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Simracer Patrik Holzmann über seinen Weg vom Mechaniker zum F1 Esport-Star

© Getty Images
Autor: Jamie Hunt-Stevenson / Alex Feleki
Patrik Holzmann ging früher unter echten Motorhauben zu Werke, heute sitzt er lieber hinter dem (virtuellen) Steuer von Red Bull Racing Esports.
Wie wird man professioneller Esportler? Das fragen sich viele begabte Gamer, die nach Alternativen zu ihrem Job suchen. Nun, viele junge Gamer werden bereits engagiert, bevor sie einem festen Beruf nachgehen. Bei etwas älteren Gamern kann dies fast schon zufällig passieren - bei einem der vielen Scheidewege im Leben.
Genau letzteres trifft bei Patrik Holzmann zu. Vor einigen Jahren hätte man den 26-jährigen Red Bull Esports Fahrer eher in der Werkstatt gefunden als vor dem Monitor. "Mein Leben ist heute um einiges aufregender als früher", gesteht der gelernte Mechaniker. Mit Ehrgeiz und Entschlossenheit sicherte sich das Simracing-Ass einen Platz im Red Bull Team.
Wir haben uns mit dem deutschen Esportler zusammengesetzt, um mehr über seinen aufregenden Weg in die Esport F1 Szene zu erfahren.
Schon in frühen Jahren war Holzmann vom Motorsport fasziniert: "Als Kind sah ich mir alle Formel 1 Rennen mit meinem Vater im Fernsehen an."
Zeitgleich entdeckte er seine Liebe zu Videospielen. Sonys PS1 verpasste dem jungen Holzmann die erste aktive Auseinandersetzung mit seinem Lieblingsgenre - den Rennspielen. "Ich hab viele Racinggames gespielt, doch am stärksten sind mir F1 1999 und Gran Turismo in Erinnerung geblieben."
Doch der Weg vom begeisterten Gamer zum professionellen Esportler musste noch auf sich warten lassen. "Nachdem ich mit der Schule fertig war und keine Ahnung hatte, was ich in Zukunft machen wollte, nahm ich eine Lehre als Straßenbauer an. Mein Onkel brachte mich dort hinein, da er selbst in diesem Berufsfeld tätig war", erinnert sich Holzmann an seinen ersten Job.
A photo of Patrik Holzmann
Simracing - die jüngste Karriere von Holzmann
"Nach drei Jahren hatte ich dann genug vom Straßenbau und war wieder auf der Suche, was ich auf lange Sicht arbeiten könnte", erklärt er uns. "Ich war froh über die Erfahrung und kam wesentlich reifer heraus, das werde ich nie vergessen. Dann arbeitete ich ein Jahr als Software Entwickler, was zunächst vielversprechend aussah. Doch im Laufe des Jahres merkte ich, dass ein non-stop Bürojob auch nicht das Richtige für mich war."
Danach folgte seine Lehre und Arbeit als Mechaniker. "Ich kann mich nicht genau daran erinnern, wie es dazu kam. Auf einmal war die Chance da und ich mochte diesen Job mehr als die beiden vorangegangenen. So führte ich ihn einige Jahre aus, bis der F1 Esports 2018 Pro Draft mein Leben veränderte und ich zum Vollzeit Simracer wurde", so Holzmann über die entscheidende Abzweigung.

Werdegang zum Simracer

Man könnte meinen, dass die früheren Jobs perfekt zum Einstieg ins professionelle Simracing führten, doch Holzmann hatte es weder geplant noch erwartet. "Simracing habe ich seit jeher geliebt, doch ich dachte nie daran, dass daraus eine profitable Karriere werden könnte. Geld war nie im Vordergrund - ich fuhr die Rennen, weil ich ungeheuren Spaß daran hatte."
A photo of Patrik Holzmann
Patrik Holzmann in Arbeitskleidung
Seine Leidenschaft und Hingabe blieb nicht unbemerkt - 2018 wurde er beim F1 Esports Pro Draft von Toro Rosso engagiert. Im folgenden Jahr wurde das Red Bull Racing Esports Team gegründet.
"Ich war zum Glück von Anfang an beim Red Bull Racing Esports Projekt dabei und konnte miterleben wie es wuchs und neue Leute beitraten und wir in mehreren Wettbewerben aktiv wurden. Dafür bin ich sehr dankbar und ich hoffe, es wird nicht so bald enden".

Blick zurück, Blick nach vorne

"Ich hatte schon tolle Momente in meiner Simracing Karriere. Der unglaublichste bleibt jedoch der Sieg beim F1 Esports 2018 Pro Draft. Es war es, der mir die Tür zum professionellen Esport aufschlug und ich in dieses Team kam."
Viele der Top Esportler erreichen die Weltrangspitze durch schonungslose Effizienz und ernste Entschlossenheit, deswegen ist Holzmanns Enthusiasmus beim kompetitiven Spiel wie ein frischer Wind. Obwohl er alle Fähigkeiten besitzt ein Top Simracer zu sein, zeichnet ihn seine gelassene Art während den Wettbewerben aus. Dies möchte er in Zukunft auch beibehalten und weiterhin Spaß an der Sache haben.
"Ich habe keine spezifischen Wettbewerbs-Ziele. Es gibt tolle dritte Plätze und es gibt enttäuschende dritte Plätze, am wichtigsten ist es jedoch mit seiner Leistung zufrieden sein zu können. Wenn ich am persönlichen Limit fahre und mich stets verbessern kann, werden die tollen Rennen schon passieren."
Holzmann hat sich seine jetzige Position hart erarbeitet, doch er erinnert sich stets daran, dass sein Leben auch anders hätte aussehen können: "Ich führe mir stets vor Augen, was für ein Glückspilz ich doch bin, das machen zu können was ich liebe. Ich darf viele fantastische Orte auf der Welt sehen und mit Freunden tagtäglich trainieren. Ich freue mich über jeden einzelnen Tag in diesem Job."