Fechten

Olga Kharlan: Ganz schön gefährlich

Die Ukrainerin ist derzeit die beste Säbelfechterin der Welt. Und sie ist die attraktivste.
Autor: Red Bulletinveröffentlicht am
Olga Kharlan: Portrait
Olga Kharlan: Portrait
Marylin Manson sei Dank: Olga Kharlan ist Weltmeisterin im Säbelfechten (9. August 2013 in Budapest). Der Schock-Rocker gehört bei Turnieren zur traditionellen musikalischen Vorbereitung der Ukrainerin. Wie tickt eine 22jährige, die olympische Ringe am Autokennzeichen hat, Selbstvertrauen aus Selbstgesprächen schöpft und auch in Männermagazinen zu sehen ist? Das Red Bulletin hat nachgefragt.
Fechten ist, sagen wir, keine der ganz großen Sport arten dieser Welt. Wie bist du denn dazu gekommen?
Ich erinnere mich genau an den Tag, als ich zum ersten Mal davon gehört habe. Ich war ein Kind voller Energie, die irgendwie rausmusste. Also war ich sehr viel tanzen. Aber als ich zehn war, sagte meine Mutter: „Olechka, tut mir leid, aber wir können uns deine Tanzstunden nicht mehr leisten.“ Da schlug mein Patenonkel, der als Fechttrainer arbeitete, vor, dass ich einfach zu ihm in den Klub kommen soll.
Wettbewerbsmäßig wird mit Degen, Florett und Säbel gefochten. Warum hast du dich für den Säbel entschieden?
Degen und Florett sind reine Stoßwaffen. Der Säbel ist die einzige Waffe, bei der man auch punktet, wenn man den Gegner mit der Klinge trifft, nicht nur mit der Spitze. Die Waffe ist sehr agil, die Gefechte sind wahnsinnig schnell, viel dynamischer als bei Degen und Florett.
Wie ging es dir mit der Olympiabronzemedaille in London um den Hals?
Nach London kam ich mit dem Ziel, wieder Olympiasiegerin zu werden wie schon zuvor in Peking. Ich dachte, wenn ich das nicht schaffe, stürzt mich das in eine tiefe Depression. Dann gewann ich Bronze und fand heraus, dass es gar nicht so schlimm ist. Sobald du auf einem olympischen Podium stehst, bist du ein Gewinner.
Wie anstrengend ist dein Training?
Ich verbringe acht Stunden in der Turnhalle, sechs Tage die Woche, mit allgemeinem körperlichen Training und ganz spezifischem Fechttraining. Da üben wir gewisse Finten und Manöver und feilen an der Technik.
Schon mal dran gedacht, den Wecker auszuschalten, die Turnhalle zu vergessen und einfach mit Freunden abzuhängen wie eine normale 22Jährige?
So wenig Freizeit zu haben, das ist der härteste Teil meines Jobs. Wenn ich aber dann doch mal ein wenig Zeit habe, verbringe ich sie mit zwei Freundinnen, die ich kenne, seit ich sechs war. Die haben nichts mit Fechten am Hut. Wir gehen ins Kino, quatschen, haben Spaß. Das tut mir gut, denn manchmal geht sogar mir das Fechten auf die Nerven.
Welche Musik bringt dich vor einem Gefecht in die richtige Stimmung?
Ich liebe Musik und höre sie überall – im Auto, zu Hause, beim Training. Musik gehört natürlich auch zu meiner Vorbereitung auf ein Gefecht. Ich habe alles Mögliche auf meinem iPod, von Metallica bis Justin Bieber. Wenn sich mein Freund meinen iPod schnappt, ist er immer wieder überrascht, neulich hat er die Kopfhörer abgesetzt, den Kopf geschüttelt und gesagt: „Hä? Marilyn Manson?“
Dein Aussehen verschafft dir genauso viel Aufmerksamkeit wie dein sportlicher Erfolg. Happy mit dem Ruf als Fecht-Pinup?
Es schmeichelt mir, dass mich Menschen hübsch finden, aber Komplimente sind mir unangenehm. Das Fotoshooting für ein ukrainisches Männermagazin hat Spaß gemacht – aber die Folgen waren nicht nur positiv. Meine Eltern waren okay damit, aber meine Trainer haben nicht verstanden, warum wir (Olga und ihre beiden Teamkollegen, Anm.) das getan haben. Danach habe ich zwar gesagt, ich würde nicht mehr für ein Magazin posieren, aber wer weiß...
Du lebst immer noch in der Stadt, in der du aufgewachsen bist: Mykolaiv in der Nähe von Odessa. Du bist wohl eine lokale Berühmtheit?
Nicht wirklich. Fechten ist in der Ukraine nicht besonders populär. Mein Auto fällt eher auf als ich – oder besser gesagt, das Nummernschild, weil es meinen Namen und die olympischen Ringe trägt (das Auto war ein Geschenk des ukrainischen Fechtverbandes nach Kharlans Olympiasieg in Peking 2008; Anm.).
Bist du nach all deinen Erfolgen immer noch nervös vor einem Gefecht?
Immer! Selbstvertrauen ist eine komische Sache. In einer Minute hast du es, zwei Sekunden später ist es verschwunden. Das Wichtigste ist, sich von negativen Gedanken abzulenken. Meine innere Stimme hilft mir dabei. Deswegen führe ich oft Selbstgespräche – aber leise.
Olga Kharlan: Action
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