Nirmal Purja und sein Team
Bergsport

Nirmal Purja: Der Extrem-Bergsteiger, der das Unmögliche möglich macht

© Sandro Gromen-Hayes/Nimsdai
Nach seiner erfolgreichen Besteigung des zweithöchsten Berges der Welt im tiefsten Winter reflektiert der ehemalige Gurkha über die letzte große bergsteigerische Challenge.
Autor: Matt Ogbornveröffentlicht am
Wenn es ums Bergsteigen geht, scheint für Nirmal „Nims" Purja MBE nichts unmöglich! Seitdem der ehemalige Gurkha und Soldat des britischen Special Boat Service 2012 seine erste große Besteigung des Lobuche Ostgipfels absolvierte, hat er jede Herausforderung gemeistert und dabei zahlreiche Rekorde gebrochen.
2019 hat er sich dann etwas vorgenommen, das vieles in den Schatten stellen sollte: Er wollte alle 14 Achttausender der Welt innerhalb von nur sieben Monaten besteigen. Davor lag der Rekord für diese Mammutaufgabe bei knapp unter acht Jahren. Nirmal Purja schaffte es in nur sechs Monaten und sechs Tagen.
Aber der Rekordmann aus Nepal hatte noch immer nicht genug! In diesem Jahr nahm Nims die letzte große bergsteigerische Herausforderung in Angriff - die Besteigung des K2 im Winter. Bisher standen nur knapp 300 Menschen auf dem 8.611 m hohen Gipfel, aber allesamt in der für Bergsteiger günstigen Frühlingszeit. Am 16. Januar 2021, um exakt 17 Uhr Ortszeit, war es dann tatsächlich soweit: Nims und sein Team erreichten ihr Ziel und wurden damit die ersten Bergsteiger, die den zweithöchsten und schwierigsten aller Gipfel in den brutalen Wintermonaten erfolgreich besteigen konnten.
Nach dieser unglaublichen Leistung haben wir uns mit dem Mann der Stunde unterhalten, um alles über die Rekord-Besteigung zu erfahren und herauszufinden, was seine nächste Herausforderung sein wird.
Was sind die drei wichtigsten Dinge, die eine Winterbesteigung von einer Sommerbesteigung unterscheiden?
Die drei Hauptfaktoren sind: die extremen kalten Temperaturen, die Wetterbedingungen und die Fähigkeit, in so einem Umfeld zu funktionieren.
Nirmal Purja bei seiner Besteigung des K2, am 16. Januar 2021.
Nirmal Purja geht in die Geschichtsbücher ein
Deine Geschichte über den Aufstieg hat den Menschen auf der ganzen Welt in dieser schwierigen Zeit wieder Hoffnung gegeben. Wie stolz bist du, dass ein Team von nepalesischen Bergsteigern so vielen Menschen in Not Hoffnung und Freude schenken konnte?
Dieses Ereignis wird mir immer als einer der bedeutungsvollsten Momente in meinem Leben in Erinnerung bleiben. Das, was wir erreicht haben, geht über uns als Einzelpersonen hinaus. Ich bin froh, dass wir diesen Moment mit Menschen auf der ganzen Welt teilen konnten, und das mitten in einer Pandemie. Es war eine starke positive Botschaft für die Welt. Wir haben die menschlichen Grenzen überschritten und als Team das Unmögliche möglich gemacht - damit haben wir gezeigt, was man mit Solidarität und Geschlossenheit erreichen kann. Nichts ist unmöglich, wenn man mit Herz, Verstand und Seele bei der Sache ist.
Wovor hattest du im Vorfeld am meisten Angst und was hat sich dann unterwegs als die schwierigste Herausforderung entpuppt?
Ich hatte Frostbeulen an den Fingern und mich oberhalb von Camp 2 (6.600 m) nicht ausreichend akklimatisiert. Die Entscheidung, den Gipfelsturm trotzdem zu wagen, war alles andere als einfach. Es gab nicht die eine, alles überschattende Herausforderung, der gesamte Prozess war eine Challenge der ganz besonderen Art.
Nirmal Purja bei seiner Besteigung des K2 im tiefsten Winter, am 16. Januar 2021
Das scheinbar Unmögliche möglich machen
Was macht den K2 im Winter so besonders und so mystisch, im Vergleich zum Mount Everest?
Es war die härteste und die letzte bergsteigerische Challenge. Der Mount Everest wurde bereits im Winter bestiegen.
Ich liebe es, an meine Grenzen zu gehen.
Wie fühlst du dich körperlich und mental im Moment, nach dieser unglaublichen Leistung?
Ich fühle mich großartig. Alle meine Teammitglieder sind gesund und munter nach Hause gekommen und das ist das Wichtigste.
Erzähl uns etwas über deine nepalesischen Partner - wie hast du das Team zusammengestellt und wie wichtig war jeder Einzelne für den erfolgreichen Aufstieg?
Der K2 im Winter ist kein Witz! Die Auswahl der Teammitglieder beschränkte sich nicht nur auf ihre körperlichen Fähigkeiten, sondern sie mussten auch mental topfit sein. Jeder Einzelne musste den unbändigen Willen und die Entschlossenheit haben, das Unmögliche möglich zu machen - für die Menschen auf der ganzen Welt und für die nepalesische Bergsteiger-Community. Ich bin unglaublich stolz auf das gesamte Team! Der Erfolg war nur möglich durch gemeinsame Teamleistung, selbstlosen Einsatz und bedingungslose Einigkeit am Berg.
Nirmal Purja am Dach der Welt, dem Mount Everest im Jahr 2019.
Nims am Gipfel des Everest im Jahr 2019
Was hast du vom „Project Possible" mitnehmen können und wie hat es dir beim K2-Projekt geholfen?
Alle 14 Achttausender in nur sechs Monaten zu besteigen, war natürlich nicht einfach. Es gab jede Menge Höhe und Tiefen. Ich habe aus den Erfahrungen viel lernen können und Wissen gesammelt.
Welche Fähigkeiten aus deiner Zeit beim britischen Special Boat Service haben dir bei dieser Herausforderung am meisten geholfen?
Ich glaube, die wichtigste Fähigkeit ist, im Stress Entscheidungen treffen zu können. Man muss ruhig und gelassen bleiben, egal wie die Situation ist, und eine positive Einstellung haben.
Du hast in einem erstaunlichen Tempo Rekorde gebrochen. Gönnst du dir jetzt eine Pause oder hast du schon die nächste Challenge im Blick?
Ich liebe es, an meine Grenzen zu gehen. Sagen wir es mal so: Wer weiß, was als Nächstes kommt!
Du bist bekannt dafür, dass du nach großen Erfolgen gerne ein bisschen feierst. Wie lange wird diese Party dauern?
Nach so einem Erfolg braucht man einfach eine gute Party! Das ist die pure Erholung. Es macht mich extrem glücklich, alle meine Teammitglieder so happy zu sehen. Das wird sicher noch ein paar Wochen dauern!