Christopher Nkunku
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Fußball

Oui, Christopher! So schaffte Nkunku den Aufstieg zum Führungsspieler

Die French Connection bei RB Leipzig rockt vor dem alljährlichen Champions League-Hit in Paris. Ein Porträt über Dreierpacker und Hobby-Barbier Christopher Nkunku.
Autor: Dominik Sander
4 min readveröffentlicht am
„Wem's zu wohl ist, der zieht nach Gohlis“, heißt es im Leipziger Volksmund. Knapp vier Kilometer trennen das Trainingsgelände der Roten Bullen am Cottaweg vom besagten Stadtteil. Exakt hier hat auch der aktuelle Top-Scorer und Kreativ-Kopf von RB Leipzig sein privates Reich. In wie weit die fast wöchentlichen Galavorstellungen von Christopher Nkunku (neun Tore, drei Vorlagen) der Tatsache geschuldet sind, dass er fast Tür an Tür mit seinem Trainer Jesse Marsch lebt, können wir an dieser Stelle nur mutmaßen.
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Jedenfalls gehört der Franzose, über den sein Coach sagt, er habe „praktisch keine Schwächen“, zu den klaren Gewinnern des Trainerwechsels. Unter Vorgänger Julian Nagelsmann (jetzt Bayern München) war Nkunku zwar auch gesetzt. Allerdings auf der linken Außenbahn, manchmal als linker Teil der Fünferkette. Jesse Marsch zog seinen 24 Jahre jüngeren „Nachbarn“ in die Offensivzentrale und gewährt ihm in dessen dritter Saison im RBL-Trikot viele Freiheiten.

Instinktfußballer mit mehr Muckis

„Mein Leben hat sich total geändert, ich sehe alles positiver und trage nun viel mehr Verantwortung“, beschreibt Christopher Nkunku. Und damit weiß der Mann mit den markanten Rasta-Zöpfen entsprechend umzugehen. In den Heimspielen gegen Hertha BSC (6:0) und den VfL Bochum (3:0) schnürte er jeweils einen Doppelpack. Hierbei stachen vielen Fans in der Red Bull Arena zwei Dinge ins Auge: Der Franzose netzt - wie beim Außenrist-Tor im Bochum-Spiel - auch aus Situationen, die gar keine Top-Chancen sind.
Das Fußball-Lexikon führt Spieler wie Nkunku unter der Kategorie „Instinktfußballer“. Seine Gegenspieler treibt der leichtfüßige, pfeilschnelle Dribbler in den Wahnsinn. Weder sie, noch er selbst wissen, was im nächsten Moment passiert. Der Top-Scorer entscheidet instinktiv - und kann sich in Eins-gegen-Eins-Situation auch deshalb viel öfter durchsetzen, weil er über die Sommerpause dutzende Stunden mit einem Privattrainer verbracht hat.

Wann ruft Monsieur Deschamps an?

Die dazugekommenen fünf Kilo Muskelmasse haben ihren Effekt nicht verfehlt. Sogar Manchester City-Coach Pep Guardiola schnalzte mit der Zunge, nachdem Christopher Nkunku seinem Team beim wilden 3:6 in der Champions League drei Buden eingeschenkt hatte. Einen Platz in der berühmten „Super Super“-Rubrik des Spaniers hat er seither sicher. Und bei Nationalcoach Didier Deschamps? „Ich war ein bisschen überrascht, dass Christo während der Länderspiel-Pause hier in Leipzig war“, sagt Jesse Marsch.
Ein Anruf des französischen Weltmeister-Machers scheint aber nur noch eine Frage der Zeit. Als einziger RBL-Profi traf Nkunku in allen drei Wettbewerben (Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League), hat dabei seine Tor-Ausbeute von sieben Treffer in der Saison 2020/21 schon jetzt übertroffen. Womöglich nimmt Monsieur Deschamps den Leipziger am 19. Oktober persönlich unter die Lupe.

Im Prinzenpark schaut alles auf „Christo“

Dann gastieren die Roten Bullen im Parc des Princes. Ihnen gegenüber: Das mit Lionel Messi weiter vergrößerte Star-Ensemble von Paris Saint-Germain! Für den im Sommer aus Marseille gekommenen Mohamed Simakan sowie Nordi Mukiele ist das Champions League-Gastspiel in Frankreich ebenso eine Reise in die Vergangenheit. Aus der French Connection ist Nkunku derjenige, der selbst zehn Jahre das Trikot mit dem Eiffelturm getragen hat.
„Auch wenn wir im dritten Jahr in Folge gegen PSG spielen, bleibt es ein besonderes Spiel für mich“, sagt der Rechtsfuß und schwärmt vom Prinzenpark. „Es war fast mein Wohnzimmer und die Fans sind gerade bei Abendspielen frenetisch.“ Im Alter von 13 Jahren von RCP Fontainebleau zur PSG-Akademie gekommen, hatte Christopher Nkunku fast sämtliche Junioren-Teams durchlaufen. Sein Profi-Debüt erlebte er ebenfalls in Königsklasse beim 2:0 gegen Shakhtar Donetsk im Dezember 2015.
77 weitere Einsätze für den Hauptstadtklub sollten ebenso dazukommen wie viele prominente Mitspieler. Im Kampf um Spielpraxis verstand sich der Youngster mit Neymar und Co. nicht immer blendend. Den nächsten Schritt schaffte Nkunku in der Saison 2019/20 durch den Wechsel zu RB Leipzig, wo er nunmehr mit Emil Forsberg und Yussuf Poulsen sowohl auf als auch neben dem Platz harmoniert. Wo auch immer mal Haare oder Bärte zu lang sind, vertrauen sich viele Mitspieler auch gerne dem Hobby-Barbier aus Leipzig-Gohlis an.