ESKEI83 verteidigt den Titel
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Music

Red Bull Thre3style: ESKEI83 verteidigt den Titel

In einem Kopf-an-Kopf-Rennen siegt der amtierende DJ-Champion in München erneut.
Autor: Kevin Schramm
6 min readveröffentlicht am
G’steckt voll ist’s im Ampere in München als kurz vor Mitternacht der Mann mit dem Rauschebart und der tiefen Stimme vor das Publikum tritt. Dan Gerous, der Host des Abends, und Münchens vielleicht bester MC Fitti-Doppelgänger, schwört die bereits extrem gehypte Menge auf das spektakulärste DJ-Battle des Jahres ein: das deutsche Finale des Red Bull Thre3style.
The Venue: das Ampere in München
The Venue: das Ampere in München
Dann erklärt er dem Publikum die Regeln: Sechs DJ treten an, jeder hat 15 Minuten für sein Set und muss in diesem kurzen Zeitfenster mindestens drei verschiedene Musikstile auflegen. Rechts von der Bühne sitzt schon die Jury. 0711-Entertainment-Boss Schowi, Blumentopf-Mastermind Sepalot und der Partyrocker aus Philadelphia, Cosmo Baker sitzen zurückgelehnt in ihren chefigen schwarzen Ledersesseln. Im Schoß haben sie Stift und Bewertungsbogen, um die DJs nach Technik, Originalität der Song-Auswahl, Kreativität des Mixings, Ausstrahlung und auch der Reaktion der Zuschauer zu bewerten. Die DJs können ihre Plattenspieler noch so durchhobeln - wenn die Menge den Sound nicht feiert, ist Feierabend.
Es wird ernst: Air Fuss One aus Frankfurt ist als Erster dran. Host Dan Gerous und die Crowd zählen gemeinsam runter: “Fünf, vier, drei, zwei, eins!”. Gleich zu Anfang macht er klar, dass er – wortwörtlich – vorhat, die Party zu “rocken”, und lässt “TNT” von AC/DC in brasilianische Baile Funk Rhythmen krachen. Als er die überlebensgroßen Bläsersätze von dem Soulklassiker “Ready Or Not, Here I Come” von den Delfonics zerhackstückt und sie in das bösartig marschierende Darth Vader-Theme aus Stars Wars münden lässt, kann er den ersten Szenenapplaus des Abends für sich verbuchen.
Die blonde Leipzigerin DJane Yo-C hatten wohl die wenigsten auf dem Zettel. Dan Gerous kündigt sie als die einzige Frau an, “die die Eier hat sich mit den Jungs anzulegen”. In schwarzen Highheels steht sie hinter den Turntables und schießt zu Beginn “It’s A Man’s World” von James Brown ab. Mit einem verschmitzen Lächeln im Gesicht singt sie mit: “But it would be nothing without a woman or a girl…”. Ansage! Lacher und Probs allenthalben. Ihre 15 Minuten nutzt Yo-C für eine Überraschung nach der anderen. Erst kommt sie mit einem boomenden Edit von dem Girlpower-Track “Wannabe” von den Spice Girls um die Ecke, dann lässt die Crowd zu einem Trap-Remix des Tequila Songs von The Champs mitschreien.
DJane Yo-C zerlegt das Münchner Ampere
DJane Yo-C zerlegt das Ampere
But it would be nothing without a woman or a girl
But it would be nothing without a woman or a girl
Als sie nach einer heftigen Bassabfahrt (Dizzee Rascal – “Bassline Junkie”) einen Remix der Tetris-Melodie droppt, ist alles aus. Die Crowd ist nicht mehr zu halten, Yo-C hat den Laden in der Hand und macht mit ihm, was sie will. Mit Flux Pavillion und “I Can’t Stop” holt sie am Ende zum großen Finishing Move aus und es ist allen klar: Das wird schwer zu toppen. Die Menge tobt, einige klopfen gegen die Wände und verlangen lauthals nach einer Zugabe.
Lokalmatador Sixkay aus München zeigt von welcher Schule er kommt, und warum er mit seiner Crew, den Deckpackers bei Contests schon oft abgeräumt hat. Er bedient den Mixer blind hinter seinem Rücken, greift unter den Beinen durch und holt zur 360 Grad Drehung aus. Eiskalt kreuzt er DMX “Get It On The Floor” mit “Rebell Yell” von Billy Idol, kommt von Queens “Bicycle Race” mühelos zu Trap und Dancehall. Die Leute grooven sich ein und sind nach der gemeinsamen Viertelstunde sichtlich down mit Sixkay.
Der zweite Frankfurter in der Runde, Kitsune, bringt dem Ampere das Rechnen bei. Erst geht’s von “0 to 100” - mit einer basslastigen Version des gleichnamigen Drake-Tracks. Dann singen die Jackson 5 “It’s Easy As One, Two, Three…” bevor er sich mit dem bayerischen Trinkspruch “Oans, zwoa, gsuffa” den Rücken der Münchner Crowd sichert. Schließlich Kitsune geht wirklich mal “way back into time” und flippt Beethovens “Für Elise” - starke Leistung.
Der einzige Maskenmann des Abend, Hix Boson, behauptet, er käme vom Jupiter und bezeichnet sich selbst als “X-traterrestrial Turntable Entertainist”. Zur Begrüßung gibt es Süßigkeiten für das Publikum und böse Bassmucke. Während er den Opus-Klassiker “Live is Life” in “Jump Around” von House of Pain aufgehen lässt, zappelt er wild mit seinen blau angemalten Armen durch die Luft. Blue Man Group meets Red Bull Thre3style. Trotz der ganzen Showeinlagen, zeigt er, dass er sein Handwerk an den Wheels of Steels gelernt hat.
Ganz klar: Das Set von ESKEI83, dem amtierenden deutschen Red Bull Thre3style Champion, ist das, an das die Menge, die höchsten Erwartungen hat. In der ersten Reihe feiert das #TeamEskei83, die treue Fanbase des Dresdners, ihren Mann schon vorher ab. ESKEI83 untermalt die Anmoderation von Host Dan Gerous mit grollenden Donnersounds vom Sampler und allen wird klar: Er will seinen Titel um jeden Preis verteidigen. “Die anderen DJs sind nur Loser, zeig ihnen wie’s gemacht wird!” quäkt Cartman aus South Park im Intro. Was dann folgt, ist ein kompletter Abriss. ESKEI83 ist von der ersten Sekunde an präsent und souverän, lässt die Leute seinen Namen rufen, switcht spielend zwischen Trap (DJ Snake & Lil Jon – “Turn Down For What”), Funk (Jamiroquai – “Deeper Underground”) und Country (Johnny Cash – “Ring Of Fire”).
Bald stürmen ein paar seiner Fans die Bühne und müssen von der Security wieder runtergeholt werden. ESKEI83 macht erst Druck - und steigt dann unvermittelt mit dem sexy Soul-Klassiker “Let’s Get It On” von Marvin Gaye wieder auf die Bremse. Die Menge liegt sich in den Armen und schunkelt. Dann verwandelt er das Ampere mit einem Remix von “Kernkraft 400” von Zombie Nation in ein grölendes Stadion, um danach endgültig in den Superstar-Modus zu schalten. Mit seinem Handtuch macht er den Propeller und klettert auf das DJ-Pult. Die letzte Minute feiert er dort oben mit den Leuten, singt den letzten Track mit und alle sind sich einig: Das war Weltklasse, internationales Niveau.
ESKEI83 ist von der ersten Sekunde an souverän
ESKEI83 ist von der ersten Sekunde an souverän
Die Judges nehmen sich Bedenkzeit und Cosmo Baker ruft mit einem astreinen Set eindrücklich in Erinnerung, was ihn zum Jurymitglied qualifiziert. Keiner geht jetzt nach Hause, die Party rockt. Aber: Alle wollen wissen, wer das Ding nach Hause holt. Es wird diskutiert, Spekulationen geistern durch den Raum. Dann, endlich die Entscheidung: Eine knappe Sache sei es gewesen, zwischen DJane Yo-C und ESKEI83, verkündet die Jury. Yo-C sei anfangs etwas zu nervös gewesen, habe dann aber die Crowd überzeugt. “Aber Eskei ist ein abgezockter Motherfucker. Er hat sich noch verbessert und an seinen Showqualitäten gearbeitet.” sagt Schowi, und somit ist klar: Der alte Champ ist der neue Champ, ESKEI83 gewinnt erneut die National Finals im Red Bull Thre3style und fährt damit im September zur Weltmeisterschaft nach Baku.
ESKEI83 verteidigt den Titel
ESKEI83 verteidigt den Titel
“Ich fühl mich großartig. Es war die richtige Entscheidung nochmal dabei zu sein. Deutschland hat krasses Potential für dieses Format. Hier gibts krasse DJs, das haben wir heute Abend gesehen.” lässt ESKEI83 wissen bevor er auf dem Dancefloor in der Menge verschwindet, um zum Aftershow-Set von Dan Gerous zu tanzen. Irgendwann in den frühen Morgenstunden geht ein wahnsinnig unterhaltsamer Abend zu Ende. Alle sind komplett durchgeshuffelt, musikalisch und körperlich - aber sauglücklich.