Marc Márquez bei der MotoGP™ in Frankreich, am 13. Mai 2023.
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MotoGP

"All In" liefert einen Blick hinter die Kulissen im Leben von Marc Márquez

Bruder Álex, Assistent und bester Freund José Luis Martínez und Teamchef Santi Hernandez bilden zusammen den "núcleo duro". "All In" liefert exklusive Einblicke in das Umfeld von Marc Márquez.
Von: Matt Dunn
8 min readPublished on
Es gibt ein sich wiederholendes Narrativ im Profisport, bei der Athlet:innen eine unendliche Vielzahl von Zufallsmomenten, Mikroentscheidungen und insbesondere die Menschen in ihrem Umfeld als Schlüssel zu ihren Triumphen nennen. Für Erfolg gibt es kein Patentrezept, und nur selten ist Erfolg allein auf das Handeln einer einzelnen Person zurückzuführen. Deshalb war es umso überraschender zu hören, dass diejenigen, die dem achtfachen Weltmeister Marc Márquez am nächsten stehen, ihre Rolle bei den sensationellen Triumphen der MotoGP™-Ikone so vehement herunterspielen.
Die brandneue Show "All In" dokumentiert die schwierigste Entscheidung in der Karriere von Márquez und wirft Licht auf die spannendsten und interessantesten Geschichten im Leben des Superstars. Folge 1 findest du gleich unten. Die komplette Show gibt es exklusiv auf Red Bull TV.

33 Min

Hoffnung

Nach einer verheerenden Verletzung ist für Marc Márquez die größte Herausforderung wieder zu alter Größe aufzusteigen.

"Er macht den Unterschied aus", sagt sein Bruder und zweifacher Weltmeister Álex Márquez. "Natürlich brauchst du die richtigen Leute um dich herum, also haben wir sicher auch einen Teil beigetragen, aber im Endeffekt sitzt er auf dem Motorrad und muss auf der Strecke performen."
Marc Márquez aus Spanien winkt den Fans zu, vor dem Start der MotoGP in Le Mans, Frankreich, am 14. Mai 2023.

Márquez vor dem GP in Le Mans

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Marc Márquez ist seit Jahren das Maß aller Dinge in der MotoGP™! Nach seinen sechs beinahe aufeinanderfolgenden Weltmeistertiteln und 125ccm- und Moto2™-Triumphen hat er alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Die meisten träumen von einem einzigen WM-Titel. Es ist eine ganz andere Sache, es wieder zu tun, und wieder, und wieder... und dann doppelt so oft.
Um besser zu verstehen, was die Nummer 93 dazu bringt, auf der Jagd nach einem neunten WM-Titel -- und möglicherweise vielen weiteren -- noch einmal auf die Rennstrecke zurückzukehren, liefert die Doku-Serie "All In" auf Red Bull TV nun spannende Einblicke in das Leben des Superstars.

Comeback

Es ist nun knapp drei Jahre her, dass er sich seinen rechten Oberarmknochen bei einem der fürchterlichsten Crashes der jüngeren MotoGP™-Geschichte gebrochen hat -- und dann brach er sich den Arm während der Genesung erneut, als er zu Hause eine Schiebetür öffnete. Eine Saison an der Seitenlinie, eine weitere, in der er praktisch nur mit einer Hand fahren konnte, ganz zu schweigen von einem weiteren gesundheitlichen Problem, das 2022 erneut auftauchte -- Doppeltsehen (Diplopie) - fügte sich in die Liste der karrierebedrohenden Probleme ein, die die Motivation des Spaniers ein ums andere Mal auf den Prüfstand stellte.
Marc Márquez Fotoshoot am Media Day für "All In".

"All In" stellt uns die wichtigsten Leute in Márquez' Leben vor

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Abgesehen von der individuellen Mentalität, all das zu überwinden, stellt uns "All In" einige der wichtigsten Persönlichkeiten in Márquez' Leben vor, angefangen bei seinem Bruder Álex über seinen Assistenten und besten Freund José bis hin zu Santi, seinem Teamchef seit 2010. Im Spanischen gibt es den Ausdruck "núcleo duro", was wörtlich "der harte Kern" bedeutet. Der Punkt ist, wenn du einmal drin bist, bist du drin.
Aber das ist einfacher gesagt als getan. Zuerst muss man sich dieses Vertrauen nämlich hart erarbeiten. "Wir sind in der Regel eher vorsichtig, lernen eine Person langsam kennen, und erst wenn wir diese Person gut genug kennen, öffnen wir ihr die Tür und begrüßen sie mit offenen Armen im 'núcleo duro'", erklärt José Luis Martinez.

Der beste Freund

Martínez ist seit 2015 die rechte Hand von Márquez. Wenn Márquez über das Organisationstalent seines besten Freundes spricht, hat er immer ein ehrfürchtiges Lächeln im Gesicht.
"In meinem Leben gibt es so viele Dinge, von denen ich keine Ahnung habe, aber er weiß alles. Heute stieg ich zum Beispiel ins Auto, und alles, was ich brauchte, war schon drin", sagt er. Die Aufgabe von Martínez ist es, das Leben der MotoGP-Ikone so einfach wie möglich zu machen.
Erstmals getroffen haben sich die beiden 2013 auf einer Motocross-Strecke. Martínez ist spanischer Motocross-Meister, also kann man sich ungefähr vorstellen, dass er den beiden Márquez-Brüdern einiges beibringen konnte. Aber auch abseits der Motorrad-Strecke stimmte die Chemie sofort.
Für eine Person, die so viel gewinnt, ist es wichtig, dass sie sich mit den richtigen Leuten umgibt.
José Luis Martínez
"Wir haben viel zusammen trainiert. Und es kam eine Zeit, in der ich darüber nachdachte, meine eigene Rennkarriere an den Nagel zu hängen, aber Marc sagte mir: 'Ich brauche jemanden, der mich um die Welt begleitet, der mit mir trainiert und im Grunde meine rechte Hand ist'", erzählt Martínez. Er brauchte nicht lange zu überlegen und nahm das Angebot natürlich an.
Marc Márquez aus Spanien macht ein Selfie mit den Fans bei der MotoGP in Le Mans, Frankreich, am 13. Mai 2023.

Márquez ist wieder in Topform

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"Für eine Person, die so viel gewinnt, ist es wichtig, dass sie sich mit den richtigen Leuten umgibt. Jemand, der nicht nur gute, sondern auch schlechte Nachrichten überbringen kann."
Für manche ist das Wort "Assistent" mit dem Stigma des "Ja-Sagers" behaftet, aber dieser gegenseitige Respekt, der sich schon in den ersten Trainingstagen zeigte, ist einer der Hauptgründe, warum er die Chance ergriffen hat. Márquez legt großen Wert auf den Input seines Umfeldes. "Wie wir im Spanischen sagen, 'una de cal y una de arena' (mit Zuckerbrot und Peitsche)", sagt Martínez.
"Wir müssen diese absolute Vertrauensbasis haben, damit ich Dinge akzeptieren kann, die ich nicht gerne höre. Umgekehrt funktioniert das natürlich auch."
Marc Márquez aus Spanien bei der MotoGP in Le Mans, Frankreich, am 14. Mai 2023.

Marc Márquez ist das Maß aller Dinge in der MotoGP

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Der Bruder

Márquez hat sein Leben mit Menschen gefüllt, die seine Stärken ergänzen und seine Schwächen ausgleichen, und der beste Beweis dafür ist sein Bruder Álex.
"Er ist impulsiver als ich, er macht es einfach. Ich dagegen hinterfrage meine Entscheidungen, ob es das Richtige ist oder nicht", sagt Álex. "Er hat also seinen Charakter und ich meinen, aber zusammen sind wir die perfekte Mischung. Als wir nach Madrid zogen, sagte er immer 'dieses Haus! Und ich sagte: 'Nein, warte, denk darüber nach', und er antwortete: 'Okay, du hast Recht. Dann doch nicht dieses Haus!'"
Wenn einer ein Problem hat, versucht der andere zu helfen. Es gab sicher schwierige Momente, aber wir waren alle da, um ihm zu helfen und bei ihm zu sein.
Álex Marquez
Marc und Álex Márquez mit ihren Sieger-Bikes

Marc und Álex Márquez mit ihren Sieger-Bikes

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Über die Beziehung der Weltmeister-Brüder wurde bereits vor über zehn Jahren ausführlich berichtet -- als sie erstmals die große Bühne betraten. Alex hat seit seinem Aufstieg in die MotoGP™-Klasse in der gleichen schicksalhaften Saison 2020 ebenfalls eine Achterbahnfahrt hinter sich. "Es war nicht einfach", sagt er und bezieht sich dabei sowohl auf seine eigenen früheren Battles in der Königsklasse als auch auf die Rolle des Bruders.
"Es war nicht super speziell, sondern eine ganz normale Brüderbeziehung. Wenn einer ein Problem hat, versucht der andere zu helfen. Es gab sicher schwierige Momente, aber wir waren alle da, um ihm zu helfen und bei ihm zu sein", sagt Alex.
Bei den Gesprächen beim Abendessen geht es meistens um das Leben und noch häufiger um Motorradrennen, denn beide sind begeisterte Motocross-Fans. Einer der wohl größten Unterschiede zu anderen Geschwisterbeziehungen ist wohl, dass sie beiden mit demselben Beruf aufgewachsen sind, also waren ihre täglichen Gewohnheiten immer ziemlich ähnlich. Darüber hinaus sind es ihre Top-Leistungen auf der Rennstrecke, die uns die herausragende Möglichkeit geben, ihre Beziehung im profisportlichen Kontext zu diskutieren.
Marc Márquez beim Media Day für "All In".

Für Márquez ist sein Team seine zweite Familie

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Der Teamchef

"Für mich ist das Team das Wichtigste. Ich sage immer, es ist nicht mein Team, sondern meine zweite Familie", sagt Márquez. Das macht seinen Teamchef seit Ende 2011, Santi Hernandez, zu einer Schlüsselfigur in dieser zweiten Familie.
"Ich habe Marc zum ersten Mal in Valencia 2010 getroffen, kurz nachdem er sich entschlossen hatte, in die Moto2™ zu wechseln. Sein damaliger Manager baute gerade das Team zusammen, und genau da trafen wir uns zum ersten Mal", sagt Hernandez.
Hernandez ist ein äußerst erfahrener und angesehener Renningenieur, der seit den 90er Jahren auf Grand-Prix-Ebene arbeitet. In anderen Interviews hat er behauptet, dass die Rolle des Teamchefs eines Fahrers nicht unbedingt bedeutet, dass man sich mit dem Fahrer anfreundet, aber bei Márquez ist das anders.
Marc Márquez mit Repsol Honda Teamchef Santi Hernandez und Electronics Ingenieur Carlo Luzzi bei der MotoGP in Le Mans, Frankreich, am 14. Mai 2023.

Márquez verlässt sich immer auf das Feedback seines Teams

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"Wenn ich ein Problem mit dem Motorrad habe, rufe ich Santi an. Wenn ich ein privates Problem habe, rufe ich auch Santi an", erklärt Márquez.
Bei seinem Aufstieg in die Königsklasse hat Márquez Honda darum gebeten, Santi und den Rest seines Moto2™-Teams mit in die MotoGP™ zu nehmen. Er schildert den Moment, in dem er wusste, dass Santi die richtige Person ist, die er langfristig an seiner Seite in der Box haben wollte.
Er ist erwachsener und hat mehr Erfahrung, aber der Drive ist immer noch der gleiche.
Santi Hernandez
"2013 waren wir im Rennen um den Weltmeistertitel und dann passierte ihm in Australien ein großer Fehler. Er weinte nach dem Rennen, weil wir aufgrund des Fehlers keine Punkte holten. Er weinte und ich, mit meinen 20 Jahren - im Grunde noch ein Teenager - sagte: 'Santi, du arbeitest seit 20-25 Jahren in diesem Beruf und hast noch nie einen Fehler gemacht. Wie oft bin ich dieses Jahr schon gestürzt? Fünf Mal!'", erinnert sich Márquez.
Im Endeffekt geht es darum, Kritik annehmen und sich gegenseitig Feedback geben zu können, egal ob gut oder schlecht. Man muss seinem Team blind vertrauen können.
"Ich glaube nicht, dass Marc sich allzu sehr verändert hat. Er hat immer noch eine unglaubliche Motivation und gibt alles, um seine Ziele zu erreichen. Er ist erwachsener und hat mehr Erfahrung, aber der Drive ist immer noch der gleiche", sagt Hernandez.
Marc Marquez aus Spanien bei der MotoGP in Le Mans, Frankreich, am 13. Mai 2023.

"All In" begleitet Márquez auf seiner Jagd zu Titel Nr. 9

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An dieser Stelle wird deutlich, dass Márquez ein großartiges Beispiel für Führungsstärke ist. Martínez beendet unser Interview mit der Aussage, dass Márquez derjenige ist, der "den Stier bei den Hörnern packt" und alle um ihn herum ermutigt.
Alle drei Mitglieder des harten Kerns betonen nachdrücklich, dass es Márquez ist, der auf dem Motorrad sitzt und diese außergewöhnlichen Leistungen vollbringt. Trotz der vielen Verletzungen und mentalen Qualen fand Márquez immer einen Weg, Spaß und Freude zu verbreiten.
Es gibt den bekannten Spruch, dass Freunde die Familie sind, die man sich aussuchen kann. Wenn man dann noch hinzufügt, dass die Márquez-Brüder auch noch blutsverwandt sind und ihre gesamte Familie immer an ihrer Seite haben, dann ist es so eng, wie es nur geht. Ein Zeichen wahrer Einheit in einer Gruppe von Menschen ist die Bescheidenheit, die sich in der Form manifestiert, den Erfolg des anderen nicht zu beanspruchen. Es ist ein Leben mit echter Hingabe und für die gemeinsame Sache!

Teil dieser Story

Marc Márquez – All In

Begleite Marc Márquez, wie er sich der Angst, dem Risiko, dem Leid und der Aufregung stellt auf seinem Weg erneut Champion zu werden.

1 Staffel · 5 Folgen
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