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Majid im Porträt: 10 Fakten über den Hip Hop-Tänzer

© Little Shao
Finde heraus, wie der deutsche Hip Hop-Tänzer und Juste Debout-Champ seine Skills vom Battle auf die große Leinwand bringt.
Autor: Tracy Kawalikveröffentlicht am
„Ich habe keine Idole, weil man dadurch einen Tunnelblick hat. Ich folge meiner eigenen Vision und tanze so, wie ich es fühle und sehe - ich lasse mir nicht vorschreiben, wie Hip Hop auszusehen hat."
Der deutsche Tänzer Majid machte immer schon sein eigenes Ding und von dem Moment an, als er die Hip Hop-Bühne betrat, war sein Style anders als der der anderen.
Sein Erfolg kam freilich nicht über Nacht. Majid hatte am Anfang viel mit anderen Tänzern, Judges und erfahrenen Hip Hop-Heads zu tun, denen sein „Ding" nicht gefiel. Aber er trainierte immer weiter, vertraute auf sich und schließlich verstummten die Skeptiker.
Ich habe keine Idole, weil man dadurch einen Tunnelblick hat.
Majid
Nach fast zwei Jahrzehnten ist der Hip Hop-Tänzer mehr denn je entschlossen, seinen eigenen Weg zu gehen. Er hat sich eine weltweite Fangemeinde aufgebaut, ist Studiobesitzer, hat zahlreiche Titel gewonnen und wurde zum Juste Debout-Champ gekürt. Majid ist außerdem Mitglied der Raw Sushi Gang, Organisator des Hip Hop Dance Festivals Summer Week '47, und auf dem besten Weg, auch Schauspieler zu werden.
Nach seiner ersten erfolgreichen Tour als Red Bull-Tänzer und vor seinem Doppel-Debüt auf der großen Leinwand im Januar 2021 hat Majid auch sonst viel vor. Wir trafen den Mann der Stunde, um herauszufinden, was nötig war, um dorthin zu kommen, wo er jetzt steht, und was seine nächsten Schritte sind.
Majid auf einem Bein mit ausgestreckten Armen.
Majid tritt in die Fußstapfen seines Vaters, der ebenfalls Tänzer war

1. Die Fußstapfen seines Vaters

„Ich habe wegen meines Vaters mit dem Tanzen begonnen. Aufgewachsen bin ich zwar in Deutschland, geboren wurde ich aber im Irak und als Kind sah ich ihm bei Auftritten als kurdischer Folkloretänzer zu. Ich schaute immer zu ihm auf und wollte das tun, was er machte. Mein Vater ist stolz darauf, wie weit ich es mit dem Tanzen gebracht habe, aber es bedeutet noch mehr für ihn, dass er weiß, dass er immer meine Inspiration war."

2. Vom Studio auf die große Bühne

„Als ich klein war, tanzte ich zu Hause einfach zum Spaß. Mit neun Jahren zwang mich dann meine Schwester dazu, Hip Hop-Stunden zu nehmen. Ich spielte Fußball und liebte es zu tanzen, aber es war nicht mehr als ein Hobby für mich. Als Teenager wuchs ich langsam aus dem Studio heraus und begann in Jugendclubs zu gehen. Die Tänzer dort zeigten mir die Hip Hop-Kultur und führten mich in die Urban Dance-Szene ein. Ich reiste mit ihnen herum und nahm an meinem ersten Battle teil. Ich war süchtig! Es ist jetzt 18 Jahre her, dass ich mit dem Tanzen angefangen habe."

3. Das härteste Battle hat man mit sich selbst

„Ein französischer Tänzer sagte einmal, ich tanze, als wäre ich unter Wasser. Selbst die kraftvollsten Moves will ich flüssig und geschmeidig ausführen. Ich lasse mir nicht vorschreiben, wie Hip Hop zu tanzen ist und genau deswegen war die größte Challenge am Anfang der Kampf mit mir selbst.
Viele Leute, die ich kenne, akzeptierten meinen Style nicht. Ich musste darauf vertrauen, dass es eine Zeit geben wird, in der sich die Leute dafür begeistern können und es andere Tänzer gibt, die eine Connection zu mir und meinem Tanzen finden. Besonders am Anfang war es schwer, mir treu zu bleiben und der zu bleiben, der ich immer war. Aber ich musste nach vorne schauen und durfte nicht aufgeben."
Majid posiert vor einem Gebäude.
Majid und seine neue Einstellung vor dem Juste Debout-Sieg

4. Der Sieg bei Juste Debout war eine Frage der Einstellung

„Ich liebe es zu performen, aber mein Herz schlägt nach wie vor für das Battle. Man kann die Erfahrung mit nichts anderem vergleichen. 2008 war ich das erste Mal als Zuschauer bei Just Debout. Ich saß im Publikum und dachte nur: ‚Ich werde einmal auf dieser Bühne stehen und gewinnen'. Nach meinen Teilnahmen in den folgenden fünf Jahren konnte ich 2014 schließlich den Sieg holen. Was dieses Battle von all den anderen unterschied, war meine Mentalität. Natürlich habe ich viel trainiert und auch mein Style passte, aber das alles Entscheidende war meine mentale Einstellung. Vor dem Battle verletzte ich mich noch am linken Knöchel. Ich musste mir die Füße tapen und Schmerzmittel schlucken, aber selbst das brachte mich nicht von meinem Plan ab zu gewinnen. Ich hatte alles klar im Kopf.
Wenn man nach hartem Training und viel Zeit im Studio weiß, dass man gewinnen wird, ist das nicht arrogant, sondern eine Tatsache. Niemand kann dich stoppen! Du musst selbstbewusst sein und es dir klar vor Augen führen, dann wirst du gewinnen."

5. Ziele setzen und aus den Schwächen lernen

„Ziele geben unserem Leben eine Richtung. Wenn man keine Ziele verfolgt und keine Vision hat, ist man verloren in dieser Welt. Beim Tanzen ist es dasselbe! Du sollst tanzen, weil du es liebst und es muss dir egal sein, wie lange es dauert, deine Ziele zu erreichen. Es ist harte Arbeit!
Es kann 10 Jahre dauern oder ein Jahr, aber alles hängt davon ab, wie viel du investierst und wie sehr du es willst. Eiserne Disziplin ist gefragt und natürlich auch ein Quäntchen Glück. Lass dich durch eine Verletzung nicht entmutigen, sondern sieh es als Chance an, neue Bewegungen zu lernen und andere Bereiche deines Körpers zu trainieren.
Du darfst nicht aufgeben und nicht aus den Augen verlieren, was du liebst – dann kannst du alles schaffen. Das ist eine Tatsache!"
Ich habe das Gefühl, dass ich tot bin, wenn ich als Künstler und Mensch nicht wachse.
Majid

6. Er lässt sich in keine Schublade stecken

„Ich mag es nicht, wenn man Dinge kategorisiert. Man kann Musik, Tanz, Kunst und Menschen nicht in Schubladen stecken. Wenn ich die Musik für meine eigenen Battles auswählen könnte, würde ich ganz anderen Hip Hop spielen, als man es von heutigen Battles kennt. Ich würde spirituellere, freiere Platten auflegen. Eines meiner absoluten Lieblingsbattles fand 2013 in Frankreich statt und es gab nur Live-Musik. Die Live-Band hatte Drums, eine Lead-Gitarre und alle Musiker improvisierten auf ihren Instrumenten. Es war einfach nur fantastisch und ich habe das Battle gewonnen, weil ich mich so gut fühlte."

7. Das eigene Studio und das Unterrichten der nächsten Generation

„Ich habe 2014 mein eigenes Studio Area UDC eröffnet, noch bevor ich Juste Debout gewann. Heute habe ich etwa 300 Schüler und 10 oder 11 Tanzlehrer bei mir im Studio. Es ist nicht immer leicht, die Balance zwischen meiner Arbeit als Studiobesitzer und meinen Tanzreisen und anderen Projekten zu halten, aber zum Glück habe ich um mich ein fantastisches Team mit großartigen Menschen, denen das Studio genauso am Herzen liegt wie mir. Es ist mein Zuhause und ich verbinde alles was ich tue mit dem Studio. Selbst bei der letzten Station meiner Red Bull Dance Tour war das letzte Event in Deutschland eine Outdoor-Veranstaltung mit dem Studio. Ich bin unglaublich stolz und dankbar, besonders als Lehrer. Ich versuche meinen Schülern nicht nur das Tanzen beizubringen, sondern auch ihre Persönlichkeit und ihre Mentalität zu stärken, damit sie wachsen und ihren eigenen Weg gehen können."
Close-Up von Majid.
Majid unterrichtet in seinem eigenen Studio die nächste Generation

8. Zurück zu den Wurzeln?

„Seit meine Familie nach Deutschland gezogen ist, war ich erst zweimal zurück im Irak, aber ich würde gerne eines Tages in meiner alten Heimat auftreten, unterrichten und bei Battles teilnehmen. Die kurdische Hip Hop-Szene wächst und wächst und ich habe auch einige Fans in der Hauptstadt, die mir immer wieder schreiben und Bilder von Battles schicken.
Ich bin unglaublich dankbar und glücklich. Als ich mit dem Tanzen begann, war es nie mein Ziel andere zu inspirieren, Battles zu gewinnen oder sogar berühmt zu werden. Ich habe es einfach gemacht, weil ich es liebte zu tanzen. Zu wissen, dass ich mit den Projekten, mit meinem Studio und meinem Tanzen Menschen in meiner Heimat und auf der ganzen Welt berühre, ist einfach nur verrückt.
So viele Menschen haben mir am Anfang gesagt, mein Style sei nicht Hip Hop, aber heute stellt sich heraus, dass mehr Leute da draußen so empfanden wie ich. Hip Hop hat auf jeden Menschen einen ganz anderen Einfluss und es bedeutet mir so viel, dass ich Menschen inspiriert habe, ihren eigenen Weg zu gehen, indem ich mein eigenes Ding durchziehe und mir selbst immer treu geblieben bin."

9. Das Doppel-Debüt auf der großen Leinwand

„Ich habe nach der nächsten Herausforderung in meiner Karriere gesucht und die Schauspielerei war es einfach. Im Januar 2021 werde ich in einem großen Kinofilm mit dem Titel FLY in Österreich, der Schweiz und in Deutschland zu sehen sein. Natürlich ist es ein Tanzfilm. Der Regisseurin war es wichtig, echte Tänzer zu featuren und die Tanzkultur damit zu unterstützen – der Vibe hat auf jeden Fall gestimmt. Sie fühlte eine starke Verbindung zu meiner Audition. Ich habe keinen Schauspielunterricht genommen, aber am Ende bekam ich viele positive Reaktionen auf meine Rolle, was mir gezeigt hat, dass ich weitermachen will.
Neben dem Auftritt im Kinofilm spiele ich im Januar 2021 noch den Bösewicht in der deutschen Serie Crews & Gangs. Ich würde gerne noch mehr Rollen wie diese spielen, oder einen Psycho wie den Joker, oder wie Leonardo DiCaprio in Shutter Island und Inception."
Majid posiert zwischen zwei Gebäuden.
Majid ist ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen

10. Was kommt nach dem großen Kinodebüt?

„Ich habe das Gefühl, dass ich tot bin, wenn ich als Künstler und Mensch nicht wachse.
Red Bull-Tänzer zu werden und Teil dieses verrückten neuen Teams zu sein, fühlt sich fantastisch an. Ich bin sicher, dass die Zukunft für uns alle großartige Überraschungen bereithält und ich freue mich darauf, meinen Beitrag zu leisten und ein Teil davon zu sein."
„Schauspielen ist mein nächstes Ziel. Ich werde Schauspielunterricht nehmen, mit Agenturen zusammenarbeiten und noch mehr vorsprechen. Außerdem arbeite ich bereits mit einem Regisseur zusammen, um einige Kurzfilme mit verschiedenen Rollen zu drehen.
Ich will nicht nur ein Tänzer sein im Film. Ich will Schauspieler sein, der die Techniken aus dem Tanz, wie zum Beispiel Körperwahrnehmung, in sein Schauspiel einbauen kann. Regisseure und Leute aus der Branche haben mir bereits gesagt, dass einige der berühmtesten Schauspieler nicht einmal richtig laufen können, also hoffe ich auch im Film auf eine erfolgreiche Zukunft."