hat einen Free-Trial. Dieser beinhaltet A Realm Reborn und die preisgekrönte Erweiterung Heavensward mit einer unbegrenzten Spielzeit bis Level 60.
Allgemein ist World of Warcraft lange nicht mehr der Platzhirsch und zahlreiche andere Spiele haben bereits sehr stark am Thron des Giganten gerüttelt.
Auch der alte WoW-Head wie Rick Campbell spielt mittlerweile ein Spiel der Konkurrenz. In der Red Bull-Serie "World First" hat er noch mit Preheat über das Endgame von World of Warcraft gesprochen.

5 Min

WoW World First: Rich Campbell meets Limit's Preheat: Part 1

PRO: Das nächste Add-On steht in den Startlöchern

Mit dem neusten Add-On am Horizont, ist ein Wiedereinstieg natürlich besonders verlockend. Vor allem verspricht das Team hinter World of Warcraft: Dragonflight einige der Contra-Punkte zu beseitigen, die das Spiel aktuell quälen. Was davon letztendlich passiert, wird sich zeigen. Fakt ist: Wer jetzt wieder anfängt zu spielen, ist bestens gewappnet, wenn sich die Tore der neuen Erweiterung öffnen.