Lokalmatador Ogier kennt die Strecke besser als jeder andere
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Rallye

Rallye Monte-Carlo: Alles was du zum Start der WM 2021 wissen musst

Die WRC-Saison beginnt traditionell im Fürstentum Monaco. Wir haben den Journalisten David Evans gebeten, uns zu verraten, wer Sébastien Ogiers Hoffnungen auf den Rekordsieg zu Hause zerstören könnte.
Autor: David Evans
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Rallye Monte-Carlo

Thierry Neuville

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Man könnte meinen, sieben Mal die Rallye Monte-Carlo zu gewinnen, wäre genug. Falsch! Für Titelverteidiger Sébastien Ogier würde ein weiterer Erfolg alles bedeuten. Aber ist der Franzose dieser Herausforderung auf seiner Heimstrecke gewachsen?
Wenn es jemand ist, dann Ogier, denn niemand kennt die Strecke besser als er. Nach der zweiten Etappe am Donnerstagnachmittag fährt Ogier mit seinem Toyota Yaris WRC ins unweit gelegene Forest-St-Julien, das Dorf, in dem er aufgewachsen ist und von dem Leben geträumt hat, das er jetzt lebt.
7 Siege und immer noch nicht genug? Ogier ist jetzt schon der erfolgreichste Fahrer in der 110-jährigen Geschichte der berühmtesten Rallye der Welt - niemand hat mehr Titel in der Tasche. Aber ein Mann hat in Monte-Carlo genauso oft gewonnen wie er - Sébastien Loeb.
Die beiden Sébastiens haben sich in der Vergangenheit heiße Duelle geliefert, auch abseits der Strecke. Die Zeit, in der Ogier 2011 das auf Loeb konzentrierte Team von Citroën verließ, ist aber längst vergessen. Nun hat Ogier die einmalige Chance sich mit einem Triumph bei der Rallye in seiner Heimat unsterblich zu machen.
Der achte Sieg diese Woche würde ihn nicht nur zum alleinigen Rekordhalter machen, sondern auch die Anzahl seiner Siege auf das Doppelte erhöhen, im Vergleich zu den Siegen, die jeder andere erreicht hat. Es wäre ein Rekord, der für eine sehr lange Zeit bestehen würde - vielleicht sogar ein Rekord für die Ewigkeit.
Sebastien Ogier vom Team Toyota Gazoo Racing WRT an Renntag 1 bei der WM in Monte-Carlo in Gap, Frankreich, am 24. Januar 2020.
Die Menschen werden weniger sein, aber die Straßen bleiben gleich
Jetzt oder nie! Der 38-Jährige sollte eigentlich schon die Füße hochlagern und seinen sportlichen Ruhestand in vollen Zügen genießen. Nach einem COVID-geplagten Jahr 2020 hat Ogier seinen Vertrag bei Toyota aber um ein weiteres Jahr verlängert. Denn wenn der Vorhang nach einer glänzenden Karriere wie dieser fällt, sollte auch gefeiert werden dürfen.
Und man darf Großes erwarten von Ogier. Trotz eines schweren Crashs kurz vor Gap bei einer Testfahrt letzte Woche, rechnen alle damit, dass er beim Saisonauftakt ganz vorne mitmischen wird.

Wer kann Ogier aufhalten?

Mit dem Sieg von Thierry Neuville letztes Jahr in Monte-Carlo wurde Ogiers Serie von sechs Siegen in Folge in den französischen Alpen beendet. Das Tempo des Belgiers bei der letzten Etappe 2020 war einfach überragend. Beim Start ganz in der Nähe von Monacos berühmtem Casino setzte Neuville alles auf eine Karte und triumphierte in außergewöhnlicher Manier. Er verwies sowohl Ogier als auch den langjährigen Leader Elfyn Evans auf die Plätze und holte sich seinen ersten Sieg im Fürstentum.
Thierry Neuville vom Team Hyundai Shell Mobis WRT an Renntag 3 bei der WM in Monte-Carlo in Gap, Frankreich, am 25. Januar 2020.
Thierry Neuville und sein sensationeller Sieg in Monte-Carlo letztes Jahr
Die Chance auf den Doppelsieg von Neuville ist Ende letzter Woche aber gesunken. Erst kürzlich wurde bekannt, dass er sich von seinem langjährigen (9 Jahre) Copiloten Nicolas Gilsoul getrennt hat. Neuville wird nun vom vergleichsweise unerfahrenen Martijn Wydaeghe zu seiner Rechten durch die Berge geführt. Es wäre naiv zu glauben, dass dies keinen Einfluss auf Neuvilles Siegchancen haben wird.
Evans ist dagegen mehr als bereit loszulegen. Nachdem er die Feiertage damit verbracht hat, sich über den verpassten Titel im letzten Jahr zu ärgern, will der 33-jährige Brite nun die Mission zu Ende bringen, die er vor 12 Monaten gestartet hat. Bei der Rallye Monte-Carlo 2020 lag Evans die Hälfte der Etappen in Führung und rutschte schließlich am letzten Tag auf den dritten Platz zurück.
„Ich werde mein Bestes geben," lächelt Evans ohne große Worte zu verlieren. „Monte ist immer schwierig, auch an den besten Tagen, aber in diesem Jahr gibt es sehr viel Schnee und es wird noch komplizierter, auch was die Reifenwahl angeht. Aber wir haben Erfahrung und hatten letztes Jahr einen guten Speed."
Elfyn Evans vom Team Toyota Gazoo Racing WRT an Renntag 3 bei der WM in Monte-Carlo in Gap, Frankreich, am 25. Januar 2020.
Schafft Elfyn Evans dieses Mal den Sprung nach ganz oben?

Kein Déjà-vu für Tänak nach dem Crash im letzten Jahr

Ott Tänak erlebte letztes Jahr in Monte-Carlo einen seiner schwersten Unfälle seiner Karriere, als er mit seinem Hyundai nach nur dreieinhalb Etappen von der Straße abkam. Der Rallye-Weltmeister von 2019 - der einzige Nicht-Franzose, der den Titel seit Petter Solberg 2003 innehat - ist aber zuversichtlich, dass der Crash keinen Einfluss auf seine Performance in diesem Jahr haben wird.
„Das ist jetzt schon lange her und es war auch nicht mein erster Unfall," sagte Tänak. „Ich werde mit einem klaren Kopf nach Monte-Carlo kommen - das ist das Einzige, was ich machen kann. Hier muss man schnell sein, aber es ist auch eine Rallye, die man verstehen muss."
Und der Mann aus Estland hat Recht! Ein Sieg in Monte-Carlo ist wie das letzte Teil eines Puzzles. Es ist das Resultat von vielen schwierigen und richtigen Entscheidungen. Dabei geht es darum die richtigen Reifen zu wählen, geduldig zu sein, wenn man die falschen gewählt hat (und das wird der Fall sein), das Wetter richtig einzuschätzen und letztendlich sehr, sehr viel Mut zu beweisen.
Ott Tänak vom Team Hyundai Shell Mobis WRT an Renntag 2 bei der WM in Monte-Carlo in Gap, Frankreich, am 24. Januar 2020.
Ott Tänak denkt nicht mehr an den Crash vom letzten Jahr

Die Italiener sind zurück

Pirelli kehrt zum ersten Mal seit 2010 wieder als offizieller Reifenpartner in die WRC zurück und wagt gleich den Sprung ins kalte Wasser.
„Monte ist einfach der perfekte Ort für uns, neue Reifen zu probieren," meint Tänak, natürlich sarkastisch.
Denn was die Reifen angeht, ist Monte-Carlo zweifellos das komplizierteste Event im Rennkalender. In der Regel haben die Teams die Wahl zwischen zwei Reifen, diese Woche sind es gleich vier: soft, super-soft (für kalte, nasse und eisige Bedingungen), Winterreifen ohne Spikes (für mäßig winterliches Wetter), und Winterreifen mit Spikes (wenn der Winter sein wahres Gesicht zeigt).
Erschwert wird die Reifenwahl zusätzlich durch eine Änderung im Zeitplan. Um die Veranstaltung im Rahmen der von der französischen Regierung verhängten Ausgangssperre zwischen 18:00 Uhr und 06:00 Uhr durchzuführen, hat der Automobile Club de Monaco die meisten Etappen um zweieinhalb Stunden vorverlegt.
Aber was bedeutet das? „Verdammt frühes Aufstehen," jammert Elfyn Evans beim Gedanken an Weckrufe um 4 Uhr morgens. „Aber das ist nicht das größte Problem. Wir werden in der Dunkelheit starten und es ist alles andere als einfach, einen Reifen zu finden, der für die erste Etappe und drei Stunden später für die dritte Etappe funktionieren wird."
Dafür geht die diesjährige Rallye Monte-Carlo über die kürzeste Strecke in der Geschichte. Auf insgesamt 14 Etappen müssen die Fahrer 258 km zurücklegen. Aber es ist und bleibt die Rallye, jeder Fahrer unbedingt gewinnen will, nur ein Mann will den Sieg noch mehr als alle anderen.
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