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Exploration

Das ist Nouria Newmans unglaubliches Kajak-Abenteuer in Patagonien

Nouria Newman, Ben Stookesberry und Erik Boomer begaben sich in die chilenische Wildnis in Patagonien, um ein Big Water-Abenteuer der Superlative zu erleben.
Autor: Mary Anne Potts
5 min readveröffentlicht am
Der chilenische Teil Patagoniens hat unzählige wilde Flüsse zu bieten, die mit dem Kajak zur wahren Herausforderung werden. Neben den unglaublich großen Wasservolumen und den heftigen Strömungen sorgt vor allem das wechselhafte Wettersystem für jede Menge Unsicherheiten.
Eine große Herausforderung vor einer unglaublichen Szenerie.
Eine große Herausforderung vor einer unglaublichen Szenerie.
Patagonien bietet damit genau die Art von Abenteuer, die die französische Paddlerin Nouria Newman gemeinsam mit ihren amerikanischen Kollegen Ben Stookesberry und Erik Boomer sucht. Über zwei Monate lang war das Team auf insgesamt neun Flüssen unterwegs - und das an Stellen, an deren Nähe sich noch keiner zuvor gewagt hat. An vier Flüssen waren Newman und Co. die ersten, die sich jemals mit den Kajak hinunter wagten - nicht zu vergessen, den Fluss Pasqua, der vor ihrem Abenteuer nur einmal mit dem Kajak versucht wurde. Zusammengenommen haben sie mehr neues Kajak-Terrain in Patagonien erkundet, als jemals irgendjemand zuvor.
Erik, Ben und Nouria
Erik, Ben und Nouria
"Die Bedingungen in Patagonien sind ein bisschen verrückt - sie wechseln sich wirklich schnell", erklärt Newman. "In der einen Minute ist es sonnig, in der nächsten sitzt du in strömenden Regen und überall ist Schnee. Aber auch wenn wir Glück hatten, lassen sich die Bedingungen hier nicht unbedingt als freundlich beschreiben."
Das Ziel des Teams bestand darin, sich die sogenannte "Triple Crown" im patagonischen Kajaking zu sichern - den Baker, den Bravo und den Pasqua, der im Jahr 2017 von einem Team rund um Evan Garcia erkundet wurde.
Zu den abgeschiedenen Flüssen zu kommen, war keine leichte Aufgabe.
Zu den abgeschiedenen Flüssen zu kommen, war keine leichte Aufgabe.
Newman und ihr Team fügten der Triple Crown noch den herausfordernden Ano Nuevo hinzu. Nachdem sie mit dem Auto, dem Bus, der Fähre und einem Flussboat herumreisten, entschloss es sich, sich nebenbei auch an anderen, bisher unbekannten Flüssen zu versuchen. "Wir haben uns dazu entschlossen, uns die Zeit zu nehmen, ansonsten hätten wir es bereut", erinnert sich Newman.
Das Team kämpfte sich - wohlgemerkt, mit einem Boot und dessen Gepäck, das ein Gesamtgewicht von 45 Kilogramm auf die Waage bringt - durch das harte, patagonische Terrain und erkundete insgesamt mehr als 160 Kilometer an Wildwasserflüssen.
Das Team kämpfte sich durch das herausfordernde Terrain.
Das Team kämpfte sich durch das herausfordernde Terrain.
"Der Transport zu den Flüssen war wirklich miserabel", erzählt Newman. "Als wir uns zum Pascua aufmachten, witzelten wir darüber, dass die Herausforderungen der bisherigen Flüsse nur Vorbereitung für den Transport dorthin waren." Um zum Pasqua zu gelangen, mussten sie sich insgesamt 87 Kilometer lang abseits der Wege durch die chilenischen Büsche kämpfen.
Das perfekte Terrain in Patagonien
Das perfekte Terrain in Patagonien
Und genau dieser Fluss war es auch, der Newman und Stookesberry (Boomer musste die Expedition frühzeitig abbrechen) an ihre Grenzen brachte: "Du siehst diese unglaublichen Flussschnellen und denkst dir 'Oh! So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen! Wenn ich mit dem Kajak dort hinein komme, dann bin ich Geschichte. Das kann ich nicht überleben.'"
Die pure Wasserschlacht...
Die pure Wasserschlacht...
Sogar Stookesberry, der die abgeschiedensten und gefährlichsten Flüsse der Welt bereits bestritten hatte, war sichtlich mitgenommen und dachte ans Aufhören. Newman überredete ihn, es zumindest zu versuchen. "Ich sagte zu ihm: 'Ben, wenn der Pasqua nicht gefährlich und einfach wäre, dann würden wir ihn gar nicht kennen. Wir sehen uns zumindest den Anfang an. Und wenn wir uns dazu entschließen, wieder raus zu wandern, dann wandern wir wieder raus.'" Am Ende waren sie dank Newmans Überzeugungsrede erfolgreich!
Nouria Newman wusste ihren Teamkollegen zu überzeugen.
Nouria Newman wusste ihren Teamkollegen zu überzeugen.
Newman stieg bereits mit fünf Jahren in ihrer Heimat La Plagne in Frankreich in das Kajak und war zu diesem Zeitpunkt sogar schon im Wettbewerb vertreten. Damals war neben ihr nur ein weiteres Mädchen vertreten, die aber zehn Jahre älter als Newman war. Ihre Eltern waren nicht gerade begeistert von dem Sport, da sie noch nicht schwimmen konnte. Das lernte sie aber schnell nach, womit sie dem Kajak-Club am Ende doch beitreten durfte - eine frühes Anzeichen für ihre unglaubliche Beharrlichkeit.
Zwischen 2007 und 2017 war sie in allen möglichen Wettbewerben vertreten. 2013 erlangte sie gar den Weltmeistertitel im Extrem-Kajaking. Weitere Triumphe waren die logische Folge, aber der Druck des Wettbewerbs machte ihr irgendwann keine Freude mehr.
Nouria Newman in Patagonien.
Nouria Newman in Patagonien.
"Ich glaube, ich habe damals mein Limit erreicht", erinnert sie sich. "Ich verletzte mich und ich schaffte es danach niemals wirklich zurück. Die Ergebnisse passten nicht. Immer wieder versuchte ich mich an den selben Rennen - irgendwann brannte ich vollkommen aus."
Newman wollte ihre ganz eigenen Abenteuer erleben - etwa in Form einer Solo-Mission in das Himalaya-Gebirge in den Jahren 2018 und 2019. "Ich glaube, ich brauchte einfach die Zeit für mich selbst. Am Ende stellte sich heraus, dass das die beste Idee der Welt war." Wie das nun immer der Fall ist, verlief nicht alles problemlos. So wurde sie von der Polizei gestoppt und die große Höhe machte ihr zu Schaffen. Im August 2019 reiste sie dann nach Tibet, um dort drei Flüsse zu erkunden.

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Solo-Kajakfahren im Himalaya

Folge dem Vlog von Kajakfahrerin Nouria Newman, die sich auf eine tückische Solo-Expedition im Himalaya begibt.

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"Nouria ist eine extrem selbstbewusste und aggressive Paddlerin, die in Sachen Skills zu den Besten der Welt gehört", zeigt sich Stookesberry begeistert. "Was sie aber so besonders macht, ist ihr Appetit auf Neues und ihre Furchtlosigkeit, dieses Neue zu erkunden. Mit einem Kajak auf den Schultern einen Berg hochzuklettern und sich in den kulturellen Gegebenheiten zurechtzufinden, sind eine Herausforderung für sich. Es reicht nicht, mit dem Kajak einfach nur auf atemberaubenden Flüssen unterwegs sein zu wollen; du musst auch allem rundherum etwas abgewinnen können. Du brauchst die Leidenschaft für die Gesamtheit des Abenteuers, um am Ende erfolgreich zu sein.