Abschied von Dominik Kaiser
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Fußball

Der Durchmarschierer (3/3): Emotionaler Abschied beim „Kaiserball“

Zum Abschied von Dominik Kaiser blicken wir gemeinsam mit ihm auf seine sechs unglaublich erfolgreichen Jahre bei RB Leipzig zurück. Sein Weg führte vom Amateurfußball bis in die Champions League.
Von: Christian Knoth
6 min readPublished on
Mit dem offiziellen Abschiedsspiel für Dominik Kaiser endete eine Ära. Exakt 26.424 Fans verabschiedeten beim „Kaiserball“ den langjährigen Kapitän von RB Leipzig, der seit 2012 für die Roten Bullen am Ball ist und nun nach sechs fantastischen Jahren den Verein verlässt. Als Kaiser nach Leipzig kam, kickte RBL noch in der viertklassigen Regionalliga Nordost. Jetzt spielen die Bullen zum zweiten Mal in Folge international.
Zum Abschluss seiner grandiosen Reise blicken wir gemeinsam mit „Durchmarschierer“ Kaiser auf seinen Weg zurück, der vom Amateurfußball bis in die Champions League führte.

Überragendes Premieren-Jahr in der 1. Liga

In der 1. Bundesliga angekommen, sorgten die Roten Bullen von Beginn an für Furore. Bis zum 14. Spieltag blieben Kaiser & Co. ungeschlagen und führten die Tabelle sogar drei Wochen lang an. Mit dem 0:1 beim FC Ingolstadt endete dann die beeindruckende Serie der Leipziger, die ihre Spitzenposition dadurch an den deutschen Rekordmeister FC Bayern München abgeben mussten.
Weiter nach unten ging es für RBL danach aber nicht mehr. Vom 15. Spieltag an bis zum Saisonende blieb Leipzig hinter dem FC Bayern Tabellenzweiter. Im Premierenjahr in der höchsten deutschen Spielklasse sicherte sich RBL die Vizemeisterschaft, qualifizierte sich direkt für die Champions League und setzte damit ein dickes Ausrufezeichen. Kaiser erinnert sich: „Es war ein überragendes Jahr für RB Leipzig. Unsere erste Saison in der 1. Bundesliga ist glaube ich nicht allzu schlecht gelaufen“, so der Mittelfeldspieler mit einem Grinsen im Gesicht.
Früher 4. Liga, jetzt Bundesliga gegen den FC Bayern: Dominik Kaiser.

Früher 4. Liga, jetzt Bundesliga gegen den FC Bayern: Dominik Kaiser.

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Weniger Einsätze und Verlust der Kapitänsbinde

Während die Saison für RB Leipzig insgesamt nicht besser hätte laufen können, war Kaiser persönlich nicht ganz zufrieden. Der Kapitän kam immer weniger zum Einsatz und musste gelegentlich auf der Ersatzbank Platz nehmen. Durch den Verlust seines Stammplatzes verlor Kaiser später auch die Kapitänsbinde. Verteidiger Willi Orban übernahm die Rolle des Spielführers. In der gerade abgelaufenen Saison wurden Kaisers Einsatzzeiten noch geringer. Lediglich zehn Einsätze standen zu Buche, nachdem es in der Vorsaison noch 25 Partien waren.
Nachfolger von Dominik Kaiser als Kapitän: Willi Orban.

Nachfolger von Dominik Kaiser als Kapitän: Willi Orban.

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„Das war für mich schon enttäuschend. Wie jeder andere Fußballer auch, möchte ich bestenfalls immer in der Startelf stehen. Aber ich habe es hingenommen und weiter alles gegeben. Am wichtigsten war, dass die Mannschaft Erfolg hatte“, sagt Kämpfer Kaiser, der mit den Roten Bullen im zweiten Jahr in der Bundesliga nicht ganz an die vorherige Spielzeit anknüpfen konnte. Mit dem sechsten Platz qualifizierte sich RB aber erneut für einen internationalen Wettbewerb und geht nächstes Jahr in der Europa League an den Start.

„Gigantisches“ Champions League-Debüt

Bei ihrem Einstand auf internationaler Bühne hinterließen die Bullen einen starken Eindruck. In der Gruppenphase bekam es Leipzig mit Besiktas Istanbul, dem FC Porto und dem AS Monaco zu tun. Für einen Einzug in das Achtelfinale reichte es zwar nicht. Durch das Erreichen des dritten Platzes ging es aber in der Europa League weiter, in der sich Leipzig bis ins Viertelfinale vorspielte und erst am späteren Finalisten Olympique Marseille scheiterte (1:0/2:5).
Im letzten Gruppenspiel der Champions League gegen Gruppensieger Besiktas (1:2) erlebte Kaiser seinen ganz besonderen Moment in der Königsklasse. In der Schlussphase kam er ins Spiel und gab sein internationales Debüt. „Damit konnte ich mir einen großen Traum erfüllen. Nur wenige Jahre zuvor war das Ziel, international zu spielen, noch ganz weit weg und es schien völlig unrealistisch. Der Augenblick, in dem ich dann tatsächlich in der Champions League auflaufen durfte, war einfach nur gigantisch“, so der stolze Kaiser.
Dominik Kaiser bei seinem Champions League-Debüt.

Dominik Kaiser bei seinem Champions League-Debüt.

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Noch einmal als Kapitän in der Startelf

Auch, wenn sich Kaiser in der abgelaufenen Saison meist mit der Reservistenrolle abfinden musste: Zwei weitere ganz besondere Spiele sollten nach seinem ersten und bisher einzigen internationalen Einsatz noch folgen. Im letzten Saison-Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (4:1) bekam Kaiser noch einmal das Vertrauen von Trainer Ralph Hasenhüttl. Als Kapitän stand Kaiser von Beginn an auf dem Platz und führte die Bullen zu einem ganz wichtigen Sieg im Rennen um die europäischen Plätze.
„Da hat es sich dann ausgezahlt, dass ich die ganze Saison auf der Höhe war und nie nachgelassen habe. In so einem wichtigen Spiel von Anfang an dabei zu sein, hat gut getan. Weil wir schon früh recht deutlich geführt haben und ich wusste, dass nichts mehr anbrennen wird, konnte ich in meinem letztes Pflichtspiel in der Red Bull Arena sogar die hervorragende Stimmung noch einmal voll und ganz genießen“, sagt Kaiser, der in der 89. Minute unter tosendem Applaus der Zuschauer ausgewechselt wurde.
Applaus für Kaiser nach seinem letzten Pflichtspiel in der Red Bull Arena.

Applaus für Kaiser nach seinem letzten Pflichtspiel in der Red Bull Arena.

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Viele Tränen beim „Kaiserball“

Während schon bei Kaisers Auswechslung gegen Wolfsburg mit den Tränen gekämpft wurde, blieb beim offiziellen Abschiedsspiel für den „Durchmarschierer“ wohl kaum ein Auge trocken. Viele aktuelle und ehemalige Weggefährten von Kaiser und exakt 26.424 Zuschauer in der Red Bull Arena nahmen beim „Kaiserball“ Abschied vom Leipziger Urgestein. „Das war ein schöner und emotionaler Abschluss einer fantastischen Zeit“, resümierte Kaiser, der nach der Partie zwischen dem Team „Domme & Friends“ und der Mannschaft von RB Leipzig (6:1) lautstark vom Publikum verabschiedet wurde.
Erlebte einen traumhaften und tränenreichen Abschied: Dominik Kaiser.

Erlebte einen traumhaften und tränenreichen Abschied: Dominik Kaiser.

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Neue Herausforderung - vielleicht im Ausland?

Dass Kaiser RB Leipzig nun verlässt, hat vor allem einen Grund: „Wenn es nur um den Wohlfühlfaktor ginge, wäre ich sicher geblieben. Ich möchte aber wieder häufiger zum Einsatz kommen und habe mich deshalb bereits frühzeitig entschieden, meinen im Juni auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Noch spiele ich einige Jahre Fußball und ich bin davon überzeugt, dass ich vielen Profiklubs mit meinen Qualitäten helfen kann. Um meine Karriere zu forcieren, war dieser sportliche Schritt notwendig“, erklärt der langjährige RBL-Kapitän.
Wohin es Kaiser nun zieht, ist noch vollkommen offen. „Darüber werde ich mir jetzt Gedanken mit meiner Freundin machen. Auch ein Wechsel ins Ausland ist eine Option.“

Rückkehr nach Leipzig vorstellbar

Mit seinen 29 Jahren befindet sich Kaiser in einem guten Fußballeralter. An ein Karriereende ist also noch lange nicht zu denken. Trotzdem konnten wir uns die Frage nicht verkneifen, ob sich „Domme“ vorstellen kann, irgendwann in anderer Funktion zu RB Leipzig zurückzukehren.
„Das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich habe dem Verein viel zu verdanken. Dass ein Klub jemandem über so viele Jahre hinweg ein so großes Vertrauen schenkt, ist nicht selbstverständlich. Ich blicke auf viele positive Erlebnisse zurück und ich habe in Leipzig viele neue Freunde gewonnen. Da ist es nur logisch, dass ich eine Rückkehr nicht ausschließe“, sagt der „Durchmarschierer“, der bei den Roten Bullen auf jeden Fall unvergessen bleibt - ganz egal, ob er sich irgendwann dazu entschließt, wieder „nach Hause“ zu kommen.
Uns bleibt jetzt nur noch eines zu sagen: DANKE DOMME!
Die Leipzig-Fans bedanken sich bei Dominik Kaiser.

Die Leipzig-Fans bedanken sich bei Dominik Kaiser.

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