Gaming
Es gibt nicht viele Spiele, die binnen kürzester Zeit für anhaltende Gänsehaut und eine emotionale Achterbahnfahrt sorgen. Das Metroidvania-Abenteuer Ori and the Blind Forest der österreichischen Moon Studios aus dem Jahr 2015 war so eines. Jetzt ist mit Ori and the Will of the Wisps endlich der langersehnte Nachfolger erschienen, der den Erstling in allen Belangen überflügelt. Ein wunderschönes Abenteuer, das sich niemand entgehen lassen sollte.
Gänsehaut garantiert: Die Geschichte von Ori and the Will of the Wisps
Die Handlung von Ori 2 fängt ziemlich genau da an, wo die packenden Geschehnisse des Vorgängers aufgehört haben. Gemeinsam mit seinen Freunden Naru und Gumo kümmert sich der kleine Waldgeist Ori um die niedliche Eule Ku, deren Flügel aufgrund der Ereignisse im ersten Teil stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Gemeinsam peppelt das Trio den niedlichen Kauz wieder auf, repariert den Flügel und wohnt dem ersten Flugversuch des Kleinen bei. Bereits in diesen ersten Minuten wird euch Ori and the Will of the Wisps mit seinen wunderschönen Animationen, dem farbenfrohen Grafikstil und einem unglaublich atmosphärischen Soundtrack emotional berühren. Gänsehaut ist garantiert.
Kurz darauf schwingt sich Ori auf Kus Rücken, um gemeinsam mit der Eule den heimischen Nibel-Wald hinter sich zu lassen. Doch der erste große Ausflug endet in einer Katastrophe: die beiden geraten in einen heftigen Sturm, der das illustre Duo auseinander reißt und unsanft im düsteren Niwen landen lässt.
Also macht sich Ori auf die Suche nach seinem Freund, um gemeinsam die Rückreise anzutreten. Dass sich das aber nicht also so einfach entpuppt, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat, dürfte klar sein.
Damit setzt Ori and the Will of the Wisps den Grundstein für ein schlicht grandioses Metroidvania-Abenteuer, dass euch gut und gerne 30 Stunden lang bestens unterhalten wird und mit seiner herausragenden Technik und packenden Geschichte – die ganz ohne Sprachausgabe auskommt – abwechselnd zu Tränen rühren oder staunen lässt.
Metroidvania mit neuen Ideen – Das Gameplay von Ori 2
Story, Atmosphäre und Technik bewegen sich also noch ein gutes Stück über dem grandiosen Vorgänger. Doch vor allem aus spielerischer Sicht hat sich im Vergleich zum Debüt vor fünf Jahren eine Menge getan.
Ori and the Blind Forest war bereits ein gelungenes Metroidvania, stellenweise aber derart knackig, dass wir vor Wut in den Controller gebissen haben. Glücklicherweise stehen uns im Nachfolger vor Beginn drei verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Wahl, mit denen sich das Game ganz an die persönlichen Fähigkeiten und Vorlieben anpassen lässt. Doch zu einem simplen Sonntagsausflug verkommt das Abenteuer sogar auf der niedrigsten Stufe nicht.
Spielerisch bietet Ori and the Will of the Wisps absolut alles, was ein gutes Metroidvania können muss: Eine gigantische Spielwelt voller freischaltbarer Abkürzungen und Geheimnisse, knackige Geschicklichkeitsabschnitte und intensive Kämpfe gegen allerlei abwechslungsreiche Standard- und Bossgegner.
In seiner optischen und spielerischen Abwechslung, sowie seinen Spielmechaniken lässt Will of the Wisps sogar das Who-is-Who des Genres wie Dead Cells oder Hollow Knight hinter sich – mehr Metroidvania geht kaum.
Mehr als ein kunterbuntes Knuddel-Abenteuer
Wie bereits erwähnt hat Ori 2 aus spielerischer Sicht mächtig zugelegt. Abseits der Haupt-Story, die nach dem Ende von Akt 1 (und somit nach rund 5-6 Spielstunden) erst richtig Fahrt aufnimmt, wartet das Abenteuer um den Waldgeist mit etlichen optionalen Nebenbeschäftigungen auf. Darunter Sammelaufgaben, Botengänge und sogar Zeit-Rennen, die ihr online gegen die Geister anderer Spieler absolviert. Natürlich allesamt gespickt mit kniffligen Rätseln, die eure grauen Zellen fordern.
Vor allem in den intensiven Kämpfen hat der kleine Geist aber einige neue Tricks auf Lager. Reichte im Erstling noch eine Attacke des Geistbegleiters Sein, kämpft sich Ori jetzt alleine durch die wunderschöne Spielwelt.
Damit die fiesen Käfer, Pflanzen, Moskitos oder Spinnen dem kleinen Kerl nicht in die Knie zwingen, greift Ori jetzt auf verschiedene Fähigkeiten und Waffen zurück, die sich – einmal erlernt – auf die drei Aktionstasten des Xbox-Controllers legen lassen.
So heizt ihr den Bösewichten mit einem Geisterschwert, Pfeil und Bogen oder mächtigen Speer ein. Das sorgt einerseits für mehr Abwechslung, steigert andererseits aber zusätzlich den Anspruch, denn jetzt wollen Angriffsmuster und Bewegungen der Gegner verinnerlicht und ausgenutzt werden, um Erfolg zu haben.
Auf der anderen Seite federn aber fair verteilte Rücksetzpunkte und eine brandneue Selbstheilungs-Funktion diese Spitzen wieder gekonnt ab. Ori 2 ist knackiger, abwechlungsreicher und doch fairer und befriedigender, als sein Vorgänger.
Das vielleicht schönste Spiel des Jahres?
Das Spiele-Jahr 2020 ist noch jung und die großen Highlights kommen erst noch. Und ja, Geschmäcker sind verschieden: die Einen bevorzugen einen möglichst realistischen Grafikstil, während die Anderen einen abstrakten Look schätzen.
Egal zu welcher Gruppe ihr gehört, eines ist klar: Ori and the Will of the Wisps ist ein technisches Meisterwerk und könnte mit seiner farbenfrohen Comic-Optik direkt aus einem Märchenbuch entsprungen sein.
Das betrifft nicht nur die detailverliebte und abwechslungsreiche Spielwelt, sondern auch die butterweichen Animationen oder die ausdrucksstarke Mimik der Figuren. In Kombination mit dem wunderschönen Soundtrack wird Will of the Wisps zu einem wahren Feuerwerk für die Sinne.
Allerdings wird das Spaß – zumindest in unserer Testversion – noch durch unschöne Ruckler und Slowdowns, sowie einige kleinere Bugs getrübt. Einen Großteil davon konnte der umfangreiche Day-One-Patch jedoch bereits ausmerzen.
Doch selbst trotz dieser kleineren Macken ist Ori and the Will of the Wisps eine erstklassige Fortsetzung, die alle Stärken des Vorgängers (und das waren bereits einige) nochmals verbessert und erweitert.
Ori and the Will of the Wisps ist ein absolutes Meisterwerk und zumindest eines der besten Metroidvania-Games aller Zeiten. Absolute Pflichtlektüre für alle Spieler auf PC und Xbox One.