Das Kampfsystem von Nioh 2 greift auf traditionelle und Magie zurück
© Tecmo Koei
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Mehr als nur Souls-Erbe

Was Nioh 2 besser macht als andere Soulslikes
Autor: Nedzad Hurabasic
4 min readveröffentlicht am
Das fernöstliche Action-Rollenspiel Nioh gehört zu den Soulsbornes, die wegen ihrer speziellen Elemente bei Hardcore-Gamern extrem beliebt sind. Hier findet ihr düstere, unerbittliche Fantasy-Welten, in der denen der Tod der Hauptfigur zum zentralen Spielelement und unabdingbaren Lernprozess gehört. Der Nachfolger Nioh 2 möchte im Vergleich mit seinem gelungenen Vorgänger spielerisch neue Wege erkunden. Wir haben es ein paar Stunden gezockt und sagen euch, was es besser und anders macht als vergleichbare Genre-Vertreter.

Das schöne(re) Sterben

Wer »Soulslike«-Games mag, hat kein Problem mit dem Sterben, denn der Bildschirm-Tod bildet quasi das essenzielle Rückgrat solcher Spiele. Das ist auch bei »Nioh 2« so. Wir haben einen Level inmitten der Kitanosho-Festung eines fiktiven Japans im 16. Jahrhundert gespielt, in der sich fast jedes Handgemenge wie ein Bosskampf anfühlt. Wo viele andere Genre-Vertreter ihr Vorbild schlicht nachäffen, geht Nioh 2 vielschichtiger vor und bietet ein komplexes System: Wer die Kampftechniken des Helden zuvor im ausführlichen Tutorial nicht verinnerlicht hat, kann gleich einpacken. So gibt es neben den beiden Hauptattacken (leicht und schwer) umfassende Angriffs- und Verteidigungstechniken. Ihr könnt verschiedene Körperhaltungen (Stance) einnehmen (hoch, mittel, tief), die eure Kampfführung sowie das Aussehen der Spezialwaffen beeinflussen.
Eine mächtige Schildkröte steht dem Spieler auf Wunsch in den Gefechten bei
Eine mächtige Schildkröte steht dem Spieler auf Wunsch in den Gefechten bei
Darüber hinaus hat Entwickler Team Ninja den reinen Samurai-Duellen des Vorgängers den Rücken gekehrt. Das hat einerseits gravierende Auswirkungen auf die Handlung, andererseits auch den Spielablauf. Die Hauptfigur - ein Dämonenjäger - ist eine Mischung aus menschlichem Kämpfer und eben Dämonenwesen, die hier Yokai genannt werden. Auf diese Weise erhalten die Gefechte mehr Spieltiefe. Schließlich kann sich der Recke zeitweise in eine übernatürliche Bestie verwandeln und damit die Attacken der Monster direkt und effizient kontern.

Grenzgänger

Das ist jedoch nicht alles, denn wo andere Soulslike-Games nur ein oberflächliches Kampfsystem bieten oder sich schlicht auf eine Handvoll unterschiedlicher Waffengattungen verlassen, beschreitet Nioh 2 eigenständige Wege. Angelehnt an eine mystische Erzählung um Götzen und Dämonen, besitzt der Held Zugriff auf neun spirituelle Beschützer, die ihm zusätzliche Spezialisierungen erlauben und so die Kampf-Fertigkeiten vertiefen. Dass jeder Spieler sein Erlebnis mit neun verschiedenen Waffenformen wie Doppelklingen, Katanas, Äxten usw. noch weiter individualisieren kann, ist nur das I-Tüpfelchen des komplexen Gameplays, mit dem sich Nioh 2 von ähnlichen Titeln abgrenzt.
Fernost trifft auf Dark Souls
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Mit am wichtigsten sind dabei Paraden gegen Nah - und Fernkämpfer) und Ausweichbewegungen, mit denen sich Verletzungen verhindern lassen. Geschickte Spieler können mit schnellen Aktionen ihre Ausdauer wiederherstellen, die für diese Techniken grundlegend sind. Dennoch gehört das Sterben zum Spielprinzip, immer wieder wird man von plötzlich angreifenden Feinden überrascht, das eigene Timing stimmt nicht oder die Bosse hauen Moves raus, mit denen man einfach nicht rechnet.
Die engen Gänge in der Festung können einem schnell zum Verhängnis werden
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Die Welt erforschen

Welcher »Souls«-Spieler kennt das Gefühl höchster Anspannung nicht? Hinter jeder Ecke lauert der Tod - und das gelingt Nioh 2 ebenfalls sehr gut: Mit gezückter Waffe schleicht ihr auf der Suche nach einem gewissen Shinata Katsuie langsam durch das Areal, jederzeit zum Ausweichen oder blocken eines Angriffs bereit. Dass plötzlich der Boden unter uns wegbricht und man so einem Kontrahenten vor die Füße fällt oder inmitten einer lodernden Feuerbrust landet, ist nicht unbedingt neu.
Was Nioh 2 besser macht als andere Genre-Vertreter, hängt dicht mit dem Yokai-System zusammen. Beim Erkunden der Festung stoßt ihr neben herkömmlichen Gegnern auch auf fiese Yokai, die quasi in einem spirituellen Parallel-Universum leben. Das wiederum beeinflusst die Kampfführung, weil dämonische Skills dort effektiver und normale Attacken schwächer werden, bzw. die Ausdauer in diesen Umgebungen schneller aufgebraucht ist. Darauf muss man sich einstellen und den Spielstil aktiv anpassen. Das gibt Nioh 2 eine spielerische Dimension, die ähnliche Titel kaum besitzen.
Übersinnliche Bossmonster verlangen Spielern auch in Nioh 2 alles ab
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Markenzeichen: Bedrückende Atmosphäre

Viele »Soulslike«-Vertreter lassen den Spieler im Dunkeln, alles muss man sich mühsam erarbeiten, dabei jeden Informationsschnipsel aufsammeln und so langsam ins Geschehen stolpern. Auch Nioh 2 bindet euch den ersten Eindrücken zufolge nicht alles auf die Nase, die Geschichte wird jedoch offenbar viel transparenter erzählt. Trotz der düsteren Stimmung sogar angereichert mit einem Hauch selbstironischem Humor. Das sieht man sonst bei dieser Art Spiele selten.

Rollenspiel-Elemente

Wer Spaß hat an komplexen Rollenspiel-Einstellungen, wird an Nioh 2 seine Freude haben - so jedenfalls der Eindruck unserer Spielsession. Wo andere Soulslike-Spiele oft allenfalls an der Oberfläche kratzen, klotzt der japanische Vertreter. Allein bei der Charakter-Erstellung, die noch nicht vollends freigeschaltet war, gibt es acht unterschiedliche Rubriken. Mit diesen Mitteln bestimmt ihr zum Beispiel Gesicht, Haar, Yokai-Form, Stimme oder weitere Körper-Details nach eigenen Vorstellungen. Etliche Ausrüstungsslots für Rüstungsteile, neun Waffengattungen, neun spirituelle Schutzpatrone (u. a. Schildkröte, Schlange) und schließlich die Yokai-Skills selbst lassen Raum, damit ihr euch individuell austoben könnt.